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Interreligiöses Lernen

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Einführung in das Thema „Interreligiöses Lernen“
2.1.1. Gründe für interreligiöses Lernen
2.1.2. Definition und Bedeutung
2.1.3. Geschichte
2.1.4. Ziele interreligiösen Lernens
2.1.5. Herausforderungen des interreligiösen Lernens
2.2. Methoden und Räume interreligiösen Lernens
2.2.1. Die Bilder, die unseren Alltag prägen
2.2.2. Interreligiöses Lernen in der Schule
2.2.3. Interreligiöser Dialog
2.2.4. Gemeinsam feiern
2.2.5. Interreligiöses Lernen im Religionsunterricht
2.3. Schulbuchanalyse
2.3.1. Vorgehensweise
2.3.2. Klasse 5/6
2.3.3. Klasse 7/8
2.3.4. Klasse 9/10
2.3.5. Eigenes Fazit
2.3.6. Buchempfehlungen

3. Fazit

1. Einleitung

Interreligiöses Lernen! Besonders heutzutage in unserer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft ist es wichtig damit auch umgehen zu können. Schülerinnen und Schüler werden täglich mit dieser Tatsache konfrontiert, ob in ihren Klassen muslimische Mitschülerinnen oder Mitschüler sind, ihnen Frauen mit Kopftüchern begegnen oder medienwirksame Diskussionen ausgelöst werden wie bei der Veröffentlichung des Buches „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin.

Diese aktuellen Vorkommnisse, sowie mein Berufswunsch Religionslehrerin zu werden, waren für mich die relevantesten Punkte das Thema „Interreligiöses Lernen“ zu dem Thema meiner Hausarbeit zu machen. Vor allen Dingen möchte ich herausfinden, was interreligiöses Lernen überhaupt bedeutet und, welche Auswirkungen es hat? Welche Möglichkeiten gibt es und an welchen Orten kann man diese ausführen? Welche Herausforderungen stellt das interreligiöse Lernen an mich als Person und als Lehrerin?

Meine Hausarbeit werde ich mit einigen Zitaten belegen und durch ein paar Beispiele verdeutlichen. Vor allen Dingen das interreligiöse Lernen zwischen dem Christentum und Islam wird in meinen Darstellungen oft als Beispiel dienen, da dies in Deutschland die größte Diskussion entfachte.

Den Aufbau des Hauptteils möchte ich in drei Teile gliedern.

Im ersten Abschnitt werde ich eine kleine Einführung in das Thema „interreligiöses Lernen“ geben, mittels Definitionen, Bedeutungen sowie ein Einblick in die Geschichte. Eine kurze Zusammenfassung der Ziele von interreligiösem Lernen und dessen Herausforderungen an die Menschen. Die Ziele und Aufgaben sollen im Hauptteil näher erläutert werden. Diese kurze Einführung brauche ich um mir einen allgemeinen Überblick über das Thema zu schaffen und zum besseren Verständnis.

Was prägt uns so, dass wir Angst vor dem Fremden haben? Und warum sehe ich fremde Menschen als anders an? Dies sollen die Fragen sein, mit denen ich mich am Anfang des zweiten Teils beschäftigen möchte.

Als zukünftige Lehrerin interessiert mich natürlich, was kann die Schule tun um interreligiöses Lernen zu schaffen und kann sie das überhaupt?

Und wenn ja, welche Methode hat sich in welcher Klassenstufe am besten bewährt?

Bei dem Begriff „interreligiöses Lernen“ trifft man sofort auf den Begriff „interreligiöser Dialog“. Da dies eine der wichtigsten Antworten auf unsere gesellschaftliche Pluralität ist möchte ich erfahren, was es damit auf sich hat und, welche Herausforderungen somit an mich gestellt sind.

In meinem ASP Praktikum vor ein paar Monaten waren einige Kinder und Jugendlichen mit einer anderen Herkunft. Diese Situation werde ich in meiner späteren Schule wahrscheinlich auch vorfinden und als engagierte Lehrerin werde ich bestimmt auch diverse Feste mitorganisieren. Doch ist das Zusammenführen dieser beiden Tatsachen überhaupt möglich? Gemeinsam Feiern geht das? Ich möchte in meiner Hausarbeit herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt um dies zu verwirklichen und welche Probleme dabei auftauchen könnten?

