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Der Codex Manesse: Autorbilder, Schriftbänder und das Text-Ich

Beispiele: Kaiser Heinrich VI, Rudolf von Neuenburg, Reinmar der Alte, der Burggraf von Rietenburg

Essay 2011 14 Seiten

Literaturwissenschaft - Mittelalterliche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der Bilder im Mittelalter

3. Der Rückblick zur Antike – Malerei und Dichtung

4. Die Dichtung des Minnesangs
4.1. Die Autorbilder im Codex Manesse
4.1.1. Die „Süßen“ mit dem Schriftband
4.1.1.1. Die Miniaturen: Kaiser Heinrich VI, Rudolf von Neuenburg, Reinmar der Alte, der Burggraf von Rietenburg
4.2. Das „Text- ich“ in den ausgewählten Liedern

5. Die Referenzialität der Ich – Aussagen

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Codex Manesse präsentiert die Sammlung der graziösesten „Ikonen“ des deutschen Minnesangs. Die fürstlichen, königlichen und bürgerlichen Damen und Herren zeigen sich dem Betrachter in der Haltung voll Anmut und Würde.

Die Bilder tragen die Züge des gotischen Stils. Sie sind sentimentalisiert, „verzierlicht“ und wirken idyllisch.1

Solche Akzentuierung der Bildaussagen spiegelt den Glanz des höfischen Stils. Der Vergleich der bestimmten Bilder mit den Liedern erlaubt, die Ähnlichkeiten zu entdecken.

2. Die Bedeutung der Bilder im Mittelalter

Über die Bedeutung der Bilder ließ sich im Mittelalter diskutieren, wie es der Text von Marco Mostert (Herausgeber) beweist.[1] a

Die mittelalterliche Auffassung der Welt stellte Gott und die Bibel ins Zentrum.

In der vom Papst Gregor angeregten Diskussion über die Bedeutung der heiligen Bilder für die einfachen Gläubiger hat man gefragt, ob die „illiterate“

dank den heiligen Bildern einen direkten Zugang zum Weg der „salvation“ haben und ob sie die Bilder lesen können.[2]

Die Frage danach, ob das geschriebene Wort – die Hauptquelle – die Bibel – die wichtigere Quelle der Wahrheit für den Glauben als die Bilder der Heiligen ist, legt dar, dass der Stellungswert der Bilder im Vergleich mit der Schrift diskutabel ist. Ein überzeugendes Argument für den Wert von Bildern, das im Text von Mostert enthalten ist, ist die Feststellung, dass die Memorisierung und Abrufbarkeit von Bildern erfolgreich ist. Mit der Vergesslichkeit wird mehr die Schriftlichkeit in Zusammenhang gebracht.[3]

Neben dem Interesse an den Themen der „salvation“ und der Gottesverehrung schenkte man dem Minnesang in der damaligen Zeit eine große Aufmerksamkeit, dessen bedeutendste Quelle der Codex Manesse ist.

Es ist die Sammlung, die sowohl die Miniaturen als auch die Lieder von den fürstlichen und bürgerlichen Minnesingern enthält.

3. Der Rückblick zur Antike – Malerei und Dichtung

Dieses Thema – der Vergleich der Malerei und der Dichtung - fand seit der Antike in den griechischen und lateinischen Texten seinen Widerhall.

Gabriele K. Sprigath thematisiert das schon bereits in der Antike in Dictum Simonides betrachtete Phänomen des Vergleichs zwischen der Malerei und der Dichtung, das auch im 1766 in Laokoon von Lessing erschien.

Gabriele K. Sprigath zitiert von Lessing die Stelle, an der er das „Wechselverhältnis“ der so genannten „Schwesterkünste“ Dichtung und Malerei kritisiert, die man im Vergleich angleiche und deren Fehler gegenseitig zur Last lege.[4]

Die Schranken der Malerei sind nach Lessing enger als die der Poesie. Der weitere Kritikpunkt von Lessing bezieht sich darauf, dass die beiden Künste nicht angemessen abgegrenzt sind. G. K. Sprigath erörtert auch im Bezug auf die Textstelle aus Über den Ruhm der Athener, wie das Verhältnis zwischen den Handelnden und Schreibenden ist. Demnach sind es - die Schreibenden, - die den Ruhm der Handelnden erst nach dem Gelesenen und Gehörten in einem „Bild“ wie „im Spiegel“ wiedergeben.[5]

Was das Wesen der Malerei anbelangt, weist Plutarch der Malerei die Möglichkeit der Verbildlichung der Leidenschaften zu, jedoch keine Funktion der Plattform für die Urteilsabgabe. Es handelt sich dabei um die Malerei, die die Geschichte Athens darstellt. Somit stellt sich Plutarch die Rangfolge klar: erst der Ruhm der Helden der Geschichte dann der Ruhm der Malerei.

