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Scientology - Eine Jugendsekte auf dem Weg zur Weltreligion?

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Säkularisierung als Geburtsstunde Scientologys

3. Scientology, was ist das überhaupt?
3.1 Entwicklung und Organisationsstrukturen
3.2 Ziele und Lehre

4. Praxis und Methoden
4.1 Aus Neugier wird Mitgliedschaft
4.2 Verfahrensweisen
4.3 Das Produkt Scientology

5. Scientology - eine Religionsgemeinschaft?

6. Kritik

7. Fazit

8. Quellen

1. Einleitung

„ Wenn Sie für die Würde und Freiheit der Menschheit eintreten, sind Sie im Grunde Ihres Herzens ein Scientologe, auch wenn Sie es nicht dem Namen nach sind." L. Ron Hubbard

Angeregt durch eine Diskussion im Seminar „Religionssoziologie", in der meine Kommilitonen und ich uns unschlüssig darüber waren, ob Scientology denn eine Sekte sei, oder ob sie sich bereits zur Weltreligion hin etabliere, habe ich mich intensiv mit dem Thema Scientology und der Dianetik nach Lafayette Ron Hubbard beschäftigt:

In dieser Hausarbeit gehe ich zunächst kurz auf Entstehung und Erfolg von Jugendsekten wie der Scientology Kirche ein.

Anhand eines Interviews, das ich mit einer praktizierenden Scientologin und Mitarbeiterin der Scientology-Kirche führen konnte, möchte ich einen ersten Eindruck über Scientology vermitteln und einen Ausblick auf die im Verlauf der Arbeit behandelten Kapitel bieten.

Schließlich folgt eine Einführung in das Themengebiet der Scientology, in der ich die Geschichte und Entwicklung dieser Sekte aufgreife und ihre Organisationsstrukturen und Ziele beschreibe. Im Anschluss daran erläutere ich die Methoden und Lehren der Scientologen und zeige auf, durch welche Verfahrensweisen Scientology zum wirtschaftlichen Produkt gemacht wird. Anschließend beschäftige ich mich mit der Frage, was Scientology überhaupt darstellt. Eine Wissenschaft? Eine Religion? Eine Philosophie? Ob und inwiefern aus der Sekte Scientology eine Weltreligion wird oder werden kann, wird in diesem Kapitel beantwortet.

Der Begründer der Scientology-Kirche, L. Ron Hubbard, neben seiner Berufung zur Scientology auch Science Fiction Autor, machte folgende Aussage: „You don't get rich writing science fiction. If you want to get rich, you start a religion."1

Nicht nur die stark wirtschaftlich gezeichnete Ausrichtung Scientologys liefert einen Denkanstoß. Die Scientology Organisation, ihre Methoden, ihre Geschäftspraktiken und vor allem ihre Opfer und deren Schicksale werden nicht nur in Deutschland seit längerem heftig diskutiert, und geben nach Aussagen der Sekten-Gegner Anlass zu ernster Sorge. Kritik und Gefahren, die die Scientology Kirche mit sich bringt, stellen somit einen letzten Gliederungspunkt meiner Hausarbeit dar.

2. Säkularisierung als Geburtsstunde Scientologys

Seit jeher versuchen Menschen in der Religion eine Erklärung für ihre irdischen Probleme und die unerklärlichen Geschehnisse des Lebens zu finden. Viele suchen möglicherweise in ihrer Religiosität nach Sicherheit, Orientierung, Stabilität, Heil und ähnlichem. In heutigen modernen Gesellschaften, welche Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, Identitätskrisen und weitere harte Prüfungen für jeden Einzelnen mit sich bringen, blühen nach den großen Weltreligionen vor allem Sekten, sogenannte Jugendreligionen, erst richtig auf und finden viele neue Mitglieder.2

