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Chancen für den Fremdsprachenunterricht durch Internetarbeit gezeigt an zwei Praxisbeispielen

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interneteinsatz im Fremdsprachenunterricht
2.1 Zur Geschichte des Internets im Fremdsprachenunterricht
2.2 Einsatz des Internets im Fremdsprachenunterricht
2.2.1 Einsatz des Internets im Fremdsprachenunterricht - Praxisbeispiele
2.2.1.1 Podcasts im Fremdsprachenunterricht
2.2.1.1.1 Was sind Podcast?
2.2.1.1.2 Fremdsprachendidaktisches Potenzial von Podcasts
2.2.1.2. Lernplattformen
2.2.1.2.1 Was sind Lernplattformen?
2.2.1.2.2 Content Management System
2.2.1.2.3 Learning Management Systeme
2.2.1.2.4 Moodle und das fremdsprachendidaktische Potenzial von Lernplattformen
2.2.2 Weitere Möglichkeiten des Interneteinsatzes im Fremdsprachenunterricht
2.2.2.1 Abbau von Hierarchien
2.2.2.2 Entwicklung eigener Lernstrategien
2.2.2.3 Kooperatives Arbeiten
2.2.2.4 Sensibilisierung für kulturelle Gegebenheiten
2.2.3 Voraussetzungen für die Internetnutzung im Fremdsprachenunterricht
2.2.3.1 Interneteinsatz als ein hilfreiches Werkzeug für den Fremdsprachenunterricht verstehen und seine Dimensionen erkennen
2.2.3.2 Das Internet als dein Freund - Internetkompetenz

3. Schlussbemerkung

4. Literaturverzeichnis

5. Verzeichnis der Internetadressen

6. Verwendete Abkürzungen

1. Einleitung

Das Internet ist aus unserer heutigen Alltagskultur nicht mehr wegzudenken. Ursprünglich für militärische bzw. wissenschaftliche Zwecke entwickelt, nutzen heute über eine Milliarde Menschen die Möglichkeiten des WorldWideWeb.1 Bechthold-Hengelhaupt verdeutlicht den Erfolg des Internets treffend: „Um etwa fünfzig Millionen amerikanische Nutzer zu haben, brauchte das Radio 38, das Fernsehen 14 und das WWW 4 Jahre. Im März 1999 waren 171 Millionen Menschen weltweit online, im März 2000 bereits 304 Millionen.“2 Auch im Schulalltag ist der Interneteinsatz heute unverzichtbar. Neben den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern eignet sich vor allem der Sprachunterricht für die Nutzung des Internets. Die Vielzahl an verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten, die Fülle an Bild-, Text- und Tonmaterials, die das Internet bereitstellt, kann den Fremdsprachenunterricht ohne Frage in vielen Bereichen bereichern.

Diese Arbeit soll zeigen, wie vielseitig das Internet beim Fremdsprachenerwerb eingesetzt werden kann, welche Möglichkeiten es dem Lerner aber auch Lehrer bietet. Dabei werden zwei Nutzungsmodelle vorgestellt und kritisch untersucht. Grundlage sind hier die Arbeiten der Autoren Stork und Adamczak-Krysztofowicz als auch S. Ulrich und K. Kuzminykh.3 Mit Hilfe der Praxisbeispiele wird gezeigt, welche Chancen die Internetarbeit dem Fremdsprachenunterricht bietet. Darüber hinaus werden in dieser Arbeit Voraussetzungen vorgestellt, die zunächst geschaffen werden müssen, damit das Potenzial des Internets vollends genutzt werden kann.

2. Internet im Fremdsprachenunterricht

Das Internet gehört inzwischen zu den didaktischen Standwerkzeugen im Schulalltag. Kaum ein Schüler/ eine Schülerin kann heute behaupten, er/ sie hätte nicht mit dem Internet im Unterricht gearbeitet.

Das folgende Kapitel widmet sich dem Einsatz des Internets im Fremdsprachenunterricht.

Dabei soll zunächst ein kurzer geschichtlicher Abriss gegeben werden, der nur die wesentlichen Zäsuren in der Entwicklung aufzeigen soll. Im zweiten Kapitel steht die Frage nach den fremdsprachendidaktischen Möglichkeiten und Grenzen des Internet im Mittelpunkt der Untersuchung.

