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Queerkids - Die Lebenssituation und Entwicklung von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften

Studienarbeit 2011 41 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung in die Thematik

II. Rahmenbedingungen gleichgeschlechtlicher Familienformen
II.1 Aktuelle Datenlage und Forschungsstand
II.2 Formen der Elternschaft/ Herkunft der Kinder
II.3 Rechtliche Grundlagen

III. Aufwachsen in gleichgeschlechtlichen Familien
III.1 Kindliche Biografie
III.2 Eltern-Kind-Beziehung
III.3 Erziehungsorganisation und Familienalltag
III.4 Erziehungsverhalten und Sozialisationseinflüsse

IV. Aspekte der kindlichen Entwicklung
IV.1 Externale Entwicklungsfaktoren
IV.1.1 Diskriminierungserfahrungen und Stigmatisierung
IV.1.2 Das Fehlen einer Geschlechterrolle
IV.2 Internale Entwicklungsfaktoren
IV.2.1 Persönlichkeitsentwicklung
IV.2.2 Identitätsentwicklung

V. Schlussbemerkungen und Bilanz

Literaturverzeichnis Anhang

I. Einführung in die Thematik

In der heutigen von Modernisierung, Pluralisierung, Globalität und Flexibilität geprägten Zeit, gehören neben traditionellen Familien bestehend aus „Vater - Mutter - Kind“, auch alternative Sozialisationsinstanzen zunehmend zu den aktuellen gesellschaftlichen Realitäten. In der Praxis ist demzufolge eine Vielfalt von Lebens-, Liebes- und Beziehungsformen entstanden, für die in den tradierten Kategorien des gesellschaftlichen Bewusstseins gewöhnlich kein Raum vorgesehen ist (Funcke und Thorn 2010). Insbesondere die traditionellen Auffassungen schaffen eine klare Abgrenzung bezüglich des Begriffs „Familie“ und definieren beispielsweise wie folgt:

„ [A family is a] social group characterized by common residence, economic cooperation, and reproduction. It includes adults of both sexes, at least two of whom maintain a socially approved sexual relationship, and one or more children, own or adopted, of sexually cohabitating adults. “ (Murdock 1949 in Hill & Kopp, 2006, 12)

Demgegenüber definierte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler in einer Ansprache mit dem Titel „Von der Freiheit, Kinder zu haben“ im bayerischen Tutzing knapp 60 Jahre später, „Familie ist, wo Kinder sind“ (www.queer.de 2006). Diese Aussage, die bereits seit den frühen 1990er Jahren von der städtischen Berliner Familienpolitik vertreten wird, integriert wie selbstverständlich die Zugehörigkeit neuer Familienformen, in denen beispielsweise zwei lesbische Mütter respektive zwei schwule Väter Kinder erziehen (Ebel 2001). Während allerdings alternative Lebensformen sukzessive toleriert und akzeptiert werden, werden andererseits kritische Stimmen laut, sobald es um das Aufwachsen von Kindern bei schwulen oder lesbischen Eltern geht. Nicht selten zeigen auch jene Menschen Bedenken, die postulieren, offen und tolerant gegenüber Homosexuellen zu sein (Mayrhofer 2009). Dass Kinder für ihre Genese Mutter und Vater bräuchten sowie eventuell zu erwartende „Entwicklungsschäden“ sind periodische Bedenken hinsichtlich der Erziehungsarbeit homosexueller Eltern. Psychische Labilität und diffizile soziale Beziehungsgestaltungen der Kinder aufgrund der fortdauernden Konfrontation mit Stigmatisierung und Diskriminierung reihen sich neben einer potenziellen eigenen Homosexualität und Störungen der Geschlechtsidentität in das breite Spektrum der Ressentiments (ebd.). In diesem Zusammenhang wird die gleichgeschlechtliche Familie als wohl subtilste moderne Familienform kritisch expertisiert und muss sich kontinuierlich umstrittenen Diskussionen stellen.

