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Anteil des permanenten Sexualtriebes, der Sublimierung, der Nächstenliebe und der Arbeit an der Menschwerdung des Affen

Wissenschaftlicher Aufsatz 2011 16 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Beginn der Menschwerdung im späten Tertiär

3. Sublimierung

4. Nächstenliebe

5. Arbeit

6. Zwei Menschenbilder - Ausblick

7. Literatur

1. Vorwort

Der Gelehrte und kommunistische Revolutionär Friedrich ENGELS verfasste 1876 seine Schrift „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“1.

Er hat darin in nahezu genialer Weise den Zusammenhang zwischen Menschwerdung und Arbeit dargestellt und gezeigt, wie der Mensch durch sein Verändern der ihn umgebenden Natur seine eigene Natur, sich selbst verändert. ENGELS darin über die Arbeit: “Sie ist die erste Grundbedingung alles menschlichen Lebens, und zwar in einem solchen Grade, dass wir in gewissem Sinne sagen müssen: Sie hat den Menschen selbst geschaffen“.

Beispielsweise ging die Verwendung von Werkzeugen und dann die Verwendung immer komplizierterer Werkzeuge mit der Vergrößerung des Hirnvolumens einher.

ENGELS` Freund, Karl MARX, hatte in seiner „Kritik des Gothaer Programms“ beschrieben, dass sich Arbeit zum “ersten Lebensbedürfnis“ entwickelt3.

1) „permanenter Sexualtrieb“: Der Sexualtrieb des Tieres ist in der Regel an zyklisch, hormonell gesteuerte Paarungszeiten gebunden.

Der des Menschen ist in zweifacher Hinsicht permanent vorhanden: Erstens ist er in nahezu gleicher Stärke das ganze Jahr über präsent.

Zweitens existiert er von frühester Kindheit an, wie Sigmund FREUD beschrieb 2.

ENGELS und MARX haben die gesellschaftlichen Prozesse, die zur Menschwerdung führten, aufgezeigt.

Im vorliegenden Aufsatz möchte ich versuchen, grundlegende psychische Prozesse, die mit den gesellschaftlichen zusammenwirken, sich wahrscheinlich in einem Wechselprozess mit ihnen befinden, zu beschreiben.

Dabei will ich mich folgenden Fragen zuwenden:

— Wie ist es möglich, dass Arbeit zum „ersten Lebensbedürfnis“ wird, welche psychischen Triebkräfte liegen dem zu Grunde?
— Wie ist das permanente Bedürfnis des Menschen zu erklären, sich selbst
unaufhörlich weiterzuentwickeln, in seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten, in seinen sozialen Beziehungen4 ?
— Wie entwickelte sich die Fähigkeit des Menschen, sich im Sinne GOETHES s den Mitmenschen gegenüber „edel, hilfreich und gut“ zu verhalten, woher kommen die typischen humanitären Eigenschaften wie Toleranz und moralische Verantwortung, Altruismus?

HÜTHER schreibt. „Da wir ein zeitlebens lernfähiges Gehirn besitzen, muss es unseren frühen Vorfahren immer wieder gelungen sein, das Band, das sich zwischen den Eltern ihrer Nachkommen als erotische Beziehung zwischen Mann und Frau spannte, zu erhalten und zu festigen.

Ebenso müssen sie es verstanden haben, das zweite, noch viel wichtigere Band immer fester und haltbarer zu machen. Es muss ihnen gelungen sein, das Gefühl einer engen Bindung zwischen den Mitgliedern ihrer Familie, ihrer Großfamilie, ihres Stammes und ihrer immer größer werdenden Gemeinschaft in die Gehirne ihrer Nachkommen einzugraben. Nur so konnten wir werden, was wir bis heute noch immer sind: keine von irgendwelchen Genen auf Konkurrenz und Selbstbehauptung programmierten Roboter, sondern Kinder der Liebe“5.

Ja, ganz genau! Aber woher (!) kommt dieses zweite „noch viel wichtigere Band“, welches in dieser Stärke und Festigkeit anscheinend nur in der menschlichen Gesellschaft existiert?

2. Beginn der Menschwerdung im späten Tertiär

Viele der heutigen Anthropologen sind sich darin einig, den Zeitpunkt für den Beginn der Menschwerdung gegen Ende des Tertiärs, beim Übergang zum Quartär anzusetzen, so dass der Mensch in etwa mit dem Quartär auf die Welt gekommen ist. Das stimmt mit der Erkenntnis von Friedrich ENGELS überein: in ...“ jener Erdperiode, die die Geologen die tertiäre nennen, vermutlich gegen deren Ende ...“ [1,S. 11].

