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Darstellung und Kritik des Habituskonzeptes nach Pierre Bourdieu

Referat (Ausarbeitung) 2009 10 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Habituskonzept nach Pierre Bourdieu
2.1 Grundlegende Informationen
2.2 Funktionen des Habitus
2.2.1 Habitus und Klasse
2.2.2 Habitus und Geschlecht
2.2.3 Habitus und das soziale Feld

3. Kritische Ansätze
3.1 Habitus in der Praxis
3.2 Kritische Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Arbeiten des französischen Soziologen Pierre Bourdieu haben in den letzten Jahren nicht nur in Frankreich sondern auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewonnen. Sie zentrieren sich um Themen aus der Kultursoziologie.

Diese Ausarbeitung setzt sich in Ergänzung zu dem Blockseminar noch einmal ausführlicher mit dem von Bourdieu entwickelten Schlüsselbegriff des ‚Habitus’ auseinander. Dabei sollen nicht nur Merkmale, Eigenschaften und Besonderheiten des Habituskonzeptes hervorgehoben (Kap 2) sondern auch kritisch hinterfragt werden (Kap 3).

2. Das Habituskonzept nach Pierre Bourdieu

2.1 Grundlegende Informationen

Es ist teilweise schwer fest zu stellen wie Bourdieu das Habitus-Konzept entwickelt hat, doch er benutzte den Begriff ‚Habitus’ schon sehr früh. Auch vor ihm tauchte der Begriff des Habitus bereits in der Philosophie und in der Soziologie (Emile Durkheim, Max Weber) auf. Er flechtet den Begriff des Habitus in seine Theorie der sozialen Welt ein und bezeichnet ihn als „die generalisierten Kompetenzen von Individuen, die aber klassenspezifisch verteilt sind“[1]. Man kann sie auch als „strukturierte Strukturen bzw. Systeme dauerhafter und übertragbarer Dispositionen (…), die als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlagen für Praktiken und Vorstellungen fungieren“[2] bezeichnen. Der Habitus kann also als Vermittler zwischen der individuellen Wahl von Alternativen und Verbindlichkeiten gesehen werden.

Darüber hinaus verkörpert er soziale Einflüsse, agiert jedoch meist unbewusst und natürlich individuell. Er ist nicht Resultat bewusster Entscheidungen und befolgt auch keine Regeln. Der Habitus umfasst also Wahrnehmungen, Denken, Empfinden und jegliches Handeln. Er wird geprägt durch Geschlecht, soziale Herkunft, etc. und hat Auswirkungen auf den Lebensstil, das Wissen und Handeln aber auch den Geschmack, die Sprache und die soziale Kompetenz eines Individuums.

Zusammenfassend kann man den Habitus als individuelle „sozial erzeugte Schemata“[3] bezeichnen. Konkret angewendet wird der Habitus beispielsweise im eigenen Stilempfinden oder im persönlichen Geschmack. Im Verlauf des Lebens wird er erworben sowie ausgebildet. Der Habitus findet sich eindeutig im praktischen Handeln und nicht im Bewusstsein wieder.[4] Er ist in der Lage neue Verhaltensweisen hervorzubringen, auf eine kreative und erfinderische Art und Weise.[5]

2.2 Funktionsweisen des Habitus

2.2.1 Habitus und Klasse

Bourdieu schließt sich in seinen Untersuchung Marx[6] an, indem er die moderne Gesellschaft als eine Klassengesellschaft beschreibt. Diese Klassen existieren jedoch nur, wenn sie in der Praxis, d.h. im alltäglichen Handeln der Individuen am Leben erhalten werden.

Des Weiteren verfügt jeder Mensch über ökonomisches und kulturelles Kapital, das individuell in den sozialen Raum eingebracht wird. Dieses Kapital kann natürlich nur wahrgenommen werden, wenn es auch im Handeln eines Individuums sichtbar wird. Bourdieu versucht, Klassenlage und Lebensführung zu verknüpfen, denn genau an dieser Stelle tritt der Habitus in Aktion. Die Unterscheidungs- und Bewertungsprinzipien, die im Habitus eingelagert sind kommen erst in der praktischen Lebensführung zur Geltung. D.h., jegliche Form von Praktiken, sei es eine Meinungsäußerung oder aber ein Besitztum usw., erhält ihren sozialen Sinn indem sie etwas anzeigen, nämlich die sozialen Unterschiede, die den Menschen zu einer bestimmten sozialen Klasse zugehörig machen.

