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Die "Peculiar Institution" und der amerikanische Bürgerkrieg

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung der USA bis 1854
2.1 Die Manifest Destiny: Expansion und deren Folgen bis 1854
2.2 Wirtschaft und Bevölkerung
2.3 Der Zerfall des Zwei-Parteien-Systems und die Auswirkungen auf Nord und Süd

3 Das Auseinanderdriften von Nord und Süd 1850 bis 1860
3.1 Von Kansas Bleeding bis Harpers Ferry: Eskalation im Namen der Sklaverei
3.2 Lincoln, die Republikaner und die Wahl von 1860
3.3 Das Unvermeidliche: Der Weg bis Fort Sumter

4 Der Krieg und seine Folgen
4.1 Der Einfluss der Sklaverei auf den Kriegsverlauf
4.2 Außenpolitik im Schatten der Sklaverei
4.3 Appomattox und die Folgen für Schwarze und Weiße im Süden

5 Zusammenfassung

6 Bibliographie
6.1 Überblicksdarstellungen
6.2 Die Entwicklung der USA bis 1854
6.3 Das Auseinanderdriften von Nord und Süd 1850 bis 1860
6.4 Der Krieg und seine Folgen

1 Einleitung

Kaum etwas scheint in der Geschichte so eindeutig zu sein wie der Zusammenhang zwischen der Sklaverei und dem Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges. Bei der nüchternen Be­trachtung der Fakten sind Brüche festzustellen, die nicht in das Bild des Kampfes zur Befrei­ung der Sklaven passen wollen. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Sklaverei tatsächlich der eigentliche Grund für den Kriegsausbruch war oder ob der Krieg die unausweichliche Folge des rasanten räumlichen und wirtschaftlichen Wachstums der USA im 19. Jhdt. war. Mussten sich die Zentrifugalkräfte innerhalb der Union zwangsläufig in einem bewaffneten Konflikt entladen, um letztendlich daraus die Differenzen in sozialer, wirtschaftlicher und verfassungs­politischer Hinsicht zu überwinden?

In der vorliegenden Hausarbeit werden folgende Punkte näher beleuchten:

- In wie weit stellte die Sklaverei im Süden und Norden einen integralen Bestandteil der Gesellschaft dar?
- Bis zu welchem Grad war die Sklaverei dazu geeignet, die bestehenden Differenzen zwischen Nord und Süd zu verschärfen?
- Welche anderen Faktoren wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Art waren für den Ausbruch und die Eskalation des Bürgerkrieges entscheidend?
- In wie weit veränderte die Emanzipationsproklamation den Kriegsverlauf und die Haltung der Amerikaner und Ausländer zum Krieg selbst? und
- Wie veränderten der Ausgang des Krieges und die Sklavenbefreiung das Leben der Weißen und Schwarzen im Süden?

Ein Teil dieser Brüche sind darauf zurückzuführen, dass die Einstellungen sowohl innerhalb des Nordens, wie auch innerhalb des Südens von Dualitäten geprägt waren, die scheinbar nicht zueinander passten. So gingen Abolitionismus und Rassismus teilweise Hand in Hand, genauso wie ein freiheitliches Unternehmertum und die Ausbeutung von Arbeitern in Nord und Süd. Daneben geht es auch um die Frage, warum ein Krieg zur Erhaltung der Sklaverei von einer Gesellschaft geführt wurde, deren Mitglieder größtenteils gar keine Sklaven besaßen und die Befreiung der Sklaven gefordert wurde von einer Bevölkerung, die mehrheitlich nie Schwarze gesehen hatte.

Die Absichten und Handlungen der beteiligten Politiker spielen ebenso eine Rolle, da diese letztendlich aufgrund ihrer gegenseitigen Vorgehensweisen den Krieg unvermeidlich machte. Daneben wird schließlich in Kapitel 4 der Einfluss der Sklaverei auf den Kriegsverlauf selbst näher betrachtet und die Folgen für die Bevölkerung des Südens aufgezeigt.