Wie sah es damals bis zur Mitte des Tertiär aus, wie erging es unseren tierischen Vorfahren?

Es ging ihnen sehr, sehr gut! Sie lebten in einer paradiesischen Welt.

„Das Tertiär war für seine Lebewesen eine glückliche Zeit. Eine ferngeheizte Heimat von Dutzenden Millionen Jahren Dauer - also fast eine Ewigkeit. Ein Paradies der vierfüßigen Affen, die im Geäst vieltausendjähriger Bäume wie in Treppenhäusern herumliefen und das Springen lernten. Die aus dunklen Wäldern in die hellen wechselten und die aus lauter Lebenslust wieder in die dunklen überliefen. Die überall alles fanden, was Affen brauchen: Nahrung, Wärme und Liebe.

Die Affen eroberten sich einen Lebensraum, in welchem sie unbestreitbar die Herren wurden“.

„Und noch ein Umstand, der der Entwicklung der Affen so günstig war.

In der Mitte des Tertiär jagten die baumbewohnenden Raubtiere die Affen vor sich her, wenn sie konnten. Sie konnten schlecht und recht. Erstens war die Zahl der kletternden Katzenarten noch gering. Und zweitens kamen sie mit ihrer Akrobatik an die Affen nicht heran.

Die Affen entschieden den Kampf ums Dasein für sich, weil die grenzenlosen Wälder dreier Kontinente den Gejagten mehr Möglichkeiten boten als den Räubern. Das waren die Zustände um die Mitte des Tertiärs“6.

Wir können annehmen, dass es in diesem paradiesischen Leben keinen Grund gab, den Sexualtrieb einzuschränken, zu zügeln.

Es musste keine nennenswerte Zeit aufgebracht werden, um Nahrungsmittel zu suchen oder um wettergeschützte Unterkünfte zu bauen. Neugeborene konnten leicht versorgt werden. Die Jungtiere dürften extrem schnell selbständig geworden sein. Zur sexuellen Betätigung mussten auch keine geschützten Orte aufgesucht werden, da es, wie oben angeführt, kaum ernstzunehmende Feinde gab. D.h. der Sexualtrieb konnte sich über das ganze Jahr ungehindert ausdehnen, konnte auch in der Ontogenese immer früher einsetzen.

Mitunter bildete sich promiskuitives Verhalten heraus7.

Mehrere Millionen Jahre währte dieser Zustand. Es ging aber nicht ewig so weiter. Denn mit der zeitlichen Annäherung an das Quartär wurde es langsam aber sicher immer kälter und kälter. Sogar Eiszeiten warfen ihre Schatten voraus, die paradiesischen Zeiten gingen ihrem Ende entgegen.

Die Abstände zwischen den Bäumen vergrößerten sich. Die Raubkatzen wurden jetzt zu gefährlichen Feinden. Die Nahrungsbeschaffung wurde komplizierter, forderte nun Zeit und Energie. Zumindest die Neugeborenen mussten vor der Kälte geschützt werden. Es gab also immer mehr zu tun, die sexuelle Betätigung musste deshalb irgendwie gezügelt werden. Aber der Weg zurück zu den Paarungszeiten wurde eigenartiger Weise nicht gewählt!

Die Natur fand für den zukünftigen Menschen eine letztlich wesentlich effektivere Lösung: Sie schaltete den Sexualtrieb nicht aus, auch nicht zeitweilig, sie lenkte ihn um! Sie lenkte und lenkt ihn, wie einen zerstörerisch gewordenen Fluss, um in eine andere Richtung. Dorthin, wo er nicht zerstört sondern, ganz im Gegenteil, nützliche Arbeit leistet. So wie, um in diesem „hydraulischen Triebmodell“ (FREUD) zu bleiben, ein Fluss Generatoren zur Stromerzeugung antreibt.

Dieser Vorgang wurde von Friedrich NIETZSCHE „Sublimierung“ genannt und später ausführlicher von Sigmund FREUD beschrieben.

Die Natur hat die Umlenkung der Triebenergie in ein neues Flussbett aber nicht unumkehrbar gemacht, der Sexualtrieb kann auch, zur Freude aller Beteiligten, auf sein ursprüngliches Sexualziel gerichtet werden.

Die Abbildungen sollen das verdeutlichen.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640939640
ISBN (Buch)
9783640939619
Dateigröße
991 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173490
Schlagworte
permanenter Sexualtrieb Sublimierung Nächstenliebe Arbeit Menschwerdung Elitedenken Altruismus Güte Hilfsbereitschaft Selbstliebe

Autor

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Titel: Anteil des permanenten Sexualtriebes, der Sublimierung, der Nächstenliebe und der Arbeit an der Menschwerdung des Affen