Lade Inhalt...

Lokale Aushandlungsprozesse bei der Einführung von „Women’s Rights“ als Gegenstand der Rechtsethnologie

Seminararbeit 2010 27 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 EINLEITUNG

3 EINFÜHRUNG IN DIE FRAUENRECHTE
3.1 „ALLGEMEINE MENSCHENRECHTSERKLÄRUNG“ UND DIE „CEDAW“
3.2 FRAUENRECHTE IN DER RECHTSETHNOLOGIE
3.2.1 BESONDERHEITEN DER FRAUENRECHTE GEGENÜBER DEN MENSCHENRECHTEN
3.2.2 BEZIEHUNGEN GLOBAL - LOKAL
3.2.3 MODERNISIERUNG, SOZIOKULTURELLER WANDEL UND GESCHLECHTERBEZIEHUNGEN
3.2.4 „GENDER“ UND RECHTSPLUARLISMUS

4 DREI ARTEN DES WIDERSTANDES GEGENÜBER FRAUENRECHTEN
4.1 MISSLUNGENE „ V ERNACULARIZATION “
4.1.1 VERNACULARIZATION
4.1.2 FAKTOREN DES SCHEITERNS EINER V ERNACULARIZATION
4.2 GEGENBEWEGUNG
4.3 TRADITION UND KULTUR AUSBLICK AUF DIE FRAUENRECHTSTHEMATIK IN DER RECHTSETHNOLOGIE
4.4 VERNACULARIZATION
4.5 G ENDER MAINSTREAMING

5 FAZIT

6 LITERATURLISTE

2 Einleitung

„Women’s rights are human rights“

Diese Aussage war Teil der berühmten Rede von Hillary Clinton vom 5. September 1995 bei der Weltfrauenkonferenz in Beijing.

Doch sind Frauenrechte denn wirklich Menschenrechte? Haben Frauenrechte in allen Gesellschaften den gleich hohen Stellenwert wie die Menschenrechte der UN? Und wie werden diese Rechte von globalen Diskussionsforen in die lokalen Kontexte vermittelt? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich die Rechtsethnologie. Sie beinhaltet die Frauenrechte - als Teil der Menschenrechte - als Thematik ihrer Untersuchungen.

In der vorliegenden Arbeit befindet sich eine Abhandlung über die lokalen Aushandlungsprozesse von Widerständen gegenüber Frauenrechten als Gegenstand der Rechtsethnologie. Es werden verschiedene Fragen beantwortet: Welche Rolle übernehmen die Frauenrechte in der Rechtsethnologie? Wie entstanden diese und wie ist der heutige Stand? Dazu werden die Menschenrechte und die CEDAW (Convention on the Elimination of Discrimination Against Women) die allgemeine Lage der Frauenrechte beschrieben und in einem weiteren Schritt werden die Frauenrechte und ihre Teilgebiete bezüglich der Rechtsethnologie untersucht.

Der zweite Teil dieser Arbeit behandelt die Frage der Widerstände gegenüber Frauenrechten. Hierfür werden drei Arten von Widerständen aufgeführt und analysiert. Dabei handelt es sich erstens um Widerstand durch eine „ failed vernacularization “ , zweitens, um Widerstand durch Gegenbewegungen und als Drittes, Widerstand durch Kultur.

Am Schluss befindet sich eine Übersicht der zukünftigen Tätigkeitsfelder der Rechtsethnologie. Diese sollen aufzeigen, welchen Problematiken und Schwierigkeiten die Rechtsethnologie in der Zukunft begegnen wird.

Diese Arbeit soll anschaulich machen, dass Frauenrechte in der Rechtsethnologie einen grossen Stellenwert haben, jedoch teilweise mit grossem Widerstand kämpfen müssen. Dieses Forschungsfeld könnte für die Rechtsethnologie in Zukunft von grosser Bedeutung sein.

3 Einführung in die Frauenrechte

3.1 „Allgemeine Menschenrechtserklärung“ und die „CEDAW“

In der allgemeinen Menschenrechtserklärung von 1948 der United Nation (UN), steht folgender Absatz im Artikel 2 - Gebot der Nichtdiskriminierung:

„Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeine Unterscheidung, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.“ (UN Department for General Assembly and Conference Management German Translation Service 1948: Artikel 2)

Somit steht in der „Allgemeinen Menschenrechtserklärung“ geschrieben, dass keine Unterscheidung zwischen Menschen gemacht werden darf und somit auch eine Gleichberechtigung von Frau und Mann gewährleistet sein sollte.

