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Was motiviert Grundschulkinder?

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffe
2.1.1 Motiv
2.1.2 Motivation/ Motivieren
2.1.3 Intrinsische/ extrinsische Motivation
2.2 Quellen der Motivation bei Grundschulkindern
2.3 Ursachen für Motivationsstörungen
2.4 Motivationsförderung im Unterricht

3. Praktische Anwendung (Vergleich Theorie)
3.1 Fragebogen
3.1.1 Allgemeines
3.1.2 Probleme
3.1.3 Darstellung und Wertung der Ergebnisse

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Hilfsmittel
5.3 Sekundärliteratur

6. Anhang

1. Einleitung

„Die einzige Möglichkeit, Menschen zu motivieren, ist die Kommunikation.“[1]

Jeder spricht immer von Motivation und Motivierung. Der eine ist hochmotiviert, der andere unmotiviert. Das Thema der Motivation greift in unser Leben ein, bewusst oder unbewusst, Tag für Tag. Durch mangelnde Kommunikation wird die Motivation oft unterdrückt oder falsch interpretiert. Aus diesem Grund ist es wichtig Vorbild zu sein und ein gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis anzustreben. Motivation ist eine wichtige Voraussetzung für guten Unterricht. Auch bei der Unterrichtsplanung sollte immer bewusst auf die Motivierung der Schüler geachtet werden. Doch ist das alles nicht so einfach. Dabei stellen sich Fragen wie: Was motiviert Grundschüler überhaupt? Kann ich als Lehrer die Motivation der Schüler beeinflussen? Diese Fragen sollen unter anderem auch in der nachfolgenden Arbeit zu beantworten versucht werden. Der Bezug zur Literatur stellt dabei eine wichtige Grundlage dar. Um überhaupt über Motivation zu sprechen bedarf es einer genauen Klärung der wichtigen Grundbegriffe. Was verstehen wir eigentlich unter Motivation? Das Thema bietet ein unerschöpfliches Repertoire an Informationen und die Schwierigkeit ein Thema einzugrenzen ist offensichtlich. Aus diesem Grund wird in der Arbeit nur auf ein kleines Spektrum der Thematik der Motivation eingegangen.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffe

Schaut man in die Literatur und möchte eine Begriffseingrenzung zu den Wörtern Motiv, Motivation und Motivieren vornehmen, so ist eine Vielzahl an Definitionen vorhanden. Diese inflationäre und synonyme Verwendung der Wörter ist erschreckend. Es besteht ein Überangebot von alltagssprachlichen Floskeln, wie der Gleichsetzung von Motivation mit den Begriffen „Interesse“ und „Neigung“ und tiefgründigen wissenschaftlichen Studien.

„Gemeinsam ist allen Definitionen, dass Motivation eine Kraft ist, die hinter dem Verhalten eines Menschen wirkt und es in Gang setzt. Diese Kraft kann in unterschiedlichen Formen in Erscheinung treten.“[2]

Hinzukommt, dass es eine Vielzahl an Modellen und Theorien gibt, welche sich mit der Thematik der Motivation beschäftigen. Zu nennen sind das Motivationsmodell von Heckhausen, die Theorie der Leistungsmotivation nach Atkinson, die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow und die Motivklassifikation nach Henry Murray. Das nähere Eingehen auf die Modelle soll aus Gründen der Komplexität nicht weiter erfolgen Doch eines steht fest, egal an welchem Modell wir uns als Lehrer orientieren, „ |…| kann einen Einfluß darauf haben, was wir unterrichten und wie wir unterrichten.“[3] Im Folgenden soll versucht werden die wichtigsten und grundlegenden Begriffe zu erläutern und voneinander abzugrenzen.

2.1.1 Motiv

Unter dem Begriff Motiv wird der Beweggrund, Anlass, Anstoß oder Ursache, meist einer Handlung, verstanden. Größtenteils kommt es dabei zu Motivmischungen, welche in beweglichem Wechselwirkungsverhältnis stehen.[4] Schüler werden nur selten durch ein Motiv bewegt, um eine bestimmte Handlung auszuführen. Motive sind entscheidend dafür, wie ausdauernd und verstärkt ein Schüler an einer Arbeit festhält. Diese Motive sind im Allgemeinen Befürchtungen, Bedürfnisse, Interessen … und spiegeln sich konkret in dem Bedürfnis nach Anerkennung oder Gruppenzugehörigkeit wieder. Das Motiv der Leistung ist vor allem für die Schule von zentraler Bedeutung.[5]

2.1.2 Motivation/ Motivieren

Der Begriff der Motivation lässt sich von dem lateinischen Wort „movere“ ableiten und bedeutet „bewegen“.

