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Die Komplexität des Social Engineerings in der Entwicklung marktwirtschaftlicher Strukturen in Entwicklungsländern

Moderne Technologien und Armutsbekämpfung

Hausarbeit 2011 16 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in das Projekt und Fokus des Berichtes

2. Das Konzept des Social Engineering

3. nforderungen von CuveWater bezüglich Staat, Markt und Gesellschaft in Namibia͙
3.1 an staatliche Strukturen
3.1.1 Staatsverständnis
3.1.2 Funktionsweise staatlicher Strukturen
3.1.3 Förderung der Wirtschaft
3.2 an gesellschaftliche Verhaltensweisen
3.2.1 Gesellschaftsstruktur
3.2.2 Verständnis von Reichtum
3.2.3 Ökonomische Lebensweise

4. Potentielle Schwierigkeiten bei der Umsetzung͙
4.1 ͙.durch staatliche Strukturen
4.1.1 Staatsverständnis
4.1.2 Funktionsweise staatlicher Strukturen
4.1.3 Förderung der Wirtschaft
4.2 ͙.durch gesellschaftliche Verhaltensweisen
4.2.1 Gesellschaftsstruktur
4.2.2 Verständnis von Reichtum
4.2.3 Ökonomische Lebensweise

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

In den folgenden Ausführungen werde ich den Bericht “Water use options for regional development. Potentials of new technologies in Central Northern Namibia“, verfasst im Rahmen des CuveWater Projektes kritisch analysieren, wobei ich einen besonderen Fokus auf den Einfluss von informellen und traditionellen Strukturen im post-kolonialen Afrika lege. In ihren Untersuchungen der marktwirtschaftlichen Entwicklung im zentralen Norden Namibias verknüpfen die Autoren verschiedene wissenschaftliche Disziplinen und stellen die Erwartungen und Wünsche befragter lokaler Experten bezüglich des CuveWater Projektes vor. Weiterhin zeigen sie die Hindernisse für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, die die Armut verringern und Arbeit schaffen könnte, auf. Bei ihrer Einschätzung des gesellschaftlichen Kontextes verwenden die Autoren allerdings implizit ein Verständnis von Staat und Gesellschaft und deren Beziehungen zur Wirtschaft, das von westlichen Denkmustern geprägt ist. Diese Denkmuster möchte ich in dieser Arbeit aufzeigen und darstellen, weshalb sie eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens behindern könnten. Dazu stelle ich zuerst kurz das Projekt vor. Danach erläutere ich kurz das Prinzip des Social Engineering, dass in dem CuveWater Projekt Anwendung findet, und erläutere interpretativ die implizierten Ansichten des Berichtes bezüglich Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Abschließend zeige ich Hintergründe für mögliche Probleme bei der Umsetzung des Projektes auf, die sich aus diesen implizierten Annahmen ergeben, um dann mit einem Fazit zu schließen. Zentral ist hierbei die Erkenntnis, dass im Bericht vor allem die informellen gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen vernachlässigt werden und dies den Erfolg des Projektes behindern könnten.

1. Einführung in das Projekt und Fokus des Berichtes

Der Report “Water use options for regional development. Potentials of new technologies in Central Northern Namibia“, verfasst von A. Lux und C. Janowicz, ist einer von mehreren Analyseberichten im Rahmen der Vorbereitung und Umsetzung des CuveWaters Projektes, einem von der Universität Darmstadt und dem Institute for Social Ecological Research (ISOE) in Frankfurt gemeinsam durchgeführtem interdisziplinären Forschungsprojekt. Hierbei sollen verschiedene Ansätze eines Integrated Water Resources Management (IWRM)1 für die Anwendung in Entwicklungsländern entwickelt und erprobt werden. Durch eine Kombination von moderner Technik und einfacher Handhabung haben Maßnahmen zur dezentralen solar-gekoppelten Entsalzung, zur künstlichen Grundwasseranreicherung, zur nachhaltigen Regenwassernutzung und zum Bau von Sanitäranlagen mit Abwasserrecycling zur Gewinnung von Energie und Nährstoffen das Potential, die Gesundheits-und Ernährungssituation der lokalen Bevölkerung zu verbessern sowie neue Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Durchgeführt wird das Projekt in der Region des Cuvelai-Etosha Beckens im zentralen Norden Namibias. In dieser von Wassermangel und schnellem Bevölkerungswachstum geprägten Region soll das Projekt helfen, das wenige vorhandene Wasser so effizient wie möglich zu nutzen, um die Lebenssituation der Menschen vor Ort nachhaltig zu verbessern.