Die vorliegende Arbeit greift den aktuellen Diskurs auf und beschäftigt sich im Folgenden mit der Lebenssituation von Kindern aus gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und erörtert, inwiefern die sexuelle Orientierung der Eltern, einhergehend mit dem Fehlen einer Geschlechterrolle Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder hat. Ausgangspunkt der Ausarbeitung sind dabei die aktuellen Forschungsergebnisse und rechtlichen Hintergründe bezüglich des Aufwachsens von Kindern in gleichgeschlechtlichen Familien. Im Besonderen wird dabei die alltägliche Lebenssituation dieser Kinder diskutiert und diverse Aspekte der kindlichen Biografien und der Beziehungsgestaltung zwischen homosexuellen Eltern und deren Kindern kritisch untersucht. In Bezug auf die zentrale Fragestellung wird im Anschluss explizit und unter besonderer Berücksichtigung von externalen und internalen Faktoren auf die Entwicklung der Kinder eingegangen, die sich vor dem Hintergrund des Fehlens einer der beiden Geschlechterrollen vollzieht.

Der erste Abschnitt der Arbeit thematisiert bezugnehmend auf empirische Forschungsgegenstände und aktuelle Daten gegenwärtige Rahmenbedingungen gleichgeschlechtlicher Familienformen. Insbesondere werden hierbei die Varianten der Elternschaft unter Berücksichtigung der Herkunft der Kinder vorgestellt und rechtliche Grundlagen und Positionen erläutert.

Im zweiten Teil der Arbeit wird der Fokus auf die Lebenssituation der Kinder gerichtet. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen dabei die kindliche Biografie, die Beziehungsgestaltung im gleichgeschlechtlichen Familiensystem sowie die Erfahrungen der Kinder in Bezug auf Reaktionen der Gesellschaft. Im dritten Abschnitt wird unter Berücksichtigung, der zuvor erörterten Aspekte, die Identitätsentwicklung der Kinder kritisch untersucht. Von zentralem Interesse ist hierbei die Entwicklung der Geschlechtsidentität vor dem Hintergrund der Homosexualität der Eltern. Der letzte Teil der Arbeit fasst die einzelnen Aspekte zusammen, legt die persönliche Meinung der Autorin dar und wagt eine Zukunftsprognose.

II. Rahmenbedingungen gleichgeschlechtlicher Familienformen

Nach Eggen (2002) ist der Mikrozensus1, als europaweit größte repräsentative Bevölkerungsstichprobe, international die wohl einzige amtliche Statistik, die nun mehr seit 1996, ökonomische sowie familiärstrukturelle Informationen über gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften zyklisch dokumentiert (ebd.).

II.1 Aktuelle Datenlage und Forschungsstand

Anders als beispielsweise in den USA oder den Niederlanden, sind empirisch abgesicherte, sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse zur Anzahl, Verbreitung und Situation gleichgeschlechtlicher Familien im deutschsprachigen Raum vergleichsweise selten. Eine noch diffizilere und instabilere Datenlage liegt darüber hinaus bei den Queerkids2 vor, die nach Eggen (2002) auf die unzureichende Sicherheit der Basisdaten zurückzuführen ist (siehe Anhang 1). Je spezifischer ergo die Thematik, desto selektiver werden die Befunde und desto spärlicher das vorhandene statistische Material (Rupp 2009). Hochrechnungen auf der Grundlage des Mikrozensus ergeben, dass in der Bundesrepublik im Jahr 2007 - das sind die aktuellen statistisch erfassten Daten - mindestens 68.400 gleichgeschlechtliche Paare in einem gemeinsamen Haushalt leben (Rupp 2010). Da 93 Prozent jedoch keine Kinder haben, kann davon ausgegangen werden, dass gegenwärtig in mindestens 5.000 homosexuellen Familien 7.300 Kinder aufwachsen (Eggen 2010). Rupp (2009) postuliert diesbezüglich, dass Schätzungen den Umfang der Kinder in Regenbogenfamilien3 zu niedrig apostrophieren, da bereits die Basisdaten in puncto homosexueller Lebensgemeinschaften Differenzen aufweisen. Im Mikrozensus werden beispielsweise ausschließlich homosexuelle Paare die in einer Lebenspartnerschaft leben berücksichtigt. So fehlen laut Eggen (2010) statistische Informationen über homosexuelle alleinlebende Personen, gleichgeschlechtliche Paare in getrennten Haushalten sowie homosexuelle alleinerziehende Eltern und infolge dessen die tatsächliche Verbreitung gleichgeschlechtlicher Lebensformen und Elternschaft. Ausgehend davon dürften nach Ansicht der Autorin, in Deutschland signifikant mehr Kinder gleichgeschlechtlich orientierte Eltern haben, als in den amtlichen Statistiken ausgewiesen.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist vergleichsweise neu und erfährt erst in den letzten drei Jahrzehnten die Aufmerksamkeit der Sozialforschung. Seit den frühen 1980er Jahren existieren auf internationaler Ebene bis heute etwa 100 Studien über Regenbogenfamilien (Streib-Brzic und Gerlach 2010). Während die überwiegende Anzahl der Studien laut Mayrhofer (2009) aus den USA stammen und sich auf den englischsprachigen Raum beziehen, sind Ergebnisse aus deutschsprachigen Studien nur rudimentär vorhanden. Zudem handelt es sich generell um kleinere Untersuchungen, die nicht selten methodische Schwächen und unzuverlässige Ergebnisse beinhalten, da die Stichproben einen tendenziell zu geringen Umfang aufweisen (Rupp 2009). Eine der bis dato aussagekräftigsten deutschen Studien wurde im Zusammenhang mit der Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, einhergehend mit der rechtlichen Situation homosexueller Eltern, vom] Bundesministerium für Justiz in Auftrag gegeben und vom Staatsinstitut für Familienforschung der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit dem Staatsinstitut für Frühpädagogik in München realisiert. Detaillierte Forschungsergebnisse sind seit 2009 im Bundesanzeiger Verlag veröffentlicht und werden in Bezug auf die Ausführungen der vorliegenden Arbeit nachfolgend Berücksichtigung finden.

