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Positive Beeinflussung der Schülermotivation durch Lernfeldorientierung

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis Seite

1.)Einleitung

2.)Definitionen
2.1)Motivationsformen
2.1.1)Extrinsische Motivation
2.1.2)Intrinsische Motivation
2.2)Der Begriff des Lernfelds

3.)Das Lernfeldkonzept und extrinsische Motivation

4.)Das Lernfeldkonzept und intrinsische Motivation

5.)Ist intrinsische Motivation für Schüler im beruflichen Lernen möglich?
5.1)Konkretisierung am Beispiel einer Lernsituation
5.2)Die Projektmethode Instrument zur intrinsischen Motivationsförderung?

6.)Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Lernerfolg und Motivation liegen eng beieinander. Deshalb ist es als angehender Lehrkörper von großer Bedeutung, über die Möglichkeiten zur Schülermotivation informiert zu sein, zugleich aber auch zu wissen, wo die Grenzen liegen und wie man denn im Detail Motivation in der Berufspraxis fördern kann.

Der Klasse ohne Rücksicht auf Verluste kognitives Wissen an den „Kopf zu werfen“, wo die einzige Schülermotivation in der Vermeidung von schlechten Klausurergebnissen liegt, kann und darf nicht das Unterrichtsprinzip eines Berufschullehrers der heutige Zeit sein. Vielmehr sollte er darauf gesinnt sein, den Schüler auf ein mögliches Maximum von Motivation in der Be- und Verarbeitung von Wissen hin zuführen. Als Ergebnis dieser Mühen wird ein qualitativ optimaler Lernerfolg stehen.

In enger Anknüpfung an den Inhalt des Seminars „Leistungsmotivation im beruflichen Lernen“ und die praktische Berufsbildung möchte ich im folgenden Untersuchen, ob und in wieweit die Lernfeldstrukturierung des Berufsschulunterrichtes einen positiven Einfluss auf extrinsische und intrinsische Motivation der Schüler ausübt. Es wird daher auch zu klären sein, ob intrinsische Motivation überhaupt durch ein didaktisches Konzept oder besondere Methodik in irgendeiner Weise gefördert werden kann.

Da das Gegensatzpaar „extrinsische“ und „intrinsische Motivation“ in der Fachliteratur in den verschiedensten semantischen Variationen vorkommt, wird vorab eine klare Bestimmung der Begriffsbedeutung für die Ausführungen dieser Arbeit erfolgen. Zur weiteren Verdeutlichung, ob und in welcher Weise speziell die intrinsische Motivation durch den Lehrkörper beeinflusst und gegebenenfalls verstärkt werden kann, wird im Anschluss an die erste Betrachtungen eine Darstellung und Untersuchung einer konkreten Lernsituation erfogen. Besondere Berücksichtigung findet hierbei die Projektmehode nach dem Verständnis von Karl Frey.

Generell kann jedoch nur eine kurze und relativ oberflächliche Bearbeitung des oben genannten Themas stattfinden, da eine intensivere Auseinandersetzung den gegebenen Umfang der Hausarbeit bei weitem überschreiten würde.

2.) Definitionen

2.1) Motivationsformen

Der Begriff der Motivation, mit dem die „aktivierende Ausrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiv bewerteten Zielzustand“[1] gemeint ist, lässt sich grundsätzlich in die zwei verschiedenen Motivationsformen unterteilen: extrinsische und intrinsische Motivation. Bei der gezielten Benutzung dieser Unterscheidungen tritt folgendes Problem auf: durch der Vielzahl der in der Fachliteratur aufgeführten Definitionen der Fachtermini „extrinsisch“ und „intrinsisch“ kann es leicht zu Verständnisschwierigkeiten kommen. Das Problem einer eindeutigen und umfassenden Definition des Begriffes beruht darin, dass eben derselbe Terminus auf verschiedene Sachverhalte angewendet wird. Aufgrund der Komplexität der sich ergebenden Sachverhalte (Komplexität der Realität) und aus der Vielschichtigkeit der Betrachtungsweisen (Sichtweisen der Psychologie, Pädagogik etc.) ergibt sich eine Vielfalt von Begriffsfindungen. Wenn dann noch in Abhängigkeit vom jeweiligen Forscher differenzierte Akzente gesetzt werden, ist das Chaos nahezu perfekt. In der vorliegenden Arbeit soll daher die schlichte Definition nach Rheinberg (1989) zugrunde gelegt werden.

