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Die Gleichnisse Jesu - Formen, Bedeutung und Auslegungsmethoden

Hausarbeit 2011 20 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erklärung des Begriffes Gleichnis

3. Vier Formen gleichnishafter Rede
3.1 Das Gleichnis im engeren Sinn / besprechendes Gleichnis (Mt. 13, 31 – 32)
3.2 Die Parabel / Metapher (Lk. 15, 11-32)
3.3 Die Beispielgeschichten (Lk. 10, 25 – 37)
3.4 Die Allegorie / Bildworte (Mt. 13, 45 – 46)

4. Zusammenfassung des Begriffes „Gleichnisse“

5. Die Theologie der Gleichnisse
5.1 Der theologische Aspekt
5.2 Der christologische Aspekt
5.3 Der eschatologische Aspekt

6. Auslegung der Gleichnisse
6.1 Die sprachlich–narrative Analyse (Bildlichkeit)
6.1.1 Deutung des Gleichnisses der zehn Jungfrauen

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Bibel gibt es viele verschiede Textgattungen. Eine dieser Textgattung sind die Gleichnisse, die sowohl im Alten Testament als auch in den drei synoptischen Evangelien des Neuen Testamentes zu finden sind. Auch außerhalb der Bibel sind zahlreiche Gleichnisse zu finden, z. B. in der Alltagssprache.

Die Gleichnisse, im Neuen Testament, haben eine Besonderheit: Sie beziehen sich auf die Worte Jesu, die von den Evangelisten niedergeschrieben worden sind. Zudem bilden sie den Kern seiner Botschaft vom Reich Gottes.

Jesus redet in Gleichnissen, auch Bildworte genannt, damit die Menschen seine Vorstellung vom Reich Gottes verstehen und dadurch ihr Leben in Hinblick auf das Reich Gottes verändern.

Es gibt vier verschiedene Gleichnisarten, die unterschiedlich verwendet werden. Um verstehen zu können, was uns dieses Gleichnis mit seiner Geschichte sagen möchte, ist es notwendig zu wissen in welcher Erzählform die Gleichnisse geschrieben worden sind.

Die vier verschiedenen Formen der Gleichnisse werde ich im ersten Teil dieser Ausarbeitung unterscheiden und ihre Bedeutung anhand der dazugehörigen biblischen Geschichte darstellen.

Hingegen werde ich im zweiten Teil näher auf die Auslegungsmethode der

sprachlich – narrativen Analyse (Bildlichkeit) eingehen und diese ebenfalls durch ein Gleichnis verständlich machen.

Die Gleichnisse, die ich bearbeiten werde, beziehen sich nur auf das Neue Testament.

2. Erklärung des Begriffes Gleichnis

Das „Gleichnis“ ist eine Textgattung, die sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament der Bibel zu finden ist und gehört zur ursprünglichen Verkündigung Jesu.

Bei Gleichnissen handelt es sich um kleine, gerundete Erzählstücke, die für Jesus eine charakterisierende Redeform darstellen. Inhaltlich greifen die Gleichnisse alltägliche Beobachtungen und Erfahrungen auf und behaupten gleichzeitig einen Zusammenhang zwischen diesen Erfahrungen und dem „Reich Gottes“. Gleichnisse haben eine einzige Intention: Sie wollen zum Glauben, konkreter zum Leben aus dem Glauben führen.

Ihr Handlungsablauf ist leicht nachzuvollziehen und weist keine Verstehensschwierigkeiten auf.

Für das Gleichnis, welches im Neuen Testament steht, wird das griechische Wort παραβολή (parabole) gebraucht. Das griechische Wort „parabole“ ist eine Übersetzung des hebräischen Wortesמָשָׁל(maschAl), welches wiederum mit „Sprichwort“ oder „Weisheitswort“ übersetzt werden kann.[1]

In den ersten drei synoptischen Evangelien sind 41 Gleichnisse zu finden. Während man je nach Zählart im Alten Testament 500 bis 1400 Gleichnisse finden kann. Diese alten rabbinischen Texte aus dem Alten Testament, werden herangezogen, um auf die jüdischen Wurzeln Jesu zu verweisen. Dennoch können sie keinen Aufschluss über die Verkündigung Jesu geben, da sie nur bis ins dritte und vierte Jahrhundert nach Christus zu datieren sind.

Ein Gleichnis ist nicht gleich ein Gleichnis. Es werden Unterschiede zwischen verschiedenen Erzählformen gemacht. Jede Erzählform hat ihre eigene Bedeutung. Somit ist es notwendig zu wissen, welche Art von Gleichnis aus der Bibel (z. B. im Religionsunterricht) (vor)gelesen wird, um seine Bedeutung zu verstehen.

Das Wort „Gleichnis“ bezeichnet zwei verschiedene Arten von Gleichnissen, sowohl die bildhaften Texte im Ganzen als auch das Gleichnis im engeren Sinne bzw. das besprechende Gleichnis.

