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Neuro Enhancement

Wissenschaftliche Grundlagen und Diskussion von Vor- und Nachteilen

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Kleine Entwicklungsgeschichte

2 Theoretische Grundlagen des Neuro-Enhancements
2.1 Neurotransmitter
2.1.1 Serotonin
2.1.2 Dopamin
2.1.3 Noradrenalin
2.1.4 GABA
2.2 Künstliche Gehirnoptimierung
2.2.1 Ritalin
2.2.2 Vigil
2.3 Konventionelle Gehirnoptimierung

3 Neuro-Enhancement in der Praxis
3.1 Vorteile
3.1.1 Individuelle Vorteile
3.1.2 Systemische Vorteile
3.1.3 Gesellschaftliche Vorteile
3.2 Nachteile
3.2.1 Individuelle Nachteile
3.2.2 Systemische Nachteile
3.2.3 Gesellschaftliche Nachteile

4 Diskussion

5 Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Fragen, wie Neuro-Enhancement funktioniert, welche Vor- und Nachteile es gibt und wie mit konventionellen Methoden die geistige Leistungsfähigkeit und das emotionale Befinden gesteigert werden könnte. Zur Beantwortung wird zunächst auf die theoretischen Grundlagen der Informationsweitergabe im Gehirn eingegangen, um dann die künstliche und die konventionelle Gehirnoptimierung zu erläutern und in letzten Teil die Vor- und Nachteile des Neuro-Enhancement abzuwägen. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, das aufgrund der Beschaffenheit des Gehirns ein künstlicher Eingriff möglich ist, die positive Wirkung jedoch von Person zu Person verschieden und daher stets mit großen Risiken verbunden ist, sodass bis weitere Forschungsergebnisse vorliegen auf konventionelle Methoden zurückgegriffen werden sollte.

1 Einleitung: Kleine Entwicklungsgeschichte

„ Wenn das Gehirn so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so einfach strukturiert, dass wir es nicht verstehen könnten. “

Lyall Watson

Wie dieses Zitat bereits andeutet, ist unser Gehirn ein komplexes System aus undurchsichtigen Strukturen und Verbindungen, welches uns hilft, verschiedenste Prozesse zu bewältigen, von unterbewussten Vorgängen wie das Augenzwinkern bis hin zu hochkomplexen geistigen Arbeiten wie die Relativitätstheorie. Schon früh begann der Mensch sein Gehirn auch dazu zu nutzen, ebendieses zu erforschen. Bereits 1700 vor Christus wurden auf einem ägyptischen Papyrus erste Überlegungen zu Aussehen und Funktionsweise des menschlichen Gehirns niedergeschrieben (vgl. Westendorf, 1992). Im Laufe der Geschichte machte die Wissenschaft immer mehr Fortschritte und verstand so auch immer mehr über die Funktionsweise des Gehirns. Besonders in den letzten Jahrzehnten wuchs der Wissenschaftszweig der Hirnforschung zu einem der wichtigsten überhaupt heran, was uns in der Zukunft immer mehr Detail des Gehirns ergründen lassen wird (vgl. Kraft, 2004). Dadurch entstehen neue Möglichkeiten in der Medizin und der Psychologie, wie beispielsweise die Möglichkeit zu einem künstlichen chemischen Eingriff in die Hirnstrukturen, mit dem Ziel die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern und die Gemütslage bei klinisch gesunden Menschen aufzubessern. Diese künstliche Verbesserung des Gehirns durch Psychopharmaka nennen Wissenschaftler Neuro- Enhancement (Normann & Berger, 2008). In der vorliegenden Arbeit wird die Frage untersucht, wie Neuro-Enhancement funktioniert, welche Vor- und Nachteile es hat und welche konventionellen Gehirnverbesserungsmethoden es gibt. Dazu zeigt der Autor vereinfacht die zugrunde liegenden wissenschaftlich aktuellen Funktionsmechanismen auf und legt die Wirkung ausgewählter Psychopharmaka dar. Um eine weitere Möglichkeit aufzuzeigen, wie man seine geistige Leistungsfähigkeit steigern kann, stellt der Autor auch einige konventionelle Gehirnoptimierungsmethoden vor. In einem eher soziologischen Teil untersucht der Autor die Vor- und Nachteile der Neuro-Enhancer in der Praxis und unterscheidet dabei, die individuelle, die systemische und die gesellschaftliche Sichtweise.

