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Der "Value at Risk" in Zeiten der Subprimekrise

Ein adäquates Steuerungsinstrument?

Hausarbeit 2010 22 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFE UND DEFINITIONEN
2.1. RISIKO
2.2. RISIKOMANAGEMENT UND -CONTROLLING
2.3. VALUE AT RISK

3. VERFAHREN ZUR BERECHNUNG DES VALUE AT RISK
3.1. HISTORISCHE SIMULATION
3.2. VARIANZ-KOVARIANZ-ANSATZ
3.3. MONTE CARLO SIMULATION

4. RÜCKBLICK AUF DIE ANFÄNGE DER SUBPRIMEKRISE

5. KRITISCHE BEWERTUNG DER VERFAHREN ZUR BERECHNUNG DES VALUE AT RISK VOR DEM HINTERGRUND DER ANFÄNGE DER SUBPRIMEKRISE

6. MÖGLICHE ÄNDERUNGEN IN DER PARAMETRISIERUNG HINSICHTLICH DER BEWERTUNGSVERFAHREN UND FAZIT

7. LITERATURVERZEICHNIS

8. INTERNETSEITEN

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Beispielrechnung Differenzenmethode

2 Beispielrechnung Quotientenmethode

3 Beispielrechnung Transfer der historischen Daten als Zu- kunftsprognose

4 Case-Shiller-Index

5 Leitzinsentwicklung USA

6 Case-Shiller-Index (identisch zu Nr. 4)

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

"Die Leute, die sich jetzt verzockt haben, haben uns noch vor kurzem mit ihrem Risi- komanagement geschulmeistert."1 Mit diesen Worten äußerte sich der Gesamtme- tallchef Martin Kannegießer im Jahr 2008 gegenüber der „Bild“-Zeitung. Dieses Zitat verdeutlicht auf direkte Art und Weise, wie wichtig ein funktionierendes und aktuelles Risikomanagement in Banken ist - und wie akut dieses in Zeiten der Subprimekrise versagt hat. Weiterhin wird hieraus sehr klar, dass kein Risikomesssystem von ewi- ger Dauer und Gültigkeit sein kann. Vielmehr verdeutlicht diese Aussage, dass derar- tige Verfahren einem Wandel unterliegen und stets weiterentwickelt werden müssen.

Mindestens seit den im Jahr 1995 erschienenen „Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften der Kreditinstitute“ existieren Regelwerke für Kreditinstitute, wie das Risikomanagement ausgestattet sein sollte.2 Seither ist auch die Bankenaufsicht daran interessiert, die Vorgehensweisen und die Umsetzung von Rahmenbedingungen in Form von regelmäßigen Prüfungen und Sonderprüfungen nach § 44 KWG zu überwachen.

Die Aufgabe des Risikocontrollings in Banken ist es, Problemfelder zu erkennen, die darin existierenden Risiken zu identifizieren und messbar zu machen. Auf dieser Basis sollen valide Aussagen für die Zukunft getroffen werden. Hierfür gibt es seit Jahren diverse Evaluierungsverfahren. Ein Instrument zur Messung derartiger Risiken ist der von J. P. Morgan entwickelte Value at Risk. 3

Allerdings war in den Jahren ab 2007 bis ca. 2010 allgemein zu erkennen, dass auch dieses Berechnungsverfahren in der Vergangenheit seine Schwächen hatte. Letztlich steht nunmehr fest, dass die Subprimekrise mit ihren Auswirkungen nicht prognosti- ziert werden konnte. Es stellt sich die Frage, woran dies gelegen haben könnte.

Ziel meiner Hausarbeit ist es, den Value at Risk näher zu erläutern, in die wesentlichen Berechnungsmethoden detailliert einzusteigen und darzulegen, woran diese Systeme im Rahmen der Subprimekrise gescheitert sein könnten. Am Ende meiner Hausarbeit möchte ich darauf eingehen, welche Möglichkeiten es gäbe, die erkannten Probleme zu reduzieren.

