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Das DDR-Schulsystem

Beschreibung und Analyse

Hausarbeit 2009 19 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Deutsche Demokratische Republik

3. Der Beginn des Schulsystems in der sowjetischen Besatzungszone
3.1.Die Neulehrer in der SBZ
3.2.Trennung von Schule und Kirche

4. Das Schulsystem von 1949 - 1956

5. Die Struktur des Bildungssystems der DDR
5.1. Kindergrippe
5.2. Kindergarten
5.3. Polytechnische Oberschule
5.4. Erweiterte Oberschule
5.5. Berufsausbildung
5.6. Fachschulen
5.7. Universität und Hochschule
5.8. Spezialschule und Spezialklasse
5.9. Sonderschule

6. Politisch-ideologische Erziehung
6.1. Pionierorganisation „Ernst Thälmann"
6.2. Freie Deutsche Jugend

7. Rückblick auf das DDR-Schulsystem
7.1. Positive Elemente
7.2. Negative Elemente

8. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Die „allseitig entwickelte sozialistische Persönlichkeit"1 war das Ziel der Bildungspolitik der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Das sozialistische Bildungssystem wollte gute Staatsbürger erziehen, die sich mit ihrem Land und der Staatsform, dem Sozialismus identifizieren. Als diese geformten „sozialistischen Persönlichkeiten" im Herbst 1989 in Leipzig auf die Straße gingen und die ersten Montagsdemonstrationen aus Protest gegen die politischen Verhältnisse organisierten, war dies mit ein erster Meilenstein für die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Die DDR ist seit diesem Tag Geschichte und somit auch das Bildungssystem dieses Landes, das sich 1946 strukturierte, sich über mehr als 40 Jahre erstreckte und sich in dieser Zeit auch mehrmals reformierte. Ein wichtiges Element des im Umbruch begriffenen Schulwesens waren die Neulehrer in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Das DDR Bildungssystem begann mit den Kinderkrippen und den Kindergärten, worauf dann die zehnklassige allgemein bildende polytechnische Oberschule (POS) folgte. Aufbauend auf die POS folgten die erweiterte Oberschule (EOS), verschiedene Spezialschulen, Fachschulen, Hochschulen und Universitäten (vgl. Günther/Uhlig 1969, S. 132/133). Ein bezeichnender Bestandteil des Schulsystems der DDR war die Pionierorganisation und die darauf aufbauende Jugendorganisation der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Beides waren Massenorganisationen, die mit der Bildungspolitik der DDR im engen Zusammenhang stehen. Ein interessanter und sehr wichtiger Aspekt sind die Auswirkungen der in der DDR angewandten Schulpolitik, weil die Jahre als Kind und Jugendlicher und die empfangende Bildung und Erziehung einen Menschen besonders bedeutend und nachhaltig prägt. Hier spielt neben Aufbau und Struktur des Schulsystems der DDR die angewandte politisch-ideologische Erziehung eine nicht unwesentliche Rolle. Gibt es Positives oder Übertragbares, was man dem Bildungswesen der DDR entnehmen kann ohne sich von der aufkommenden umgangssprachlichen „Ostalgie-Welle" beeinflussen zu lassen?

2. Die Deutsche Demokratische Republik_sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat

Vier Jahre nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone gegründet. Die DDR war ein sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat unter der Führung einer marxistisch-leninistischen Partei, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), die 1946 durch die Vereinigung von KPD und SPD gegründet wurde. Die führende Rolle der SED wurde 1968 in der Verfassung der DDR festgeschrieben und nach dessen Vorgaben wurde der „Aufbau des Sozialismus" diktatorisch und zentralistisch durchgeführt. Höchstes Staatsorgan war die Volkskammer. Die Volkskammer legte die perspektivischen Ziele der gesellschaftlichen Entwicklung fest, beschloss die Gesetze und kontrollierte die Durchführung. Die Volkskammer wählte den Staatsrat und den Ministerrat der DDR. Die DDR gehörte zu den Ostblockstaaten und die Orientierung im politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftliche Bereichen war schon vor der Staatsgründung 1949 eingeleitet worden (vgl. Die große Bertelsmann Lexikothek Band 3, S. 365). Am 13. August wurde mit dem Aufbau der Berliner Mauer begonnen. Für die DDR-Führung und für die SED war es die „Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls"2. Diese Mauer sollte 28 Jahre fortbestehen, bis sie am 9. November im Zuge der friedlichen Revolution „fiel". Durch die friedliche Revolution, ausgelöst durch die Massenflucht der DDR-Bürgen über die ungarische Grenze und die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der DDR, war das politische Scheitern des Sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates unabwendbar. Nach der politischen Wende in der DDR wurde 1990 die erste freie Volkskammer gewählt. Diese beschloss den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 hörte die DDR nach über 40 Jahren auf zu existieren.

