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Äquivalenz in der Übersetzung

Der Äquivalenzbegriff nach Koller, Gallagher und Turk

Referat (Ausarbeitung) 2010 8 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Äquivalenz in der Übersetzung

I. Der Äquivalenzbegriff nach Werner Koller:

Drei prinzipielle Vorüberlegungen:

1. (Übersetzungs-) Äquivalenz heißt zunächst nur, dass:

- zwischen einem Text/Textelement in der ZS und einem Text/Textelement in der AS eine Übersetzungsbeziehung (auch Äquivalenzrelation) besteht.
- die Art der Beziehung und auf welche Qualitäten des AS-Textes sich die normative Aussage bezieht, zusätzlich definiert werden müssen.

2. Voraussetzung für den Äquivalenzbegriff ist die Bestimmung der Äquivalenzbeziehung durch Nennung des Bezugsrahmens:

- D.h., „wenn der ZS-Text bestimmte Forderungen in bezug auf diese Rahmenbedingungen erfüllt“ (Koller 1992:215), besteht Äquivalenz bzw. eine Äquivalenzrelation zw. ZS-Text und AS-Text.
- Die Äquivalenzforderung: „die Qualität(en) X des AS-Textes (Qualitäten inhaltlicher, stilistischer, funktioneller, ästhetischer etc. Art) muß (müssen) in der Übersetzung gewahrt werden, wobei sprachlich-stilistische, textuelle und pragmatische Bedingungen auf der Seite der Empfänger zu berücksichtigen sind.“ (1992:215)

3. ZS-Äquivalente, d.h. sprachliche/textuelle Einheiten (verschiedene Arten, unterschiedlicher Rang und Umfang), stehen zu AS-Elementen in einer Äquivalenzrelation:

- es bestehen Ähnlichkeiten und Unterschiede, die durch die einzelnen Bezugsrahmen definiert werden
- nach Koller gibt es fünf Bezugsrahmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Denotative Äquivalenz

Der denotative Aspekt ist der Sachverhalts-/Wirklichkeitsbezug (konkrete und abstrakte Wirklichkeit). Die Übersetzungswissenschaft hat die Aufgabe, „sprachenpaarbezogen die potentiellen Äquivalenzbeziehungen zu beschreiben und anzugeben, welche Faktoren textueller Art die Wahl eines bestimmten Äquivalents im konkreten Übersetzungsfall bestimmen“ (Koller 1992:228).

Zentraler Gegenstand der denotativen Äquivalenz ist die Lexik (Wörter und Syntagmen einer Sprache), „weil hier die Sprachen am produktivsten sind bzw. sein müssen“ (1992:228).

Die denotative Äquivalenz kann mit kommentierenden Übersetzungsverfahren prinzipiell (d.h. mit Abstrichen bei Lesbarkeit u. Verständlichkeit, Empfängerbezug, konnotativen und formal-ästhetischen Werten des Textes) erreicht werden.

Im lexikalischen Bereich unterscheidet Koller fünf Entsprechungstypen:

1. Eins-zu-eins-Entsprechung: ein AS-Ausdruck -> ein ZS-Ausdruck (Bsp. dt. fünf -> sp. cinco)
Übersetzungsschwierigkeiten können bei Synonymen in der ZS auftreten, z.B. frz. samedi -> dt. Samstag/Sonnabend (hier Synonyme auf der denotativen und nicht auf der konnotativen Ebene)
2. Eins-zu-viele-Entsprechung (Diversifikation): ein AS-Ausdruck -> viele ZS-Ausdrücke (Bsp. Englisch: river -> Französisch: fleuve – rivière)
Koller unterscheidet drei mögliche Fälle:
a) man kann aus dem Textzusammenhang (Kontext) oder durch Allgemeinwissen auf die richtige Entsprechung schließen
b) im konkreten Textzusammenhang ist es irrelevant
c) es entsteht ein Übersetzungsproblem wenn ein unspezifizierter Ausdruck (Oberbegriff) gefordert ist (dabei handelt es sich um eine sog. unechte Lücke, weil sie rein textbedingt ist)
3. Viele-zu-eins-Entsprechung (Neutralisation): viele AS-Ausdrücke -> ein ZS-Ausdruck (Bsp. Englisch: Control – control unit – regulator – governor -> Deutsch: Regler)
Die durch die Neutralisation verloren gegangene ZS-Entsprechung kann eventuell „durch adjektivische und Genitiv-Attribute, Zusammensetzungen, adverbiale Zusätze etc. ausgedrückt werden“ (Koller 1992:232).
4. Eins-zu-Null-Entsprechung (Lücke): ein AS-Ausdruck -> ZS-Fehlstelle (Englisch: layout -> dt. ?)

Es handelt „sich um echte Lücken im lexikalischen System der ZS“ (1992:232), bezüglich des Übersetzungsauftrags sind es nur vorläufige Lücken, d.h. der Übersetzer muss die Lücke schließen. Diese gibt es besonders bei Realia-Bezeichnungen (landeskonventionelle, kulturspezifische Elemente).