Im Gegensatz dazu aber klagen die großen christlichen Kirchen über das Verschwinden der Religiosität. Immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus und die Gottesdienste bleiben zunehmend leer. Religionen haben in modernen Gesellschaften ihre Funktionen oft an die Wissenschaft, den Staat und weitere Formen der Verweltlichung abgetreten. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Der katholischen Kirche zum Beispiel ist es bisher nicht gelungen, mit den Anforderungen der Moderne zu wachsen. Um nur zwei Beispiele zu nennen - die Verweigerung der modernen Kultur oder das konservative Verständnis von Recht, Gerechtigkeit und Demokratie.3

Die Kirchen spielen im alltäglichen Leben ihrer Mitglieder eine immer geringere Rolle. Solange die Kirche sich nicht ändert und anpasst, wird dieser Trend so weiter gehen, prophezeien Theologen. Für viele bleibt nur der Ausweg in eine neuen Religiosität einzutauchen. Sekten, wie die der Scientology Kirche, versprechen den Suchenden zum ersten mal Sicherheit, Klarheit, Sinn, Halt und vor allem Geborgenheit in ihrem Leben - etwas, das der christlichen Kirche offenbar nicht mehr so gut gelingt. Dabei stört es die Anhänger der Sekten auch nicht, für diese Versprechen ihr Leben völlig umzuwerfen, sich sozial zu isolieren, also eine kognitive Umstrukturierung zu vollziehen und tief in die eigene Tasche zu greifen.4

In gewisser Weise ist und bleibt es also nachvollziehbar, warum viele Gläubige oder Hilfesuchende weltweit nach spirituellen und religiösen Alternativen Ausschau halten und sich Sekten wie der Scientology Organisation anschließen. So findet Scientology ihre Anhänger doch in allen sozialen Schichten, Politiker, VIP's und wirtschaftliche Größen mit eingeschlossen.

3. Scientology - Was ist das überhaupt?

Im Zuge meiner Recherche habe ich ein Interview mit einer praktizierenden Scientologin und Mitarbeiterin der Scientology Kirche geführt, deren Schilderungen ich hier in verkürzter Form wiedergeben möchte:5

Frau X, seit wie vielen Jahren sind sie schon Mitglied bei Scientology, wie sind sie dazu gekommen, der Scientology Kirche beizutreten?

Ich wusste schon sehr lange von Scientology und bin bereits seit 17 Jahren Mitglied, seit 10 Jahren auch Mitarbeiterin. Meinen Einstieg habe ich über das Dianetik Buch gefunden, das mich sehr fasziniert hat. Was schätzen sie, wie viele Mitglieder Scientology in Deutschland hat?

Also ich kann es ihnen nur von Y sagen, da haben wir circa 1000 aktive Mitglieder und weitaus mehr Menschen, die nur das Buch gelesen haben, aber nicht aktiv sind. Denken sie denn es gibt einen Aufwärtstrend, was die Mitgliederzahlen von Scientology angeht?

Ja, auf jeden Fall! Ja.

Frau X, viele Menschen fassen Scientology als eine gefahrliche Sekte auf, wie sehen die eigenen Mitglieder Scientology?

Also schauen sie, Scientology ist in 22 Ländern als Religion anerkannt, in Deutschland tun sie sich sehr schwer damit - Es ist DEFINITIV eine Religion. Wenn sie die Unterlagen, die ich ihnen zusende und das Dianetik Buch lesen, werden sie das auch verstehen! Würden sie sagen man könnte Ron Hubbards Dianetik Buch auf einer gewissen Ebene mit der Bibel des Christentums vergleichen?

Nein, das ist keine Bibel, das ist auch für uns keine Bibel! Es beschreibt den menschlichen Verstand und ist Lichtjahre von der Bibel entfernt. In allen Religionen wird bestimmten Normen und sozialen Werten eine große Bedeutung zugesprochen, im Christentum zum Beispiel spielt die Nächstenliebe eine wichtige Rolle. Welche Werte verfolgen sie als Scientologin?

Also, die Aufgabe von Scientology liegt in der Verbesserung des Individuums, des einzelnen Menschen, weil man keine Massen verbessern kann. Die Verbesserung der Menschheit geschieht, indem sich jeder Einzelne selbst verbessert. Könnten sie mir denn auf die Schnelle ein paar Tipps geben, wie man aus der Sicht eines Scientologen die Zustände in seinem Leben verbessern kann? (Hier wurde mir das Glaubensbekenntnis der Scientology Kirche vorgelesen, das inhaltlich in entfernter Weise mit den zehn Geboten vergleichbar ist und den Mitgliedern Rechte und Pflichten ihres scientologischen Lebens darlegen soll.)