G. K. Sprigath analysiert auch die Textstelle aus dem Dictum Simonides, wo der Autor die Handlungen der Maler „als sich vollziehende“ darstellt. Mit „Worten“ werden dagegen die Handlungen als geschehen beschrieben und erzählt. Beides wird als die Nachahmung gekennzeichnet, jedoch von unterschiedlicher Art und Material. Gemälde haben somit einen Gegenwartsbezug und die sprachlichen Darstellungen einen Vergangenheitsbezug. Es ist die Rede vom Hervorbringen von Bildern durch Geschichtsschreiber.[6]

Der Begriff der „Bilder“ wurde im Zusammenhang mit den aristotelischen Auffassungen bezüglich des Seelenvermögens beleuchtet. Aristoteles unterschied „Denken“ von „Meinen“ durch die Zuordnung der Meinung dem Bereich der Unkontrollierbarkeit, was sich in den Kategorien von falsch oder wahr befindet. Folglich löst „Meinen“ oder „Vermuten“ Affekte aus, die zur Entstehung der Eindrücke in der Vorstellung führen, die als die Vorstellungsbilder bezeichnet werden. Im Sinne dieser Theorie können die Vorstellungsbilder und nicht die Handlungen nachgeahmt werden, weil die Handlungen als vergangen gelten. Die Vorstellungsbilder unterliegen dem Prozess des Widererkennens, was auf dem Prinzip der Ähnlichkeit beruht. Die Ähnlichkeit ist nach Plutarch das Kriterium, mit dem Gedichte und Gemälde beurteilt werden.[7]

Beim Vergleich der Dichtung mit der Malerei ist gemäß der Analyse von G. K. Sprigath die Dichtung höherrangig. Diese Aussage trifft zu vor allem in Bezug auf die Antike, wo man der Redekunst eine große Rolle zugeschrieben hat. So wird - die „Mobilität“ der Dichtung und die „Unbeweglichkeit“ der Bilder - betont.[8]

Eine große Bedeutung hat man in der Antike der Redekunst und den Werken von geschichtlichen Ereignissen beigemessen. Denn beides übte einen Einfluss auf die Zuschauer und die Leser – auf das Publikum aus. Somit vermittelte „das Wort“ die „Gefühlsregung“ und diese wiederum die „Vorstellungsbilder“. Es handelt sich um die inneren Bilder, die in der Vorstellung verankert werden können. Ob sie schlechte oder gute Eindrücke hinterlassen, liegt im Bereich der inneren Ablesbarkeit, zu der die Rezipienten fähig sind.

[...]


1 Vgl.Die Minnesinger in Bildern der Manessischen Handschrift. Mit einem Begleitwort von Hans Naumann. Leipzig: Insel Verlag.

[1] aVgl. Reading images and textes. Medieval images and textes as forms of communication. Hg. Marco Mostert u.a. Utrecht: University of Utrecht 2000.

[2] Vgl. Mostert, a.a.O., 81.

[3] Vgl. Mostert, a.a.O., 73.

[4] Vgl. Sprigath. K. Gabriele: Das Dictum des Simonides: der Vergleich von Dichtung und Malerei. München. Moodle Hu Berlin und Internetquelle. S.2.

[5] Vgl. Sprigath, a.a.O., S.4.

[6] Vgl.Sprigath, a.a.O.,7.

[7] Vgl. Sprigath, a.a.O.,10.

[8] Vgl. Sprigath, a.a.O.,.19.

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640954544
ISBN (Buch)
9783640954513
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174516
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für deutsche Literatur
Note
befriedigend
Schlagworte
Bilder und Lieder Codex Manesse

Autor

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