II.2 Formen der Elternschaft/Herkunft der Kinder

Obgleich die Regenbogenfamilie, wie in Punkt II.1 dargelegt, eine äußerst geringe Häufigkeit aufweist, ergibt sich dennoch eine beträchtliche Diversität an Familienkonstellationen, da sich zahlreiche Differenzierungsmöglichkeiten anbieten (siehe Anhang 2).

„ Da gibt es den schwulen Vater mit einem adoptierten Kind, der in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt; das lesbische Paar, das mit Kindern aus einer früheren Ehe zusammenlebt; das gleichgeschlechtliche Paar, das ein Pflegekind aufgenommen hat, oder z.B. ein Lesben- und Schwulenpaar, das mit den gemeinsam gezeugten Kindern in einer sogenannten „ Queer-Family “ zusammenlebt. “ (Funcke und Thorn 2010, 13)

Die zentrale Fragestellung bei der Zusammensetzung der Zielgruppen ist in diesem Zusammenhang die Entstehungsgeschichte der gleichgeschlechtlichen Familie, die die biografische Konstellation im Kontext homosexueller Elternschaft beschreibt. Konstitutiv lassen sich dabei leibliche, juristische4 und soziale5 Elternschaften charakterisieren (Rupp 2009). Statistische Zahlen belegen, dass die überwiegende Mehrheit der Kinder, die bei schwulen oder lesbischen Eltern aufwachsen, mit einem leiblichen Elternteil - und teilweise ergänzend mit einem sozialen und/oder juristischen Stiefadoptivelternteil - zusammenlebt (ebd.).

„ Die erste ( … ) Form lesbisch-schwuler Elternschaft setzt sich aus Lesben und Schwulen zusammen, deren Kinder aus vorherigen heterosexuellen Beziehungen stammen und die mit ihren Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben oder alleinerziehend sind. “ (Peukert 2008, 297)