Der zweite Abschnitt des Hauptteils soll sich außerdem um das Thema interreligiöses Lernen im Religionsunterricht drehen. Da genau in diesem Bereich, ich als Lehrerin dafür verantwortlich bin, dass dieser auch stattfinden kann. Daher frage ich mich, welche weiteren Methoden außer die genannten gibt es und welche Auswirkungen haben diese auf die Schülerinnen und Schüler und welche auf mich?

Natürlich ist es auch wichtig zu erfahren, wie solch ein interreligiöser Unterricht im Rahmen der Kerncurricula ausgeführt werden kann und was ich zu bedenken habe?

Im letzten Abschnitt des Hauptteils werde ich eine kleine Schulbuchanalyse zu diesem Hausarbeitsthema durchführen. Ich verwende ausschließlich Religionsbücher von Klasse 5-10, da es mein Ziel ist zukünftig an einer Realschule Religion zu unterrichten. Bände von verschiedenen Herausgebern und Verlagen, die mir bekannt waren durch Behandlung in Religionsseminaren oder aus meinen Praktika, habe ich zur Recherche benutzt. Die Anzahl dieser reicht aus um einen ersten Überblick zu erhalten.

Im Fazit werde ich den Inhalt in Bezug auf meine einleitende Fragestellung kurz wiedergeben. Daraufhin folgt eine reflektierte Stellungnahme meinerseits zum Thema „Interreligiöses Lernen“, sowie zu den Arbeitsergebnissen und deren Bedeutung für mich und meine Berufswahl.

2. Hauptteil

2.1. Einführung in das Thema „Interreligiöses Lernen“

2.1.1. Gründe für interreligiöses Lernen

Wie schon im ersten Teil der Einleitung zu lesen, leben wir heute in einer multikulturellen Gesellschaft. Zahlreiche Menschen verschiedener kultureller und religiöser Zugehörigkeit haben ihr Zuhause an dem gleichen Ort gefunden. Diese Situation radikaler Pluralität beunruhigt und irritiert.

Nachzuvollziehen, wenn man bemerkt, dass es erst knapp hundert Jahre her ist, dass das kirchlich und konfessionell organisierte Christentum unangefochten die Religion in Europa war. „Evangelisierung der Welt in dieser Generation“ – so hieß das Motto der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh. Heute ist die Konfrontation miteinander und das allgemeine Wissen für einige selbstverständlich geworden.[1]

Jedoch nicht alle fühlen sich in dieser „neuen Gesellschaft“ behütet, daher muss die Unsicherheit der Bevölkerung gedämmt werden. Genau aus diesem Grunde „ist es wichtig, dass alle Religionen es als ihre Aufgabe ansehen die Erde als lebenswerten Ort für alle Menschen zu gestalten.“[2]

2.1.2. Definition und Bedeutung

Es stellt sich die Frage, wie man dieser Aufgabe aktiv begegnen kann?

Dazu zwei Zitate, die eine gute Definition meines gewählten Themas und die Lösung dieser Frage beinhalten.

„ Interkulturelles Lernen meint hier also sowohl die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Lebenswelten als auch pädagogische Intention eine bewusste kulturelle Verständigung innerhalb der multikulturellen Gesellschaft, zugunsten des Lebens in der Einen Welt. Dabei wird interkulturelles Lernen ein Interesse an Religion haben, aufgrund der in einer multikulturellen Gesellschaft vorhandenen gelebten Vielfalt religiöser Orientierungen und der vielfältig institutionalisierten Religionen.“[3]

„Interkulturelles Lernen ist ohne den Einbezug interreligiöser Fragen nicht möglich, und umgekehrt kann interreligiöses Lernen nicht auf die umfassenderen kulturellen Aspekte verzichten.“[4]

Die Antwort auf diese Frage ist also das interkulturelle Lernen. Da ich hier jedoch eine religionspädagogische Hausarbeit schreibe, werde ich mich mehr auf die Religion und somit auf das Interreligiöse Lernen konzentrieren. Besonders die Jahre nach der Unterzeichnung der Weltethoserklärung des Parlaments der Weltreligionen (1993) waren geprägt von einschlägigen Veröffentlichungen zu diesem Thema.[5]

„Inter“ bedeutet ein „In-Bezug-Setzen“ verschiedener religiöser und weltanschaulicher Symbolsysteme.[6]

„Lernen“ bezieht sich auf die Verhaltensänderung, aufgrund von Erfahrungen – in der Interaktion mit der Umwelt.[7]

In der Literatur bezieht sich Interreligiöses Lernen auf drei Ebenen:

1. den Religionsunterricht,
2. auf die religionswissenschaftliche Ebene und
3. auf das „dialogische Begegnungs-Lernen“[8]

2.1.3. Geschichte

Der Ursprung des interreligiösen Lernens liegt in der (evangelischen) Religionspädagogik und stellt eine Evolutionsstufe des ökumenischen Lernens dar. 1971 forderte die evangelische Kirche von der Bevölkerung sich mit nichtchristlichen Religionen zu beschäftigen zur Kontrolle der eigenen Anschauung, um Andersdenkende zu verstehen und mehr Gemeinsamkeiten zu entdecken.[9]

2.1.4. Ziele interreligiösen Lernens

Interreligiöses Lernen kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten die Unsicherheit der Menschen gegenüber der bestehenden kulturellen und religiösen Pluralität zu reduzieren und mit der Herausforderung umgehen zu können. Vor allen Dingen soll es Orientierung des Einzelnen ermöglichen und Verständigung einleiten.[10]

„Ziel dieses interreligiösen Lernens ist weder das Einebnen der kulturellen Besonderheiten

noch der Rückzug auf den größten gemeinsamen theologischen Nenner, sondern die Anerkenntnis der anderen und das gegenseitige Verstehen. Interreligiös kompetent ist, wer

Zeugnisse fremder Religionen aus deren soziokulturellen Kontext zu interpretieren weiß und

sich mit Angehörigen anderer Religionen einfühlsam verständigen kann“.[11]

2.1.5. Herausforderungen des interreligiösen Lernens

Seine eigene Unsicherheit gegenüber dem Fremden zu verlieren bringt bestimmte problematische Aufgaben mit sich. Im Interreligiösen Dialog und Lernen wird eine persönliche, sowie gesellschaftliche Herausforderung an die Menschen gestellt.

Erstere beinhaltet die Identitätssuche jedes Einzelnen, welche nur in der persönlichen Auseinandersetzung mit Anderen und dabei auch mit sich selbst im interreligiösen Dialog stattfinden kann. Eine Identität gewinnen heißt, aus positiver, eigener Wahl das für sich Sinnhafte und Sinngebende zu finden und eine eigene Glaubenswelt zu konstruieren vor dem Hintergrund anderer Religionen.[12]

Die gesellschaftliche Herausforderung liegt in der Thematisierung in Gesprächen und dabei Gemeinsamkeiten hervorzuheben und auf Unterschiede zu achten.

Besonders die Hervorhebung der Gemeinsamkeiten ist in der heutigen multikulturellen und –religiösen Pluralität eine wichtige Aufgabe jeder Gemeinde und jedes Einzelnen.

Diese an die Menschheit gestellten Aufgaben verlangen die Auseinandersetzung mit Anhängern anderer Religionen und Weltanschauungen. Die Notwendigkeit zeigt sich in der Aussage von Vött: „Interreligiöser Dialog ist heute keine Option mehr, kein bildungsexotischer Luxus, dem man sich im Rahmen der Unterrichtseinheit Weltreligionen leisten kann – oder auch nicht.“[13]

2.2. Methoden und Räume interreligiösen Lernens

2.2.1. Die Bilder, die unseren Alltag prägen

In unserem Alltag begegnen uns viele verschiedene Menschen, einige, die uns vertraut erscheinen, aber auch einige, die wir als jemanden Fremdes empfinden. Ob das an der Hautfarbe liegt, die anders als die eigene ist oder, ob der Kleidungsstil außergewöhnlich erscheint. Ob eine Frau ein Kopftuch trägt oder eben keines oder, ob sich Menschen in einer fremden Sprache unterhalten.

All diese Merkmale eines Menschen ordnen wir bestimmten Kulturen und Religionen zu, aber auch zu Menschen mit bestimmten kulturellen und religiösen Auffassungen haben wir Bilder im Kopf. Diese Bilder konstruieren unsere Wirklichkeit, unser Weltbild und damit auch unser Denken, Fühlen und Handeln. Dadurch, dass wir die Menschen, denen wir im Alltag begegnen, in Schubladen stecken und uns keine Mühe geben, sie und ihre Kultur besser kennen zu lernen, kann sich unser Weltbild auch nicht verändern. Dies jedoch führt dazu, dass die Unsicherheit gegenüber dem Anderen nicht minimiert, sondern sogar bestärkt wird.

