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Selbstevaluation in Schulen (SEIS) - Sinnvolles Evaluationswerkzeug im Schulentwicklungsprozess?

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Die schulische Selbstevaluation
1.2 Ziele und Erwartungen an SEIS

2. Bessere Qualität in allen Schulen - Das SEIS-Instrument

3. Funktionen, Möglichkeiten und Grenzen von SEIS

4. Abschlussreflexion

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt keine Patentlösung für Qualitätsentwicklungsprozesse, insbesondere im öffentlichen Bereich der Schule, welcher durch die Entwicklungen in den letzten Jahren immer mehr ins Auge der Öffentlichkeit getreten ist. Inzwischen bildet sich an deutschen Schulen so etwas wie eine Kultur der Evaluation mit zahlreichen Möglichkeiten, die Unterrichts- und Schulprozesse auf den Prüfstand zu setzen. Die Institution Schule wird immer selbständiger, doch diese Selbständigkeit verlangt auch nach mehr Verantwortung der einzelnen Akteure, gerade wenn es darum geht dem Beispiel der Wirtschaft nach ständiger Qualitätsentwicklung zu folgen.

Zuerst muss entschlossen werden, für welches Instrument der Evaluation man sich entscheidet, natürlich immer auf Basis des Wissens, was genau mit der Evaluation bezweckt wird und welche Ziele man verfolgt. Gerade in dieser Entscheidung werden sie Schulen natürlich nicht alleine gelassen: „Die Evaluations-Instrumente müssen nicht jedes Mal neu erfunden werden, Schulen können sich an Vorhandenem orientieren“ (Rolff, 2001; S. 108) Eines dieser Instrumente, welches die Schule an die Hand nimmt, ist das von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenhang mit INIS (Internationales Netzwerk Innovativer Schulen) entwickelte Projekt „Selbstevaluation in Schulen“ (SEIS).

In meiner Arbeit möchte ich darauf eingehen, um was für ein Instrument es sich bei dem SEIS-Projekt handelt und nach welcher Methode es vorgeht, aber auch, welche Reichweite das Projekt hat und inwiefern es die Erwartungen, welche an SEIS gestellt werden, auch erfüllt. Ich beginne mit einer Einführung in die schulische Selbstevaluation, sowie dem SEIS-Instrument als besonderes und gehe über zu dem Aufbau und den Funktionen, die es umfasst. Im darauf folgenden Abschnitt werden der Erwartungshorizont und dessen Erfüllung beleuchtet und es wird reflektiert, was ein Evaluationsinstrument wie SEIS leisten soll und leisten kann.

1.1 Die schulische Selbstevaluation

Evaluation von Schule ist eine logische Schlussfolgerung im Zuge der immer größer werdenden Selbständigkeit der Schule als eigenständige Institution. Innerhalb der unterschiedlichen Möglichkeiten der Qualitätsentwicklung steht die Selbstevaluation im Gegensatz zur externen Evaluation. Statt sich einen externen Beobachter hinzuzuziehen, der die Evaluation durchführt, ist es für viele Schulen einfacher, vorerst selbst einmal ihre Schule auf den Prüfstand zu stellen. Bei der Selbstevaluation liegt „[…]die Durchführung einer Evaluation und Bewertung der erhobenen Daten im alleinigen Verantwortungsbereich der jeweiligen Schule oder derjenigen Kollegen, die an der Schule tätig sind und ihren jeweiligen Unterricht evaluieren.“ (Radewaldt, 2005; S. 5) Dadurch kann die Schule prüfen, wo sie steht, welche eventuellen Schwachstellen sich finden und welche Handlungsmaßnahmen von Nöten sind.

Bevor man sich jedoch für eine Art der Evaluation entscheidet, muss deutlich klar sein, was man damit erreichen möchte. Es sollten Zielvorstellungen festgesetzt und diskutiert werden, was genau evaluiert werden soll. „Evaluation muss maßgeschneidert sein. Je enger sie auf den aktuellen Entwicklungsschwerpunkt oder einer Problemstellung zugeschnitten ist, desto größer ist die Akzeptanz von Evaluation innerhalb der Schule. Dies gilt für Zeitpunkt, das gewählte Verfahren und den Gegenstandsbereich. (Burkhard, 1998; S. 230) Nach diesen Schritten kann dann entscheiden werden, was für den jeweiligen Fall die sinnvollste Art der Evaluation ist.

Eine Möglichkeit der Selbstevaluation, mit der ich mich in dieser Arbeit genauer befassen möchte, ist das Projekt „Selbstevaluation in Schule (SEIS)“, einem standardisierten Steuerungsinstrument der Bertelsmann Stiftung, welches auf einem zuvor festgesetzten, gemeinsamen Qualitätsverständnis beruht und durch eine mehrperspektivische Befragung mithilfe des Erhebungsinstrumentes des Fragebogens einen Gesamtblick auf die Schule geben möchte.