Dieser Punkt stellte sich jedoch immer mehr als Problem heraus. Somit entwickelte die Kommission für die Stellung der Frau (CSW: Commission on the Status of Women), welche zusammen mit der Menschenrechtskommission im Jahr 1948 gegründet wurde, eine Konvention, welche sich spezifisch mit den Rechten und der Diskriminierung der Frauen auseinandersetzt. Die internationale Staatengemeinschaft (UN) bekräftigte solche Spezialabkommen immer wieder, um die Sicherung der Menschenrechte der Frau zu bestätigen (Verein Humanrights.ch 2010: Frauenrechte in der UNO).

Die entwickelte Konvention, welche am 18. Dezember 1979 von der UN-Versammlung verabschiedet wurde, nennt sich: United Nations Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women (CEDAW (Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau)). Als Diskriminierung der Frau gilt:

„jede mit dem Geschlecht begründete Unterscheidung, Ausschliessung oder Beschränkung, die zur Folge oder zum Ziel hat, dass die auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegründete Anerkennung, Inanspruchnahme oder Ausübung der Menschenrechte und Grundfreiheiten durch die Frau - ungeachtet ihres Zivilstands - im politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, staatsbürgerlichen oder jedem sonstigen Bereich beeinträchtigt oder vereitelt wird.“ (Schweizerische Bundesbehörde o.J: 3)

In diesem Übereinkommen erhalten die Frauenrechte einen gesonderten Status gegenüber den Menschenrechten. Sie gelten nach wie vor als Menschenrechte, doch sie bekommen einige Spezialisierungen. Eine Frauenrechtskonvention konnte jedoch erst entwickelt werden, als man sah, dass Frauen und Mädchen auch mit der „Allgemeinen Menschenrechtserklärung“ nicht auf dem gleichen Stand waren, wie die Männer. Dies sah man an folgenden Punkten (CEDAW Task Force 2010: Support CEDAW for Women and Girls):

- Die Gewalt gegenüber Frauen ist enorm hoch. 1/3 aller Frauen erleben Gewalt.
- 2/3 der ungebildeten Erwachsenen sind Frauen.
- 70% der ärmsten Menschen der Welt sind Frauen.
- Millionen von Frauen und Mädchen werden um ihren Besitz, ihr Bürgerleben und öffentlicher Partizipation beraubt.
- 530'000 Frauen sterben jährlich an ihren Geburtsfolgen.
- Ca. 80% der 600’000-800'000 Opfer des internationalen Menschenhandels sind Frauen.

Diese Punkte zeigen eindeutig auf, dass Frauen nach wie vor als vernachlässigte Gruppe bezeichnet werden können und somit ein Recht auf die Spezialisierung der Menschenrechte haben.

In der CEDAW gibt es verschiedene Bereiche, welche als Frauenrechte bezeichnet werden. Frauen sollen politisch, sozial, wirtschaftlich und kulturell die gleichen Bedingungen haben die die Männer und somit ein Recht auf volle Entfaltung haben. Frauen haben wie auch Männer das Recht auf Nahrungsmittel, Gesundheitseinrichtungen, Bildung und Beschäftigungsmöglichkeiten. In der CEDAW ist weiter vermerkt, dass Frauen ein Stimmrecht bei allen Wahlen und ein Recht darauf haben, in öffentlichen Ämtern zu arbeiten. Frauen erhalten das Recht auf Gleichberechtigung im öffentlichen-, privaten- und Berufsleben. Ausserdem besitzen Frauen, wie auch die Männer, alle staatsbürgerlichen Rechte und dürfen heiraten und Kinder kriegen. Spezifisch auf die Frauen zugeschnittene Rechte sind das Recht, dass die Erziehung und Mutterschaft eine soziale Anerkennung erhält und dass keine Prostitution und Frauenhandel stattfindet (Schweizerische Bundesbehörde o.J.: 1 ff.).

Die Frauenrechte sind somit eine Spezialisierung der „Allgemeinen

Menschenrechtserklärung“, sie sind spezifisch auf die Frauen zugeschnitten. Es gilt der Gleichberechtigungsgrundsatz, welcher sagt, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein müssen (Bierkamp 2008: 35).

Somit kann dieses Übereinkommen als Spezifizierung der „Allgemeinen Menschenrechtscharta“ angesehen werden.

