Lade Inhalt...

Prostitution im späten Mittelalter an der Schwelle zur Neuzeit - Ambivalenz der Obrigkeit und Gesellschaft

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Begriff Prostitution
II.1. Bedeutung des Wortes „Prostitution"
II.2. Was ist „Prostitution"?

III. Formen und Arten der Prostitution im Spätmittelalter
III.1. Private Prostitution
III.2. Frauenhäuser

IV. Gesellschaftlicher Umgang mit der Prostitution
IV.1. Indikatoren der Isolation
IV.2. Indikatoren der Integration

V. Fazit

VI. Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Einleitung:

Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema Prostitution im späten Mittelalter bis an die Schwelle zur Neuzeit. Der geographische Schwerpunkt liegt auf Süddeutschland, wobei hier auch Vergleiche mit anderen Ländern wie Frankreich und England herangezogen werden.

Meine Hauptthese ist, dass sich die ambivalente Haltung der Kirche und der städtischen Obrigkeit dem Prostitutionsgewerbe gegenüber sich wie ein roter Faden durch den behandelten Zeitraum zieht.

Weshalb wurde der Zeitraum 15./16. Jahrhundert gewählt? Die Quellenlage vor dieser Zeit erlaubt nur bedingt Aussagen über das Entstehen, Umgang und Organisation der Prostitution. Laut Schuster kann man die Prostitution im Deutschland des Mittelalters als nicht importiert bezeichnen, sondern quasi als logische und natürliche Begleiterscheinung[1].

Während der Reformationszeit schloss die Obrigkeit die Frauenhäuser, in denen die Stadt die Prostitution organisierte, und verbannte diese in die Semi- oder Illegalität, daher nicht mehr so gut dokumentiert wie zuvor, als die Frauenhäuser, also städtische Bordelle, vom Rat kontrolliert und überwacht wurden.

Zuvorderst soll der Begriff der Prostitution erläutert werden. Gab es den Begriff Prostitution im behandelten Zeitraum? Welche anderen Ausdrücke gab es und was kann durch sie gedeutet werden? Anschließend soll geklärt werden was Prostitution im Allgemeinen ist und auf welche Art und Weise sie im Mittelalter definiert wurde. Hierzu bildet Brundages Werk, das Decretum Gratianum und Augustinus die Arbeitsgrundlage.

Die zweideutige Haltung der Kanonisten führt zu einem Handlungsspielraum sowohl auf der Seite der Obrigkeit, als auch in dem Gewerbe tätigen Personen. Näheres dazu folgt im 3. Kapitel dieser Arbeit.

Bis in das 15. Jahrhundert hinein haben die Obrigkeiten die Prostitution wenig reguliert. Sie war eine Begleiterscheinung im Stadtbild, deren Nutzen man tolerierte, das Handwerk aber moralisch verdammte. So waren Prostituierte auch auf Messen und Konzilien keine ungewohnte Erscheinung. Erst mit der Etablierung der Frauenhaus, einer spezifischen Art von Bordell, griff man regulierend in das Gewerbe ein.

Zuletzt wird die Frage gestellt inwiefern die Prostituierten in der Gesellschaft integriert waren oder kann man in diesem Falle nicht von Integration sprechen?

Anhand von Indikatoren wird untersucht was für die Integration und was gegen die Ausgrenzung spricht.

II. Der Begriff „Prostitution":

II.1. Bedeutung des Wortes „Prostitution":

Prostitution als Begriff im reinen sexuellen Sinne gibt es erst seit dem 19Jahrhundert. Es ist ein französisches Lehnwort, welches als Substantiv zusammen mit dem Verb „prostituieren" den Weg im 18. Jahrhundert in den deutschen Sprachgebrauch fand[2].

