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Zu "Looters" von Banksy

Seminararbeit 2008 8 Seiten

Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst

Leseprobe

Für meine Arbeit - passend zu meinem Referatsthema - habe ich den Künstler bzw. eine Arbeit des Künstlers Banksy gewählt. Mein Thema aus DuMonts Begriffslexikon zur zeitgen ö ssischen Kunst war „Kunst und Politik in den achtziger und neunziger Jahren“, verfasst von Hubertus Butin. So hätte das Thema „Street Art“ wohl als etwas besserer Rahmen gedient, doch ist Street Art eben meist politisch, da diese auf der Straße, für (theoretisch) jede Person zugänglich passiert. Im Falle des Künstlers Banksy - der in den Nullern des 21. Jh. weltbekannt wurde - passt es also hier anzuschließen (als gedachte Fortsetzung, als einen Bruchteil aus einem möglichen Thema „ Kunst und Politik in den 00er Jahren des 21. Jh. “ )

Gewissermaßen als Einleitung für meine Seminararbeit möchte ich aber an das Ende des anfangs erwähnten Textes von Butin anschließen, den Ausblick bzw. die Feststellungen des Autors zu der gegenwärtigen Lage und Entwicklung der (bildenden) Kunst bezogen auf das (politische) Bild des Künstlers darin - nach außen wie nach innen. So propagieren viele oder zumindest einige (immer noch) die Subjektdezentralisierung, bewirken mit ihrem Auftreten jedoch oft das genaue Gegenteil. Als Beispiel wird im Text hier unter anderen Jonathan Meese genannt, der derzeit immer populärer zu werden scheint - oder seinen PopularitätsLevel zumindest gut zu halten weiß. Popularität gewinnend nicht nur als Kunstschaffender, sondern quasi bereits an der Schwelle zum „Popstar“ stehend.

„ Ein ü berkommenes K ü nstlerbild, das von den Vorstellungen einer Vorzeige- Authentizit ä t, einer subjektzentrierten Autorenschaft, obsessiver Werkautonomie und m ä nnlicher Dominanz gepr ä gt ist, erlebte eine Renaissance (etwa bei John Bock, Jonathan Meese, Gregor Schneider). “ (Hubertus Butin, 2006)

Nun halte ich Jonathan Meese aber für einen sehr faszinierenden Künstler und möchte glauben, dass seine Agitationen zum Thema Kunst, die die „Menschenmacht“ ablösen solle, seiner inneren Überzeugung entsprechen, und nicht nur Mittel zum Zweck des genauen Gegenteils sind, seiner eigenen Promotion. Wobei ich selbst, sollte es sich tatsächlich nur (oder zumindest auch) um Eigenwerbung Meeses handeln, seine „Manifeste“ weiterhin interessant, im schlimmsten Fall zumindest dennoch unterhaltsam finde oder eben fände. Um jedoch meinerseits hier eine weniger subjektorientierte Ansicht festzuhalten, kann man vermutlich behaupten Meese sei in jedem Fall ein polarisierender Künstler und somit ganz grundsätzlich interessant.

Die Frage, die sich stellt ist jedoch, wäre er ohne seine Wirkung als der „Star-Künstler“ der er inzwischen nun einmal ist - eine Aura, die er nun auch nicht mehr abschütteln kann (und vermutlich auch nicht wollte, wenn er „zum Wohle“ der Glaubwürdigkeit seiner künstlerischen Manifeste könnte - das wäre die weitere Frage) - ebenso präsent bzw. wären seine Inhalte und Kunstwerke ebenso von einem Massenpublikum wahrgenommen?