Das CuveWaters Projekt zeichnet sich dabei durch eine möglichst allumfassende Herangehensweise aus, bei welcher neben den technischen Aspekten insbesondere soziale und kulturelle Faktoren Berücksichtigung finden und Partizipation, Good Governance und Capacity Building zentrale Pfeiler des Durchführungsprozesses sind. Diesem Anspruch folgend wurden deshalb zahlreiche Studien durchgeführt, um die unterschiedlichen Interessen und Ansichten der Betroffenen auf lokaler, regionaler sowie nationaler Ebene aufzudecken und in die Projektumsetzung einfließen zu lassen.

Der in dieser Arbeit untersuchte Bericht beschäftigt sich dabei allerdings weniger mit dem Projekt selbst, als mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen das CuveWater Projektes wirkt. Die Studie stellt die Ergebnisse zahlreicher Experteninterviews vor und zeigt, nach der Beschreibung der derzeitigen Wassernutzungsmuster, die potentiellen Verbesserungen bei den Anbaumöglichkeiten von landwirtschaftlichen Gütern sowie bei der Ausweitung von Handelskreisläufen und -netzwerken durch eine effizientere Wassernutzung auf. Die Schaffung zusätzlicher Arbeitsstellen und die Reduzierung von Armut in der Region werden als die langfristigen Ziele des Projektes angesehen, wobei, angeregt von der zunehmenden Verstädterung, ein besonderer Fokus auf die landwirtschaftlichen Produktions- und Handelszyklen in urbanen Umfeldern gelegt wird. Der Bericht argumentiert, dass CuveWater die Lebensumstände in der Region deutlich verbessern kann, schränkt diese Aussage aber gleichzeitig ein, indem darauf verwiesen wird, dass, neben der reinen Installation von moderner Technik, die Umsetzung weiterer sozio-wirtschaftlicher Maßnahmen vonnöten sei, um die Armut nachhaltig zu reduzieren (34)2. Die Schaffung von marktwirtschaftlichen Strukturen erfordert aus der Perspektive des Projektes damit auch eine Veränderung der bisherigen Lebensweisen der lokalen Bevölkerung (32).

2. Das Konzept des Social Engineering

Das Konzept des politikwissenschaftlichen Social Engineering geht auf das von Karl Popper veröffentlichte Buch The Poverty of Historicism3 zurück, in welchem der Autor darlegt, dass schrittweise vorgenommene und auf Einzelaspekte abzielende Reformen die wirkungsvollsten Methoden sein, um gesellschaftliche Veränderungsprozesse umzusetzen und das soziale Miteinander gezielt zu gestalten. Durch die punktuelle Herangehensweise blieben die Wirkungen überschaubar und unbeabsichtigte Konsequenzen könnten so weitestgehend verhindert werden.

Ein solches Vorgehen wird auch in dem in diesem Papier untersuchtem CuveWater Bericht empfohlen, indem gezielt nur die mit den landwirtschaftlichen Anbauweisen und wirtschaftlichem Handel in Zusammenhang stehenden bisherigen Lebensweisen unter Berücksichtigung der sozialen Umstände verändert (32), weiterführende zukünftige Entwicklungen aber weder eingeschränkt noch rigide politisch gelenkte Maßnahmen aufgezwungen werden sollen (38).

Ich möchte in dieser Arbeit die Kritik von Thomas Averysan an einer solchen Vorgehensweise aufgreifen, die besagt, dass gezielte und kleine Eingriffe in eine Gesellschaft ein einschränkendes sozial-technisches Verständnis voraussetzen, das den vielfältigen Wirkungsweisen in Gesellschaften nicht gerecht würde und keinesfalls alle Konsequenzen kontrollieren und voraussehen könne.4 So könnten solche Eingriffe durchaus Auswirkungen auf Bereiche der Gesellschaft haben, die nicht verändert werden sollten oder die zu verändernde Gewohnheiten könnten in gänzlich anderen Bereichen ihren Ursprung haben. Im Folgenden möchte ich eben diese Komplexität gesellschaftlicher Veränderungen und den Umgang damit exemplarisch am CuveWater Projekt Bericht Nummer 6 aufzeigen.

