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Die Umsetzung des Songs „Wuthering Heights“ von Kate Bush in einen Videoclip

Essay 2007 9 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Laut Tanja Busse liegt der Vorteil von Musikvideos darin, dass diese mithilfe der Bilder eine neue Dimension zum Text und den Noten schaffen und somit auch die Gesamtwirkung des Songs verändert wird.[1] Dadurch, dass der Zuschauer sowohl akustischen als auch optischen Reizen ausgesetzt wird, entsteht für ihn ein synästhetisches Erlebnis.[2] Man kann sie als „Illustration von populärer Musik“[3] verstehen, die nicht nur eine ästhetische und künstlerische, sondern vor allem eine kommerzielle Funktion erfüllen. Mit einem Videoclip versucht ein Künstler Werbung für sich zu machen, er verkauft mit ihm eine ganz bestimmte Atmosphäre.[4]

Aber wie sind Musikvideos eigentlich entstanden? Man kann sagen, dass Künstler schon immer gerne Musik sichtbar machen wollten, und es dauerte nicht lange, bis nach dem Tonfilm auch die ersten Tanzfilme produziert wurden. Obwohl außerdem auch noch Zeichentrickfilme, Werbefilme und zum Beispiel Light Shows einen großen Einfluss auf die Entstehung von Musikvideos hatten[5], so kann Michael Leckebuschs „Beat Club“ aus den 60er Jahren als Vorläufer angesehen werden.[6] Aber auch die Videos von Rockmusikern, die von Plattenfirmen für Demonstrations- und Promotionszwecke genutzt wurden, können als Vorläufer der heutigen Videoclips betrachtet werden.[7] Allerdings wurden sie von den Kritikern erst voll anerkannt, als sich diese Funktion verselbstständigt hatte.[8] Anfang der 80er Jahre entdeckte die Popindustrie das Fernsehen als neuen Werbeträger, nachdem die Umsätze gesunken waren.[9] Mit diesem neuen Medium änderte sich auch das Verhalten der Musiker, die nun die Chance hatten, sich in einem breiteren Feld zu präsentieren, die sich nun aber auch ein Image schaffen mussten.[10] Auf der anderen Seite erfüllen die Zuschauer eine eher passive Rolle, bei ihnen wird das Musikfernsehen zu einem „Nebenbei-Medium“.[11] Ein Videoclip bietet dem Zuschauer eine ständige Reizüberflutung bei nicht nachlassender Reizstärke, und macht es ihm somit fast unmöglich, den Videoclip in allen Einzelheiten zu erfassen. Er kann sich nur von ihm „berauschen“ lassen.[12] Dadurch unterscheidet sich der Verlauf eines Videoclips auch von der klassischen Vorstellung einer Spannungskurve mit einem konkreten Anfang und einem konkreten Ende.[13] Somit wird ein Gefühl von Zeitlosigkeit geschaffen. Was aber sowohl beim Lied als auch beim Videoclip von großer Bedeutung ist, ist der Rhythmus, der die Abfolge und den Wechsel der einzelnen Bilder bestimmt.[14]

Was die Funktion von Musikvideos angeht, so zielt ein großer Teil von ihnen auf Männerphantasien ab[15], aber auch ansonsten sollen sie Assoziationen hervorrufen, wobei die Symbole und Zitate, die verwendet werden, wie Traumbilder erscheinen.[16] Bei der Gestaltung eines Videoclips geht es den Regisseuren meist nicht darum, einen Songtest interpretiert in Bilder umzusetzen, weder wörtlich noch thematisch. An erster Stelle steht für sie die Musik, gefolgt vom Titel, und erst dann widmen sie sich dem Text.[17] Daraus folgt, dass die einzelnen Bilder eines Musikclips meist nur der Ästhetik dienen bzw. den Zuschauer aufmerksam werden lassen und zustimmende Assoziationen bei ihm wecken sollen. Eine allgemeine Theorie der Clipästhetik ist schon in den Arbeiten Leckebuschs zu finden. Es geht ihm hierbei um das schnelle Hin- und Herschalten zwischen den Kameras, um den Wechsel zwischen verschiedenen Lichtsituationen, um Ornamente im Hintergrund, die das Gesamtbild ergänzen sollen, und um das Splitten und Auffächern einzelner Bilder, die dann das Gesamtbild ergeben.[18] Aber auch der Einfluss des Experimentalfilms wird in den Videoclips deutlich. Hier spielen die schnellen Schnitte, Überblendungen und die Symbolik ebenfalls eine große Rolle. Außerdem wurde auch schon im Experimentalfilm die Geschichte stark gekürzt wiedergegeben, es herrschte eine exakte Synchronität zwischen Schnitt und Takt der Musik, und es gab eine Mischung aus echten Schauspielern und Animationen sowie die Manipulation von farbigen Bildern und solchen in Schwarzweiß.[19]