Auch laut Johannes B. Metz, liege genau hier das Problem. Für ihn liegt das primäre Problem nicht in den Fremden, sondern in der Weise, wie wir sie sehen, empfinden und wahrnehmen. Das Erschreckende sei nicht die Multikulturalität, sondern die Bilder, die wir uns von ihr machen.[14]

2.2.2. Interreligiöses Lernen in der Schule

Bilder, die fest sitzen, auch aufgrund einer langen kollektiven Geschichte und schwer zu durchbrechen sind. Dies ist ein Problem für den schulischen Unterricht, da genau hier die Beschäftigung mit dem Thema kulturelle Pluralität ein zentrales ist.[15]

Erziehung und Bildung in der Schule haben die Ziele „durch Wertevermittlung aus den jeweiligen religiösen Traditionen Orientierungshilfen, Existenzhilfen, und Handlungshilfen für eine plurale, nicht gleichgeschaltete Wirklichkeit zu geben:““[16]

Die Auseinandersetzung mit Pluralität und Differenz sind also zentrale Herausforderungen und Aufgaben kultureller und religiöser Bildung in der Schule. Lernen in der Einen Welt als pädagogische Aufgabe.

Vor allen Dingen ist es laut Fischer und Schöll überaus wichtig mit Ohren und Augen herauszufinden, welche Einstellungen und Gedanken Jugendliche zum Thema Religion haben, welche Erfahrungen sie verarbeiten und wie und mit welcher Tragweite sie Religion in ihr Leben einbauen. Allgemein gesagt ist die Aufgabe der Religion bezüglich der Gesellschaft, wie auch jeden Individuums verständlich zu machen: „Welche Bedeutung misst der jeweilige Jugendliche Religion zu? Welche Funktion hat Religion im jeweiligen lebenspraktischen Zusammenhang? Diesen Fragen ist für das Verstehen interkulturellen Lernens in der Schule weiter nachzugehen.“[17]

[...]


[1] Vött, Matthias: Interreligise Dialogkompetenz. Ein Lernprogramm für den muslimisch- christlichen Dialog. Frankfurt/ M. 2002, Otto Lembeck Verlag. S. 29

[2] Orth, Gottfried: „Du sollst nicht bekehren deines Nächsten Kind“. Interkulturelles Lernen in Schule, Kirche und Gesellschaft 1. Auflage. Frankfurt/ M. 1995, Verlag Moritz Diesterweg. S. 99

[3] Fischer, Dietlind/ Schreiner, Peter/ Doyé, Götz: Auf dem Weg zur Interkulturellen Schule. Fallstudien zur Situation interkulturellen und interreligiösen Lernens. Münster, New York 1996, Waxmann Verlag. S.132

[4] Ziebertz, Hans-Georg/ Stephan Leimgruber: Interreligiöses Lernen, in: Religionsdidaktik. Ein Leifaden für Studium, Ausbildung und Beruf, G. Hilber/ S. Leimgruber/ H.-G. Ziebertz (Hrsg.), München 2001. S. 435

[5] Vgl. Vött, a.a.O. S.15

[6] http://www.rpi-virtuell.net/workspace/users/3566/int/schrein/Interview_Schreiner.pdf

[7] Jamal, Helgard: Die Bedeutung des interreligiösen Lernens. Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung, Band 15. Hamburg 1996, EB Verlag. S.105

[8] Vgl. Jamal, a.a.O. S.118

[9] Vgl. Vött, a.a.O. S.62-63

[10] http://www.rpi-virtuell.net/workspace/users/3566/int/schrein/Interview_Schreiner.pdf

[11] http://www.kibor-tuebingen.de/fileadmin/user_upload/ibor_upload/pdf/Interrel._Lernen_eine_Dimension_im_RU_an_BBS_06.pdf

[12] Vgl. Vött, a.a.O. S.31-34

[13] Vgl. Vött, a.a.O. S.31-34

[14] Orth, Gottfried: Differenz und Dialog. Dimension einer ökumenisch orientieren Religionspädagogik. Forum zur Pädagogik und Didaktik der Religion. Weinheim 1996, Deutscher Studienverlag. S.48

[15] Vgl. Orth, Differenz und Dialog, a.a.O. S.48

[16] Vgl. Jamal, a.a.O. S.150

[17] Vgl. Fischer, Schreiner, Doyé, a.a.O. S. 134

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640934553
ISBN (Buch)
9783640934843
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173292
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Geistes- und Erziehungswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
interreligiöses lernen religionspädagogik

Autor

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Titel: Interreligiöses Lernen