Man spricht von einem ‚Klassenhabitus’ wenn ein Individuum in seiner Lebensführung die gleichen wesentlichen Elemente zeigt wie die Mitglieder seiner Klasse. Gezeigt wird dieser Klassenhabitus häufig in den jeweiligen Moralvorstellungen, aber auch zum Beispiel im äußeren Erscheinung, dem Geschmack, den Gewohnheiten oder den Präferenzen. Er ist Ausdruck und Spiegelbild der Klasse. Bourdieu geht außerdem davon aus, dass jede Klasse gesonderte Vorstellungen über das richtige Handeln und das richtige Sein hat bzw. entwickelt. So siedeln sich die Vorstellungen der unteren Klassenschichten eher in praktischen und bescheidenen Dingen der Gegenwart an. Im Gegensatz dazu konstruieren Mitglieder der oberen Schichten zukunftsorientierte Vorstellungen, die sich um das Wohl der Familie zentrieren. Genau diese Unterschiede sind nach Bourdieu nur mit dem Habitus zu erklären.

Betrachtet man einmal die Mittelklasse kommt auch die Frage des sozialen Aufstiegs auf. Bourdieu definiert die Chancen zwar als gering aber dennoch kann der bloße Wille sie vergrößern. Er macht jedoch auch darauf aufmerksam, dass man seinen Habitus, seine soziale Identität nicht wie Kleider beliebig wechseln kann. Der Habitus kann zum Beispiel durch die schulische Ausbildung weiter entwickelt, jedoch nicht komplett umstrukturiert werden. Er wird immer durch die Bedingungen seiner Entstehung geprägt bleiben.[7] Auch Michael Hartmann stellt in seinem Aufsatz zum Thema: „Leistung oder Habitus? (…)“ fest, dass es einen Unterschied zwischen einem sozial Aufgestiegenem oder einem von Geburt dazugehörigen Klassenmitglied gibt. Diese Unterschiede spiegeln sich zum Beispiel im Auftreten, Verhalten oder in der Kommunikation wieder. Der Versuch sich einen Habitus sozusagen anzutrainieren, wird oft als ein solcher enttarnt.[8]

2.2.2 Habitus und Geschlecht

Bourdieu untersuchte das Strukturierungsprinzip zwischen den Geschlechtern und veröffentlichte diese unter dem Titel: „Die männliche Herrschaft“ (2005). Auch hier beschreibt er den Habitus als Art Vermittler zwischen sozialen Strukturen der Geschlechterrollen. Eine besondere Macht misst er auch dem Begriff des ‚Geschlechtes’ in der Gesellschaft zu. Genauer gesagt definiert er den Begriff ‚Geschlecht’ wie folgt: „Das Geschlecht ist eine ganz fundamentale Dimension des Habitus, die, wie in der Musik die Kreuze oder die Schlüssel, alle mit den fundamentalen sozialen Faktoren zusammenhängenden sozialen Eigenschaften modifiziert“[9]

[...]


[1] Bohn, Cornelia, Habitus und Kontext, S.5.

[2] Bourdieu, Pierre, Strukturen, Habitusformen, Praktiken, S.97

[3] Bohn, Cornelia, Habitus und Kontext, S.5

[4] Bohn, Cornelia, Habitus und Kontext, S.5f.

[5] Krais, Beate, Habitus, S. 5f.

[6] Bourdieu kritisiert und erweitert Marx Theorie

[7] Vgl. Krais, Beate, Habitus, S.18f.

[8] Vgl. Hartmann, Michael, Der Mytos von den Leistungsekiten, S. 116f.

[9] Bourdieu, Pierre, Die männliche Herrschaft, S.222.

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640933877
ISBN (Buch)
9783640933556
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173200
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,7
Schlagworte
darstellung kritik habituskonzeptes pierre bourdieu

Autor

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Titel: Darstellung und Kritik des Habituskonzeptes nach Pierre Bourdieu