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Technikbasierte Raumbezüge

Social Network als Sozialraum

von Andrea Thobe (Autor) Sonja Lintner (Autor)

Hausarbeit 2011 36 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung (zusammen)

2. Sozialisation, Technik und Social Networks (A.Thobe)

3. Definition: Sozialraum (S.Lintner)

4. Definition Social Network (A.Thobe)
4.1 Beispiel: Facebook (A.Thobe)
4.2 Beispiel: StudiVz (A.Thobe)

5. Sprache (S.Lintner)
5.1 Theorie (S.Lintner)
5.2 Sprache in Social Networks (S.Lintner)

6. Social Network als Sozialraum (S.Lintner)

7. Die aktuelle Situation virtueller Beratung (A.Thobe)
7.1 Telefonseelsorge Deutschland (A.Thobe)
7.2 Sorgenchat (A.Thobe)
7.3 Sextra (A.Thobe)
7.4 Youth-life-line (A.Thobe)

8. Klassenunterschiede in Social Networks (S.Lintner)
8.1 Forschung (A.Thobe)
8.2 Ergebnisse (A.Thobe)

9. Ressourcen der Sozialen Arbeit innerhalb Social Networks (zusammen)

10. Fazit (zusammen)

11. Literatur

1. Einleitung

Wie schreibt man „sozioökonomisch“? Eine einfache Frage, die man schneller klären kann, als viele denken. Unsere Eltern würden vermutlich im Lexikon nachschauen, während unsere Generation dieses Wort einfach bei Google.de eingibt und es von dieser Seite automatisch korrigieren lässt. Das Internet ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil unseres Alltags geworden. Wie die Shell Jugendstudie besagt, haben 2010 96% aller Jugendlichen einen Zugang zum Internet. Dort verbringen sie im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche (Shell, Jugend 2010, Internet).

Wir sind die erste Generation, die mit dieser Technik aufgewachsen ist und sie zukünftig als Ressourcen in unserem Arbeitsleben nutzen kann. Es gibt bereits einen kleinen Bereich im Internet, der von der Sozialen Arbeit genutzt wird. Jedoch liegt der Trend gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Nutzung von Social Networks wie z.B. Facebook. In dieser Hausarbeit wollen wir die Bedeutung von Social Networks für die Soziale Arbeit erkunden. Wie können wir das Social Network als Ressource nutzen?

Unsere zwei wesentlichen Fragen sind:

1. Kann man Social Networks als Sozialraum bezeichnen?
2. Wie kann die Soziale Arbeit Social Networks als Ressourcen nutzen?

Zunächst erklären wir, wie sich die Technik ihren festen Platz in unserem Alltag erkämpft hat und nicht mehr wegzudenken ist. Mittlerweile ist sie sogar fester Bestandteil der Sozialisation.

Dann gehen wir auf die theoretischen Hintergründe der Raumdebatte ein. Was genau ist der Sozialraum, was ist Social Network, wie passt das zusammen? Diese Fragen versuchen wir am Beispiel von Facebook und StudiVz zu klären.

Weiter befassen wir uns mit der Kommunikation über Social Networks, die in unter-schiedlichster Form stattfindet und gleichen diese Ergebnisse mit theoretischen Grundlagen zur Bedeutung der Sprache ab.

Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse betrachten wir Social Networks als Sozialraum und klären unsere erste Fragestellung.

Im zweiten Teil unserer Hausarbeit wollen wir die bestehenden Beratungsangebote Sozialer Arbeit im Internet betrachten. Diese sind zur Zeit noch hauptsächlich auf E-Mail - Beratung begrenzt.

Im Anschluss stellen wir uns die Frage ob es in Social Networks Klassenunterschiede zwischen den Nutzern gibt. Spiegelt sich beispielsweise der soziökonomische Status einzelner Personengruppen in diesen Netzwerken oder gibt es spezielle Plattformen die bevorzugt von Menschen aus bestimmten sozialen Schichten besucht werden?

Zu diesen Fragen haben wir uns mit einigen ausgewählten Netzwerken und ihren Nutzern befasst.

Abschließend wollen wir unsere Ergebnisse auf Ressourcen für die Zukunft der Sozialen Arbeit hin überprüfen und eine Aussicht geben.