„Alle Organismen bewegen sich auf bestimmte Reize und Aktivitäten zu und von Anderen weg, je nach Ausprägung ihrer Vorlieben und Abneigungen.“[6]

Motivation steht für die inneren und psychischen Antriebe, die einen Menschen bewegen einer Tätigkeit nachzugehen, um eine Bedürfnisbefriedigung zu erlangen. Auch hier wird der Begriff der Motivation oft mit Wörtern wie Interesse, Neigung, Wert, Einstellung und Wunsch gleichgesetzt. Dabei wird deutlich, dass in jeder Handlung eine motivationale Grundkomponente enthalten ist.

„Lernen mit einem Nullpunkt an Motivation kann es nicht geben, denn mit einer wirklichen „Null-Bock-Mentalität“ könnte ein Lernprozess gar nicht erst anfangen.“[7]

Die Handlung eines Mitmenschen oder Lehrers mit dem er versucht einen Lernprozess zu aktivieren wird Motivierung genannt. Die Motivierung geht immer von einer anderen Person aus. Die Motivation dagegen immer von einem selbst.

2.1.3 Intrinsische/ extrinsische Motivation

Während bei der intrinsischen Motivation Begriffe wie Autonomie, Selbstbestimmung und Individualität im Vordergrund stehen, sind dies bei der extrinsischen Motivation andere Komponenten. Dabei sind Begriffe wie Zwang, Nötigung und Zweck wichtige Unterscheidungskriterien. Oft wird die intrinsische Motivation auch mit persönlichen Einflüssen gleichgesetzt, die extrinsische Motivation dagegen mit umweltbedingten Einflüssen.

„Wenn Menschen sich selbst als die Ursache ihres eigenen Verhaltens sehen, d.h. wenn ihre Selbstwahrnehmung ihnen sagt, daß sie |…| selbst ihr eigenes Verhalten kontrollieren, dann gehen sie davon aus, daß sie intrinsisch motiviert sind. Wenn Menschen ihr Verhalten als umweltbedingt einschätzen, |…|, wie Schachfiguren herumgeschoben werden, dann sehen sie sich selbst als extrinsisch motiviert.“[8]

Oft ist das auch mit der Auffassung einer Belohnung oder Konsequenz verbunden. Entweder um eine negative Konsequenz zu vermeiden oder eine positive Konsequenz zu erreichen.[9] Bei der intrinsischen Motivation liegt die Belohnung in der Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand selbst. Bei der extrinsischen Motivation dagegen gibt es eine beobachtbare Belohnung, wie zum Beispiel Bonbons oder Anerkennung. Doch wenn ein Kind immer wieder einer Belohnung ausgesetzt wird, kann es schnell dazu führen, dass es nur noch nach diesem Schema arbeitet. Intrinsische Motivation kann durch extrinsische Motivation beeinflusst und zerstört werden. Zugespitzt heißt dies, dass Menschen nur extrinsische Motivation haben, da sie unbewusst auf verstärkende Konsequenzen aus der Vergangenheit zurückgreifen, die sie bei anderen oder sich selbst wahrgenommen haben. „Intrinsische Motivation gilt im allgemeinen als der extrinsischen Motivation überlegen in bezug auf die Freude am Lernen und auf den Lernerfolg.“[10]