Vermutlich nicht, und so ist das politische Moment an Meese eben doch er selbst, sein Auftreten, stellt man die Frage so nachdrücklich wie von Butin verlangt. Ob nun nur ein Selbstverwirklicher - solche, die Meese eigentlich verdammt - oder ein kreatives Werkzeug für die Vermittlung höherer Werte, einer besseren möglichen Zukunft, was auch immer Meese (auf den ich hier nun bereits mehr eingegangen bin als ich wollte) sein mag, er hat eine (politische) Wirkung, die man nicht von der Hand weißen kann. Ich persönlich habe nichts gegen die Mystifizierung „subjektorientierter“ KünstlerInnen. So muss jede Person für sich persönlich bestimmen, wie er oder sie dieser (Ersatz)Religion gegenübersteht, wie weit er/sie sich einbeziehen will. Denn wenn Fanatismus akzeptiert werden kann, dann doch am ehesten noch in der Kunst. Und wenn schon nicht akzeptiert, dann zumindest toleriert - wie gesagt, zumindest im Bereich der Kunst. Sobald Kunst allerdings politisch wird - und ich wage hier die Aussage, dass gute Kunst meist äußerst politisch ist (vielleicht sein muss) - wird es natürlich wieder komplizierter. Vermeintliche Ideologien versus reine Provokation versus die vielen Schattierungen dazwischen. Ich möchte es vermeiden eine künstlerische Herangehensweise über eine andere zu stellen - solange sich diese Herangehensweise selbst treu ist und keine leeren Inhalte verkörpert und verkauft. So darf man vermutlich auch die Widersprüche die sich bei der Auseinandersetzung mit Meese und seinen Inhalten ergeben nicht fehl deuten, sondern sollte sie für das nehmen was sie (zumindest meiner Meinung nach) sind; das Salz in der künstlerischen Suppe (platt ausgedrückt) - egal ob „Jonathan Meese“ nun ein (Gesamt)Kunstwerk oder doch eher (nur) -figur ist.

Möchte man nun aber mögliche Fehlinterpretationen auf ein Minimum reduzieren, bietet es sich vermutlich an beim Thema Politik in der Kunst oder Kunst und Politik, auf einen anderen, weniger subjektorientierten Künstler zurückzugreifen. Welcher Künstler würde sich hier besser anbieten als einer, der so etwas wie ein Phantom ist - und somit (zumindest theoretisch) nicht subjektorientiert wahrgenommen werden kann . Nun wird dieses Phantom ebenfalls zur Ikone hochstilisiert, allerdings ist die Idee, dass die Kunst selbst und nicht der Künstler oder die Künstlerin im Mittelpunkt steht und für die Aufmerksamkeit sorgt, hier eher nachvollziehbar.

Die Rede ist von - wie anfangs erwähnt, dann aber das Thema über den Umweg „Meese“ begangen - Banksy, dem weltweit bekannten aber (noch?) (pseudo?)-anonymen1 britischen Graffitikünstler bzw. eines seiner Stencil Werke.

Banksy ist aber natürlich ebenso wie Meese nicht für „alle“ der erhabene Prophet der (politischen) Kunst. Dafür steht im Falle von Banksy inzwischen schon sein Name selbst. Unter dem Wort „Banksy“ werden so inzwischen im „Urban Dictionary“2 zwei Bedeutungen angeführt. Laut der ersten sei „Banksy“ ein ausnehmender Künstler - anwendbar auf nur eine Person, die diesen (Marken)Namen eben trägt:

Perhaps the greatest stencil artist ever he parades his works around Britain quite illegally. He defaces monuments, spray paints animals and generally bugs people off. (Willie C., 2004)

[...]


1 http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1034538/Graffiti-artist-Banksy-unmasked---public-schoolboy-middle-classsuburbia. html

2 http://www.urbandictionary.com/define.php?term=banksy

Details

Seiten
8
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640952267
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174500
Institution / Hochschule
Fachhochschule Salzburg
Note
1
Schlagworte
Street Art Straßenkunst Graffito Banksy Looters Meese Butin Gesamtkunstwerk Provokation Politik Regierung Krieg Militär Soldaten Plündern USA New Orleans Hurricane Katrina

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