2 Die Entwicklung der USA bis 1854

2.1 Die Manifest Destiny: Expansion und deren Folgen bis 1854

Die Zeit von der Gründung der USA als Union 1787 bis zum Jahr 1854 war geprägt von ei­nem unvergleichlichen Wachstum auf allen Gebieten. Dies betraf insbesondere die räumliche Ausdehnung, aber auch das Bevölkerungswachstum und die Wirtschaftsleistung.

Hinsichtlich der geographischen Expansion lassen sich drei Wellen unterscheiden, bei denen insbesondere die dritte Welle unmittelbaren Einfluss auf den Ausbruch des Bürgerkrieges hatte. Ausgehend von den dreizehn ursprünglichen Staaten fand Wanderungs- und Siedlungs­bewegung nach Westen statt, die die Gebiete jenseits der Appalachen zum Ziel hatte und zur Aufnahme von Vermont, Kentucky und Ohio in die Union führte. Unmittelbar darauf kam die Phase des Gebietskaufes, welche erst 1803 das Louisiana-Territorium von Frankreich, dann 1813 das Floridas von Spanien umfasste, und der das Gebiet der USA mehr als verdop­pelte. Schon in dieser Phase wurden zwei Dinge in der Entwicklung der USA deutlich: zum Einen der Anspruch der USA auf Beherrschung des gesamten Kontinents ohne Einmischung europäischer Mächte und zum Anderen die Frage nach der Ausweitung der Sklaverei auf die neuerworbenen Gebiete und das Gleichgewicht zwischen Nord und Süd. Auf diesen zweiten Punkt wird im Kapitel 3 noch näher eingegangen.

Bereits seit der Etablierung der USA waren die Frage der Sklaverei und die Ausbreitung auf weitere Gebiete innerhalb der politischen Elite heftig umstritten. Die Verfassung selbst drückt sich in der Sklavenfrage sehr zurückhaltend aus, was auf einen heftigen Richtungsstreit inner­halb des Verfassungskonvents schließen lässt. Insbesondere die Tatsache, dass führende Köp­fe der frühen USA Sklavenhalter waren, darunter George Washington und Thomas Jefferson, macht deutlich, dass die völlige Abschaffung der Sklaverei zum damaligen Zeitpunkt undenk­bar war. Zum anderen setzte die junge Republik 1787 mit der Erklärung, dass die Sklaverei nordwestlich des Ohio Flusses verboten sein sollte, ein Zeichen, dass eine weitere Ausbrei­tung der Sklaverei nur in engen Grenzen möglich sei. Zum anderen zeigte dies aber auch schon, dass es bereits zum damaligen Zeitpunkt eine bedeutende Fraktion von Sklavereigeg­nern gab, die bis zum Bürgerkrieg noch stetig wuchs. Die politischen Eliten hielten bei den weiteren Regelungen zur Erweiterung der Sklaverei mit dem Missouri-Kompromiss 1820, der Sklaverei nördlich einer Linie des Breitengrades 36° 30' verbot, an der Teilung des Landes in Nord und Süd fest. Als Zugeständnis zur Verhinderung einer Sezession überließ der Clay- Kompromiss von 1850 die Frage den Einzelstaaten.

