Lade Inhalt...

Die Zurücksetzung Domitians gegenüber Titus und deren Auswirkungen auf Domitians Herrschaft

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Domitian und Titus vor und unter der Herrschaft Vespasians: Die Zurücksetzung
2. Domitians Umgang mit Titus nach dessen Tod
3. Der Chattenkrieg im Jahr 83 als Auswirkung der Zurücksetzung
4. Mögliche Auswirkungen der Zurücksetzung auf Herrschaftsstil und Charakter Domitians

III. Schlussbemerkungen

IV. Bibliographie
1. Quellenverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Als Domitian im Jahre 96[1] einem Attentat zum Opfer fiel, reagierte die Senatorenschicht mit großer Erleichterung. Eindeutig abfällig ist das Urteil der Geschichtsschreiber, die ausnahmslos jener Schicht angehörten. Auch wenn in den zu Domitian vorhandenen Quellen z. T. maßlose Übertreibungen vorhanden sind und einige falsche Sachverhalte dargestellt werden, um ihn nachträglich zu diskreditieren, so sind auf den ersten Blick doch einige negative Charakteristika seiner Herrschaft nicht von der Hand zu weisen: Dazu zählen u. a. sein autokratischer Herrschaftsstil, seine Selbstdarstellung und die rigide Verfolgung politischer Gegner gegen Ende seiner Regierungszeit.

Rätselhaft erscheint, wie es zu diesen negativen Auswüchsen kommen konnte. Mit seinem Vater Vespasian und seinem Bruder Titus hatte Domitian doch zwei Vorgänger in seiner Familie, deren Politik größtenteils im Einklang mit dem Senat erfolgte und die ihm als Vorbilder dienen konnten. Doch hierin liegt ein Problem: Domitians Verhältnis zu Vespasian und vor allem zu Titus muss durchaus gespannt gewesen sein[2], da Vespasian den fast zwölf Jahre älteren Titus klar bevorzugte, indem er ihm früh militärische Aufgaben übertrug und ihn nach seinem Amtsantritt 69 an den Regierungsgeschäften teilhaben ließ. Domitian dagegen führte bis zum plötzlichen Tod des Titus eine Art Schattendasein und konnte bei seinem Amtsantritt 81 keine militärische Erfahrung vorweisen und bekleidete bis dahin nur wenige verantwortungsvolle Ämter[3]. Auch wenn seine Zurücksetzung aufgrund des Altersunter -

schieds unausweichlich war[4], musste es für ihn frustrierend gewesen sein, für eine so lange Zeitspanne nur eine untergeordnete Rolle in der Politik des Imperium Romanum zu spielen.

Es stellt sich nun die Frage, ob und wie sich diese Zurücksetzung auf Domitians Herrschaft auswirkte. Gegenstand der Arbeit ist zunächst die Zurücksetzung selbst, deren Chronologie und wesentliche Aspekte. Auch Domitians Umgang mit Titus nach dessen Tod ist hierbei von Belang, da sich hier Widersprüche erkennen lassen, die im Lichte der Zurücksetzung gedeutet werden können. Hier sind neben dem Quellenbericht Suetons[5] vor allem zwei nichtliterarische Quellen maßgeblich: Zum einen Domitians Münzprogramm „GERMANIA CAPTA“, mit dessen Hilfe er sich als seinem Bruder militärisch ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen darstellen ließ. Zum anderen aber ist der unter Domitian errichtete Titusbogen bis heute Monument der Anerkennung der Leistungen des Titus. Mithilfe von Pfanners Monographie[6] wird hier die wahre Intention Domitians beim Bau des Titusbogens zu erörtern sein.

Im weiteren Verlauf wird, größtenteils nach Strobels Aufsatz[7], der Chattenfeldzug 83 als außenpolitische Auswirkung der Zurücksetzung dargestellt. Im letzten Gliederungspunkt des Hauptteils soll die Frage diskutiert werden, ob und inwieweit sich die frustrierende Erfahrung der Zurücksetzung negativ auf den Herrschaftsstil und den Charakter Domitians ausgewirkt haben könnte. Hierbei maßgeblich sind die Arbeiten von Southern[8] und Witschel[9], die beide Domitians Herrschaft auch als Ergebnis seiner schwierigen Jugendzeit sehen.

