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Die Systemtheorie nach Niklas Luhmann und die Komplexität der Systeme

Hausarbeit 2003 8 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Merkmale moderner Gesellschaften
1.1 Komplexität
1.2 Funktionale Differenzierung

2. Systeme
2.1 Systemtypen und Systembildung
2.2 Sinn und Kommunikation
2.3 Autopoiesis

3. Literaturverzeichnis

1. Merkmale moderner Gesellschaften

Um Luhmanns systemtheoretische Betrachtungsweise der Gesellschaft nachvollziehen zu können, erscheint es in einem ersten Schritt notwendig, seine Sichtweise auf moderne Gesellschaften näher zu erläutern. Luhmann kennzeichnet sie anhand zweier zentraler Merkmale.

1.1 Komplexität

Moderne Gesellschaften sind hoch industrialisiert und verwissenschaftlicht, ihre Funktionsweisen und Strukturen sind auf mehreren Ebenen miteinander verflochten, gleichzeitig können nicht mehr alle Bereiche der Gesellschaft miteinander verknüpft werden.1 Luhmann bezeichnet diesen Zustand als Komplexität. Für den modernen Menschen ergibt sich daraus eine Überfülle an Optionen. Er ist „[…] stets mit mehr Möglichkeiten des Erlebens und Handelns [konfrontiert], als aktualisiert werden können.“2 Diese Fülle an Möglichkeiten, also „[…] alles, was weder notwendig noch unmöglich ist […]“3, bezeichnet Luhmann als Kontingenz. Aus „[…] Gegenseitigkeit und wechselseitiger Orientierung und Einflussnahme […]“4 resultiert doppelte Kontingenz, meint also die Eröffnung neuer und den Ausschluss alter Handlungsoptionen durch Interaktion.

Nach Luhmann ist eben diese, für den Einzelnen nicht mehr zu bewältigende, Komplexität das Hauptmerkmal jeder modernen Gesellschaft. Aus dieser Erkenntnis heraus leitet er die Hauptaufgabe moderner Gesellschaften nämlich die Reduzierung von Komplexität, also die Selektion von Möglichkeiten, ab.5

1.2 Funktionale Differenzierung

Ein weiteres Merkmal der modernen Gesellschaft ist nach Luhmann ihre funktionale Differenzierung. Die Zahl der Subsysteme wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung nimmt immer weiter zu, gleichzeitig kommt es zu einem immer höheren Grad der Spezialisierung und damit der Arbeitsteilung innerhalb eben dieser Subsysteme.6 Diese funktionelle Differenzierung führt einerseits zu einer erhöhten Effizienz gesellschaftlicher Prozesse und ist damit ein entscheidendes Kriterium für deren Fortschritt, andererseits resultiert aus ihr die schon beschriebene Komplexität.7 Insofern lässt sich sagen, dass ohne funktionale Differenzierung weder Fortschritt möglich noch Komplexität vorhanden wäre, die moderne Gesellschaft als solche also nicht existieren würde.

Funktionale Differenzierung ist demzufolge nicht nur definierendes Merkmal der modernen Gesellschaft sondern auch Hauptunterschied zu früheren Gesellschaftsformen, die nach Luhmann entweder segmentiert, d.h. durch ein sehr schlichtes Niveau der Arbeitsteilung, stratifikatorisch, d.h. durch Klassenordungen, oder zwischen Zentrum und Peripherie, also regional zwischen arm und reich, differenziert waren.8 Wobei anzumerken ist, dass Luhmann zwar die funktionale Differenzierung als zentrale Form der Differenzierung in modernen Gesellschaft bezeichnet, gleichzeitig aber auch, immer noch vorhandene, Elemente der drei anderen Formen in unterschiedlich starken Prägungen ausmacht.9 Zwar verlieren diese an Bedeutung, allerdings sieht er vor allem in den noch existierenden stratifikatorischen Differenzierungsformen und solchen zwischen Zentrum und Peripherie die Quelle gesellschaftlicher Ungleichheit, welche in einer rein von funktionaler Differenzierung geprägten Gesellschaft nicht existent wäre.10

2. Systeme

2.1 Systemtypen und Systembildung

Die als Hauptaufgabe moderner Gesellschaften gekennzeichnet Reduzierung von Komplexität findet nach Luhmann innerhalb von Systeme statt. Systeme unterscheiden sich von ihrer Umwelt, welche als Komplexität um sie herum definiert ist, durch eine System-Umwelt-Differenz, beispielsweise ist die Familie ein System weil es eine Nicht-Familie gibt.11 Systeme entstehen durch die Stabilisierung eben dieser System-Umwelt-Differenz, also durch die selbstständige Abgrenzung von allem was nicht zum System gehört.12

[...]


1 Vgl. Treibel, Annette: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart, Opladen 2000, S.25.

2 Luhmann, Niklas zitiert nach: Treibel, Annette: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart, Opladen

2000, S.25.

3 Luhmann, Niklas zitiert nach: Treibel, Annette: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart, Opladen

2000, S.38.

4 Treibel, Annette: Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart, Opladen 2000, S.38.

5 Vgl. ebd., S.26.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. ebd., S.27.

8 Vgl. ebd., S.26f.

9 Vgl. ebd., S.27.

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. ebd., S.30f.

12 Vgl. ebd., S.30.

Details

Seiten
8
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638220293
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17450
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Pädagogik
Note
2
Schlagworte
Systemtheorie Einführung Konzepte Erziehungswissenschaft

Autor

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