Kritik an dieser Konvention gibt es jedoch auch. Grundsätzlich ist es nach dem Gesetz der „Allgemeinen Menschenrechtskonvention“ nicht erlaubt, Spezialisierungsgesetzte auszuarbeiten. Denn es heisst, dass die Menschenrechte ihre Anerkennung in der angeborenen Würde erhalten und somit alle Menschen der gleichen Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden unterstehen. Die Rechte stehen einem zu, weil man ein Mensch ist. Sie sind angeboren (UN Department for General Assembly and Conference Management German Translation Service 1948: Präambel)

Diese Aussage verbietet eine Spezialisierungskonvention, doch man sah, dass die Frauen auch nach der Einführung der „Allgemeinen Menschenrechtserklärung“ noch nicht zu 100% gleichberechtigt waren.

3.2 Frauenrechte in der Rechtsethnologie

Die Fragestellung der Rechtsethnologie bezüglich Frauenrechten nimmt einen wichtigen Platz ein. Einerseits sollen Rechtsethnologen den „ Vernacularization-Prozess “ durchführen und überwachen (Levit und Merry 2008: 451 ff.). Andererseits sollen sie die Interessenvertretung einzelner Parteien sein, und sie sollen die Einhaltung der Rechte auch noch überwachen. Denn es besteht der Bedarf an universellem Schutz der Menschenrechte (Donovan 2007: 197 ff.). Die folgenden Teilgebiete der Rechtsethnologie bezüglich Frauenrechte zeigen die Aufgaben von Rechtsethnologen gut auf.

3.2.1 Besonderheiten der Frauenrechte gegenüber den Menschenrechten

In der Rechtsethnologie werden Frauenrechte oft unter dem Begriff „human rights“ - Menschenrechte - bearbeitet. Es gibt jedoch bei den Frauenrechten spezifische Besonderheiten gegenüber den allgemeinen Menschenrechten.

Eine davon ist die, in Kapitel 4 genauer behandelten Widerständen gegenüber Frauenrechten. Frauenrechte sind oftmals mit grösseren Widerständen konfrontiert als allgemeine Menschenrechte, da sie eine „gesonderte“ Stellung der Frau hervorrufen, was bei einigen Organisationen und Gegnern eine Reaktion auslöst. Die Menschenrechte hingegen kommen jedem Menschen dieser Welt zu Gute und darum widerfahren diese auch einen geringeren Widerstand. Die Frauenrechte sind erst seit ca. 40 Jahren ein globaler Diskussionspunkt. Für Frauenrechte ist es schwieriger, Verständnis bei den betroffenen Personen zu erlangen, da diese in ihrer Tradition und Kultur oft ein anderes Verständnis der Geschlechterrollen besitzen. Frauenrechte lösen somit bei allen Beteiligten vermehrt Spannungen aus. Die Rechtsethnologie befasst sich mit diesen Spannungen und versucht zwischen den Gruppierungen zu vermitteln (Levitt und Merry 2008: 451 ff.).

Wie auch bei den Menschenrechten, ist es wichtig zu verstehen, dass ein universales Frauenrecht nicht auf alle lokalen Gebiete gleich anwendbar ist. Frauen verschiedener Kulturen, Traditionen etc. verfügen über ein unterschiedliches Verständnis der Frauenrechte. Somit ist die Rechtsethnologie auch hier gefragt. Die Rechtsethnologie hat die Fähigkeit, da sie das interkulturelle Verständnis besitzt, die Frauenrechte so zu umschreiben, dass sie von den betroffenen Personen verstanden und umgesetzt werden kann (Speed 2009: 238 ff.). Wichtig zu sehen ist, dass Ethnologen zwei verschiedene Sichtweisen besitzen. Es gibt die universalistische Ansicht, welche besagt, dass Frauenrechte wie auch Menschenrechte universal anwendbar sind. Die zweite Sichtweise befasst sich mit dem Relativismus, diese sieht die Frauenrechte, bzw. Menschenrechte, als in jedem lokalen Kontext verschieden anwendbar, d.h. Frauenrechte können nicht in jedem Kontext gleich angewendet werden, sondern müssen angepasst werden (Engle 2006: 36 f).