2.2 Wirtschaft und Bevölkerung

Mit der enormen Ausweitung des Staatsgebietes ging sowohl eine rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Industrieproduktion als auch der Bevölkerung im Norden der USA einher. Die Haupteinwanderungsströme, die ab 1842 stetig anschwollen, kamen überwiegend in Hä­fen des Nordens an, allen voran Boston und New York.[1] Nennenswerte Zuwanderungen in die südlichen Staaten sind nach 1830 nicht mehr zu verzeichnen, da sich das Gros der Ein­wanderer in die Staaten des nördlichen Mississippi und in Richtung Oregon und Kalifornien aufmachte. Dies führte in den nördlichen Gebieten der Union zu einer Flexibilisierung der Einwohnerschaft, zu ständiger Erneuerung und letztendlich zu einem Anwachsen der Indust­rie nach englischem Vorbild, was eine große Zahl von Arbeitskräften als Grundbedingung beinhaltete. Der damit einhergehende Ausbau der Infrastruktur, wie beispielsweise der Eisen­bahn und dem Erie-Kanal, führte gleichzeitig zu einem Anwachsen der Industrieproduktion. Im Süden dagegen verharrte die Gesellschaft in einem System, das zwar extrem exportorien­tiert war, sich allerdings von äußeren Einflüssen weitgehend abschottete und ein eigenes Be­wusstsein entwickelte, das sich von dem des Nordens grundlegend unterschied. Die Wirt­schaft des Südens war geprägt von großen Plantagen auf der einen und Kleinbauern auf der andern Seite. War das Ziel der Einwanderer im Norden, möglichst schnell zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen, um im Westen von Landzuweisungen zu profitieren und sich damit ein Auskommen zu verdienen, so war der Süden von einer aristokratischen Lebensart geprägt, die dazu führte, dass man versuchte Wohlstand zu erlangen, um Luxusgüter importieren zu können[2]. Diese Luxusgüter und der damit einhergehende soziale Austausch waren der Schlüs­sel für die Anerkennung innerhalb der Gemeinschaft. Der beste Weg, diesen Status zu errei­chen, war die Haltung und Ausbeutung von Sklaven, wie es die Reichen im Süden vorge­macht hatten. Bezeichnend dabei ist, dass die Zahl der Einwohner im Süden, die tatsächlich Sklaven besaßen, mit nur 5% vergleichsweise gering war[3]. Neben dem Export der erzeugten Rohstoffe, hauptsächlich Baumwolle und Tabak, führte das Anwachsen der Sklavenbevölke­rung selbst zu einer neuen Quelle des Wohlstandes, da die „Überschüsse" gewinnbringend verkauft werden konnten. Da aber die Absatzmärkte für Sklaven zusammen gebrochen wa­ren[4], war die einzige Möglichkeit, neue Märkte zu schaffen, in der Ausweitung des Gebietes der USA gegeben. Dies macht deutlich, warum der Kampf um die Territorien mit so erbitter­ter Härte geführt wurde. Genauso erbittert kämpfte der Norden gegen die Sklaverei, da Skla­ven als Bedrohung des Industriekapitalismus angesehen wurden. Dazu muss aber auch der Nutzen von Sklaven für die jeweilige Industrieproduktion betrachtet werden. Sklavenarbeit eignet sich im Wesentlichen nur für einfache manuelle Tätigkeiten, hauptsächlich in der Landwirtschaft und auch nur, sofern eine genügend große Fläche zur Verfügung steht, die eine kontinuierliche Beschäftigung der Sklaven und eine Amortisation der Investitionen in die Sklaven garantiert. Zwar wurden in der Antike Sklaven auch zu handwerklicher und vorindus­trieller Fertigung eingesetzt, dies geschah jedoch in einem Umfeld, in dem die Sklaverei über­all akzeptiert und eine Flucht weitgehend ausgeschlossen war. Für den Einsatz in der indus­triellen Produktion waren Sklaven aufgrund der Inflexibilität nicht geeignet. Daneben wiesen die landwirtschaftlichen Betriebe im Norden in der Regel nicht die notwendige Betriebsgröße für den Einsatz von Sklaven auf. Die Tatsache, dass zu einer späteren Zeit im Eisenbahnbau viele Chinesen in Sklaverei ähnlichen Arbeitsverhältnissen eingesetzt wurden, soll als Aus­nahme von der Regel dennoch erwähnet werden. Die Sklaverei war in der Gesellschaft des Süden, und auch nur dort, so verwurzelt, dass selbst freigelassene Sklaven danach strebten, selbst Sklaven zu besitzen und damit zu Wohlstand zu kommen. Dass die Chance für einen Schwarzen im Süden zu Reichtum zu gelangen besser stand als im Norden, macht bereits die Statistik deutlich, nach der von den identifizierten Schwarzen mit mehr als 100.000 $ Vermö­gen lediglich drei nicht aus dem Süden (inkl. Kentucky) stammten[5]. Gerade das hohe Ansehen des Eigentums im Süden verschaffte diesen Menschen die Sicherheit, über ein so hohes Ver­mögen verfügen zu können. Im Norden war dies teilweise gar nicht möglich. Beispielhaft ist Illinois zu nennen, wo der Staat den Zuzug von Schwarzen vollständig verboten hatte. Zu einer weiteren Verbitterung des Südens führten zwei Wirtschaftskrisen, die eine 1837, die andere 1857, die den Eindruck hervorriefen, der Süden müsse mit seiner Plantagenwirtschaft den Norden „durchfüttern" und dieser würde dafür noch vom Bundesstaat durch Investitio­nen und Schutzzölle belohnt, die wiederum für den Süden bei der Einfuhr von Luxusgütern zusätzliche Ausgaben bedeuteten. Aus wirtschaftlicher Sicht fühlte der Süden sich als Motor der amerikanischen Wirtschaft und gleichzeitig durch den Staat benachteiligt, was die Vorbe­halte gegen den Bundesstaat und das Hervorheben einzelstaatlicher Rechte noch verstärkte.

