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Welche Vor- und Nachteile bieten Bildungsgutscheine für Bildungseinrichtungen als Finanzierungsmittel am Beispiel frühkindlicher Bildungseinrichtungen?

Seminararbeit 2011 22 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1) Historie und Konzept des Bildungsgutscheinmodells
2) Ausgestaltungsmerkmale für ein erfolgreiches Gutscheinmodell in verschiedenen Bildungssektoren
3) Gutscheinmodelle in kleinkindlichen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen
4) Das Hamburger „Kita-Gutscheinsystem“ als Beispiel

III. Schlussteil / Fazit

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhang

I. Einleitung

Kindertageseinrichtungen werden bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhun-derts institutionell organisiert und finanziert[1]. Sie entstanden überwiegend, um dem „moralischen Verfall“ der ansonsten unbeaufsichtigten Arbeiterkinder entgegenzuwirken. Durch die Bildungsreformen der 1960er Jahre bekam die Finanzierung von Kinderbetreuungseinrichtungen einen neuen Schub in Westdeutschland. Der Kindergarten konnte sich als Regelinstitution etablieren[2].

In der DDR war eine Grundposition der sozialistischen Politik die Erwerbsfähigkeit der Frau zu fördern. Aufgrund dessen und dem Ziel der frühzeitigen ideologischen Unterweisung des Nachwuchses wurde eine flächendeckende und ganztägige Betreuung von Kindern aller Altersklassen in der Deutschen Demokratischen Republik geschaffen und etabliert.

Aufgrund dieser unterschiedlichen Entwicklungen beider deutscher Staaten im Primärbereich der Kinderbetreuung lassen sich bis heute große Unterschiede in den Bereichen Ganztagsbetreuung, Versorgung mit Hort- und Krippenplätzen und der Wortortnähe feststellen.

Die Kinderbetreuung wird im wiedervereinigten Deutschland vor dem Hintergrund der PISA-Studien[3] und deren zum Teil unbefriedigenden Ergebnissen unter dem Qualitätsaspekt intensiv diskutiert. Gleichrangig wird die Thematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einem dauerhaften öffentlichen Diskurs erörtert.

Beide Diskussionsstränge finden sich auch in der vorliegenden Seminararbeit wieder, die sich mit einer Variante der Steuerung des Kinderbetreuungssystems auseinandersetzt und diese beleuchtet: dem Bildungsgutscheinmodell.

Zunächst wird ein kurzer historischer Überblick über das Gutscheinmodell gegeben, bevor die grundsätzlichen Ausgestaltungsmerkmale für ein Funktionieren des Bildungsgutscheinmodells vorgestellt werden. Im 3. Abschnitt der Arbeit sollen dann die Möglichkeiten, Chancen, Probleme und mögliche Risiken eines Gutscheinmodells für kleinkindliche Bildungseinrichtungen genauer dargelegt werden, bevor im 4. Abschnitt das Hamburger Modell präsentiert wird. Hierbei handelt es sich um ein im Jahre 2003 eingeführtes Bildungsgutscheinmodell für die Kinderbetreuung in der Freien und Hansestadt Hamburg.

II. Hauptteil

1) Historie und Konzept des Bildungsgutscheinmodells

Die Idee, Bildungsgutschein einzuführen, soll auf Thomas Paine (18. Jh.) und John Stuart Mill (19. Jh.) zurückgehen[4]. Milton Friedman, der anerkannte und 1976 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnete US-amerikanische Ökonom, stellte 1955 erstmals seine Überlegungen zu einem Gutscheinmodell für den Erziehungs- und Bildungssektor vor[5]. Grundlage seiner Überlegungen waren dabei Grundsätze der marktwirtschaftlichen Ordnung als Rahmen zu verwenden, um eine Verbesserung der Effizienz und mehr Gerechtigkeit in die Bildungs- und Sozialsysteme zu erreichen.

Der Staat greift in Märkte ein, die aus Sicht des Autors nicht funktionieren oder nicht die Ergebnisse erzielen, die gesellschaftlich erwünscht sind. Die Form der staatlichen Intervention ist dabei jeweils zu klären. Bei einem Gutscheinmodell handelt es sich um eine klassische Form von Subjektförderung. Der Nachfrager erhält einen Coupon vom Staat, der bei Kindertageseinrichtungen eingelöst werden kann. Die Eltern werden gestärkt und finanziell unterstützt[6]. Der Bildungsgutschein ist somit vergleichbar mit einem Geschenkgutschein, den der Beschenkte in ein Produkt seiner Wahl beim Kaufmann eintauschen kann. Die Eltern können den Gutschein bei einem Anbieter ihrer Wahl gegen die vom Staat vorgesehene Betreuungs- und Bildungsleistung eintauschen.

Mit dem Gutscheinmodell werden drei primäre Ziele verfolgt:

1. Sozialpolitisch-gesellschaftliche Ziele (Vereinbarkeit Familie und Beruf, Chancengleichheit für Kinder)
2. Steigerung der Produktionseffizienz
3. Wahlfreiheit der Konsumenten stärken

Alle drei Ziele müssen bei der Implantierung eines Gutscheinsystems bedacht werden. Welche zentralen Ausgestaltungsmerkmale bei Gutscheinmodellen vorhanden sind, wird im nachfolgenden Kapital dargelegt.

