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Romanische Buchmalerei im Kontext moderner Literatur

In Anwendung auf "Die Stadt der Träumenden Bücher" von Walter Moers

Hausarbeit 2009 13 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Besonderheiten Romanischer Buchmalerei
2.1 Thematik
2.2 Merkmale und Symbolik
2.3 Farbgebung

3. Die Stadt der Träumenden Bücher
3.1 Bedeutung der Literaturauswahl
3.2 Illustrationen Walter Moers’

4. Anwendung romanischer Buchmalerei auf Walter Moers
4.1 Inhalt und Bildaufteilung
4.2 Materialien und Technik
4.3 Interpretati on und Intenti on

5. Fazit

6. Praktischer Teil

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1 Bildverzeichnis

1. Einleitung

„Eins noch, Junge, was du dir merken musst: Es kommt nicht drauf an, wie eine Geschichte anfängt. Auch nicht darauf wie sie aufhört. Sondern auf das, was dazwischen passiert. “ 1, so der weise Rat Danzelots, der Dichtpate des Protagonistens aus „Die Stadt der Träumenden Bücher“ von Walter Moers.

Tatsächlich spielt das, was zwischen den Buchdeckeln liegt, viel wichtiger noch das was zwischen den Zeilen zu lesen ist, eine große Rolle. Das gilt nicht nur für Moers’ zamonische Literatur, sondern galt schon zu Zeiten der Romanik um das 12. Jahrhundert herum. Vielleicht sogar besonders damals, denn die Mehrzahl der deutschen Bevölkerung war nicht des Lesens und Schreibens mächtig. Daher konnten die wenigsten Menschen etwas mit in Klöstern handschriftlich angefertigten Bibeltexten und sonstigem Schriftmaterial auf Latein anfangen. Die einzige Möglichkeit, die den Analphabeten blieb, war die Buchmalerei, denn Bilder verstand auch das einfache Volk ohne Probleme.Die Intention der Mönche, die Texte illustrierten war damals aber sicher nicht die bloße Verzierung. Im Vergleich zu heute ging es vordergründig darum Inhalte zu vermitteln sowie Herrschaftsstrukturen und Weltordnung.

Im krassen Gegensatz dazu steht die moderne Literatur des 21. Jahrhunderts, vor allen Dingen Science Fiction, Fantasy und Belletristik. Der Kontrast wird dabei hauptsächlich durch den Unterhaltungswert hervorgerufen, der in der Neuzeit die wichtigere Rolle spielt, während Lehrinhalte zurücktreten. Illustrationen kennt man inzwischen überwiegend aus Kinderbüchern, aber auch vereinzelt von Jugend- und Erwachsenenautoren. Die Rolle der Illustration hat sich jedoch stark verändert und von dem Hauptmedium zur Ergänzung gewandelt. Heute beträgt der Anteil der erwachsenen Analphabeten in Deutschland lediglich noch ein Prozent (vgl. Anhang), was die schwindende Bedeutung der Buchmalerei, bzw. der Illustration erklärt.

Kann nun ein moderner Roman romanisch illustriert werden? Oder viel mehr: kann romanische Buchmalerei eine tiefergehende Bedeutung haben, wenn sie auf Unterhaltungsliteratur angewandt wird?

Im Folgenden werde ich, nach kurzer Darstellung der Besonderheiten der romanischen Buchmalerei als auch der Präsentation der Literaturauswahl, diese eben erwähnte praktische Anwendung analysieren und interpretieren. Schließlich werde ich zu einem Ergebnis kommen, dass für mich persönlich die Frage klärt, ob romanische Buchmalerei auf moderne Literatur anwendbar ist und welche Probleme sich konkret in der Übertragung ergeben.

2. Besonderheiten Romanischer Buchmalerei

2.1 Thematik

Den Buchmalern der Romanik ging es vor allem darum „[...].Illustration, Verzierung und Text miteinander zu verknüpfen “ 2 Die Themen waren überwiegend religiöser Art, was darauf zurückzuführen ist, dass der Großteil romanischer Buchmalerei in Klöstern entstand. Auftraggeber für ,die große illustrierte Bibel’ oder einzelne Evangelistenbilder waren dabei meist Äbte, Bischöfe sowie andere wohlhabende Kleriker. Adlige und Herrscher, wie zum Beispiel Heinrich der Löwe, waren ebenfalls Förderer der Buchmalerei, nahmen jedoch in der romanischen Epoche weniger Einfluss auf deren Thematik (3 vgl. Lexikon des Mittelalters).