2.1.1) Extrinsische Motivation

Wenn es einer Person beim Ausführen einer Tätigkeit nur um das Ergebnis, den Erfolg oder die Konsequenzen geht, dann bezeichnet man ein solches Verhalten als extrinsisch motiviert. Wenn ein Schüler zum Beispiel seine Hausaufgaben nur erledigt, um bei der täglichen Hausaufgabenkontrolle des Lehrkörpers nicht aufzufallen, dann geht es ihm in erster Linie nur um das Vermeiden negativer Konsequenzen. Wenn es dem Schüler wichtig wäre, eine gute Note in seinem Fach zu erlangen und er deshalb seine Hausaufgaben immer macht, dann wäre seine Tätigkeit ebenfalls extrinsisch motiviert, allerdings im Unterschied zum ersten Fall zur Erfüllung positiver Konsequenzen. Nach Rheinbergs Definition liegt also der Hauptanreiz einer extrinsisch motivierten Tätigkeit allein im Ergebnis, in dem Produkt. Der Vollzug der zu diesem Ergebnis führenden Tätigkeit liegt nicht im Bereich des Interesses der handelnden Person und macht auch keine Freude. Bernhard Schlag stellt den Charakter der extrinsischen Motivation so dar, dass sie vor allem an der Instrumentalität einer Leistung zur Erreichung äußerer Zwecke interessiert sei[2]. Der erste, der die obige Definition formulierte, war Robert S. Woodworth 1918. Die Auswirkungen der extrinsischen Motivation auf die Lernmotivation eines Schülers ergeben sich wie folgt: diese durch äußere Faktoren beeinflusste und motivierte Handlungsweise bewirkt zum einen nur eine momentane Verhaltensanpassung. D.h. wenn im angeführten Beispiel der Lehrkörper die Hausaufgaben auf einmal nicht mehr kontrollieren würde, dann wäre dem Schüler damit die Motivationsgrundlage entzogen; er würde die Ausführung seiner Hausaufgaben einstellen. Zum anderen ist der Lernerfolg qualitativ und quantitativ ein anderer, d.h. wahrscheinlich ein schlechterer, weil die Instrumentalität der Leistung im Vordergrund steht und nicht der Lerngegenstand selbst. Der zeitliche Aufwand beläuft sich auf ein Minimum, da man ja das Ergebnis mit seinen positiven Konsequenzen vor Augen hat und nur in der Erlangung desselben seine Befriedigung findet.

2.1.2) Intrinsische Motivation

Wenn es einer Person beim Ausführen einer Tätigkeit nur auf den Vollzug ankommt, dann bezeichnet man ein solches Verhalten als intrinsisch motiviert. Die Tätigkeit wird in diesem Fall um ihrer selbst willen ausgeführt und ist deshalb für den Handelnden mit Spaß, mit Freude an der Sache verbunden. Ausschließlich der Prozess der Tätigkeit dient der Befriedigung des Individuums; die zeitliche Komponente ist im Gegensatz zur extrinsisch motivierten Tätigkeit nicht auf ein Minimum begrenzt, denn der Handelnde möchte das Ziel eher hinauszögern, um die Dauer des befriedigenden Prozesses zu erhöhen. Die intrinsische Motivation ist mehr am Verständnis des Gegenstandbereichs orientiert und bedarf keiner weiteren Beeinflussung von außen z.B. in Form von Druck, weil sich der Schüler dem Gegenstand ausdauernd und gerne widmet.

In diesem Zusammenhang sei auch noch auf die besondere Motivationsform „Interesse“ verwiesen. Interesse ist eigentlich eine Spezifizierung von intrinsischer Motivation. Interesse liegt dann vor, wenn die intrinsische Motivation speziell auf einen bestimmten Gegenstand gerichtet ist, der bei der betreffenden Person eben diese Motivation hervorruft. Die Art und Weise der Handlung tritt hierbei in den Hintergrund. Es spielt z.B. keine Rolle, ob ein Fußball begeisterter Schüler ein Buch über die Vereinsgeschichte seines Lieblingsvereins lesen oder einen Aufsatz über seine gesammelten Fanartikel schreiben soll. Er wird beide verschiedenen Tätigkeiten mit annähernd derselben Motivation ausführen, da der Gegenstand seines Interesses der Gegenstand der Tätigkeit ist. Wenn sich der Anreizschwerpunkt der intrinsischen Motivation jedoch nur auf die Art und Weise der Tätigkeit bezieht, spricht man von einem tätigkeitsspezifischen Vollzugsanreiz. Wenn ein Schüler z.B. gerne liest, so liegt seine Motivation und zugleich die Befriedigung nur in der Tätigkeit, nicht aber im jeweiligen Gegenstand, d.h. es ist ihm relativ egal, ob er einen Roman oder eine Biografie lesen soll.

Im Bezug auf die Lernmotivation ist folgende Konsequenz zu ziehen:

,,Dennoch erweist sich [...] die intrinsische Motivation als die tragfähigere[im Gegensatz zur extrinsischen Motivation, Anmerkung A.J.], denn die Effizienz eines intrinsisch motivierten Lernprozesses ist deutlich größer. Für den Lernprozess gilt es also, die Motivation der Lernenden herzustellen, wenn sie nicht, wie in der Mehrzahl der Fälle, vorausgesetzt werden kann."[3]

Für den Lehrkörper ist es weit vorteilhafter, sowohl für den Lernerfolg als auch für den Unterrichtsverlauf, wenn die Schüler intrinsisch Motiviert sind, weil dadurch die persönliche Einbindung und der innere Bezug des Schülers zum Thema des Unterrichts viel besser ist. Zum großen Nachteil steht jedoch fest, dass dem Lehrer mittelbar und unmittelbar nur extrinsische Motivationsmittel zur Verfügung stehen[4].