Aristoteles benennt das Gleichnis den „Vergleich als Sonderfall der Metapher“.

Hingegen bringt der Rhetoriker Quintilian die Unterscheidung von „eigentlicher“ Redensweise, auch Vergleich genannt, und „uneigentlicher“ Redensweise, der Metapher, ein.

Auf dieser Basis beschreibt Jülicher (1857 – 1938) den Gegensatz zwischen dem Gleichnis als „eigentlicher“, nicht deutungsbedürftiger Sprachform (Vergleich) und der Allegorie als „uneigentlicher“ deutungsbedürftiger Rätselrede, der Metapher. Das Gleichnis im engeren Sinn ist nach Jülicher demnach „die Veranschaulichung eines Satzes durch Nebenstellung eines anderen ähnlichen Satzes“[2]. Das Gleichnis ist semantisch (aus dem griech. die Lehre von der Bedeutung der Wörter und Sätze)[3] zweigeteilt und besteht aus einer Bild- und einer Sachhälfte. Die Sachhälfte, sei, nach Jülicher, die „Reich Gottes“ Botschaft. Diese wird durch die alltägliche Wirklichkeit erschlossen.

Jesus greift in den Gleichnissen Bilder und Gegenstände des alltäglichen Lebens auf (z. B. das Arbeiten auf dem Feld, das Suchen eines Geldstücke, das verloren gegangen ist oder der Zusammenhalt der Familie) um seine Botschaft über die Herrschaft Gottes näher zu bringen und einen Bezugspunkt herzustellen. Die Intention des erzählten Gleichnisses wird nie direkt angesprochen.

In Mt. 13, 11 – 13 erzählt Jesus, warum er seine Intentionen nie direkt anspricht:

„Er antwortete: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen; ihnen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören und nichts verstehen.“[4]

Die Ungläubigen, die die Gleichnisse hörten, können die Bedeutung des Gleichnisses nicht verstehen und somit bleibt das Geheimnis der Herrschaft Gottes ihnen verschlossen. Die verschlüsselten Botschaften, können nur durch den Glauben an Jesus und das von Gott gegebene Verständnis begriffen werden.

Die Intention des Gleichnisses, kommt erst dann zum eigentlichen Ziel, wenn der alltägliche Vorgang (z. B. das Aufstellen einer Lampe) übertragen wird, auf eine religiöse Dimension (mit der Lampe geht ein Licht auf, es „ist einleuchtend“ was der Text sagen möchte).

Alle Gleichnisse haben immer eine Moral und jeder kann sie demnach verstehen, dennoch kann nur jemand der an Gott glaubt, diese auch in seinem Leben umsetzen.

Auf eine Zielgruppe beschränken sich Jesus und seine erzählten Gleichnisse nicht. Alle gesellschaftlichen Schichten können erreicht werden und ist somit offen für alle, die an Gott glauben.

Zwischen der Bild- und der Sachhälfte, aus der die Gleichnisse bestehen, entwickelte Adolf Jülicher (1857 – 1938) den Vergleichspunkt „tertium comparationis“ (= das Dritte des Vergleichs). Die Bild- und die Sachhälfte werden durch den Vergleichspunkt „tertium comparationis“ verbunden. Dies bedeutet, dass die im Gleichnis erzählten Gegebenheiten und handelnden Personen verglichen, im wirklichen Leben eine Entsprechung haben.

Beispiel: Bei dem Gleichnis vom Senfkorn liegt der Vergleichspunkt beim Verhältnis von groß und klein. Das Senfkorn ist zuerst ein kleiner Samen und wächst dann zu einem großen Baum heran.

Im jüdischen Kulturkreis, war das Erzählen von Gleichnissen Tradition. Dies ist ein Grund, warum Jesus die Textgattung der Gleichnisse auswählte, um den Menschen die Herrschaft Gottes näher zu bringen. Über Gott und seines kommendes Reiches zu sprechen ist nur in gleichnishafter Weise zu möglich. Gott entzieht sich jeder menschlichen Vorstellung und Definition. Deswegen ist das Gleichnis nicht nur eine von Jesus bevorzugte Form zu reden, sondern auch eine angemessene Form über Gott zu reden.

Genau deswegen müssen die Gleichnisse interpretiert werden. Denn eine Eigenschaft, die die Gleichnisse haben ist, dass sie deutungsbedürftig und deutungsfähig sind. Allerdings ist zu beachten, dass Gleichnistexte keine Rätsel oder Lehrtexte sind. Sie sind nicht klar und folgen auch keinen Gesetzen oder philosophischer Logik.

Das Gleichnis ist nach dieser Erkenntnis nicht nur eine Textgattung, sondern ebenfalls ein Beispiel oder ein Vergleich. Jesus wird deswegen auch als Gleichniserzähler betrachtet. Dennoch meinen die Gleichnisforscher, dass die Worte Jesu nicht ungebrochen überliefert worden seien, wegen Auslegungen der Schriften und Veränderungen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Gleichnisse nicht Originalworte Jesu sind, ist, dass zwischen der Rede Jesu und der schriftlichen Fixierung durch die Evangelisten mindestens 40 Jahre lagen.

Zudem ist es bei einigen Texten unwahrscheinlich, dass Jesus der Urheber dieser Texte war, da sich die Sprache im Laufe der Jahre veränderte und man daraus schließen kann, dass Jesus nicht dieselben Worte benutzt haben kann. Dennoch glauben Gleichnisforscher hingegen, in den Gleichnissen den Nachklang der Stimme Jesu zu hören. Denn die von Jesus erzählten Gleichnisse beinhalten einen Appell, der seine Leser und Hörer zum Denken und Verändern auffordern soll.

Ein Drittel der von Jesus gesprochenen Worte in der Bibel hat diese Erzählform.

Das Gleichnis lässt sich also als biblisches, metaphorisches Reden charakterisieren, welches interpretiert werden muss. Betrachtet man den Begriff „Gleichnis“ näher, so erhält man eine Differenzierung in vier verschiedene Kategorien:

- das Gleichnis (im engeren Sinne)
- die Parabel
- die Beispielerzählung
- und die Allegorie

3. Vier Formen gleichnishafter Rede

Die Gleichnisse unterscheiden sich nicht nur zwischen dem Gleichnis im engeren Sinn und der Allegorie, sondern auch zwischen der Beispielerzählung und der Parabel.

3.1 Das Gleichnis im engeren Sinn / besprechendes Gleichnis (Mt. 13, 31 – 32)

„Er erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das Kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.“[5]

Das Gleichnis im engeren Sinne, auch besprechendes Gleichnis genannt, ist eine der Unterkategorien des Begriffes „Gleichnis“ und gebraucht Bilder oder Tätigkeiten aus dem Alltag.

Alle drei Synoptiker überliefern dieses Gleichnis und es zählt zu den „Reich Gottes“ Gleichnissen und es ist das dritte Gleichnis, welches vom Säen handelt.

Charakteristisch ist für diese Art von Textgattung zu einem, dass die Zeitform des Präsens gewählt wurde, um das Gleichnis zu erzählen und zum anderen, dass sie einen (damals zur Zeit Jesu) alltäglichen Vorgang bzw. einen Naturvorgang schildert, wie das Backen von Brot oder die Saat und Ernte auf dem Feld. Zudem ist in dieser Art von Gleichnis meist nur ein Akteur vorhanden.

Die Leserlenkung erfolgt durch externe Transfersignale, wie die Einleitung: „Mit dem Himmelreich ist es wie“ oder Schlussversen („Dann geh und handle genauso!“ Siehe Lk. 10, 25 – 37)

Anhand des Naturvorganges wird eine Gesetzesmäßigkeit des Reiches Gottes deutlich gemacht und auch betont, dass die Anfänge des Gottesreiches unmerklich sind.

Wenn man den oben genannten Auszug aus Matthäus 13, 31-32 betrachtet, kann man sehen, dass all die charakteristischen Eigenschaften zutreffen.

Das Gleichnis ist im Präsens geschrieben („Es ist das kleinste“) und beschreibt die Gesetzesmäßigkeit eines Naturvorganges („Es ist das kleinste von allen Samenkörnern(…)hochgewachsen(…)zu einem Baum“). Auch wenn die Gleichnisse keinen Gesetzen der Logik folgen, so weiß man, dass wenn ein Same in die Erde gepflanzt wird, daraus ein Baum oder ein anderes Gewächs entsteht. Zudem kann man aus diesem Gleichnis herauslesen, dass, das Kommen der Herrschaft Gottes ein feststehendes Ereignis ist. Dies wird ebenfalls wieder mit dem Naturereignis erklärt, um die Skepsis und die menschliche Ungeduld zu vernichten.[6] Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Samenkorn, welches man in die Erde pflanzt, zu einem Baum heranwächst. So wird auch das Kommen des Reiches Gottes beschrieben. Die genaue Zeit weiß man nicht, so weiß man jedoch, dass das Senfkorn irgendwann zu einem Baum heranwächst.

[...]


[1] Vgl. Kompendium der Gleichnisse Jesu, S.6.

[2] Zit. Kompendium der Gleichnisse Jesu, S 17.

[3] Siehe Duden Bd. 01, Art. Semantik.

[4] Zit. Bibel Einheitsübersetzung, Mt. 13, 11-13.

[5] Zit. Bibel Einheitsübersetzung, Mt. 13, 31-32.

[6] Vgl. Kompendium der Gleichnisse Jesu, S. 17 – 27.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640950652
ISBN (Buch)
9783640950249
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174386
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Theologie Gleichnisse NT Textgattungen in der Bibel

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Titel: Die Gleichnisse Jesu - Formen, Bedeutung und Auslegungsmethoden