Bestimmend war der Wunsch das Weltbild der Menschen zu formen und zu prägen, so unter anderem durch die Anwendung von Dedikationsbildern von Herrschern, bzw. deren bildhaften Verherrlichung und Selbstdarstellung. Das Volk wurde dadurch kirchentreu ,erzogen’, dass Mönche in der romanischen Buchmalerei biblische Szenen in alltägliche Bilder übertrugen, um sie auf diese Weise zu veranschaulichen und verständlich zu machen. Auch das Bildschema der Majestas Domini, der Herrlichkeit Gottes, findet sich in der Romanik wieder, denn sehr oft wurde Jesus als Herrscher auf dem Thron dargestellt. Die Intention, vor allem der kirchlichen Auftraggeber, war es also, durch die Buchmalerei Texte auf eine verherrlichende Art zu illustrieren und dabei die Größe Gottes (bzw. eines Herrschers) hervorzuheben. Solche Darstellungen wurden dann auf die Tympana der Kirchenportale als auch als Bildgeschichten auf Wände und Fenster der Kathedralen übertragen.

Die romanischen Auftraggeber arbeiteten dabei getreu dem Motto: „Je prunkvoller die Bilder, umso beeindruckter und überzeugter die Bevölkerung, dass das dargestellte Thema Relevanz hat.“. Nachprüfen inwiefern nun die (Selbst-)Darstellung des Auftraggebers stimmte konnte keiner der Analphabeten. Aber dafür gab es ja die Buchmalerei, die mit ihrer Einfachheit sofort schlüssig schien und jedem zugängig war.3

2.2 Merkmale und Symbolik

Um die Herrschaftsstrukturen mittels Buchmalerei zu verdeutlichen und auf diese Weise zu festigen, nutzte man in der Romanik Wege der Darstellung, die wenig Raum für Interpretation ließen. „Klare Umrisslinien, eindeutige Gewichtsverteilung der Figuren und ornamentale Symmetrie “ 4 trugen ihren Teil dazu bei, ,klare’ Verhältnisse zu schaffen. Besieht man sich so zum Beispiel Werke wie die Verkündigung an die

Hirten aus dem Perikopenbuch Heinrichs II. (vgl. Deckblatt), so fällt unmittelbar auf, dass mit Bedeutungsperspektive gearbeitet wurde, die die Wichtigkeit des Engels gegenüber den einfachen Hirten hervorhebt. Auch die Anordnung der Figuren ist in diesem Beispiel genauestens bedacht und keineswegs dem Zufall überlassen. Der symmetrische, konstruierte Eindruck wird jedoch in der romanischen Buchmalerei stets durch einen gewissen Abstraktionsgrad verwischt: so sind die Proportionen (besonders das Größenverhältnis von Händen und Füßen im Vergleich zu Körper und Kopf) meist nicht stimmig und durch die deutlichen Konturen der einzelnen Figuren und eine flächige Schattensetzung entfernt das Bild sich mehr und mehr von einem naturalistischen Darstellungsmodus. Die Figuren wirken, aufgrund von fehlendem, da noch nicht erworbenen, Wissen, flächig statt. Man spricht deswegen auch von einem „zackigen Faltenstil und [...] straff und klar artikuliertfen] Körpern“ 5. Einzelne Ansätze, den Buchmalereien Plastizität zu verleihen, kann man dagegen in multiperspektivischer Darstellung finden.

Es ging in der Romanik jedoch auch weniger um eine naturalistische Darstellungsweise, als um die Vermittlung gewisser Inhalte mittels Malerei: dabei wurden zahlreiche Symbole verwandt, größtenteils christlicher Herkunft. Auch Schimären und Fabelwesen wurden von den romanischen Buchmalern gerne zur Illustration verwandt.

2.3 Farbgebung

Farben spielten in der romanischen Buchmalerei eine elementare Rolle, da es sich überwiegend um Symbolfarbe (vgl. Anhang für Beispiele) handelt. Auffällig ist auch der „Mut zur leeren, einfarbigen Fläche “ 6, der sich in den romanischen Werken oft als Goldgrund äußerte. Dieser sollte die Abgehobenheit von allem Diesseitigen unterstreichen, so wie zum Beispiel auch der Heiligenschein mit Kreuz oder das blaue Gewand Jesus, Maria und andere Heilige eindeutig vom Normalsterblichen abgrenzten.