3.2.2 Beziehungen global - lokal

Bei den grössten Frauenrechtsanlässen, wie z.B. dem UN-Treffen „Beijing Plus Five Conference“ in New York im Juni 2000, waren tausende von Leuten anwesend, NGO’s, Regierungspersonen sowie Frauenrechtsaktivistinnen. Über dieses Treffen wird gesagt:

„This is an English-speaking, largely secular, universalistic, law-grounded culture, organized around the formal equality of nations and their economic and political inequality.“ (Merry 2006: 37)

Die Anlässe, an denen Frauenrechte verfasst, diskutiert und ratifiziert werden, finden nicht in den lokalen Gebieten, in welchen sie dann umgesetzt werden sollen, statt. Somit besteht die Schwierigkeit für die NGO’s oder Regierungsorganisationen, die universal verabschiedeten Frauenrechte in die lokalen Gebiete zu überliefern. Diesen Prozess nennt man „ Vernacularization “. Den Begriff hat Sally Engle Merry (2006: 36 f) geprägt. Da es auch innerhalb des „Vernacularization-Prozesses“ zu verschiedensten Problematiken kommen kann, ist somit nicht gewährleistet, dass die Frauenrechte auf der ganzen Welt gelten können.

Für die Rechtsethnologie ist dieser Bereich ein spannendes Untersuchungsfeld und ein Rahmen, in welchem sie ihr Wissen über das Verständnis von Kulturen sehr gut anwenden kann. Vorerst müssen Beziehungen und Verknüpfungen zu den lokalen Gebieten und ihren Bewohnern gemacht werden, bevor eine Vermittlung von Rechten, jeglicher Art, möglich ist. (Rechts-)Ethnologen können Vermittler in Organisationen zwischen den globalen Anlässen und den daraus resultierenden Rechten für die Frau und den lokalen Gruppierungen sein, ihrer Kultur, Tradition und bestehenden Rechte (Levitt und Merry 2008: 12 ff).

3.2.3 Modernisierung, soziokultureller Wandel und Geschlechterbeziehungen

a) Modernisierung und soziokultureller Wandel

Sally Engle Merry (2005: 249 ff) schreibt in ihrem Text: „Rights, Religion, and Community: approaches to violence against Women in the Context of Globalization“ über drei lokale Organisationen in Hilo, Hawaii, welche als Hilfsorganisationen bei Gewalt gegen Frauen behilflich sind. Die Organisationen nehmen Männer auf, welche Gewalt gegen Frauen anwenden, die ansonsten ins Gefängnis müssten. Sie beschreibt die Veränderung dieser Organisationen durch transnationale Bewegungen: Zu Beginn, als die Organisationen gegründet wurden beriefen sie sich auf einen radikalen Feminismus, einen starken christlichen Konservativismus und auf eine hawaiianische Tradition. Durch die Modernisierung, die soziokulturellen Veränderungen und die finanziellen Engpässe, mussten sie sich den Wünschen des Staates anpassen und deshalb verfolgen heute alle drei Organisationen ein Konzept, welches sich auf transnationale Partner beruft. Sie gehen davon aus, dass man Männer, welche ihre Frauen schlagen, nur durch eine persönliche Transformation heilen kann. Den Männern soll klar gemacht werden, dass sie selbst für ihre Entscheidungen verantwortlich sind und ein Selbstvertrauen aufbauen sollen. Durch die Modernisierung und den soziokulturellen Wandel der hawaiianischen Gesellschaft verfolgen nun alle drei Organisationen ähnliche Technologien, um die Menschen zu heilen.

Geschlechterspezifische Gewalt wird seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr als Resultat von Unterdrückung, sondern als Merkmal der persönlichen psychologischen Funktionen gesehen. Anstatt das Patriarchat für die Gewalt der Männer verantwortlich zu machen, wird gesagt, dass die Gewalt ein Resultat eines zu geringen Selbstbewusstseins der Männer und der Unfähigkeit die eigenen Gefühle zu verstehen, ist. Die hier angewendete psychologische Methode ist über die ganze Welt verbreitet. Von dem radikalen Ursprung der Organisationen ist durch die Modernisierung nicht mehr viel übrig geblieben (Merry 2005: 256 ff).

Dieses Beispiel zeigt, was Modernität und soziokultureller Wandel bei lokalen Frauenrechtsorganisationen auslösen und verändern kann. Die Modernität hat somit einen massgebenden Einfluss auf das Verständnis von Frauenrechten.

b) Modernisierung und Veränderung der Geschlechterbeziehungen

Durch die Modernisierung der Gesellschaft, hat sich das Geschlechterverhältnis verändert. Heute gilt das typische Frau-Mann Verständnis nicht mehr. Dies wirkt sich auch auf ethnologisch-interessante Gebiete aus. Durch die Verbreitung der Frauenrechte, wird den Frauen bewusst, dass sie Rechte haben, welche sie bis jetzt teilweise nicht besassen. Die Frauenrechte sind ein Gegenstand der Modernität und beeinflussen Geschlechterbeziehungen massgebend, und es entsteht so ein spannendes Untersuchungsfeld der Rechtsethnologie. Vögeli schreibt:

„Dieser Prozess [Migration und Exil[1] ] kann eine Veränderung der Geschlechterrollen begünstigen. Frauen benutzen die transformierende Macht des Migrationsprozesses, indem sie die angestammten kulturellen Systeme verändern und neu generieren (Bhachu 1993: 113). Lohnarbeit und veränderte Haushaltsstrukturen eröffnen ihnen eine neue

Lokale Aushandlungsprozesse bei der Einführung von „Women’s rights“ als Gegenstand der Rechtsethnologie Unabhängigkeit, welche sich auch auf die Machtverhältnisse in der Privatsphäre und auf traditionellen Geschlechterbeziehungen auswirkt.“ (Vögeli 2005: 4)

3.2.4 „Gender“ und Rechtspluarlismus

Gender (soziales oder psychologisches Geschlecht im Gegenteil zum Biologischen) hat in der gesamten Frauenrechtsdiskussion einen grossen Einfluss. Gender wird oft als Synonym mit der Unterdrückung der Frau verwendet.

Wenn ein Staat rechtspluralistisch ist, meint dies, dass innerhalb eines bestimmten regionalen Territoriums verschiedene Rechtssysteme nebeneinander bestehen. Juliane Neuhaus (2009) beschreibt in ihrem Artikel „ Women in village courts in Papua New Guinea - The Transformation of Gender Roles “ den Zusammenhang von Gender und Rechtspluralismus anhand der Dorfgerichte in Papua-Neuguinea (PNG). Oft wurde von den Gegnern solcher lokalen Gerichte erwähnt, dass das Rechtssystem solcher Institutionen eine Unterdrückung der Frauen hervorrufe, da diese Rechtssysteme von den Bräuchen und Traditionen Melanesiens ausgehen. Da diese Bräuche jedoch auf der Unterwerfung der Frau beruhen, wird argumentiert, dass Frauen nun grundsätzlich bei gerichtlichen Fragen eine Unterdrückung erleiden (Neuhaus 2009: 152 f).

Neuhaus beschäftigte sich in ihrer Studie mit den Fragen, wie und wie oft die Frauen diese lokalen Gerichte benutzen. Grundsätzlich wäre es nicht logisch, dass die Frauen die lokalen Gerichte benutzen. Man würde denken, dass sie sich an die district courts wenden, welche Gerichtsverhandlungen durchführen, die auf dem nationalen Gericht basieren. Doch die Frauen benützen die Dorfgerichte in grosser Anzahl und gewinnen die Verhandlungen sogar zu etwa gleichen Teilen wie die Männer (ebd.: 153).

Der Rechtspluralismus geht davon aus, dass unser Leben aus verschiedenen Rechtssystemen/Rechtsräumen besteht, welche sich überlappen. Diese Vermischung der Rechtsräume sieht man auch in PNG: Das lokale Recht durch die Dorfbewohner, das nationale Recht durch die Bewohner der Provinz und die christlichen Normen durch die Mitglieder der lutherischen Kirche. Hinzu kommt noch die persönliche Wahrnehmung von richtig und falsch (ebd.: 153 f).

Im Prozess der Streitschlichtung entsteht nun durch die Vermischung der Rechtssysteme eine neue hybride Form des Rechts. Die Bewohner der Dörfer sehen die Gerichte nicht als „nach den Traditionen handelnd“ sondern „nach dieser neuen hybriden Form“ handelnd. Hier wird klar, weshalb sich die Frauen an die lokalen Gerichte wenden. Sie sehen die Gerichte als Institution, bei welcher sie ihre Probleme deponieren können. Es ist oftmals nicht bewusst, dass die Gerichte nach den Traditionen handeln, man glaubt an die neue hybride Form der Gesetze. Neuhaus argumentiert damit, dass die Dorfgerichte somit nicht immer frauendiskriminierend sind (ebd.: 154).

[...]


1 Migration und Exil sind klar ein Phänomen der Modernisierung und Globalisierung.

Details

Seiten
27
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640933792
ISBN (Buch)
9783640933648
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173177
Note
Schlagworte
Frauenrechte Widerstand Männergruppierungen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Lokale Aushandlungsprozesse bei der Einführung von „Women’s Rights“ als Gegenstand der Rechtsethnologie