2. Sozialisation, Technik und Social Networks

Vor 150 Jahren bestand die Kommunikation im privaten und auch im geschäftlichen daraus, dass man mit der Kutsche, oder auch zu Fuß einen erheblichen Weg zurück legen musste, um denjenigen zu erreichen, mit dem man Informationen tauschen, oder auch Geschäfte abschließen wollte. Seitdem entwickelten sich gerade im wirtschaftlichen Teil des Lebens immer mehr Techniken, um die Arbeit leichter und produktiver zu machen und um produktiver zu arbeiten. Was damals mehrere Stunden oder Tagen dauerte, erreicht man heute mit Hilfe der Telekommunikation innerhalb von ein paar Minuten. Die Idee der Technik liegt in der wirtschaftlichen Produktion (vgl. Tully, 2003, S. 13ff). Heutzutage ersetzt Technik die Arbeit und nicht zuletzt auch den ein oder anderen Arbeiter. Durch die Technik, lässt sich die Natur besser beherrschen, was wir an Fabriken und der Landwirtschaft sehen. Wir kommunizieren an unserem Arbeitsplatz fast ausschließlich über technische Geräte und Firmen nutzen den technischen Stand unter anderem, um Werbung zu machen. Doch über die Nutzbarkeit dieser Anwendung für unsere Arbeit sind wir längst hinweg. Es ist nicht mehr nur noch Arbeitsersparnis, es ist in erster Linie auch Ablenkung, Spaß und Spiel. Selbst Kinderspielzeug besteht mittlerweile aus Technik und entlockt einem Kind Begeisterung durch das Abspielen von Musik, automatische Bewegung oder aufleuchtende Farben. Jugendlichen und nicht zuletzt Erwachsenen dient die Technik zur Kommunikation, Unterhaltung, Bildung, Informationsbeschaffung, Mobilität und auch als Prestige. Ein teures Touch-Handy z.B. ist gleichzeitig Statussymbol und dient der Organisation des Alltags. Es macht den Eindruck, dass sich der Eigentümer diesen technischen Standart leisten kann und dadurch wahrscheinlich gut situiert ist. Es ist nicht mehr die Funktion, die fasziniert, sondern die Optionen, die man mit nur wenig Arbeit- und Zeitaufwand hat (vgl. Tully, 2003, S. 18).

Mobiltelefone, Computer und Internetzugänge werden immer günstiger, wodurch die Technik mittlerweile auch das soziale Handeln beeinflusst. Den Umgang zu erlernen ist unabwendbar. Zudem wird der technische Standart immer höher, doch wenn man diese Anwendungen einmal richtig erlernt hat, sollte dies kein Problem mehr darstellen, womit wir bei der Techniksozialisation wären. Man unterscheidet zwischen Techniksozialisation, welches die Vermittlung allgemeiner Standards meint und der Technikerziehung, die von der Vermittlung konkreter Handlungen spricht (vgl. Tully, 2003, S. 20). Da die Generation der jungen Erwachsenen die erste Altersgruppe ist, die mit der Techniksozialisation aufgewachsen ist, ist diese auch die erste Gruppe, die die Technikerziehung anwenden kann. Die Technikerziehung befindet sich dementsprechend noch im Aufbau, weshalb wir in dieser Hausarbeit ausschließlich über die Techniksozialisation sprechen werden.
Die Techniksozialisation muss man von der normalen Sozialisation absondern. Der Mensch wird nicht von der Technik sozialisiert, er sozialisiert sich durch den Umgang mit der Technik selbst (vgl. Tully, 2003, S. 23).

Sozialisation ist ein endloser Prozess. So wie das soziale Handels eines Menschen sich immer und immer wieder durch Erfahrungen und Erlebnissen verändert, verändert sich auch immer wieder der technische Stand und der Umgang mit diesem. „Sozialisation meint in diesem Verständnis eine lebenslange aktive Auseinandersetzung mit den belebten und unbelebten Dingen der Umwelt.“ (Tully, 2003, S. 21). Mittlerweile vermischt sich jedoch der technische Stand mit dem sozialen Handeln. Soziale Interaktion beruht auf dem geschmackvollen Gebrauch technischer Gegenstände (vgl. Hörning, 1985). Computer und Handys dienen als Symbole der eigenen Identität. „Techniknutzende Menschen bilden im Gebrauch technische Persönlichkeiten aus.“ (Tully, 2003, S. 23).