3. Der Beginn des Schulsystems in der sowjetischen Besatzungszone

Kurz nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde auf Befehl der sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) im Juni 1945 die „Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone" eingesetzt. Diese Verwaltung hatte die Aufgabe, Vorschläge zur Gestaltung des Schulwesens zu unterbreiten. Eine schnelle Wiederaufnahme des Schulunterrichtes sollte gewährleistet werden. Im Juni 1946 wurde in der damaligen sowjetischen Besatzungszone das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule" verfügt. Aus der vorläufig eingesetzten „Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung" wurde die „Deutsche Verwaltung für Volksbildung". Es entstand die demokratische Einheitsschule. Die Einheitlichkeit konkretisierte sich laut Paragraphen 1 des Gesetzes: „[...] Sie wird, ausgehend von den gesellschaftlichen Bedürfnissen, jedem Kind und Jugendlichen ohne Unterschied des Besitzes, des Glaubens oder seiner Abstammung die seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Ausbildung geben [...]" (Deja-Lölhöffel 1988, S.13). Das Bildungsangebot in der Stadt und auf dem Land sollte angeglichen werden. Einheitlichkeit sollte auch in gesetzlichen Regelungen, im Aufbau, Zielen und Inhalt des Bildungssystems erreicht werden, wozu zum Beispiel gleiche Lehrpläne und Lehrbücher gehörten. Das Einheitsschulgesetz von 1946, beruhend auf einer Stufenkonzeption, unterschied vier Stufen (vgl. Anweiler 1988, S. 27):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die starke Orientierung am Vorbild der Sowjetunion war bei der der führenden marxistischleninistischen Partei, der SED, in allen gesellschaftlichen Bereichen, sowie auch in der bildungspolitischen Hinsicht sehr ausgeprägt. Die angestrebte Umgestaltung wurde in der SBZ als „antifaschistisch-demokratische Umwälzung" bezeichnet und erklärte so ihre schulpolitische Hauptaufgabe in dem Buch „Geschichte der Schule in der DDR 1945-1968" wie folgt: „[...] das gesamte Bildungswesen von der Ideologie des Faschismus und von allen zum Faschismus führenden Ideologien gründlich zu säubern. Die deutsche Jugend [...] musste im Geiste einer kämpferischen Demokratie umerzogen werden. An die Stelle des barbarischen Nationalismus, der blinden Kriegsbegeisterung und des Rassenwahns musste die Parteinahme der jungen Generation für Frieden, Humanität und antifaschistischen Neuaufbau treten" (Günther/Uhlig 1969, S. 13). In den Anfängen der Umgestaltung des Bildungssystems in der SBZ wurde bereits im März 1946 die Freie Deutsche Jugend (FDJ) gegründet. Die FDJ war eine starke Anlehnung an der in der Sowjetunion existierenden Jugendorganisation der KPdSU „Komsomol"3. Die FDJ als bedeutendste Massenorganisation der DDR spielte eine große politische Rolle in der weiteren Entwicklung des Schulsystems. Deshalb wird in Punkt 6.2. noch speziell auf Strukturen und Aufgaben der Organisation der FDJ eingegangen. Ein wichtiger Punkt ist im Paragraphen 2 des „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule" festgehalten und entschied, dass die schulische Erziehung ausschließlich Angelegenheit des Staates ist. Religionsunterricht ist Aufgabe der Religionsgemeinschaften. Damit wurde die Trennung von Schule und Kirche vollzogen (vgl. Deja-Lölhöffel 1988, S. 13). Die Rolle der Neulehrer bei der Umgestaltung von Gesellschaft und Staat war ein wichtiger Bestanteil in den Anfängen des sozialistischen Bildungssystems.

3.1. Die Neulehrer in der SBZ

An den deutschen Schulen in der SBZ sollten keine, durch ihre Nazi-Vergangenheit vorbelasteten Lehrer unterrichten. Auf Grund der konsequenten Entnazifizierungsmaßnahmen durch die SMAD entstand ein erheblicher Lehrermangel. So wurden hauptsächlich aus antifaschistischen Kreisen Neulehrer gesucht, um in den Volksschulen und an den weiterführenden Bildungseinrichtungen den Unterricht so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Meist kamen sie aus der Arbeiterklasse oder der deutschen Intelligenz, waren keine studierten Pädagogen und wurden im Eilverfahren ausgebildet. Von den Neulehrern wurde ideologische Festigkeit im Sinne der SED verlangt. Noch vor der fachlichen Qualität stand die politische Qualität im Vordergrund. Für viele Neulehrer waren aber die politischen Entwicklungen und der wachsenden Einfluss der Partei ein Grund ihre Arbeit aufzugeben (vgl. Deja-Lölhöffel 1988, S.15). Viele Neulehrer der ersten Stunde waren aber noch bis in die 80iger Jahre ein wesentlicher Teil der DDR-Lehrerschaft.

