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Watzlawicks Axiome der menschlichen Kommunikation in der Schule

Eine kritische Betrachtung

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie der menschlichen Kommunikation nach Watzlawick

3. Grundsätze schulischer Kommunikation

4. Die Axiome der menschlichen Kommunikation
4.1 Axiom 1
4.1.1 Das Axiom in der Schule
4.2 Axiom 2
4.2.1 Das Axiom in der Schule
4.3 Axiom 3
4.3.1 Das Axiom in der Schule
4.4 Axiom 4
4.4.1 Das Axiom in der Schule
4.5 Axiom 5
4.5.1 Das Axiom in der Schule

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll die Kommunikationstheorie von Watzlawick darauf hin untersucht werden, inwieweit sie sich in Bezug auf Schulkommunikation anwenden lässt. Die Axiome menschlicher Kommunikation nach Watzlawick bilden hierfür die Grundlage und werden im Folgenden kritisch betrachtet. Watzlawick selbst bezeichnet die Aufstellung seiner Axiome als allgemeingültig. Daraus folgt, dass sie sich seiner Meinung nach zwangsweise auch auf Schule anwenden lassen müsse. Es folgt ein Theoriekapitel, in dem zunächst einige Begriffe erklärt werden und die konstruktivistische Theorie Watzlawicks vorgestellt wird. Im dritten Kapitel werden kurz einige Grundsätze schulischer Kommunikation erörtert. Im Anschluss sollen die Axiome der menschlichen Kommunikation nach Watzlawick erläutert und im Ansatz kritisch analysiert werden. Zu diesem Zweck sollen Beispiele aufgeführt werden, in welchen eine Verbindung zwischen der jeweiligen Theorie eines Axioms und der Schulpraxis zu erstellen, versucht wird. Hierzu werden auch persönliche Erfahrungen aus Schulpraktika und unserer eigenen Schulzeit erläutert.

In dieser Arbeit soll also untersucht werden, in welchem Maß sich die Kommunikationstheorie nach Watzlawick auf Schule anwenden lässt und wo eventuelle Grenzen liegen.

2. Die Theorie der menschlichen Kommunikation nach Watzlawick

Paul Watzlawick ist als Konstruktivist anzusehen. Unter Konstruktivismus versteht man die Einsicht, dass die Wirklichkeit, so wie sie ist, nicht erkannt werden kann, denn jeder konstruiert sich seine eigene Wirklichkeit.

Watzlawick geht dementsprechend davon aus, dass es verschiedene Wirklichkeitsauffassungen gibt, die auch widersprüchlich sein können. Diese widersprüchlichen Auffassungen sind nach Watzlawick durch Kommunikation entstanden.

Unter sozialer Kommunikation versteht Paul Watzlawick den Austausch, die Vermittlung und die Aufnahme von Informationen zwischen Menschen. Diese Definition ermöglicht es, dass Kommunikation mit “Informationsaustausch” gleichgesetzt werden kann (vgl. Watzlawick et al., 1969: 30).

Laut Watzlawick hat Kommunikation zwei wesentliche Aufgaben. Zum einen bezeichnet der Begriff ein Wissensgebiet und zum anderen das Verhalten während eines Kommunikationsprozesses. Watzlawick definiert diese Aufgaben genauer, indem er sagt: “Eine einzelne Kommunikation heißt Mitteilung (message), ein wechselseitiger Ablauf von Mitteilungen zwischen zwei oder mehreren Personen wird als Interaktion bezeichnet” (Watzlawick, 1987: 50f).

Kommunikation und Interaktion beinhalten nicht nur den Austausch von verbalen Informationen, sondern implizieren auch non-verbale Botschaften. Zu diesen nonverbalen Zeichen gehören unter anderem Gestik und Mimik. Der Begriff Kommunikation umfasst also sowohl das Gespräch, als auch das Verhalten während des Informationsaustausches.