Um zur Sozialisation durch Social Networks zu kommen, müssen wir uns vorher noch die Altersunterschiede im Umgang mit der Technik anschauen. Wie oben bereits erwähnt, wird die Technikerziehung erst jetzt praktiziert, da die Generation ab ca 40 Jahren noch nicht mit der Technik aufgewachsen ist und daher in diesem Bereich meist noch recht unsicher ist. „Es sind nicht allein Altersunterschiede, die verschiedene Technikeinstellungen und – kompetenzen begründen, sondern die alltäglichen, praktischen Erfahrungen mit einer Innovation, die das Verhältnis zur Technik […] im Kern lebenslang prägen.“ (vgl. Tully, 2003, S.24, zitiert nach Sackmann/Weymann, 1994, S. 183). Vor der Technik waren die Eltern dafür zuständig, den Kindern ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter zu geben. Die Technik ermöglicht den Jugendlichen eine Welt, die sie vollkommen allein entdecken und in der die Eltern nicht bereits vor ihnen waren. Diese Welt ist der Kontakt zur Umwelt, der sich von den Vorstellungen der Älteren gründlich unterscheidet (vgl. Tully, 2003, S. 24). „Das Wissen liegt nicht mehr bei den Erwachsenen, nicht nur bei dem Personenkreis, der über viel Erfahrung verfügt.“ (Tully, 2003, S. 24).

Welchen Einfluss nimmt das nun auf die Entwicklung des Jugendlichen und der eigenen Persönlichkeit und was hat das mit Social Networks zu tun? Während Erwachsene sich in diesem Bereich nur bedingt auskennen, wissen Jugendliche ganz genau, wo sie ihren Interessen nachgehen können, ohne dass die Eltern ein Auge auf sie haben. Social Networks sind in erster Linie Kommunikation und Selbstdarstellung. Man teilt sich mit und das meistens nur unter Freunden bei denen man dort das gleiche Verhalten sieht und von denen man zu seinem eigenen Mitteilungen Feedback bekommt. Das Internet ist zudem anonymer als das Real Life. Auch, wenn man durch Social Networks mit Freunden verbunden ist, ist es einfacher, sich dort mit persönlichen Sachen auseinander zu setzten. Es ist einfacher, über Gefühle und Probleme zu schreiben, als darüber zu sprechen. Gerade Jugendlichen bietet es dadurch die Möglichkeit, sich mit sich selbst auseinander zu setzten.

Aber nicht nur dadurch spielen Internet Communitys mittlerweile eine große Rolle im Bereich der Sozialisation. Die verschiedenen Plattformen bieten Unterplattformen für spezielle Interessen an und ermöglichen das Kennenlernen von Menschen mit gleichen Interessen. Gerade für Jugendliche, die nicht der Norm entsprechen und ausgefallene Interessen und Hobbys haben, ist dies eine Bereicherung und ein durchaus positiver Sozialisations-Prozess.

3. Definition: Sozialraum

Der Sozialraum ist die Umgebung des Menschen in der sich seine sozialen Aktivitäten abspielen. Somit kann der Sozialraum verschiedener Personengruppen sehr unterschiedlich aussehen (vgl. Müller, 2002, S. 35). Der Sozialraum ist der Ort, „… an dem die Menschen leben, einen Teil ihrer Freizeit verbringen, den sie auf ihre eigen(artig)e Weise gestalten, wo sie einkaufen, Kontakte pflegen und ihr Auto abstellen.“ (Springer, 1995, In: Hinte, Wolfgang: Fall im Feld.).

Im Rahmen der kommunalen Sozialpolitik werden einzelne Stadtteile oder Wohnquartiere als Sozialräume bezeichnet. Diese Definition kann jedoch den Lebenswirklichkeiten der Bürger nicht gerecht werden, da sie sich nur auf ordnungspolitische Einteilungen bezieht. Außerdem werden diese Einheiten genutzt um Sozialdaten zu erheben. Auch hier besteht ein erhebliches Sozialpolitisches Interesse (vgl. Müller, 2002, S. 34f).