Koller nennt fünf Übersetzungsverfahren zum Schließen der Lücken:

a) „Übernahme des AS-Ausdrucks in die ZS (ggf. in Anführungszeichen), (a) unverändert als Zitatwort (Fremdwort)“, oder als „vollständige oder teilweise Anpassung an phonetische, graphemische und/oder morphologische Normen der ZS (Lehnwort)“ (Koller 1992:233).
b) Lehnübersetzung: wörtliche Übersetzung des AS-Ausdrucks in ZS (Glied für Glied)
c) In ZS wird ein bereits verwendeter Ausdruck mit ähnlicher Bedeutung gebraucht (am nächsten liegende Entsprechung)
d) „Der AS-Ausdruck wird in der ZS umschrieben, kommentiert oder definiert (Explikation oder definitorische Umschreibung)“ (Koller 1992:233)
e) Adaptation: „Ersetzung des mit einem AS-Ausdruck erfassten Sachverhalts durch einen Sachverhalt, der im kommunikativen Zusammenhangs der ZS eine vergleichbare Funktion bzw. einen vergleichbaren Stellenwert hat“ (Koller 1992:234 nach Stylistique comparée).

„Das Verfahren der Adaptation ist im Zusammenhang mit der adaptierenden Übersetzung zu sehen, d.h. der kulturellen Assimilierung des AS-Textes im kommunikativen Zusammenhang der ZS“ (1992:235) (Extremfall: AS-Text ist nur noch Ausgangspunkt für Originalproduktion in ZS).

Bearbeitende, d.h. textproduzierende Elemente in der Übersetzung sind als punktuelle Adaptationen zu betrachten.

5. Eins-zu-Teil-Entsprechung: ein AS-Ausdruck -> Teil des ZS-Ausdrucks (Bsp. Deutsch Geist -> Englisch: mind)

Typische Beispiele sind Farbbezeichnungen, wenn die Farbenspektren in AS und ZS unterschiedlich aufgeteilt werden (4-teilige Skala vs. 7-teilige Skala).

Es ergeben sich dabei nicht zwangsläufig Übersetzungsschwierigkeiten, da Teilentsprechungen in bestimmten Textzusammenhängen durchaus als adäquate Übersetzung gelten können.

Wenn es auf das genaue Inhaltsspektrum bzw. auf die genaue Bedeutung des AS-Ausdrucks ankommt, stößt die Übersetzbarkeit an ihre Grenzen (hier kommen nur noch kommentierende Übersetzungsverfahren in Frage).

III. Konnotative Äquivalenz

Es gibt nicht nur eine denotative Bedeutung sprachlicher Ausdrücke, sondern auch konnotative Werte. Wenn man die Entsprechungstypen nicht nur unter der denotativen Dimension betrachtet, sondern auch konnotative Werte mit einbezieht, müssen alle genannten Entsprechungsbeziehungen zugleich als Eins-zu-Teil-Entsprechungen behandelt werden (bzw. bei den Eins-zu-Teil-Entsprechungen verstärkt sich der Teil-Charakter). Die konnotative Äquivalenz gehört zu den „meist nur annäherungsweise lösbaren Problemen des Übersetzens“ (Koller 1992:241). „Konnotative Werte ergeben sich als Folge der Heterogenität der Einzelsprachen“(1992:241):

So können sprachliche Ausdrücke (Wörter, Syntagmen, Sätze) z. Bsp.:

- verschiedenen Sprachschichten zugeordnet werden,
- in Frequenz, stilistischer Wirkung, Anwendungsbereich unterschieden werden,
- auf bestimmte Benutzergruppen beschränkt werden.

Es muss auf der Textebene zwischen textrelevanten/übersetzungsrelevanten und irrelevanten konnotativen Werten unterschieden werden. So ergibt sich der Stil eines Textes aus dem „spezifischen Vorkommen, der Frequenz, Distribution und Kombination von konnotativ wertigen sprachlichen Einheiten auf Wort-, Syntagma-, Satz- und satzübergreifender Ebene“ (Koller 1992:242). So kann sowohl Wortschatz als auch Syntax eines Textes fachsprachlich, geographisch, aber auch durch Neutralität geprägt sein. Da sich die Systeme der stilprägenden konnotativen Werte in verschiedenen Sprachen nicht eins zu eins decken können daraus stilistische Übersetzungsprobleme resultieren.

Auch hier gibt es „die Möglichkeit, konnotative Werte, die nicht erhalten werden können, durch kommentierende Verfahren zu vermitteln“. Bei „Texten, in denen konnotative Werte eine wichtige stilprägende Funktion haben“ (Koller 1992:243) kann sich dies jedoch schwierig gestalten, da entscheidende ästhetische Qualitäten verloren gehen können.

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Details

Seiten
8
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640939299
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173405
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
Gut
Schlagworte
koller gallagher turk Äquivalenz Übersetzung Sprachen Sprachwissenschaften Translation Dolmetschen Translationslehre Translationswissenschaft Mehrsprachigkeit Sprachengemeinschaft

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Titel: Äquivalenz in der Übersetzung