Neben der Erziehung leiblicher Kinder aus vorherigen heterosexuellen Beziehungen erfährt die Realisierung des gemeinsamen Kinderwunsches per Insemination, Adoption oder In-Pflege-Nehmen, den Aussagen Peukerts (2008) zufolge, bei lesbischen oder schwulen Paaren eine sukzessive Steigerung. Während diese Vorgehensweisen vor 20 Jahren noch weitestgehend undenkbar und mit Ablehnung verbunden waren, werden heute Wünsche und Bedürfnisse artikuliert, äquivalente Rechte insistiert und der Kinderwunsch gleichgeschlechtlicher Paare offen diskutiert. In diesem Zusammenhang sind eine zunehmend selbstbewusstere homosexuelle Identität und ein emanzipierteres Selbstverständnis zu beobachten (Mayrhofer 2009). Ferner ist wahrnehmbar, dass gleichgeschlechtliche Paare mit eigenen Kindern ihren Familienwunsch in der Regel nach hohem Aufwand und nach intensiver Abwägung, realisieren. Diese Überlegungen beziehen sich zum einen auf die Austragung des Kindes bei lesbischen Müttern respektive der Zeugung bei schwulen Vätern und zum anderen auf die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie. In diesem Nexus besteht zwangsläufig die Problematik, dass es in Regenbogenfamilien nur einen biologischen leiblichen Elternteil geben kann, auch wenn es sich um ein „eigenes“ Kind des homosexuellen Paares handelt. Wie aus der in Punkt II.1 genannten Studie hervorgeht, können Frauenpaare in diesem Konnex auf ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten zur Erfüllung des gemeinsamen Kinderwunsches zurückgreifen als Männerpaare, da diese nicht nur die Möglichkeit der Samenspenden oder der reproduktionsmedizinischen Eingriffe in Anspruch nehmen können, sondern immer eine Leihmutter zur Austragung benötigen (Rupp 2009). Daher ist es nicht verwunderlich, dass Queerkids zu 90 Prozent in Familien mit zwei lesbischen Müttern aufwachsen und Zwei-Väter-Familien bis dato eine Minderheit der Regenbogenfamilien bilden (Eggen 2010). Obgleich die Familienform der „Queerfamily“, in der ein lesbisches und ein schwules Paar gemeinsam ein leibliches Kind erziehen, zunehmende Beliebtheit erfährt, kann im Folgenden nur am Rande auf diese Konstellation eingegangen werden, da aufgrund des innovativen Charakters über dieser Familienform kaum Erfahrungsberichte und noch weniger statistisches Datenmaterial zur Analyse verfügbar sind.

II.3 Rechtliche Grundlagen

Analog zur Heterogenität bezüglich der Familienkonstellationen, ist auch die rechtliche Position der Kinder zu den Bezugspersonen, mit denen sie zusammenleben, divergent (Rupp 2009). Lange Zeit determinierte das eingangs geschilderte Idealbild der Familie die Gesetzeslage hinsichtlich der Elternschaft. Mit zunehmender Pluralisierung der Lebens- und Familienformen werden allerdings tradierte Ansichten infrage gestellt und „nicht zuletzt durch das Eintreten der Betroffenengruppe für ihre Rechte“ (ebd., 17), auch die Rechtslage sukzessive an die sich verändernden gesellschaftlichen Realitäten adaptiert.

Mit dem am 01. August 2001 in Kraft getretenen Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) erhalten lesbische und schwule Paare die Möglichkeit, ihre Partnerschaft auf eine rechtliche Grundlage zu stellen. Diese konstituiert dem homosexuellen Paar eine eheähnliche Rechtsposition und impliziert somit auch automatisch Rechtsfolgen für deren Kinder (von Puttkamer 2001). Eine uneingeschränkte rechtliche Gleichstellung und - behandlung von Kindern in Regenbogenfamilien mit den Kindern heterosexueller Eltern ist jedoch mit dem Gesetzentwurf aus dem Jahr 2001 nicht erreicht. Beispielsweise fehlt es an der Möglichkeit der Stiefkindadoption und der gemeinsamen Adoption eines nichtleiblichen Kindes durch gleichgeschlechtliche Paare (ebd.). Dieses fehlende gemeinsame Adoptionsrecht sowie die Ausgrenzung bei der reproduktionsmedizinischen Versorgung wird insbesondere im Kontext mit der Gleichstellung von Regenbogenfamilien kritisiert (Oberloskamp, et al. 2006). Einzig ein so genanntes „kleines Sorgerecht“ kann der allein sorgeberechtigte Elternteil, gemäß der Rechtsgrundlage von 2001, dem eingetragenen Lebenspartner einräumen. Diese verleiht dem eingetragenen Lebenspartner die Befugnis, Entscheidungen in Alltagsangelegenheiten (s. Anhang 3), wie beispielsweise in Fragen der Erziehung oder alltäglichen schulischen Belangen, zu treffen (Rupp 2009). Nur bei Gefahr im Verzug ist der Lebenspartner dazu berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohle des Kindes unabdingbar sind.