Den romanischen Buchmalern stand eine breite Farbpalette zur Verfügung, denn fast jede Farbe konnte in den Klöstern selbst hergestellt werden, unter anderem aus Erdpigmenten, Lapislazuli, Eigelb und Safran. Bei so viel Hingabe zur (Buch-)Malerei stellt sich heute die Frage, ob in unserer Zeit noch eine persönliche Beziehung zum illustrierten Text besteht. Oder ist die Buchmalerei heute lediglich noch oberflächliche Randverzierung? Hat sie noch einen Eigenwert? Ob sich überhaupt noch Gedanken über Farbe und Bildkomposition gemacht werden, das ist fraglich.

3. Die Stadt der Träumenden Bücher

3.1 Bedeutung der Literaturauswahl

Walter Moers hat sich in der deutschen Literatur inzwischen einen Namen als einer der vielfältigsten Autoren gemacht. In erster Linie reichen seine Werke von satirischen Comics und Karikaturen bis hin zu nicht gerade dünnen Romanen, die meist vom Grotesken geprägt sind. Stilistisch gesehen orientiert Moers sich häufig an Stoff aus der mittelalterlichen Sagen- und Märchenwelt. Antike Elemente vermischt er oftmals mit Humor und modernen Elementen, was seine eigentümliche Schreibweise ausmacht.7

Wie kaum ein zweiter Autor nutzt Moers die Pressefreiheit sowie die Möglichkeiten, die ein Schriftsteller im 21. Jahrhundert hat, um Unterhaltungsliteratur zu produzieren, die - wäre die Rede von Musik - die Charts stürmen würde. Doch schaut man genauer hin, so verbirgt sich hinter der leichten, amüsanten Literatur einiges mehr: durch Wortspiele, Anagramme und Anspielungen, sehr oft auf mittelalterliche Mythen und Epen, verleiht der Autor seinem Werk einen erst auf den zweiten Blick sichtbaren Wert. Diese Mischung war es, die Walter Moers für mich als Autoren interessant gemacht hat. Wie in meiner praktischen Arbeit, hat auch er in seiner Prosa Altes mit Neuem vermischt und hinter dem Offensichtlichen noch weitere Botschaften versteckt.

3.2 Illustrationen Walter Moers’

Was für die Romane von Moers gilt, gilt ebenso für seine Illustrationen, auch wenn diese nicht denselben Stellenwert wie der Text einnehmen. Mit Bleistift und Kohle, aber vor allem Tuschestift zeichnete er die illustrierenden Szenen und Figuren, die sich überall in „Die Stadt der Träumenden Bücher“ finden. Dabei sind nicht nur vereinzelt versteckte und sogar mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf zahlreiche Themen und Begebenheiten in den Illustrationen enthalten. Gelegentlich finden sich in Moers’ Zeichnungen auch kunsthistorische Referenzen wie zum Beispiel zu Caspar David Friedrichs „Eismeer“, das als Vorlage für Wesen namens „Frostfratten“, die seiner Fantasie entsprangen, diente.

Wie in der romanischen Buchmalerei neigt auch Moers außerdem zu einem meist „kinderbuchartigen niedlichen“ 8 Stil, vermutlich jedoch nicht aus mangelndem künstlerischen Können und Wissen wie in der Romanik. Viel mehr hat er seine eigene Gestaltungsart gefunden und diese über die Jahre weiter entwickelt.

[...]


1 Piper Verlag, Moers, Walter, „Die Stadt der Träumenden Bücher“, 2004, S.21

2 http://www.kunstwissen.de/buchmalerei-ottonisch.htm Reichenauer Malerschule

3 S. 4: Hjort, O.; Mazal, D.; Thoss, G.; Dogaer, J.; Backhouse, G.; Regoli, H.; Künzl, A., „Lexikon des Mittelalters” (Buchmalerei), Band 2, 1983

4 Taschen Verlag, Walther, Ingo; Wolf, Norbert, „Meisterwerke der Buchmalerei”, Köln 2005

5 vgl. www.Uni-Mainz.de

6 St. Ursula Schule, Hannover, Material KOMPAKT: „Buchmalerei der Romanik“

7 Haas, Christoph, Rezension, Süddeutsche Zeitung, Dezember 2004

8 Falter Verlag, Interview mit Walter Moers, Januar 2005

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640945986
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174240
Institution / Hochschule
Städtisches Gymnasium Rheinbach
Note
1,0 (sehr gut)
Schlagworte
romanische buchmalerei kontext literatur anwendung stadt träumenden bücher walter moers

Autor

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Titel: Romanische Buchmalerei im Kontext moderner Literatur