Diese Auffassung von Kommunikation/Interaktion hängen nach Watzlawick mit seiner konstruktivistischen Sichtweise zusammen. Wenn er Kommunikation betrachtet, betrachtet er ein offenes System. Das bedeutet, dass zwei Personen in einem Kommunikationsprozess nicht als einzelne Personen angesehen werden, sondern als ein System gelten. Für Watzlawick zählt somit nicht nur die Wirkung auf eine Person, sondern die Beziehung zwischen Sender und Empfänger.

Die Theorie der menschlichen Kommunikation Watzlawicks stützt sich auf fünf Axiome. Er untersucht damit Störungen, die unter Umständen in der Kommunikation auftreten und dadurch Missverständnisse hervorrufen können. Nach Watzlawick benötigen die Axiome jedoch keine weitere Erklärung: “Ein Axiom ist ein Grundsatz, der keines Beweises bedarf.” Mit einer solchen Definition schafft er sich einen Freiraum, in dem er zunächst keine Kritik befürchten muss. Er stellt die Axiome so auf, dass sie stimmig scheinen und macht damit eine Begründung fast unnötig. In der Forschung geht man häufig davon aus, dass es sehr schwierig ist, allgemein gültige Gesetze für menschliches Verhalten aufzustellen.

3. Grundsätze schulischer Kommunikation

Der Unterricht baut auf der Interaktion zwischen Schülern und Lehrern auf. Sprache ist in der Schule in einigen Fächern nicht nur Medium sondern auch Gegenstand des Unterrichts. „Unterricht ist im wesentlichen Sprache, geschieht durch Sprache, darüber hinaus ist Sprache einer der Hauptgegenstände von Unterricht“ (Lange, Neumann, Ziesenis 1994: 116). Diese Tatsache setzt zwingend voraus, dass der Lehrer „ein grundlegendes Wissen von den Gesetzmäßigkeiten der unterrichtlichen Kommunikation (...) haben muss“ (vgl. Lange u.a. 1994: 116).

Allgemein ist zu beachten, dass nicht nur der Inhalt, also ein Thema, sondern auch die zwischenmenschliche Beziehung kommunikationsrelevant sind. In der Schule kommt dieser Aspekt besonders zum Tragen, da die schulische Kommunikation durch vorgeprägtes Rollenverhalten beeinflusst wird. Zusätzlich erschwerend ist häufig die Tatsache, dass der Lehrer sich selbst und seine Rolle innerhalb der Klassensituation anders wahrnimmt als die Schüler und umgekehrt. Einer Zusammenfassung der Interaktionsanalyse von Flanders (1966) zu folge ergaben sich folgende, nicht gerade ermutigende, Ergebnisse: Unterricht folgt immer einem ähnlichen Interaktionsmuster und variiert in dieser Hinsicht kaum; der Interaktionsanteil des Lehrers beträgt im Schnitt 68%, der der Schüler lediglich 20%, der Rest besteht aus Schweigen und Durcheinander; höchstens 20% aller Schülerfragen beziehen sich auf den Unterrichtsgegenstand, insgesamt fragen Schüler erstaunlich wenig (vgl. Lange u.a. 1994: 118).

Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass Kommunikation im Unterricht in der Regel „verzerrt oder gestört“ ist (Lange u.a. 1994:113). An dieser Stelle kommt die Kommunikationstheorie von Watzlawick zum Tragen, die sich mit verschiedenen Formen der Kommunikationsstörung beschäftigt. „Die Axiome menschlicher Kommunikation (...) haben fundamentale Bedeutung für die Unterrichtsanalyse und - planung bekommen“ (Lange u.a. 1994: 117).

4. Die Axiome der menschlichen Kommunikation

4.1 Axiom 1: „ Man kann nicht nicht kommunizieren. ” ( Watzlawick et al., 1969: 30)

Dieses Axiom beruht auf der Annahme, dass Kommunikation nicht nur verbale, sondern auch non-verbale Botschaften, also jede Form von Verhalten umfasst. Watzlawick findet kein Negativ für den Begriff „Verhalten“, da sich jeder Mensch, in jeder Situation irgendwie verhält. Ein Mensch kann sich also nicht nicht verhalten. Da sämtliches Verhalten auch Kommunikation ist, ist es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren.

Watzlawick nennt vier verschiedene Möglichkeiten mit einem Menschen zu kommunizieren, mit dem man eigentlich kein Gespräch führen möchte. Zunächst kann der eine Gesprächspartner dem anderen deutlich machen, dass er kein Interesse an einem Gespräch hat. Diese Variante nennt man Abweisung. Trotz der Abweisung durch einen Partner stehen die Personen in einer Beziehung zu einander und haben kommuniziert.

Weiterhin kann der Partner das Gespräch annehmen. Die Person gibt also nach und es entsteht so ein Nachteil für ihn, da er eigentlich kein Gespräch führen will. Um ein Gespräch zu vermeiden, kann der Kommunikationspartner die Aussagen des anderen entwerten und auch seinen eigenen Aussagen die Bedeutung nehmen. Zu einer Entwertung zählen unter anderem plötzliche Themenwechsel oder unvollständige Sätze.

Als vierte Variante kann die Person, die nicht kommunizieren will, ein körperliches Gebrechen vortäuschen. Taubheit, Trunkenheit usw. machen ein Gespräch unmöglich. Diese Variante kann dann zu einem Konflikt führen, wenn die andere Person einem vertraut ist. Es kann ein sogenannter Gewissenskonflikt entstehen.

4.1.1 Das Axiom in der Schule

Hier soll untersucht werden, ob sich die Theorie von Watzlawicks erstem Axiom in der Schule bewahrheiten kann. Zunächst einige Beispiele, in denen sich die Theorie wiederfindet: Eine bekannte Situation aus der Schulpraxis wäre beispielsweise, dass ein Schüler dem Lehrer eine Frage stellt. In diesem Moment herrscht aber eigentlich Stillarbeit und die Frage des Schülers hat nichts mit der konkreten Aufgabenstellung zu tun. Eine Häufige Lehrerreaktion könnte so aussehen, dass dieser dem Schüler durch bewusst eingesetztes Schweigen signalisiert, dass er keine Antwort auf seine Frage erhalten wird. In diesem Fall handelt es sich um eine Abweisung des Lehrers gegenüber dem Schüler. Auch eine umgekehrte Situation ist denkbar. So stellt z.B. die bekannte Aussage eines Schülers „...fragen sie jemand anderen...“ eine Abweisung seinerseits gegenüber dem Lehrer dar. Auch in der Interaktion von Schülern untereinander sind derartige Kommunikationsstörungen denkbar. Eine Situation, die wahrscheinlich jedem aus der eigenen Schulzeit bekannt ist, ist die Folgende: Während einer Klassenarbeit möchte Schüler A bei Schüler B etwas abschreiben. Davon ausgehend, dass Schüler B nicht damit einverstanden ist, hat er nach Watzlawick verschiedene Möglichkeiten zu reagieren. Erstens: Schüler B tut demonstrativ so, als habe er die Abschreibversuche von Schüler A nicht bemerkt- ein klarer Fall von Abweisung. Zweitens: Schüler B lässt sich gegen seinen Willen auf die Bitte von Schüler A ein und geht somit ein Risiko ein. Drittens: Um Schüler A loszuwerden täuscht Schüler B körperliches Gebrechen in Form von Taubheit oder plötzlicher Übelkeit vor.

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Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640950645
ISBN (Buch)
9783640950195
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174384
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
Note
1.0
Schlagworte
Watzlawicks Axiome menschlichen Kommunikation Schule Didaktik Schulkommunikation Germanistik soziale Kommunikation Lehramt konstruktivistische Kommunikationstheorie Unterricht

Autor

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Titel: Watzlawicks Axiome der menschlichen Kommunikation in der Schule