2 Theoretische Grundlagen des Neuro-Enhancements

Die folgenden Erklärungen stellen die Zusammenhänge im menschlichen Gehirn sehr vereinfacht dar, sodass ein Grundverständnis der Funktionsweise und der Thematik erlangt werden kann. Dem Autor ist bewusst, dass die Prozesse in der Realität sehr viel komplizierter als hier beschrieben ablaufen.

Das Gehirn besteht aus Sicht der Neurobiologie grob aus der oberen Ebene, die sich mit den Funktionen größerer Hirnareale auseinandersetzt, der mittleren Ebene, die das Zusammenwirken größerer Zellverbünde (hundert bis tausend Zellen) beschreibt und der untersten Ebene, die sich mit den Vorgängen auf Zellebene beschäftigt (Domning et al., 2009, S. 22). Neuro-Enhancer wirken auf der untersten Ebene im Gehirn, das aus Milliarden von Neuronen, also Nervenzellen besteht, die miteinander vernetzt sind. Jedes Neuron besteht aus einem Körper (Soma), der die Versorgungs- und Schaltzentrale des Neurons darstellt, aus Dendriten, die Signale von anderen Zellen erhalten und aus Axonen, die Signale an andere Neuronen weitergeben. Ein solches Signal wird allerdings nicht direkt von Axon zu Dendrit weitergegeben, sondern es muss einen kleinen Spalt, der nur wenige Nanometer breit ist überwinden. Sir Charles Sherrington, der Entdecker dieses Spalts, nannte ihn den synaptischen Spalt. Innerhalb des Neurons wird die Information über einen elektrischen Impuls (das Aktionspotential) weitergegeben, welches bei Erreichen einer Endigung des Axons in chemische Energie umgewandelt wird, also eine Ausschüttung von Botenstoffen, sogenannten Neurotransmittern, in Gang setzt. Die Neurotransmitter werden aus ihren Vesikeln gelassen, durchqueren den synaptischen Spalt und docken am Rezeptor des postsynaptischen Neurons (Dendrit des Zielneurons) an und bewirken dort eine kurzzeitige Öffnung kleiner Kanäle, in welche neue Ionen eindringen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Reiz bzw. ein neues Aktionspotential auslösen, welches in der Nervenzelle wiederum weitergegeben wird. Viele Reize wirken exzitatorisch also erregend, einige allerdings auch inhibitorisch, also hemmend. Je nach dem welche und wie viele Reize zur selben Zeit eintreffen, wird das Aktionspotential weitergegeben oder es löst sich auf. Während die Signale verarbeitet werden, nimmt entweder das präsynaptische Neuron die Neurotransmitter wieder auf, also das Axon, das die Neurotransmitter abgegeben hat oder sie werden von Enzymen (Monoaminooxidase) abgebaut (vgl. Myers, 2009, S. 61-69).

2.1 Neurotransmitter

Die generelle Funktion der Neurotransmitter, nämlich den synaptischen Spalt zu überqueren und einen neuronalen Impuls an der postsynaptischen Zelle auszulösen, wurde bereits im vorherigen Abschnitt beschrieben. Je nach dem an wie viele Rezeptoren ein Neurotransmitter andocken kann und mit welchen Neurotransmittern er interagiert, desto vielfältiger kann die Wirkung sein. Trotzdem kann man Haupteffekte der verschiedenen Neurotransmitter ausmachen, da jeder Neurotransmitter seine eigenen Hauptaufgaben hat. Im Folgenden sollen die für das Neuro-Enhancement wichtigsten Neurotransmitter dargestellt werden.

2.1.1 Serotonin

Serotonin, das auch 5-Hydroxytryptamin genannt wird, wirkt einerseits als Hormon und andererseits als Neurotransmitter und findet sich im Körper vor allem im Magen-Darm- Trakt, den Thrombozyten und im zentralen Nervensystem (U.S. National Library of Medicine, 2010). Für das Neuro-Enhancement ist seine Wirkung als Botenstoff im zentralen Nervensystem wichtig, wo es bei seiner Ausschüttung die Stimmung, das Hungergefühl und den Schlafrhythmus beeinflusst (Myers, 2009). Da es die Stimmung meistens positiv beeinflusst, wird es beispielsweise von Dr. Christoph Hensen, Chefarzt im Luzerner Kantonsspital auch als Glückshormon bezeichnet (2009). Entsprechend ist ein niedriger Serotoninspiegel im Blut oftmals ein Anzeichen für eine Depression, weshalb auch gängige Antidepressiva als Serotonin Wiederaufnahmehemmer arbeiten.

2.1.2 Dopamin

Dopamin (auch 3-Hydroxytyramin) wirkt ähnlich wie Serotonin ebenfalls als Hormon oder als Neurotransmitter. In Bezug auf das Neuro-Enhancement ist besonders seine Rolle als Neurotransmitter wichtig, wo es Einfluss auf die Wahrnehmung und Gefühle hat. Eine erhöhte Dopaminausschüttung bedeutet oftmals eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit und eine bessere Stimmung, bis hin zur Euphorie, übermäßige Aktivität der Dopaminrezeptoren wird mit Schizophrenie in Zusammenhang gebracht, eine Unterversorgung führt zeitweise zu schlechter Stimmung. Auch Parkinson wird unter anderem mit einem Mangel an Dopamin erklärt. Medikamente wie Levodopa (L-Dopa) setzt man gegen Parkinson ein, da sie eine Vorläufersubstanz enthalten, die dann in den Nervenzellen zu Dopamin umgewandelt wird (Myers, 2009).

2.1.3 Noradrenalin

Wie schon Serotonin und Dopamin wirkt auch Noradrenalin als Hormon und Neurotransmitter. Als letzteres spielt es besonders für Funktionen wie die Aufmerksamkeit und Wachheit (Vigilanz) eine Rolle, beeinflusst aber auch unsere Stimmung positiv. Wie die bereits vorgestellten Neurotransmitter gehört es zur Gruppe der biogenen Amine, die stets eine erregende Wirkung haben. Das Fehlen von Noradrenalin kann zu schlechter Stimmung führen (Myers, 2009 & Lundbeck Institut, 2010).

2.1.4 GABA

Die Gammaaminobuttersäure, kurz GABA, ist im Gegensatz zu den bereits vorgestellten Neurotransmittern ein hemmender (inhibitorischer) Neurotransmitter, das heißt er unterbricht gegebenenfalls die Informationsübergabe an der Synapse, bzw. am synaptischen Spalt. Das kann im positiven Fällen zur Linderung von Schmerzen führen und (epileptischen) Anfällen oder Zittern entgegenwirken. Bei einer Fehlfunktion können die Symptome entsprechend verstärkt werden (Lundbeck Institut, 2010).

2.2 Künstliche Gehirnoptimierung

In diesem Kapitel soll die Wirkungsweise von Neuro-Enhancern anhand von einigen relevanten Psychopharmaka beschrieben werden. Vor- und Nachteile werden erst in Kapitel 3 erörtert, sodass der Autor sich hier auf die generelle Wirkungsweise von Psychopharmaka und die relevanten Mittel in Bezug auf Neuro-Enhancement beschränkt.

Generell gibt es drei verschiedene Arten wie Psychopharmaka als Neuro-Enhancer wirken. Die Meisten funktionieren durch eine Blockade des präsynaptischen Neurons mit vorhergehender Stimulation der Vesikeln, in denen die Neurotransmitter sitzen. Durch die Stimulation entweichen sie und docken an den Rezeptoren des postsynaptischen Neurons an. Da das präsynaptische Neuron nun blockiert ist, können die Neurotransmitter nicht wiederaufgenommen werden, der „Reuptake“ ist also gestört. Gleichzeitig wird meistens die Monoaminooxidase gehemmt, sodass die Neurotransmitter auch nicht abgebaut werden können, was schlussendlich dazu führt, dass die Neurotransmitter die Rezeptoren immer wieder stimulieren und sich der in Kapitel 2 beschriebene Vorgang der Weiterleitung des Aktionspotentials so häufig wiederholt, dass eine entsprechende Wirkung erzeugt wird. Neben der Blockade der präsynaptischen Neuronen und der Hemmung der Monoaminooxidase gibt es als weitere Möglichkeit die Imitation.

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Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640943463
ISBN (Buch)
9783640943470
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174032
Institution / Hochschule
Universität St. Gallen – Reflexionskompetenz
Note
5,5
Schlagworte
Psychologie Neuro-Enhancement Gehirnoptimierung GABA Dopamin Serontonin Noradrenalin Gehirndoping Doping Gesundheit Ritalin Vigil

Autor

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Titel: Neuro Enhancement