2.2 Quellen der Motivation bei Grundschulkindern

Die Quellen der Motivation bei Grundschulkindern stehen meist im Bezug der Leistungsmotivation. Die Motivierung der Lehrer in der Grundschule zielt meist auf die Erbringung irgendeiner Leistung. In diesem Zusammenhang steht ebenfalls die Lernmotivation. Eine klar definierte Aufschlüsselung der Quellen findet man in der Literatur jedoch kaum wieder. Wenn jedoch nach den Quellen der Motivation bei Grundschülern gefragt wird, geht es gleichzeitig immer um die Frage: Wie werden Schüler zum Lernen motiviert? Kognitive Lernmotive sind in der Grundschule vor allem das Streben etwas Neues zu lernen oder zu entdecken. Eine weitere wichtige Quelle der Motivation ist das Interesse. Die Schüler verleihen den Lerngegenstand eine besondere subjektive Bedeutung und verbinden dies mit positiven Erfahrungen.[11] Weiterhin bildet eine motivationale Basis das Streben nach Erfolg und das Vermeiden von Misserfolgen. Dabei spielt das Fähigkeitsselbstkonzept eine wichtige Rolle. Das beinhaltet vor allem das Wissen über eigene Leistungsmöglichkeiten und Selbstvertrauen.[12] Schätzt ein Schüler zum Beispiel eine Aufgabe bereits vorher als zu schwierig ein, wird er nur schwer dafür zu motivieren sein. Eine weitere Quelle ist die Zielorientierung. Will ein Schüler seine Fähigkeiten und Wissen erweitern ist er motiviert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Interesse, Leistungs- und Zielorientierung wichtige Quellen für Motivation sind, welche wiederum durch extrinsische und intrinsische Motivation beeinflusst werden. Dabei trägt vor allem auch die Lernumgebung und Lernumfeld einen Teil zu motivierten Handlungen in der Grundschule bei.

2.3 Ursachen für Motivationsstörungen

Größtenteils werden die Ursachen für Motivationsstörungen auf die Schüler geschoben und deren Unlust. Doch in der Grundschule stehen hinter einer gedachten Unlust meist prägnanter Faktoren, die das Kind beeinflussen.[13] Dabei werden die Ursachen von Motivationsstörungen in vier große Ursachenbereiche unterteilt: Familie, Schule, Schüler und Gesellschaft. In dem Ursachenbereich der Familie liegen die motivationalen Störungen in der Verwöhnung des Kindes begründet. Das Kind hat in den erzieherischen Strukturen der Eltern nie andere soziale Gefüge kennengelernt, als das der Eltern. Sie stehen immer im Mittelpunkt und genießen mehr Rechte als Pflichten. Oft spielt dabei die Überbehütung (overprotection) eine wichtige Rolle. Auch Werte wie Nächstenliebe, Teilen und Warten können wurden nicht vermittelt. Das alles hat zur Folge, dass Kinder nie Lernen selbstständig durchs Leben zu gehen und in der Schule eine Überforderung erfahren.[14] Motivationsstörend können auch Fehler in der Eltern-Kind Kommunikation sein oder Trennungen der Eltern, die ein Kind nicht verkraftet. Angesichts der vielen Scheidungen heute kein Einzelfall mehr.[15]

Ein weiterer Bereich für Motivationsstörungen ist der Bereich Schule. Vor allem in den ersten Grundschuljahren spielt ein intaktes Lehrer-Schüler Verhältnis eine wichtige Rolle. Der Lehrer wird zur Bezugsperson für den Schüler bei allen Fragen. Ist dieses Verhältnis gestört, ist auch die Motivation zum Lernen beeinträchtigt. Kinder erhalten oft nicht die Anerkennung, welche sie sich vom Lehrer erhoffen und werden auch insgesamt immer wieder zu wenig gelobt.[16] Alle Faktoren, die störend zwischen einem Lehrer-Schüler-Verhältnis stehen wirken sich auch auf die Motivation des Schülers aus.

„Ursachen sind auch im Bereich der Stoffvermittlung zu finden. So wirkt es sich motivationsstörend aus, wenn ein Lernstoff zu schwierig oder zu leicht dargeboten wird.“[17]

Auch unintakte Schüler-Schüler-Beziehung kann zu Motivationsstörungen führen.

Der dritte Ursachenbereich ist der Schüler selbst. Dabei spielen vor allem auch die oben genannten Quellen eine wichtige Rolle. Hinzukommt, dass plötzliche Erkrankungen oder vorübergehende Behinderungen sich motivationsstörend auswirken können.