An dieser Stelle ist allerdings noch einmal auf die oben schon angedeutete, durchaus heikle Quellenlage hinzuweisen: Mit Ausnahme von Statius und Martial, die als Hofdichter nur panegyrisch zu Lebzeiten Domitians schrieben, sind alle erhaltenen Quellen über Domitian erst nach seinem Tode entstanden mit der Intention, Domitian nachträglich als Tyrannen zu brandmarken[10]. Ein Grund für diese übertrieben negativen Berichte über Domitian ist u. a. eine „Entdomitianisierungskampagne“, mit der Traian seine Herrschaft (98-117) neben einigen anderen Faktoren legitimierte[11]. Auch ist zu berücksichtigen, dass höchstwahrscheinlich erst die Jahre 93-96, also die letzten Regierungsjahre Domitians, maßgeblich für das negative Domitianbild sind, weil sich in diesen Jahren Verfolgungen und Hinrichtungen von Senatoren häuften. Es ist also aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen, ob die überlieferten negativen Charaktereigenschaften Domitians vor 93 überhaupt zutrafen oder ob die Geschichtsscheiber ihm diese nachträglich andichteten.

II. Hauptteil

1. Domitian und Titus vor und unter der Herrschaft Vespasians: Die Zurücksetzung

Neben dem beträchtlichen Altersunterschied von fast 12 Jahren fallen bei der Betrachtung des ungleichen Bruderpaares die unterschiedlichen Voraussetzungen auf, unter denen sie erzogen und ausgebildet wurden. Titus genoss eine Erziehung am Hofe des Kaisers Claudius, zusammen mit dessen Sohn Britannicus[12]. Claudius gewährte Titus dieses Privileg als Anerkennung für Vespasians Verdienste im Britannienfeldzug 43/44[13]. An diese hervorragende Erziehung kam die des Domitian nicht heran. Sueton mutmaßt, Domitians Kindheit und frühe Jugend habe in „entehrender Armut“[14] stattgefunden, was Malitz und Witschel mit finanziellen Problemen Vespasians[15] und einem daraus resultierendem „Karriereknick“[16] unter Caligula und Nero erklärten. Allerdings zweifelte Jones Suetons Darstellung stark an[17]: Domitian wurde demnach zwar nicht am Hof erzogen, allerdings vernachlässigte Vespasian keinesfalls die Erziehung Domitians. Für Jones gibt es klare Anzeichen dafür, dass Domitian ebenfalls eine gute Ausbildung erhielt, weil sogar die domitiankritisch eingestellten Geschichtsschreiber Tacitus und Sueton seine rhetorischen Fähigkeiten[18] und seine Literaturkenntnisse[19] konstatierten. Trotzdem zeigt sich schon in der Erziehung eine unterschiedliche Behandlung der Brüder zuungunsten Domitians.

Titus wurde auch in den folgenden Jahren von Vespasian gegenüber Domitian bevorzugt. So übertrug Vespasian ihm schon früh militärische Verantwortung: Nachdem Nero Vespasian 67 mit dem Kommando über den Krieg in Judäa betraute, überließ dieser Titus den Befehl über eine Legion, obwohl er bisher nur das Amt des Quästors innehatte, und ihm somit ein solcher Befehl noch gar nicht zugestanden hätte[20]. Schon hier zeigt sich also die enge Bindung zwischen Titus und Vespasian, sodass Stahlmann folgerichtig konstatiert: „Die für den ältesten Sohn durchaus gebräuchliche Namensgleichheit mit dem Vater sollte sich in diesem Fall als Programm erweisen.“[21]

Während sich Vespasian 69 in Alexandria zum Imperator ausrufen ließ und seitdem dort die Entscheidung im Kampf seiner Truppen gegen die Vitellianer abwartete, hatte Titus das Oberkommando im Krieg gegen Judäa, den er mit der Eroberung Jerusalems im September 70 erfolgreich beendete. Seit dem Triumph, den Vespasian und Titus im Sommer 71 gemeinsam feierten, trat Titus stets als „Teilhaber an der Herrschaft, ja als Mitherrscher“ auf[22]. Dies lässt sich auch daran festmachen, dass er in den Jahren 70,72,74-77 und 79 Konsul war und sogar die Prätorianerpräfektur übernahm[23]. Vespasian bereitete ihn also optimal auf seine Rolle als Thronfolger vor.