3.2. Trennung von Schule und Kirche

Mit dem „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule" wurde auch die Trennung von Schule und Kirche festgelegt. Hierbei hatte der Bezug der DDR gegenüber den Kirchen und der Religion einen besonderen Anteil. Die in ihrer Ideologie marxistisch-leninistisch ausgerichtete SED in der SBZ und späteren DDR auf dem Weg zum Kommunismus wollte in diesem Sinne ein Verschwinden der Religion. Die Kirchen waren hier ein ideologischer Gegner, weil sie im marxistischen Sinn als Macht-und Unterdrückungsinstrument der herrschenden Klasse galten. Die Aufhebung der Klassenunterschiede als programmatisches Ziel wurde als gefährdet angesehen, denn eine Zielsetzung war es, den Einzelnen zu einem selbständigen Individuum reifen zu lassen, der sich aktiv in die Gesellschaft einbringt (vgl. Böhme 1979, S. 431). Hier sollte auch in der beginnenden aufbauenden Phase des Bildungswesens ein Zeichen gesetzt werden. Die Religionsfreiheit, als elementares Grund- und Menschenrecht, war in der DDR im Artikel 20 der Verfassung festgeschrieben und wurde auch formal gewährt, der Religionsunterricht an den Schulen wurde aber Ende der fünfziger Jahre gänzlich abgeschafft und verboten (vgl. Freiburg/Mahrad 1982, S. 160). Dass die Religion durch wissenschaftliche Erkenntnisse verdrängt und widerlegt werden sollte, machte sich auch in der späteren Phase des Schulsystems bemerkbar. Lehrpläne und Lehrmaterial waren ohne Bezug auf Hinweise oder Inhalt religionsbezogener Themen. Auch durch die angewiesenen und geschulten Lehrkräfte wurde diese Thematik bewusst ausgelassen, was unweigerlich ein großes Problem für unterrichtete Fächer, wie beispielsweise Geschichte oder dem späteren Staatsbürgerkundeunterricht bedeutete. Es fand im Bildungssystem keinerlei Auseinandersetzung oder Konfrontation mit der, falls vorhanden eigenen Religion bzw. mit anderen Religionen statt. Diese Sachlage erschwerte nicht nur das Verstehen geschichtlicher Zusammenhänge, es war auch größtenteils kein religiöses Wissen vorhanden. Eine Alternative zur staatlichen Pädagogik war die Christenlehre4. Hier konnte man Zugang und Verständnis für religiöse Themen erwerben und festigen. Ein weiterer Punkt für die Trennung von Kirche und Schule war die 1955 erstmals stattfindende Jugendweihe als Alternative zur Konfirmation und zur Firmung. Der staatliche Religionsunterricht wurde erst mit der Wiedervereinigung in fast allen Bundesländern der ehemaligen DDR wieder eingeführt.

[...]


1 „Eines der edelsten Ziele und eine der größten Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft ist die allseitig entwickelte Persönlichkeit [...]." erklärt in: kleines politisches Wörterbuch. Berlin 1978, S.686

2 „seit dem 13.8.1961 bestehende gesicherte Grenzanlage an der Staatsgrenze der DDR zu Westberlin." erklärt in: kleines politisches Wörterbuch Berlin 1978, S.46

3 „1918 gegründete sowjetische Staatsjugendorganisation für die 14-26jährigen (Komsomolzen), die im Sinne der KPdSU u. zur Durchsetzung ihrer Ziele in Schule, Betrieb und Gesellschaft erzogen wurden. erklärt in: Die große Bertelsmann Lexikothek, Band 8, S. 245

4 „In der DDR bezeichnet Christenlehre die dem Konfirmandenunterricht vorausgehende Unterweisung der Kinder durch den Pfarrer oder einen Katecheten." erklärt in: Die große Bertelsmann Lexikothek, Band 3, S. 192

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640932238
ISBN (Buch)
9783640932252
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173062
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,3
Schlagworte
schulsystem beschreibung analyse

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