2.3 Der Zerfall des Zwei-Parteien-Systems und die Auswirkungen auf Nord und Süd

Auf politischem Gebiet war die amerikanische Innenpolitik gekennzeichnet von einem Zwei­Parteien-System englischer Prägung, das im gesamten Gebiet der USA präsent war und als Sammelbecken für die unterschiedlichen Strömungen der amerikanischen, hauptsächlich eng­lisch-protestantischen, Öffentlichkeit diente. Mit dem Anwachsen der Einwanderung änder­ten sich allerdings zwei Dinge: zum Einen wurden die Staaten des heutigen mittleren Westens für die Politik immer bedeutender und zum Anderen verschoben sich durch die katholische Einwanderung aus Irland und Deutschland die Grenzlinien innerhalb der amerikanischen Politik. Organisationen wie die „Know-Nothings" wären ohne diese katholische Einwande­rung nicht denkbar gewesen[6]. Gleichzeitig bildete sich neben den unterschiedlichen Einstel­lungen zu den Rechten der Einzelstaaten und den persönlichen Freiheitsrechten eine weitere Differenzierung aus, nämlich die hinsichtlich der Religion und der zwischen Konservativen und Progressiven. Gerade dieser Konflikt führte am Ende zum Zerfall des klassischen Zwei­Parteien-Systems und zur Regionalisierung der Parteienlandschaft. Die Demokraten, vertreten durch Andrew Jackson, verkörperten den Konservatismus, der Anhänger unter den Südstaat- lern und bei der katholischen Bevölkerung fand. Demgegenüber standen die Whigs, später die Free Soil Party und die Republikaner, die die amerikanische Gesellschaft von Grund auf än­dern und die protestantischen Werte der Gleichheit aller Menschen in die Tat umgesetzt se­hen wollten. Daneben bildeten die Republikaner das Sammelbecken für so unterschiedliche Strömungen wie die radikalen Abolitionisten des Nordostens und die Anhänger des freien Unternehmertums im Nordwesten. Gerade die Integration der radikalen Abolitionisten mach­te die republikanische Partei für den Süden suspekt, während sich die Sklavereibefürworter bzw. die, denen das Thema gleichgültig war, nicht in einer landesweit einheitlichen politischen Basis organisieren konnten. Die Differenz zwischen Nord und Süd war bereits zu groß, als dass man aus dieser Regionalisierung hätte ausbrechen können.

[...]


[1] Zur Entwicklung der Einwanderungszahlen vgl. insb. Ploetz, S. 1285

[2] Vgl. Andrews/Fenton; 2001

[3] U.a. Pohanka, 2007, S.22

[4] Außer in den Südstaaten waren Sklaven im Jahre 1860 nur noch auf Kuba und in Brasilien anzutreffen.

[5] Walker, 1986, S. 350

[6] Zu den Know-Nothings vgl. insb. McPherson, 2008; Nagler, 2009, S 153 (mit weiterem Verweis)

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640945832
ISBN (Buch)
9783640946150
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174219
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
USA Bürgerkrieg Sklaverei

Autor

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