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Identität und Verein

Identitätsentwicklung unter dem Einfluss des Vereinssports Fußball

Hausarbeit 2008 10 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Identitätsbegriff nach Mead und Goffman

3. Fußball als Realitätsmodell

4. Kommunikation im System Fußball

5. Identität und Verein
5.1 Der Verein als Bühne
5.2 Der Vereinsspieler als Darsteller

6. Kritik und Fazit

Literatur

1. Einführung

Hinter dem Begriff der Identität verbirgt sich mehr als Name, Anschrift und Steuernummer. Identität ist ein das Leben andauernder Prozess. Identität kommt und geht. Sie ist flexibel, wandelbar, um uns in allen Situationen des Lebens entsprechend verhalten zu können. Wir sind in der Lage die unterschiedlichsten Identitäten anzunehmen. Ob im Beruf, unter Freunden oder in der Familie präsentieren wir unterschiedliche Identitäten gemäß unterschiedlicher Image- und Rollenerwartungen. Diese Arbeit versucht nicht den komplexen Begriff der Identität ins Letzte zu entschlüsseln. Viel mehr soll versucht werden, Identitäten exemplarisch im Vereinsfußball nach den Ideen Goffmans Interaktionismus zu untersuchen.

Wie entsteht Identität? Welchen Einfluss besitzt dabei der Fußball auf die Ausgestaltung der eigenen Identität? Um letztendlich der Frage nachzugehen, ob im Fußballverein eigene Identitäten entwickelt werden, die in der Lage sind andere Identitäten abzulösen.

Beginnend mit einer Begriffsbestimmung nach Mead und Goffman, wird sich die Arbeit mit dem System Fußball als potentielles Realitätsmodellmodell befassen. Im zweiten Teil der Arbeit steht dann der Verein als Ort der Interaktion und Identitätsentwicklung im Vordergrund, um mit einer Kritik an Goffmans handlungstheoretischen Ansatz und einem Fazit abzuschließen.

2. Identitätsbegriff nach Mead und Goffman

Um diese Fragen zu untersuchen, ist es zunächst einmal nötig, den Begriff der Identität näher zu bestimmen. Hierbei wird sich die Arbeit ausschließlich auf den Identitätsbegriff nach Mead und Goffman beziehen.

George Herbert Mead bezeichnete Identität als self und meinte damit einen lebenslangen Prozess, der durch den Austausch mit der Gesellschaft zollzogen wird. Identität wird nicht bei Geburt mitgeliefert, sie entwickelt sich innerhalb gesellschaftlichen Erfahrungs- und Tätigkeitsprozessen. Identität ist somit Ergebnis der Beziehung des Einzelnen zu seinem Umfeld als Ganzes und deren Individuen innerhalb dieses Prozesses (Mead 1980: 177).

Bestimmt wird dieser Prozess durch die Kommunikation mit dem Umfeld. Die Kommunikation erzeugt Verhaltensweisen, in der das Individuum selbst für sich und andere zum Objekt werden kann. Letztendlich ist dies die Voraussetzung der Identitätsbildung (Mead 1980: 180). Verantwortliche Institution ist die jeweilige Gruppe, in der man sich gerade befindet (Mead 1980: 185). In unserem Falle ist der Fußballverein der geeignete Ort, Identitäts- und Imageaufbau des Vereinsmitglieds näher zu beobachten.

Interessanterweise sieht Mead im kindlichen play einen ersten Schritt in der Identitätsbildung. Im spielerischen Nachahmen bestimmter Erwachsenenrollen wie Polizist, Lehrer oder Verkäufer werden erste Identitätsstrukturen angetestet. Im nächsten Schritt - den Mead als game bezeichnet - wird die Rolle gegenüber Anderen organisiert. Das Kind schafft den Übergang von der spielerischen Übernahme der Rolle zur organisierten Rolle aus der heraus sich eine eigene Persönlichkeit entfaltet (Mead 1980: 194). Denn im Wettkampf wird dem Kind bewusst, welche Rolle es in der Gruppe einnimmt, um ein übergeordnetes Ziel im Sinne der Gruppe zu erreichen. Beim Fußballspiel muss das Kind wissen, zu welchem Team es gehört, welche Position ihr ungefähr zukommt, um dementsprechend Teil der Mannschaft bzw. ein Teil der Gemeinschaft zu werden (Mead 1980: 2002).

Goffmans Identitätsbegriff baut auf Meads Überlegungen auf. Für das weitere Verständnis ist festzuhalten, dass Goffman zwischen persönlicher, sozialer und Ich-Identität unterscheidet. Soziale Identität beschreibt dabei die Charaktereigenschaften, die von außen zugeschrieben werden (Goffman 1988: 10). Persönliche Identität bestimmt die Einzigartigkeit des Einzelnen. Diese ist oft mit Namen und Körper verbunden, um von den anderen differenziert zu werden (Goffman 1988: 73). Im Gegensatz zur sozialen und persönlichen Identität, wird die Ich-Identität nicht von außen zugeschrieben, sondern subjektiv und reflexiv empfunden (Goffman 1988: 132). Diese Begriffsbestimmung dient dazu, aufzuzeigen, wie Stigmatisierte mit ihrer Identität umgehen. Man versucht seine persönliche und soziale Identität über das Image so gut es geht zu steuern. Die Bandbreite reicht vom Verstecken, zum Umdeuten bis zum öffentlichen Coming-Outs eines Stigmas (Goffman 1988: 13). Mit anderen Worten: Das Image ist neben der Rolle ein Bestandteil der sozialen Identität. Demnach ist das Image ein Instrument der Identitätsbildung und repräsentiert Identität nach außen (Henne und Rehbock 2001: 274). Goffman beschreibt nach diesem Muster das Stigma der sozial abweichenden Hobbyisten , die zusammen mit anderen gegen ihren sozialen Platz rebellieren und nennt dabei auch neben Briefmarkensammlern den Vereinsspieler. Hobbyisten geben sich ihrer Zerstreuung so hin, dass meist nur noch eine Hülle ihrer bürgerlichen Identität übrig bleibt (Goffman 1988: 177).

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll Goffmans Modell von der sozialen Welt als Bühne einzuführen. „Innerhalb der Grenzen einer gesellschaftlichen Einrichtung finden wir ein Ensemble von Darstellern, die zusammenarbeiten, um vor einem Publikum eine gegebene Situation darzustellen. Zu diesem Modell gehören der Begriff des geschlossenen Ensembles und des Publikums sowie die Voraussetzung eines Ethos, das durch Regeln des Anstands und der Höflichkeit aufrechterhalten werden soll.“ (Goffman 1991: 217) Hierzu wird das Ensemble möglichst loyale und disziplinierte Mitglieder wählen (Goffman 1991: 218).

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Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640942596
ISBN (Buch)
9783640942565
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173953
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Soziologie II
Note
1,0
Schlagworte
Verein Identität Fußball Goffman Mead Interaktionismus

Autor

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Titel: Identität und Verein