Domitian spielte im Vergleich dazu eine zunächst vollkommen untergeordnete Rolle. Selbst als er ab Dezember 69 nach dem Sieg der Vespasianer in Rom bis zum Eintreffen Vespasians im Oktober 70 Stadtprätor mit konsularischer Gewalt war[24], hatte de facto nicht er, sondern Vespasians Verbündeter Licinius Mucianus, ehemaliger Statthalter Syriens, das Sagen. Die öffentliche Zurücksetzung äußerte sich danach auch darin, dass Vespasian ihm ein Kommando gegen die Parther verwehrte[25]. Er erhielt zwar einige Ehrungen wie den Titel „princeps iuventutis“ ; Titus betitelte ihn auch als „Teilhaber und Nachfolger“[26], dennoch hielten ihn Vespasian und Titus von der politischen Macht größtenteils fern. Ausnahmen bildeten lediglich sechs Konsulate; allerdings gibt es Anzeichen, dass ihm das einzige ordentliche Konsulat 73 eigentlich schon 72 hätte verliehen werden sollen und Domitian durch die plötzliche Aberkennung brüskiert wurde[27]. Das Konsulat 73 soll Titus ihm dann großzügig überlassen haben[28]. Jones zweifelt allerdings den Wahrheitsgehalt dieser Textstelle bei Sueton an und kommt zu dem Schluss, dass Vespasian Domitian so viel wie möglich ehren wollte[29]. Wie dem auch sei, mit politischer und noch viel wichtigerer militärischer Macht ehrte er ihn kaum bzw. überhaupt nicht.

[...]


[1] Alle Jahreszahlen im Text n. Chr.

[2] In Suet.Tit.9,3 wird Domitian wie ein Erzrivale des Titus dargestellt.

[3] Zwar war er bis 81 sechs Mal Konsul, allerdings bekleidete er nur einmal, im Jahr 73, ein ordentliches Konsulat.

[4] Jones, B.: The Emperor Domitian, London 1992, 18 [im Folgenden zitiert als „Jones, Domitian“].

[5] Sueton: Vespasian, Titus, Domitian, lat .- dt., hrsg, übers. u. erl. v. H. Martinet, Stuttgart 1991.

[6] Pfanner, M.: Der Titusbogen, Mainz 1983 [im Folgenden zitiert als „Pfanner, Titusbogen“].

[7] Strobel, K.: Der Chattenkrieg Domitians. Historische und politische Aspekte, Germania 65 (1987), 423-452 [im Folgenden zitiert als „Strobel, Chattenkrieg Domitians“].

[8] Southern, P.: Domitian. Tragic Tyrant, London/New York 1997 [im Folgenden zitiert als „Southern, Domitian“].

[9] Witschel, C.: Domitian, in: M. Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München³2005, 98-110 [im Folgenden zitiert als „Witschel, Domitian“].

[10] Paradebeispiele hierfür sind Tacitus: De vita Iulii Agricolae sowie der Panegyricus von Plinius d. J.. Beide Quellen stehen unter dem Einfluss der als positiv empfundenen Herrschaft Traians (98-117).

[11] Strobel, Chattenkrieg Domitians, 428.

[12] Suet. Tit.1,2.

[13] Pfeiffer, S.: Die Zeit der Flavier. Vespasian – Titus – Domitian, Darmstadt 2009, 39 [im Folgenden zitiert als „Pfeiffer, Zeit der Flavier“].

[14] Suet. Dom. 1,1.

[15] Witschel, Domitian, 98.

[16] Malitz, J.: Vespasian, in: M. Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München³2005, 87.

[17] Jones, Domitian, 12.

[18] Tac. hist. 4,40,1.

[19] Suet. Dom. 9.1, 12.3 sowie 18.2.

[20] Pfeiffer, Zeit der Flavier, 39.

[21] Stahlmann, I.: Titus, in: M. Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München³2005, 95.

[22] Suet. Tit. 6,1.

[23] Ebd.

[24] Suet. Dom.1,3; Tac. hist. 4,3,4.

[25] Eck, W.: Art. „Domitianus [1]“, DNP online, URL: <http://www.brillonline.nl/subscriber/uid=2001/entry?entry=dnp_e322490> (25.02.2011).

[26] Suet. Tit. 9,3.

[27] Jones, Domitian, 18f.

[28] Suet. Dom. 2,1.

[29] Jones, Domitian, 19

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640949625
ISBN (Buch)
9783640949441
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174371
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
Schlagworte
zurücksetzung domitians titus auswirkungen herrschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Zurücksetzung Domitians gegenüber Titus und deren Auswirkungen auf Domitians Herrschaft