1.2 Ziele und Erwartungen an SEIS

Um Indikatoren festzusetzen, die aufzeigen, ob SEIS als Selbstevaluationsprinzip gelingt, ist es sinnvoll vorerst Faktoren herauszuarbeiten, die der Selbstevaluation als Ziele und Funktionen zugrunde liegen. So weisen Will, Winteler und Krapp (1987) insbesondere auf die Funktion der Steuerung und Optimierung durch Selbstevaluation, wie auch die erweitere Möglichkeit der objektiven Beurteilung hin. Als Nebenfunktionen werden unter anderem das Ziel der Entscheidungshilfe, der Erkenntnisgewinnung, sowie der Förderung der Kommunikation genannt. Ein Jahrzehnt später berufen sich Wottawa und Thierau (1998) auf ähnliche Faktoren, wie zum Beispiel die Möglichkeit der Bewertung, die Durchsetzungs- und Entscheidungshilfe, der Selbstevaluation als Optimierungsgrundlage und einer Möglichkeit zur Kontrolle, ob die gesetzten Ziele erreicht wurden. Hense (2006) beruft sich bei der Darstellung der Funktionen der selbständigen Qualitätsentwicklung auf eine Meta- sowie vier Primärfunktionen. Er sagt, dass es die entscheidende, allgemeine Erwartung an eine Evaluation ist, einen Beitrag zur Objektivierung und Rationalisierung sozialer Planungs- und Steuerungsprozesse zu leisten und benennt dies daher als die Metafunktion von Evaluation. Die Primärfunktionen sind die Entwicklungsfunktion, die Entscheidungsfunktion, die Legitimationsfunktion und die Lernfunktion, wobei darauf verwiesen wird, dass es nicht darum geht, dass eine Evaluation alle diese Funktionen erfüllen muss, sondern vielmehr, dass diese verschiedenen Blickwinkel vorhanden sein können. Eine Evaluation sollte mindestens eine dieser Funktionen erfüllen, möglicherweise aber auch mehrere oder sogar alle.

Die Entwicklungsfunktion umfasst dabei einerseits die Erkenntnisse über existierende Schwachstellen einer Institution oder Maßnahmen, die Teil von Optimierungsanstrengungen werden sollten. Andererseits kann sie auch bereits Lösungsansätze präsentieren, bzw. Ist-Soll-Diskrepanzen formulieren (Hense, 2006; S. 51)

Entscheidungsfunktionen hingegen stellen das „notwenige Wissen zur Verfügung, um Entscheidungen über den evaluierten Gegenstand zu treffen.“ (Hense, 2006; S. 51). Dies ist besonders dort beispielhaft, wenn vorhergegangene Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung durch Evaluation überprüft werden sollen. Die Entscheidungsfunktion liegt dabei in der Aufgabe, dass die Evaluation das Wissen über die Maßnahme vermittelt, ob sie ihren Sinn und Zweck auch erfüllt.

Besonders wichtig ist im schulischen Qualitätsmanagement der Bereich der Legitimationsfunktion. Dieser Bereich beinhaltet, ob sich bestimmte Investitionen in gewisse Maßnahmen auszahlen. So unter anderem als eine Art Kontrolle oder Rechenschaft gegenüber den Schüler und Kollegen aber auch gegenüber den Arbeitgebern und Vorgesetzten, im schulischen Falle zum Beispiel den Ministerien. Diese Funktion könnte auch zugrunde liegen, wenn die Schule unter dem Ziel evaluiert, bestimmte Maßnahmen zertifizieren zu lassen.

Die letzte Primärfunktion von Evaluationen nach Hense (2006) ist die Lernfunktion, die die Prüfung auf die Wirksamkeit der evaluierten Inhalte umfasst. Die Erkenntnisse, die der Lernfunktion zugrunde liegen können reichen hierbei „von explorativem über deskriptives und korrelatives Wissen bis zur Aufdeckung kausaler Ursache-Wirkungszusammenhänge.“ (Hense, 2006; S. 52) Diese aktuellste der hier genannten Auflistungen von Evaluationsfunktionen umschließt somit alle vorangegangenen Funktionsnennungen und wird daher auch von mir als vollständigste Funktions- und Zielsetzungsliste für meine weiteren Betrachtungen zugrunde gelegt.

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Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640935345
ISBN (Buch)
9783640935147
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173376
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für berufliche Lehrerbildung
Note
2,3
Schlagworte
selbstevaluation schulen sinnvolles evaluationswerkzeug schulentwicklungsprozess

Autor

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