2) Ausgestaltungsmerkmale für ein erfolgreiches Gutscheinmodell in verschiedenen Bildungssektoren

Ob Gutscheinmodelle effektiv sind und tatsächlich einen effektiveren Einsatz der finanziellen Ressourcen und eine höhere Qualität – in diesem Fall der Bildung – des Produktes bedeuten, hängt maßgeblich von der Ausgestaltung des einzelnen Gutscheinmodells ab[7]. Diese Ausgestaltungsmerkmale sind unabhängig vom jeweiligen Bildungssektor. Sie sind darüber hinaus fast beliebig kombinierbar, was das Gutscheinmodell auf der einen Seite sehr flexibel und jedes für sich nahezu individuell macht, aber ebenso große Schwierigkeiten beinhaltet; denn wie kann gewährleistet werden, dass die richtigen Ausgestaltungsmerkmale optimal auf den jeweiligen Bildungssektor austariert werden? Diese Fragestellung wäre sicher zu weitgehend. Letztlich ist es eine Frage der politischen Ziele, die verfolgt werden sollen, beispielsweise ob wirtschaftliche Effizienz oder soziale Gerechtigkeit höher bewertet werden soll[8]. An dieser Stelle wird sich auf die Vorstellung und Einordnung der Ausgestaltungsmerkmale konzentriert. Grundlage bildet die Übersicht von Dominik Enste und Oliver Stettes[9], die insgesamt zehn Merkmale beschreiben und unterscheiden. Der frühkindliche Bildung- und Betreuungssektor, der Schwerpunkt dieser Arbeit, wird bei der Vorstellung der Ausgestaltungsmerkmale verstärkt betrachtet.

Ein wichtiges Merkmal von Gutscheinen ist die Höhe der Transferleistung, die der Staat den Empfängern zukommen lässt. Damit in enger Verbindung zu sehen ist die Bedürfniskeitsprüfung. Durch sie soll der tatsächliche Bedarf ermittelt werden, an dem sich der Wert des Gutscheins bemisst. In Großbritannien, dem einzigen Land, das über praktische Erfahrungen mit Gutscheinen in der Kinderbetreuung auf nationaler Ebene verfügt, wurden Gutscheine unabhängig vom Haushaltseinkommen der Eltern in Höhe von 1100 Britischen Pfund (ca. 1500 €) ausgegeben[10] ohne eine Bedürfniskeitsprüfung. Es war sogar möglich, diese Gutscheine mit eigenen finanziellen Ressourcen aufzustocken. Bei der Hamburger „Kita-Card“ gibt es dagegen eine solche Prüfung, die von den bezirklichen Jugendämtern durchgeführt wird. Diese klären mit den Eltern individuell den tatsächlichen zeitlichen Betreuungsbedarf und bewilligen eine dementsprechende Betreuungsleistung[11], worüber die Eltern einen Gutschein erhalten. Die Eltern suchen mit ihm eigenständig einen Platz für ihr Kind. Schon beim ersten Ausgestaltungsmerkmal von Gutscheinen zeigt sich, die bereits erwähnte Flexibilität und Vielfältigkeit der Varianten des Systems.

[...]


[1] Kreyenfeld, Michaela / Spieß, Katharina / Wagner, Gert G. (2001): Finanzierungs- und Organisationsmodelle institutioneller Kinderbetreuung. Darmstadt. S. 15

[2] Ebenda, S. 19

[3] Sind Schulleistungsuntersuchungen der OECD, die im dreijährigen Turnus in nahezu allen OECD-Ländern und einigen Partnerländern durchgeführt werden.

[4] Dohmen, Dieter (2004): Kita-Gutscheine – einige Anmerkungen zur aktuellen Diskussion. In: Kitas und Kosten. Diller, Angelika / Leu, Hans Rudolf / Rauschenbach, Thomas (Hrsg.). München 2004. S. 127 – 140.

[5] Enste, Dominik / Stettes, Oliver (2005):Bildungs- und Sozialpolitik mit Gutscheinen. Köln. S. 16f.

[6] Ebenda, S. 7

[7] Enste, Dominik / Stettes, Oliver (2005):Bildungs- und Sozialpolitik mit Gutscheinen. Köln. S. 16f.

[8] Spieß, C. Katharina (2001): Gutscheine – ein Ansatz zur Finanzierung und Steuerung im Kindertagesstättenbereich. In: Nachfrageorientierte Bildungsfinanzierung. Dohmen, Dieter / Cleuvers, Birgitt A. (Hrsg.). Köln.

[9] Enste, Dominik / Stettes, Oliver (2005):Bildungs- und Sozialpolitik mit Gutscheinen. Köln. S. 16f.

[10] Kreyenfeld, Michaela / Spieß, C. Katharina / Wagner, Gert G. (2001): Finanzierungs- und Organisationsmodelle institutioneller Kinderbetreuung. Darmstadt. S. 160ff.

[11] Ebenda, S. 58

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640947058
ISBN (Buch)
9783640946716
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174048
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Schlagworte
welche vor- nachteile bildungsgutscheine bildungseinrichtungen finanzierungsmittel beispiel

Autor

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