Wenn man den Inhalt der Musikvideos aus den 80er und frühen 90er Jahren analysiert, zeigt sich eine meist stereotype Darstellung von traditionellen Geschlechterrollen (Neumann-Braun/Barth/Schmidt 1997).[20] Frauen werden hier passiv und den Männern unterworfen dargestellt. Sie werden oft nur zur Dekoration benutzt (Bechdolch 1999a).[21] Andererseits hat Seidmann festgestellt, dass sie „in der Regel sexuell provozierend, gefühlsbetont, abhängig, mitleidvoll, opferbereit“ (Seidmann 1992)[22] sind. Es werden also sowohl traditionelle als auch alternative bzw. oppositionelle Geschlechterstereotypen in den Videoclips dargestellt.[23]

[...]


[1] Vgl. Tanja Busse: Mythos in Musikvideos. Weltbilder und Inhalte von MTV und VIVA. Münster: LIT 1996, S. 1.

[2] Vgl. Herbert Gehr: „The Gift of Sound & Vision.“ In: Herbert Gehr (Hg.): Sound & Vision .Musikvideo und Filmkunst. Frankfurt am Main: MME 1993, S. 13.

[3] Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 4.

[4] Vgl. Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 5.

[5] Vgl. Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 6.

[6] Vgl. Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 7.

[7] Vgl. Gehr (1993): The Gift, S. 14.

[8] Vgl. Gehr (1993): The Gift, S. 14.

[9] Vgl. Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 8.

[10] Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 8.

[11] Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 10.

[12] Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 11.

[13] Vgl. Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 11.

[14] Vgl. Busse (1996): Mythos in Musikvideos, S. 18.

[15] Vgl. Gehr (1993): The Gift, S. 20.

[16] Vgl. Gehr (1993): The Gift, S. 21.

[17] Vgl. Gehr (1993): The Gift, S. 21.

[18] Vgl. Herbert Gehr: „Willkommen im Beat Club.“ In: Herbert Gehr (Hg.): Sound & Vision. Musikvideo und Filmkunst. Frankfurt am Main: MME 1993, S. 128.

[19] Vgl. William Moritz: „Visuelle Musik: Höhlenmalereien für MTV?.“ In: Herbert Gehr (Hg.): Sound & Vision. Musikvideo und Filmkunst. Frankfurt am Main: MME 1993, S. 135.

[20] Vgl. Klaus Neumann-Braun und Lothar Mikos: Videoclips und Musikfernsehen. Eine problemorientierte Kommentierung der aktuellen Forschungsliteratur. Berlin: VISTAS Verlag 2006, S. 38.

[21] Vgl. Neumann-Braun (2006): Videoclips und Musikfernsehen, S. 38.

[22] Vgl. Neumann-Braun (2006): Videoclips und Musikfernsehen, S. 39.

[23] Vgl. Neumann-Braun (2006): Videoclips und Musikfernsehen, S. 42.

Details

Seiten
9
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640944231
ISBN (Buch)
9783640943999
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174082
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
umsetzung songs heights“ kate bush videoclip

Autor

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Titel: Die Umsetzung des Songs „Wuthering Heights“ von Kate Bush in einen Videoclip