2. Begriffe und Definitionen

Im zweiten Kapitel meiner Hausarbeit werde ich kurz auf grundlegende Begriffe eingehen und diese näher erläutern. Meine Erläuterungen sollen hierbei den Grundstein für den weiteren Aufbau und die Ausführungen meiner Hausarbeit legen.

2.1. Risiko

Unter dem Begriff „Risiko“ versteht man im Allgemeinen die „Eventualität, dass mit einer (ggf. niedrigen, ggf. auch unbekannten) Wahrscheinlichkeit ein (ggf. hoher, ggf. in seinem Ausmaß unbekannter) Schaden bei einer (wirtschaftlichen) Entscheidung oder ein erwarteter Vorteil ausbleiben kann.“4 Hieraus abgeleitet könnte man den Begriff „Risiko“ für den Bankensektor als negative Abweichung von einem definierten Erwartungswert verstehen.

2.2. Risikomanagement und -controlling

Unter dem Risikomanagement versteht man im weitesten Sinne den Umgang mit Risiken, welche aus dem unternehmerischen Prozess heraus entstehen können. Während die Geschäftsführung strategische Zielwerte vorgibt, welche es zu erreichen gilt, ist es die Aufgabe des Risikomanagements, das Abweichen oder das Verfehlen der Ziele zu verhindern.5

Während das Risikomanagement die entsprechenden Toleranzgrenzen für das Eingehen von Risiken vorgibt, ist das Risikocontrolling für die Bewertung und Überwachung dieser Toleranzgrenzen zuständig.6

2.3. Value at Risk

Entwickelt wurde diese Berechnungsmethode in den neunziger Jahren von J. P. Morgan aus der Problematik heraus, dass J. P. Morgan das Risiko, welches inner- halb der nächsten 24 Stunden aus dem gesamten Wertpapierhandelsbuch entstehen könnte auf einer Seite abbilden wollte. Dies war eine Forderung des Vorstandsmit- gliedes von J. P. Morgan, Dennis Weatherstone. Hieraus entstand der bekannte „4.15 report“, welcher täglich um 4.15 Uhr p. m. nach Beendigung der Handelsaktivitäten übergeben wurde.

Später entstand aus dieser Methodik der „ Risk Metrics Ansatz “, welcher sich zu einem weltweiten Standard zur Messung von Risiken entwickelte.7

Jorion definierte den „ Value at Risk “ als den maximalen Wertverlust eines Portefeulles, der mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit innerhalb einer ebenfalls vorgegebenen Haltedauer nicht überschritten wird.8

Die meisten Berechnungsmethoden basieren auf historischen Daten, welche über einen vorher festgelegten Zeitraum erhoben wurden. Auf Basis dieser historischen Daten wird anschließend versucht, mögliche zukünftige Entwicklungen abzuleiten.

Hierbei sind folgende Parameter von hoher Bedeutung:

- Das Konfidenzniveau ist die eben erwähnte Wahrscheinlichkeit oder auch „Aussagesicherheit“9.
- Unter dem Beobachtungshorizont versteht man die zugrunde liegende Daten- historie, auf deren Basis die weiteren Auswertungen/Simulationen aufgebaut werden.
- Die Haltedauer gibt an, wie schnell ein Institut bereit und in der Lage ist, auf geänderte Marktbedingungen reagieren zu können.

3. Verfahren zur Berechnung des Value at Risk

3.1. Historische Simulation

Nachdem das Institut für sich entschieden hat, welche Länge der Beobachtungshori- zont haben soll, werden Nachforschungen betrieben, wie sich die Parameter, z.B. die Aktienkurse, in dem jeweiligen Zeitband tatsächlich entwickelt haben. Bei der Wahl der Länge wird in der Regel darauf geachtet, dass alle Zyklen der Entwicklung dieser Parameter berücksichtigt werden und dass eine ausreichende Datenbasis für die Analysen zur Verfügung steht. Auf Basis der Festlegung, welche Haltedauer das In- stitut als repräsentativ ansieht, wird auch der beobachtete „Ausschnitt“ für die Beo- bachtungsstützpunkte gewählt.