Müller weist außerdem darauf hin, dass sich der Sozialraum nicht nur von Person zu Person unterscheidet, sondern sich mit der Entstehung neuer Techniken verändert hat. Gestiegene Mobilität und Erreichbarkeit verändern auch die sozialen Kontakte die wir pflegen (vgl. Müller, 2002, S. 35).

In der Sozialen Arbeit wird der Ansatz der Sozialraumorientierung verwendet. Mit diesem Ansatz begegnet man der sozialen Segregation in Städten. Ziel ist die Beteiligung der Bürger und die Vernetzung der im Quartier vorhandenen Angebote (vgl. Hinte/Lüttringhaus/Oelschlägel, 2007, S. 9).

Die Theoretische Definition des Begriffs birgt jedoch einige Schwierigkeiten.

Das Wort Sozialraum beinhaltet bereits die Vorstellung, dass zu dem geometrischen Begriff des Raumes eine weiter Komponente hinzu kommt. Die Vorstellung vom Raum war lange Zeit geprägt durch die Idee eines leeren Raumes, der unabhängig vom Betrachter existiert und seine Umgebung aufnimmt. Nach dieser Vorstellung von Raum müsste das Soziale Geschehen getrennt sein von dem Raum in dem es sich abspielt. Dies ist ein absolutes Raumverständnis in dem der Raum lediglich als Behälter auftaucht. Diese Vorstellung wurde unter anderem von Isaac Newton vertreten (vgl. Kessl/Reutlinger, 2007, S. 22ff).

Erst mit der relativistischen Sicht auf den Raum kam die Vorstellung auf, dass Interaktion den Raum konstruiert in dem sie stattfindet.

Lefebvre stellte die These auf, dass jede Gesellschaft einen für sie spezifischen Raum schafft. Um dies zu belegen weist er auf die schwindende Natur hin, die er als quasi Uhr-Raum betrachtet. Die aus der Natur gewonnenen Ressourcen werden dann verwendet um den Raum der Gesellschaft zu schaffen. Diese Gesellschaftsräume sind allerdings durch die Geschichte früherer Gesellschaften historisch vorbestimmt und müssen den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden (vgl. Dünne/Günzel, 2006, S. 330ff).

In diesem Raum Bild zeigt sich bereits, dass der Raum nichts ist, das getrennt und un-abhängig vom Menschen existiert. Bei George Simmel klingt das so: „Nicht die Länder, nicht die Grundstücke, nicht der Stadtbezirk und der Landbezirk begrenzen einander; sondern die Einwohner und Eigentümer üben die gegenseitige Wirkung aus“ (Simmel [1903], 1995, S. 228). Die Erklärung einer Bedeutung des Raumes, jenseits der geometrischen, wird hier so begründet, dass die Veränderungen die wir wahrnehmen wenn wir eine Landesgrenze überschreiten nicht durch das Land hervorgerufen werden, sondern durch die Menschen die es bewohnen und für die diese Grenze existiert (vgl. Kessl/Reutlinger, 2007, S. 35).

Der Mensch kann Raum nicht denken. Das zeigt sich schon an den Wegen die wir gehen. Entfernung wird nicht in tatsächlicher Entfernung gedacht, sondern in den Wegen die wir zu ihrer Überwindung schaffen. Der Nachbar ist nebenan, doch der Weg kann z.B. über den Hof und die Treppe hinauf führen. Raum spiegelt somit Ordnungs- und Machtgefüge wieder, die durch die Gesellschaft hervorgebracht werden (vgl. Früch-tel/Cyprian/Budde, 2007, S. 198).

Beispielsweise ist die Universität ohne die Bedeutung, Gebäude oder Personen nur ein Grundstück und ohne diese Einteilung nur eine unbebaute Wiese. Erst unsere Handlungen und die Bedeutung die wir ihnen geben, sowie die Ordnung der Gesellschaft in der wir leben, geben dem Raum einen Sinn. Je nach Vorerfahrungen und eigenen Einstellungen wechseln auch die Bedeutungen die wir dem Raum geben (vgl. Früch-tel/Cyprian/Budde, 2007, S. 199).

[...]

Details

Seiten
36
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640944514
ISBN (Buch)
9783640944668
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174052
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
Social Network Soziologie sozialer Räume Sozialraum technikbasierte sozialräume Facebook

Autoren

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