Der vierte Ursachenbereich ist die Gesellschaft. Kinder in der heutigen Zeit sind Wohlstandskinder.[18] Es gibt kaum irgendeinen Mangel, es ist alles verfügbar, auch für Kinder. Die Gesellschaft sieht Arbeit und Leistung nicht mehr als sinnerfüllend und notwendig an. „Die Chance den Heranwachsenden Tüchtigkeit vorzuleben und vorzumachen, ist stark gesunken.“[19] Die Gesellschaft schätzt den Arbeiter nicht und hindert damit die Motivationsentwicklung. Ein grausames Bild, dass den Kindern tagtäglich vorgelebt wird.

2.4 Motivationsförderung im Unterricht

Im Gegensatz zu den `Quellen der Motivation` findet man in der Literatur und im Internet eine Vielzahl von Angeboten zur Motivationsförderung. Es wird eine Überflutung an Tipps und Tricks gegeben, wie Motivation gefördert werden kann. Auch die Auffassung, dass Motivation durch Motivierung zerstört werden würde, ist vorhanden.[20] Doch wenn es um die Motivierung in der Grundschule geht sind sich die meisten Autoren einig. „Wer richtig motiviert, fördert die Motivation.“[21] Vor allem für Heranwachsende ist es wichtig Selbstmotivation durch Impulse anzuregen. Der Lehrer ist nicht nur Vermittler, sondern auch Motivierer.[22] Die extrinsische Motivation hat vor allem in der Grundschule eine besondere Bedeutung. Kinder sollten diese Motivation erfahren, um selbst ihr Verständnis für Motivation zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln. Doch gerade durch diese Individualität ist es schwierig ein Allheilmittel zur Motivationsförderung zu erhalten, welches jeden Schüler motiviert. Aus diesem Grund sollte bei Themen wie der Motivationsförderung vor allem Anregungen aus der Praxis gesucht werden.

[...]


[1] http://www.zitate.de/kategorie/Motivation/

[2] Keller, Gustav: Ich will nicht lernen! Motivationsförderung in Elternhaus und Schule. Dritte, überarbeitete Auflage. Bern: Verlag Hans Huber, 2008, S.17.

[3] Vgl. Gage, Nathaniel Lees/ Berliner, David C.: Pädagogische Psychologie, hrsg. von Prof. Dr. Gerhard Bach. Fünfte, überarbeitete Auflage. Weinheim: Beltz PsychologieVerlagsUnion, 1996, S. 343.

[4] Vgl. Keller, Gustav: Motivationsstörungen im Schulalter. Donauwörth: Ludwig Auer, 1995, S.8.

[5] Vgl. Pädagogische Psychologie, S.357.

[6] Gerrig, Richard J./ Zimbardo, Philip G.: Psychologie. 18., aktualisierte Auflage. München: Pearson Studium, 2008, S.414.

[7] Hintz, Dieter/ Pöppel, Karl Gerhard/ Rekus, Jürgen: Neues schulpädagogisches Wörterbuch. Weinheim und München: Juventa Verlag, 1993, S.241.

[8] Pädagogische Psychologie, S.350.

[9] Vgl. Schlag, Bernhard: Lern- und Leistungsmotivation. Opladen: Leske + Budrich, 1995, S.20.

[10] Lern- und Leistungsmotivation, S.20-21.

[11] Vgl. Hesse , Ingrid/ Latzko, Brigitte: Diagnostik für Lehrkräfte. Opladen und Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich, 2009, S.137 ff.

[12] Vgl. Diagnostik für Lehrkräfte, S.143 ff.

[13] Vgl. Keller, Gustav: Motivationsstörungen im Schulalter. Donauwörth: Ludwig Auer, 1995, S.14.

[14] Vgl. Motivationsstörungen im Schulalter, S.14 ff.

[15] Vgl. Motivationsstörungen im Schulalter, S.16.

[16] Vgl. Ebd., S.18ff.

[17] Ebd., S.20.

[18] Vgl. Motivationsstörungen im Schulalter, S.26.

[19] Ebd., S.27.

[20] Vgl. Ich will nicht lernen!, S.49.

[21] Ebd.

[22] Vgl. Lern- und Leistungsmotivation, S.129.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640936441
ISBN (Buch)
9783640936748
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173430
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,7
Schlagworte
Grundschule Schüler Motiv Motivation Grundschulkind Unterricht Lehrer Schule

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