Abschließend sei noch ergänzt, dass sich die Motivationsform im Verlauf des Durchführens einer Tätigkeit ändern kann: d.h. dass eine durch extrinsische Motive eingeleitete Handlung während des Vollzugs weitergeführt wird aufgrund von intrinsischen Anreizen. Die sogenannte Initialmotivation tritt dabei ganz in den Hintergrund und die Qualität des Tätigkeitsvollzugs rückt in den Vordergrund[5].

2.2) Der Begriff des Lernfeldes

„Lernfelder sind durch Zielformulierung, Inhalte und Zeitrichtwerte beschriebene thematische Einheiten, die an beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufen orientiert sind.“[6] Das didaktische Konzept der Lernfeldorientierung wurde im Rahmen der KMK Ende der 90er Jahre eingeführt. Mittlerweile ist dieses Konzept über die Rahmenlehrpläne an den meisten Berufsschulen angekommen und wird dort vom Lehrpersonal mehr oder weniger in die Tat umgesetzt. Die zugrunde liegenden Faktoren für die Einführung dieses „neuen“ Unterrichtskonzeptes lagen in erster Linie natürlich nicht im Bereich der Steigerung von Lern- oder Leistungsmotivation, sonder vielmehr darin, dass das lebenslange Lernen erlernt werden soll. Des weiteren sollen die Lernfelder es ermöglichen, fachliches Wissen und allgemeine Kompetenzen miteinander zu verknüpfen[7]. Der fächerorientierte Unterricht mit einer starken Betonung auf Faktenwissen soll abgelöst werden durch einen themenorientierten Unterricht, in dem anhand von authentischen Problemen und handlungsorientierter Bearbeitung Lösungen erarbeitet werden. Die Lerninhalte sollen sich anhand der beruflichen Aufgabenstellungen und Handlungsabläufe orientieren: „Nicht die Fachsystematik, sondern die Handlungssystematik wird damit zum vorrangigen didaktischen Kriterium für die Konzeption beruflichen Unterrichts.“[8] Der so aufgebaute Unterricht soll dann die Förderung und Ausbildung überfachlicher Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen ermöglichen, die dem Heranwachsenden ein besseres Zurechtfinden in der immer schnelllebigeren und wechselhaften Zeit gewährt. Mit diesem Konzept einher gehen völlig neue Unterrichtsabläufe in verschiedenen Bereichen. Sowohl die Sozialformen als auch die Rolle des Lehrers bekommen eine andere Bedeutung und Dimension: Gruppenarbeit gehört zur Tagesordnung, der Frontalunterricht wird nur noch in Ausnahmefällen vollzogen. Der Lehrer hat mehr die Funktion eines Coaches und führt die Schüler an die Aufgaben heran, unterstützt und begleitet sie bei der selbstständigen Lösungsfindung. Die Schüler werden zu aktivem Lernen aufgefordert, was beinhaltet, dass sie „[...]selbstständig planen, durchführen, überprüfen, ggf. korrigieren und abschließend bewerten[...]“ müssen[9]. Die didaktischen Merkmale des neuen Unterrichts zielen auf diese spezielle Lernaktivität ab: Prozessorientierung, Problemorientierung und Subjektorientierung sind die neuen Leitfäden[10].

[...]


[1] Rheinberg, Falko: Motivation. 5. Aufl.. Stuttgart: Kohlhammer 2004 (= Grundriss der Psychologie). S.17.

[2] Schlag, Bernhard: Lern- und Leistungsmotivation. 2. Aufl.. Wiesbaden: VS Verlag 2004. S.22.

[3] [Art.] extrinsische Motivation. In: Wörterbuch Pädagogik. Hrsg. von Schaub, Horst u. Karl G. Zenke. München: Dt. Taschenbuch- Verlag. S.333.

[4] Vgl. Schlag: Lernmotivation, S 23.

[5] Vgl. Heckhausen, Jutta: Motivation und Handeln. 3. Aufl.. Heidelberg: Springer 2007. S. 333.

[6] Lipsmeier, Antonius u. Günter Pätzold (Hrsg.): Lernfeldorientierung in Theorie und Praxis. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik: Beihefte; H. 15 (2000). S.24.

[7] Vgl. Lipsmeier: Lernfeldorientierung, S.21.

[8] Huisinga, Richard, Ingrid Lisop u. Hans- Dieter Speier: Lernfeldorientierung. Konstruktion und Unterrichtspraxis. Frankfurt a.M.: G.A.F.B. 1999. S. 139.

[9] Petersen, Stefan: Handlungsfeld, Lernfeld, Lernsituation. www.elsevier.de/sixcms/media.php/792/Lernfelder_Definitionen_Zusammenhaenge.pdf (01.08.2008). S. 1f.

[10] Vgl. Lipsmeier: Lernfeldorientierung, S. 134f.

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640953257
ISBN (Buch)
9783640953035
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174584
Institution / Hochschule
Fachhochschule Münster – IBL
Note
1,3
Schlagworte
positive beeinflussung schülermotivation lernfeldorientierung

Autor

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