Diese, unter Berücksichtigung der Gleichberechtigung, unzureichende Rechtslage führt schließlich zu einer Modifikation des LPartG, sodass am 01. Januar 2005 das Gesetz zur Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsrechts (LPartÜG) in Kraft tritt. Die signifikante Neuerung ist dabei die Möglichkeit zur Stiefkindadoption, die das volle Sorgerecht, einhergehend mit Unterhalts- und Erbansprüchen, auf beide Elternteile delegiert. Dies ist neben einer Geschlechtsumwandlung die „einzige Konstellation, in der beide Partner(innen) einer in Deutschland geschlossenen Lebenspartnerschaft rechtlich gesehen gemeinsam Eltern sind“ (ebd., 93).

Hierbei ist wissenswert, dass mit 84 Prozent, die meisten Kinder durch Insemination und in dieser Beziehung entstanden sind und die Stiefkinder nur selten aus einer früheren heterosexuellen Beziehung stammen (ebd.). Eine weitere Innovation ist die Option der Übertragung des Lebenspartnerschaftsnamens auf das Kind. Allerdings kann auch in diesem neuen gesetzlichen Rahmen ein nichtleibliches Kind weiterhin nur von einem der beiden Lebenspartner adoptiert werden, sodass für diese Fälle eine gleichberechtigte Elternschaft nach wie vor nicht möglich ist.

Fazit:

Die Familienkonstellationen in Regenbogenfamilien sind multipel und weisen hoch komplexe und äußerst heteroge Strukturen bezüglich der Herkunft der Kinder und der sozial-rechtlichen Position der Eltern auf. Wie oben dargelegt, lassen sich trotz der partiellen Forschungslage, einhergehend mit instabilen statistischen Daten, kursorisch divergente Familientypen mit unterschiedlich ausgeprägten Rechtsverhältnissen unterscheiden. Zum einen die Familien mit eigenen Kindern, darunter auch Inseminationsfamilien und Queerfamilies, die sich zumeist mit immensem Aufwand und nach opulenter Abwägung für gemeinsame Kinder entscheiden, und zum anderen die Familien mit Kindern aus anderen Beziehungen. In aller Regel möchten in beiden Fällen die Elternteile die Verantwortung gemeinsam tragen, sodass die Lebenspartner die Kinder häufig als Stiefkinder annehmen. Diese Stiefkindadoption ist zudem die einzige Möglichkeit, dass beide Elternteile das volle Sorgerecht innehaben und gemeinsam Eltern sind. Eine dritte Untergruppe bildet die Familie mit Kindern ohne biologische Verwandschaft. Da es sich allerdings bei diesen Pflege- oder Adoptivfamilien um minderheitliche Subgruppen innerhalb der gleichgeschlechtlichen Familien handelt und dazu kaum statistisches Material zur Verfügung steht, werden sich die folgenden Ausführungen überwiegend auf die beiden oben erörterten Hauptfamilienformen konzentrieren.

[...]


1 Ein-Prozent-Stichprobe der Haushalte in Deutschland (Zufallsauswahl). Er schätzt die Verteilung der Familien und ihrer Binnenstrukturen in Form von Hochrechnungen. (Rupp 2009)

2 Kindern die bei homosexuellen Partnern leben; Der Begriff „ queerkids “ ist angelehnt an den amerikanischen Begriff „Queer-Family“(Familien, in denen sich ein Lesben- und ein Schwulenpaar die Elternschaft der gemeinsam gezeugten Kinder teilen) (queerkids.de 2010)

3 Gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern

4 Wird als solche bezeichnet, wenn sie von der Gesetzgebung anerkannt ist.

5 Wird als solche bezeichnet, wenn sie durch Zuwendung und die Verantwortungsübernahme für das Kind gekennzeichnet ist.

Details

Seiten
41
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640935055
ISBN (Buch)
9783640934935
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173315
Institution / Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,0
Schlagworte
Sozialisation Kinder Regenbogenfamilie gleichgeschlechtlich homosexuell schwul lesbisch Queerkids queer

Autor

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Titel: Queerkids - Die Lebenssituation und Entwicklung von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften