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Mobiler Journalismus. Handy TV

Seminararbeit 2009 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

1. Einleitung

Information, Wissen, Technologie und Fortschritt bestimmen das Zeitalter der modernen Gesellschaft. Es gilt sich anzupassen an die Strukturen und Denkmuster der digitalen Revolution und gleichzeitig durch Innovation und Weiterentwicklung den Zeitgeist voran zu treiben. Besonders die etablierten Medien sind dazu gezwungen mit den Entwicklungen Schritt zu halten und nicht nur durch Reaktion zu agieren, sondern durch eine Reform ihrer Systeme die Revolution mitzugestalten. Um die Nachfrage nach aktuellen und allerorts zugänglichen Themen zu befriedigen, müssen Informationskanäle mobil zugänglich sein. Der globale Mobilfunk der dritten Generation bietet diese Möglichkeit.

Französisch: “Portable“ - tragbar. Deutsch: “Handy“ - griffbereit, praktisch, handlich. Englisch: “Mobile“ - beweglich, schnell.

Das Handy ist der ständige Wegbegleiter des modernen Menschen. Ein mobiles, technisches Gerät, das über seinen tertiär-medialen Charakter hinausgeht und sich durch die interne Kombination verschiedener Mediengattungen und dem Internet zum Quartärmedium entwickelt hat. Es ermöglicht synchrone und asynchrone Kommunikation, das Abrufen und Austauschen aktueller Informationen, sowie die Nutzung individueller Web 2.0 Anwendungen. Betrachtet man weitergehend Japan, den Vorreiter bei mobilen Dienstangeboten, wird das Potential des Handys noch ersichtlicher. So fungiert dort das Mobiltelefon beispielsweise bereits als digitale Geldbörse, mit der Waren und Dienste bezahlt werden können1. In Deutschland hingegen steht die Entwicklung von Mobile-Media noch in den Anfängen. Doch die Relevanz dieses Marktes ist unverkennbar. So wollen Zeitungen, Rundfunkanstalten und Fernsehsender bei fallenden Auflagen-, Hörer- und Zuschauerzahlen diesen Markt erschließen um mediale Produkte an den Verbraucher zu bringen. Besonderer Fokus soll im Zuge dieser Seminararbeit auf die Fernsehsender sowie Mobilfunkunternehmen und deren mobile Angebote genommen werden. Im ersten Kapitel werden die Erwartungen an den Handy-TV Markt und dessen Entstehung in Deutschland sowie parallel die Entwicklung der Mobilfunkstandards und Verbreitungsmöglichkeiten. Dies ermöglicht eine Überleitung in den Hauptteil der Arbeit welcher sich mit den spezifischen, journalistischen Angeboten der deutschen Mobilfunkunternehmen und Fernsehsender beschäftigt. Durch aktuelle Statistiken gestützt, soll die technische Ausstattung der deutschen Bevölkerung und die Möglichkeiten der Nutzung von Handy-TV-Diensten erörtert werden. Nach der Berücksichtigung relevanter Faktoren wird eine Marktprognose gestellt, aus welcher ersichtlich werden soll, wie die zukünftige Entwicklung von mobilem Fernsehen einzuschätzen ist. Ausschlaggebende Quellen sind unteranderem die wissenschaftlichen Artikel im Fachmagazin „Media Perspektiven“ und deren Entwicklung seit der Einführung von Handy-TV (2006 - 2010), da diese aktuelle Bezüge vorweisen und somit einer perspektivischen Argumentation zuträglich sind. Desweiteren sind insbesondere die Fachliteratur von Vahid Zamani und Martin Sauter berücksichtigt. Da der Handy-TV-Markt allerdings sehr schnelllebig ist und sich noch in der Entwicklung befindet werden zeitnahe journalistische Artikel, Studien und Pressemitteilungen mit Verfügbarkeit im Internet herangezogen.

2. Entstehung des mobilen TV Markts

In diesem Kapitel soll die Entstehung, sowie die Entwicklung des deutschen Handy-TV Markts untersucht werden. Dabei wird parallel auf die Mobilfunkstandards und deren Verbreitungsmöglichkeiten in Bezug auf die Übertragung und den Empfang von audiovisuellem Datenmaterial eingegangen.

2.1 MFD und DMB

Der erste kommerziell nutzbare Dienst in Deutschland wurde am 31. Mai 2006 eingeführt. Der Betreiber MFD (Mobiles Fernsehen Deutschland) wollte die WM 2006 als Ausgangspunkt zur Verbreitung des DMB-Standards (Digital-Multimedia-Broadcast)2 nutzen3. Doch trotz einer positiven Reaktion der Rezipienten, konnte sich MFD mit dem DMB-Standard nicht durchsetzen. Nach Angaben des MFD- Geschäftsführers Henrik Rinnert konnten drei Wochen nach dem Start der Kooperation von debitel, mobilcom und simply lediglich 1400 Kunden gewonnen werden.4 Nichtsdestotrotz wurden hohe Ziele gesetzt. Mit dem mobilen Fernsehdienst watcha strebte der MFD bis 2007 eine Bevölkerungsabdeckung von 75 Prozent an5. Das Angebot von fünf TV-Programmen (ARD, ZDF, N24, MTV Music und ProSiebenSat.1 Mobile) sowie dem mit Bildinformation ausgestatteten Radioprogramm bigFM radio 2 see, wurde kostenpflichtig eingeführt. Henrik Rinnert: "Der Nutzer ist gewohnt, dass die Benutzung des Handys Geld kostet.".6 Die Erwartungen wurden jedoch enttäuscht und am 30.04.2008 wurde watcha eingestellt.7 Abermals wegen mangelndem Kundeninteresse („niedrig fünfstellig“8, waren die Nutzerzahlen). Es folgte eine Neuausrichtung auf DVB-H (Digital Video Broadcasting - Handheld)9 und eine Beteiligung am Konsortium Mobile 3.0.

2.2 Mobile 3.0 und DVB-H

Das Konsortium Mobile 3.0 wird gebildet durch die NEVA Media GmbH, bestehend aus den Verlagshäusern Burda Media und Holtzbrinck sowie der MFD. Das Ziel dieses Joint Ventures war die gemeinsame Frequenzsicherung und der Lizenzerwerb zum Betrieb eines Sendernetzes. NEVA Media und MFD konnten sich im Januar 2008 die DVB-H-Lizenzen der Landesmedienanstalten sichern und sich somit gegen Konkurrenten wie ProSiebenSat.1, Sender der RTL-Group und das Konsortium der Mobilfunkunternehmen Vodafone, O- und T-Mobile durchsetzen. Als Plattform für die Kundenakquirierung sollten abermals sportliche Großereignisse dienen: die EM im Juni 2008 und die Olympischen Spiele 2008. Mobile 3.0 startete jedoch im Juni 2008 lediglich einen Testbetrieb mit 150 Teilnehmern und neun Fernsehprogrammen10 (RTL, Vox, n-tv, ProSieben, Sat.1, N24, ARD, ZDF und Deutschland 24). Wieder einmal wurden Ziele gesetzt, die nicht erreicht werden konnten: 2008 eine Vollabdeckung der Landeshauptstädte, 2009 alle Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern und die vier einwohnerstärksten Städte in jedem Bundesland.11 Ein Vertrag mit den Netzbetreibern kam dabei aber nicht zustande, da diese sich weigerten zu kooperieren, nachdem sie bei der Lizenzvergabe nicht berücksichtigt wurden. So scheiterte auch der zweite Versuch einer bundesweiten Einführung von Handy-TV und Mobile 3.0 musste im Oktober 2008 die Lizenzen wieder zurückgeben. Die Landesmedienanstalten sahen das Pilotprojekt der Einführung des DVB-H-Standards als gescheitert, was auch zur Abschaffung von DMB führte.

2.3 Mobilfunkunternehmen und DVB-T

Schnell positionierten sich 2008 die Mobilfunkunternehmen im Handy-TV Markt. Durch den bereits weit verbreiteten DVB-T-Standard12 konnte der Großteil der deutschen Bevölkerung erreicht werden. Endgeräte mit DVB-T-Empfangsmöglichkeiten waren bereits auf dem Markt und zudem ist die Nutzung von ca. 30 terrestrischen Fernsehprogrammen kostenlos.13 Über DVB-T werden auf dem Handy dieselben Inhalte widergegeben wie im originären Fernsehen, d.h. es wurden keine speziellen made-for- mobile-Formate für diesen Standard produziert. Desweiteren kann kein Rückkanal aufgebaut werden, eine Interaktion zwischen Sender und Rezipient ist somit also unterbunden. Dies ist sicherlich ein Grund für die zunehmende Nutzung von Handy-TV via mobilem Internet.

[...]


1 Vgl.: Goldhammer, Klaus (2009): Das Handy ist die Geldbörse von morgen. Mobile Payment schon jetzt Alltag in Japan. 27.08.2009. http://www.goldmedia.com/blog/2009/08/, Zugriff am 09.03.2010

2 Vgl. Zamani, Vahid (2008): Handy-TV. Entwicklung von Video-Content für den mobilen Markt. Hamburg 2008. S. 16f

3 Vgl. Kaufmanns, Ralf / Siegenheim, Veit (2006): Handy-TV - Faktoren einer erfolgreichen Markteinführung. Ergebnisse einer repräsentativen Primärstudie. In: Media Perspektiven 10/2006, S. 498

4 Vgl. Neuhetzki, Thorsten (2006): Glotze to go: Wie sehen Anbieter und Regulierer Handy-TV. 07.07.2006. http://www.teltarif.de/arch/2006/kw27/s22272.html, Zugriff am 13.03.2010

5 Vgl. ebd. , Zugriff am 13.03.2010

6 Vgl. ebd. , Zugriff am 13.03.2010

7 Vgl. Redaktionsbüro Peter Dehn (2008): Handy-Fernsehen mit „Watcha“. 1.11.2008. http://www.dehnmedia.de/?page=handy&subpage=dmb4, Zugriff am 13.03.2010

8 Vgl. Heise Online (2008): Sendeschluss für Handy-TV Watcha. 30.04.2008. http://www.heise.de/mobil/meldung/Sendeschluss-fuer-Handy-TV-Watcha-204298.html, Zugriff am 13.10.2010

9 Vgl. Zamani, a.a.O., S. 19

10 Vgl. Breuning, Christian(2008): Handy-TV vor ungewisser Zukunft. DMB und DVB-H erhalten Konkurrenz durch DVB-T und mobiles Internet. In: Media Perspektiven 12/2008, S. 600

11 Vgl. ebd

12 Vgl. Zamani, a.a.O., S.17f

13 Vgl. TechniSat Digital GmbH (o.J): Verfügbarkeit von DVB-T in Deutschland. Verfügbar unter: http://www.dvb-t- portal.de/regionen/, Zugriff am 13.03.2010

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640940035
ISBN (Buch)
9783668107144
Dateigröße
34.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173830
Institution / Hochschule
Universität Passau – Philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
mobiler journalismus handy

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Titel: Mobiler Journalismus. Handy TV