2.1 Zur Geschichte des Internets im Fremdsprachenunterricht

Die Geschichte des Lernens mittels Internetarbeit ist eng mit der technischen Entwicklung des Computers verknüpft. Aus diesem Grund finden wir in der Forschung vornehmlich technologische Betrachtungen. Eine der wenigen aufschlussreichen Arbeiten auf diesem Gebiet ist die von zahlreichen Autoren zusammengestellte Posterausstellung „History Call“.4 Dieser nach finden wir folgende Strukturierung der Geschichte:

- Großrechner in den Sechziger- und Siebzigerjahren,
- Personalcomputer in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren,
- Netzwerkcomputer ab der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre.5

Für die fremdsprachendidaktische Forschung wirkt diese technologische Strukturierung vorerst befremdlich, lässt sich bei genauerer Betrachtung aber schlüssig erklären. Im Mittelpunkt steht die einfache Überlegung, dass erst im Anschluss der Computerentwicklung computergestützte Lernprogramme konzipiert werden können. Michael Levy dazu: „[...] the technology is presented to us first, before we conceive of it, or consider what we have might do with it [...].“6 Die Möglichkeiten des Lernprogrammes können nie über das zur Verfügung stehende Computersystem hinausgehen.

Das computerunterstützte Lernen im Fremdsprachenunterricht hat seine Anfänge in den Vereinigten Staaten Mitte der 60er Jahre. Zwar besaßen die Großrechner der damaligen Zeit noch keine multimedialen Eigenschaft und waren für eine konsequente Umsetzung der damals dominanten „audiolingualen Methode“ auf den Computer folgerichtig ungeeignet, dennoch nahm die Beliebtheit des PCs im Unterricht stetig zu. Insbesondere computerunterstützende „Drillübungsprogramme“ fanden dabei Verwendung. Der Zeitgeist ging sogar soweit, den Fremdsprachenlehrer in naher Zukunft mit Hilfe des Einsatzes des Computer bzw. des

Internets ersetzen zu können. In Europa teilte man diese euphorische Vorstellung indes nicht. Die amerikanischen Entwicklungs- und Unterrichtsvorschläge stießen in Europa lange auf heftigen Widerstand. Folglich setzte sich PC- und Internetarbeit in Europa erst mit erheblicher Verzögerung Ende der 80er Jahre durch.7

Bis zu der Entdeckung des Internets für den Fremdsprachenunterricht erfüllte der Computer drei wesentliche Funktionen:

- als eine von Experten programmierte Lernmaschine
- als Werkzeug und hilfreiches Instrument in der Hand der Lerner
- als Instrument in der Hand der - programmierkundigen - Lehrperson8

Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre nimmt der Computer dank des Internets eine vierte entscheidende Funktion ein: Der Computer als Kommunikationsmedium. Die weltweit einsetzende Expansion des WWWs und die zunehmende Vernetzung von privaten Haushalten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen erlaubte es, den ,,[...] Schwerpunkt [...] von der Interaktion zwischen Mensch und Computer zur computervermittelten Kommunikation zwischen Mensch und Mensch [...] zu verschieben.9 Das heißt, der Lerner rückte aus einer isolierten in eine gemeinschaftliche Lernumgebung. Er konnte fortan mit anderen realen Lernern Sprachen lernen, an lebensnahen Beispielen üben und sich selbstständig verbessern. Der Übergang von computergestütztem Lernen zum internetgestütztem Lernen hat - wie Hans Pfeiffer treffend feststellt - nicht weniger als zu einem Paradigmawechsel von kognitivistischem zu konstruktivistischem Fremdsprachenlernen geführt.10

2.2 Einsatz des Internets im Fremdsprachenunterricht

2.2.1 Einsatz des Internets im Fremdsprachenunterricht - Praxisbeispiele

Wo kann wie und wann das Internet im Unterricht didaktisch sinnvoll genutzt werden? Dieses Kapitel soll an zwei Beispielen zeigen, wie vielseitig das Internet im Einklang mit den fachdidaktischen Zielen im Fremdsprachenerwerb eingesetzt werden kann und welche Möglichkeiten es dem Spracherlernen aber auch Sprachenlehrer bietet?

2.2.1.1 Podcasts im Fremdsprachenunterricht
2.2.1.1.1 Was sind Podcast?

Podcast sind leicht zugängliche Audiodateien, die im Internet kostenlos gehört und / oder heruntergeladen werden können. Sie werden in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen im Internet veröffentlicht und sind meist tagesaktuell. Ihre inhaltliche und gestalterische Qualität hängt dabei vom jeweiligen Downloadmedium ab. Die Podcastqualität reicht dabei vom Amateur bis hin zum Podcast professioneller Radiosender. Die große Fülle an Podcasts erklärt sich in ihrer einfachen und unkomplizierten Produktion. So benötigt der Hersteller allein einen Computer, ein Mikrofon, ein Paar Kopfhörer, ein Aufnahmeprogramm und eine Speichermöglichkeit im Netz. Klassifiziert werden Podcasts in 6 verschiedene Arten:

- Meta Podcast (Podcast über das Podcasten)
- Musik Podcasts
- Radio Podcasts (aufgebaut wie klassische Radiosendungen)
- Personality Podcasts (Podcaster sprechen über sich, ihren Alltag, über Bücher, Filme, etc.)
- Themen Podcasts (Podcasts zu speziellen Themen, die oft im Radio keinen Platz finden)
- Video Podcasts

2.2.1.1.2 Fremdsprachendidaktisches Potenzial von Podcasts

Die Förderung der sprachlichen Kommunikationsfähigkeit der Fremdsprachenlerner gilt nach wie vor als Hauptaufgabe des Fremdsprachenunterrichts. Dennoch wird das Hörverstehen in der Unterrichtspraxis immer noch unzureichend gefördert. Eine Erklärung geben Stork und Adamczak-Krysztofowicz in ihrem Aufsatz. Ihrer Meinung nach hängt der Bereich der Hörverstehenskompetenz stärker vom Entwicklungsstand technischer Hilfsmittel ab, als andere Bereiche des Fremdsprachenunterrichts.11 Demnach ist der Einsatz von Kassetten und CDs zwar für den Unterricht unabdingbar, dennoch aber unflexibel, inhaltlich veraltet und nicht selten von schlechter Qualität.12 Die klassischen Audiodateien werden zum entsprechenden Lehrwerk mitgeliefert und sind entsprechend abhängig. Das ist in dreierlei Hinsicht ungünstig. Zum einen sind klassischen Audiodateien thematisch eng an das jeweilige Lehrbuch gebunden. Sie bieten dem Lernenden nur selten Neuheiten und Überraschungen. Darüber hinaus sind sie aufgrund ihrer oft jahrelangen Nutzung inhaltlich veraltet. Eine Verknüpfung von Unterricht und Lebenswelt des Schülers ist nicht mehr gegeben. Zum anderen entsteht aus dem eben Genannten eine Einschränkung der Unterrichtsgestaltung des Lehrers. Dieser ist auf die Produktionen angewiesen, hat aber keinen Einfluss auf ihre inhaltliche und thematische Schwerpunktsetzung. Eigene Ideen können nicht bzw. nur schwierig in den auditiven Bereich der Unterrichts einfließen. Aber nicht allein der Unterricht des Fremdsprachenlehrers wird eingeschränkt, auch dem Fremdsprachenlernen an sich wird der Kontakt zur Fremdsprache mittels klassischer Kassette oder CD kaum geboten, da sich ihr Einsatz nach wie vor allein auf den Unterricht beschränkt.

[...]


1 Erstmals 1990 konnten auch private Haushalte auf das Internet zugreifen. Weiteres zur Geschichte und Entwicklung des Internets bei Abbate : Inventing the Internet; Zehnder : Geschichte und Geschichten des Internets.

2 Bechthold-Hengelhaupt: Alte Sprachen und neue Medien, S. 36.

3 Stork; Adamczak-Krysztofowicz : Didaktisch-methodische Einsatzmöglichkeiten von Podcasts in der DaF- Ausbildung. Ulrich : Lernplattformen. Kuzminykh : Das Internet im Deutschunterricht.

4 Vgl. Pfeiffer : Das Internet im Fremdsprachenunterricht, S. 130; www.history-of-call.org.

5 Vgl. Warschauer; Kern (Hrsg.) : Network-based Language Teaching, S. 1-19.

6 Michael: Computer-AssistedLanguage Lerning, S. 215.

7 Auch die didaktische Forschung entdeckte erst Ende der 80er Jahre die Möglichkeiten, die der Interneteinsatz im Unterricht bietet. Die erste Veröffentlichung diesbezüglich ist die Arbeit von Rüschoff: Fremdsprachenunterricht mit computergestützten Materialien. Die erste Dissertation in Europa wurde veröffentlicht von Francoise : Enseignement Assiste par Ordinateur. Vgl. Pfeiffer : Das Internet im Fremdsprachenunterricht, S. 132.

8 Pfeiffer : Das Internet im Fremdsprachenunterricht, S. 133. Nach Taylor : The Computer in the School.

9 Pfeiffer : Das Internet im Fremdsprachenunterricht, S. 134.

10 ebd., S. 135.

11 Stork; Adamczak-Krysztofowicz : Didaktisch-methodische Einsatzmöglichkeiten von Podcasts in der DaF- Ausbildung, S.91.

12 Die Bedeutung der Kassette bzw. CD für den Fremdsprachenunterricht liegt vor allem in der Möglichkeit, diese mehrfach anzuhören, sie vor und zurückzuspulen. Der Podcast hat als Produktmedium diese Eigenschaft allerdings auch inne.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640951734
ISBN (Buch)
9783640951871
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174484
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Internet Fremdsprachenunterricht DaF DaZ Podcast Lernplattform

Autor

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