3. Anforderungen von CuveWater bezüglich Staat, Markt und Gesellschaft in Namibiaǥ.

Der in dieser Arbeit analysierte Bericht des CuveWater Projekts untersucht den Zusammenhang zwischen technologischem Fortschritt und wirtschaftlicher Entwicklung im Cuvelai-Etosha Becken(7). Die Grundannahme ist, dass Investitionen in die (Wasser- )Infrastruktur ökonomisches Wachstum nachweisbar stimulieren und somit Arbeit schaffen und Armut beseitigen (8). Die Gültigkeit dieser These beruht jedoch auf implizierten Grundannahmen bezüglich der Organisation von Wirtschaft als Bindeglied zwischen Staat und Gesellschaft. Der Bericht geht ausführlich auf die Wasserinfrastruktur, deren geplanten Verbesserung und die daraus resultierenden Konsequenzen für den namibischen Staat und seine Bevölkerung ein und ist daher auch ein wichtiger Teil der Untersuchungen über die Umsetzbarkeit des CuveWater Projektes. Insbesondere durch die Befragung von Experten und Entscheidungsträgern vor Ort gewährt der Bericht wertvolle Einblicke in die Erwartungen und Vorstellungen der Menschen, die die Projektumsetzung begleiten und die Nachhaltigkeit des Projektes mitbestimmen. Als zentraler Punkt des Berichtes werden zahlreiche Hindernisse für die erfolgreiche Umsetzung des CuveWater Projektes genannt, angefangen bei der fehlenden staatlichen Unterstützung von Farmern (24) über kaum vorhandenem Zugang zu Investitionskapital (28) bis hin zu der geringen Motivation der Menschen, sich in das Projekt einzubringen (37).

Insgesamt implizieren die Autoren ein Verständnis, demzufolge kulturelle und in der Gesellschaft verankerte Traditionen, Handhabungen und Alltagsroutinen zwar beachtet und berücksichtigt, jedoch für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes auch verändert werden können oder sogar müssten (32). Sie nehmen an, dass die gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen, die für eine erfolgreiche Umsetzung des CuveWater Projektes im Speziellen und der daraus abgeleiteten Entwicklung der Wirtschaft und der damit verbundenen neuen Arbeitsmöglichkeiten und die darauf beruhende Armutsreduzierung im Allgemeinen, vorausgesetzt werden, zurzeit in der Region des Cuvelai-Etosha Beckens nicht gegeben sind. In den aufgeführten Entwicklungshemmnissen in Staat und Gesellschaft sind implizit die Vorstellungen für die marktwirtschaftliche Entwicklung stärker unterstützende Situation enthalten. Im Folgenden möchte ich, unterstützt von den Diskussionsergebnissen des Seminars, die im Bericht enthaltenden interpretativ entnommenen Vorstellungen zu Staat und Gesellschaft vorstellen, um dann im darauf folgenden Kapitel die wichtigsten Schwierigkeiten zur Umsetzung dieser vorzustellen.

[...]


1 Unter IWRM wird ein Prozess verstanden, „bei dem durch koordiniertes Management der Nutzen einer Wasserressource ökonomisch und gesellschaftlich maximiert wird, ohne ökologische Schäden hervorzurufen“ (Neubert, S. und Theesfeld, I. (2008):IWRM und das Zusammendenken natürlicher und sozialer Systeme, Präsentation des DIE am 21.2.2008 in Hannover).

2 In Klammern gesetzte Zahlen stehen für die jeweilige Seitenzahl des CuveWater Berichtes. 2

3 Popper, K (1957): The Poverty of Historicism, London.

4 Vgl. Avery, T. (2000): Popper on „Social Engineering“: Classical Liberal View, in Reason Paper 26, 29-38. 3

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640949762
ISBN (Buch)
9783640949878
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174036
Note
Schlagworte
Namibia CuveWater Cuvelei-Etosha Entwicklungshilfe Social Engineering postkolonial integrated water resource management IWRM waek state schwache staaten

Autor

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