Der Ursprung des Wortes ist im lateinischen zu finden. Das Verb lautet dazuprostituere und ist zusammengesetzt aus pro und statuere und kann mit nach vorn stellen, zur Schau stellen oder preisgeben übersetzt werden[3]. Im sexuellen Kontext ist das Verb preisgeben am passendsten, da die Prostituierten ihren Körper zu sexuellen Diensten gegen Entgelt preisgeben. In zeitgenössischen, überwiegend in lateinischen Quellen, verwendeten die Verfasser das Wort meretrix, im Nominativ Plural meretrices, was Dirne oder Freudenmädchen bedeutet[4]. In den in deutscher Sprache verfassten Texten findet man die Begriffe frie frowen, mit dem man die in Privatbordellen arbeitenden Prostituierten bezeichnete. Gmaine Weiber waren jene, die in den offiziellen, städtischen Bordellen, den sogenannten Frauenhäusern, ihrem Gewerbe nachgingen. Wollte man einen allgemeinen Begriff ohne Unterscheidung verwenden benutzte man unendliche Frauen, da diese scheinbar eine nicht zu zählende Anzahl von Kunden bzw. Freiern hatten[5]. Es gab auch Schimpfwörter, die Zeitgenossen benutzten um die Frauen, die im Prostitutionsgewerbe arbeiteten zu verunglimpfen, darunter auch das Wort „Hure", dessen negative Konnotation sich im Laufe der Zeit nicht geändert hat. Allerdings beschimpfte man auch die im Luxus lebenden Patrizierfrauen mit diesem Wort[6]. Ergo, ist dieses Wort nicht ausschließlich für die tatsächlichen Prostituierten reserviert. Es spiegelt eher die damalige Meinung wieder, dass es sich für Frauen nicht gehörte sich in der Öffentlichkeit anders als von der akzeptierten Norm zu präsentieren, nämlich sittlich, bescheiden und ohne Luxus. Vielleicht lässt sich durch diese Verallgemeinerung auch das Bild und die Einstellung, welche die Männer Frauen gegenüber hatten, daraus ableiten.

Sobald Frauen in der nicht akzeptierten Form auftraten und somit von der allgemeinen Norm abwichen, wurden sie bereits verbal erniedrigt und damit ausgegrenzt.

In anderen Quellen taucht der Begriff „fahrende Frauen" (varenden frawen) auf, der auf die relative Mobilität, Flexibilität und möglicherweise auch auf die vielmals kürzere Verweildauer der einzelnen Prostituierten an einem Ort oder in dem Gewerbe an sich verweist. Wobei mit Mobilität das häufige Wechseln des Wohnortes gemeint sein könnte; Flexibilität könnte sich auf die verschiedenen Männerbeziehungen beziehen[7].

Die Verwendung von mehreren, voneinander verschiedenen Begriffen, ob Latein oder Deutsch ist ein Zeichen für das Fehlen eines eindeutigen Wortes, was die eigentliche und heutige allgemein akzeptierte Funktion und Definition der Prostitution ausmacht. Man war sich demnach damals nicht einig was nun der Unterschied war zwischen Frauen, die einen unsoliden Lebenswandel führten und derjenigen, die außer bzw. vorehelichen Geschlechtsverkehr hatten[8].

Im weiteren Verlauf der Arbeit benutze ich den Begriff „Prostitution", auch wenn er im Mittelalter nicht ausschließlich über Geld definiert ist. Dennoch wurde die Verbindung zwischen weiblicher Sexualität und Geld in der Literatur herausgehoben. Die Prostituierte verkörperte ergo diese Verbindung.[9]

Weshalb man sich im Mittelalter darüber nicht einig war soll im folgenden Unterkapitel beleuchtet werden.

II.2. Was ist „Prostitution"?:

Vielfach bezeichnet man die Prostitution als das älteste Gewerbe der Menschheit, jedenfalls hat so gut wie jede Städte entwickelnde Zivilisation, wie die alten Römer und Griechen, auch das „Handwerk" der Prostitution hervorgebracht. Was ist denn nun Prostitution und welche Regeln und Vorstellungen liegen dieser im Mittelalter zugrunde? Dazu muss man auch die damalige Einstellung zur Sexualität miteinbeziehen.

[...]


[1] Schuster, Peter: Das Frauenhaus. Städtische Bordelle in Deutschland 1350-1600, Paderborn, 1992, S

[2] Schuster, Beate: Die freien Frauen. Dirnen und Frauenhäuser im 15. und 16. Jahrhundert, Frankfurt/Main, 1995, S.10.

[3] Prostituere in: Pons Wörterbuch Schule und Studium Latein-Deutsch, Stuttgart 2007, S. 739.

[4] Meretrix in: Pons Wörterbuch Schule und Studium Latein-Deutsch, Stuttgart 2007, S. 551.

[5] Schuster, Beate: Die unendlichen Frauen. Prostitution und städtische Ordnung in Konstanz im 15. und 16. Jahrhundert, Konstanz, 1996, S. 7.

[6] Ebenda, S.11.

[7] Vgl. Schuster, B. S.11 ff.

[8] Vgl. Schuster, Peter. Das Frauenhaus, S.24.

[9] Vgl.Karras-Mazo, Ruth in Handbook of Medieval Sexuality , New York, 1996, S. 249.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640944941
ISBN (Buch)
9783640944811
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174113
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
3.0
Schlagworte
prostitution mittelalter schwelle neuzeit ambivalenz obrigkeit gesellschaft

Autor

Zurück

Titel: Prostitution im späten Mittelalter an der Schwelle zur Neuzeit - Ambivalenz der Obrigkeit und Gesellschaft