Im Folgenden wird von einem Beobachtungshorizont von 250 Handelstagen mit einer Haltedauer von einem Tag ausgegangen. Somit erhält das Institut 250 Beobach- tungswerte. Anschließend wird die historische Wertveränderung von einem Handels- tag auf den nächsten ermittelt. Hierfür gibt es sowohl die Differenzenmethode als auch die Quotientenmethode. Während die Differenzenmethode die tatsächlichen, absoluten, Wertveränderungen berechnet, werden bei der Quotientenmethode die relativen Wertveränderungen ermittelt.10 Aus Effizienzgründen werde ich mich bei der Erläuterung der Quotientenmethode auf die Variante der logarithmierten Verände- rung beschränken.

Im Folgenden werde ich kurz die beiden Varianten anhand eines Berechnungsbeispieles differenzieren und anschließend die Ermittlung des Value at Risk bei einem Konfidenzniveau von 99 % skizzieren. Hierbei sollen folgende Vorga- ben bestehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beispielrechnung Differenzenmethode

Nun werde ich zur logarithmierten Quotientenmethode wechseln. Es gilt die gleiche Kurstabelle wie bei der Erläuterung der Differenzenmethode.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispielrechnung Quotientenmethode

Nachdem diese Verfahrensweise für alle Beobachtungsstichtage durchgeführt wurde, existieren nunmehr 249 beobachtete Veränderungswerte.

Nun wird versucht, auf Basis der historischen Veränderungswerte, Prognosen für die zukünftige Entwicklung des Risikofaktors zu treffen. Dies geschieht, indem die historischen Veränderungswerte auf den heutigen Wert des Risikofaktors angewandt werden. Auch hier soll ein Beispiel die Vorgehensweise näher erläutern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Beispielrechnung Transfer der historischen Daten als Zuku]nftsprognose

Demzufolge kann für die unterschiedlichen Stichtage der jeweilige Gesamtpositions- wert ermittelt werden, indem die Anzahl der Aktien mit dem jeweiligen Kurs multipli- ziert wird. Anschließend werden die einzelnen Portfoliowerte vom Wert des Portfolios zum Zeitpunkt x abgezogen und somit Wertveränderungen ermittelt, welche ab-schließend der Größe nach sortiert werden. Es gelte, wie bereits erwähnt, ein Konfidenzniveau von 99 %. Folglich wäre der zweitkleinste Wert (250 Beobachtungstage * (1-0,99) = 2,5 - also 2) der entsprechende Value at Risk.11

[...]


1 dpa, N24, (Die Finanzmarktkrise in Zitaten, 2008), http://www.n24.de/news/newsitem_1188361.html, 15.08.2010, 17.42 Uhr

2 Vgl. Deutsche Bundesbank, (Monatsbericht, 1996), http://www.bundesbank.de/download/bankenaufsicht/pdf/minanf0396.pdf 15.08.2010, 18.19 Uhr

3 Vgl. Dowd, K., (Beyond Value at Risk, 1998), S. 18ff

4 Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Risiko http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/6780/risiko-v9.html, 15.08.2010, 18:50 Uhr

5 Vgl. Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Risikomanagement http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/7669/risikomanagement-v8.html

6 Vgl. cecu.de GmbH, (Definition Risikocontrolling), http://www.cecu.de/506+M545bdbab137.html, 15.08.2010, 18:54 Uhr

7 Vgl. Dowd, K., (Beyond Value at Risk, 1998) S. 18ff

8 Vgl. Jorion, P., (Value at Risk, 2001) S. 22

9 Vgl. Wiedemann, A., (Risikotriade Zins-, Kredit- und operationelle Risiken, 2008), S. 10

10 Vgl. Wiedemann, A., (Risikotriade Zins-, Kredit- und operationelle Risiken, 2008), S. 38

11 Vgl. Wiedemann, A., (Risikotriade Zins-, Kredit- und operationelle Risiken, 2008) S. 41

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640935482
ISBN (Buch)
9783640935680
Dateigröße
717 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173359
Institution / Hochschule
Leibniz Akademie Hannover - Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Hannover
Note
1,0
Schlagworte
value risk zeiten subprimekrise steuerungsinstrument

Autor

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