[...] Wenn man sich an dieses Glaubensbekenntnis und weitere Kodizes hält, ist man schon auf einem ganz guten Wege. Das Ziel ist es an die eigenen Fähigkeiten heran zu kommen, die sie zwar haben, die aber verschüttet sind und die sie rehabilitieren können.

Noch eine letzte Frage Frau X: Was sagen sie zu den Vorwürfen, dass Scientology ein Wirtschaftsunternehmen sei?

Wir bieten Bücher, Kurse, Auditing, etc. an. Das alles muss finanziert werden. Auditoren sind hoch ausgebildete, qualifizierte Personen und wir scheuen uns nicht einen Austausch in Form von Geld zu nehmen.

Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich Bezug auf die im Interview angesprochenen Punkte nehmen und das System der Scientology Organisation näher erläutern.

3.1 Entwicklung und Organisationsstrukturen

Der Begriff „Scientology" setzt sich aus dem lateinischen Wort für Wissen („scire" oder „scio") und dem griechischen Wort für die Lehre („logos") zusammen.6 Die „Lehre vom Wissen" also befasst sich nach einer Selbstauffassung von Scientology mit dem „Studium des menschlichen Geistes in seiner Beziehung zu sich selbst, zum Universum und zu anderen Leben".7

Gegründet wurde die Scientology Organisation von Lafayette Ron Hubbard, der 1911 in Tilden, Nebraska, als Sohn eines US Marine Offiziers geboren wurde und auch nach seinem Tod 1986 noch die überragende Persönlichkeit für Scientology darstellt. Die Anhänger Hubbards haben viele Legenden um ihren Gründungsvater gesponnen, wodurch es sich als schwierig gestaltet, seinen Lebenslauf wahrheitsgetreu wieder zu geben. Angeblich hat Hubbard schon in seiner Jugend geforscht und lange Reisen unternommen, in denen er fremde Kulturen und Religionen kennenlernen konnte.8 Später studierte er an der George-Washington Universität in Washington D.C., verließ diese jedoch ohne jedweden Abschluss. In den dreißiger Jahren arbeitete er in den verschiedensten Berufen und begann sich schließlich als Science-Fiction Autor zu profilieren, bevor er im zweiten Weltkrieg als Marinesoldat eingesetzt wurde.9

Nach dem Ende seiner Dienstzeit bei der Marine lernte Hubbard einiges über psychologische Betreuung, Verfahren und Konzepte kennen, woraufhin er eine eigene Methode zur Manipulation der menschlichen Psyche entwarf. Diese Methode veröffentlichte er 1950 in dem Buch „Dianetik - die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit", auf dem die komplette Scientology Organisation aufgebaut ist.10

[...]


1 Zitat aus einem Interview mit Lafayette Ron Hubbard am 07. November 1948 auf einer Science Fiction Messe in New Jersey. Siehe dazu auch: Haack, Friedrich-W. (1980): Führer und Verführte, S. 54

2 Vgl. Hillebrandt, Ingried: Der Sekten- und Psychomarkt und >>seine<< Kinder, S. 106

3 Vgl. Beinert, Wolfgang: Die spirituelle Suchbewegung unserer Zeit, S. 19f. und Funke, Klaus: „Stadt ohne Gott" oder „Stadt der vielen Götter", S. 29ff.

4 Bei Bedarf wird der digitale Interview-Mitschnitt gerne nachgereicht

5 Vgl. Wnuk-Lipinski, Jürgen v.: Neue religiöse Organisationen, S. 94

6 Hartmann, Klaudia: Scientology, S. 293

7 Vgl. Wallis, Ray: The Road to Total Freedom. A Sociological Analysis of Scientology, S. 21

8 Vgl. Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (Hrsg): Die Scientology Organisation (SO), S. 7

9 Vgl. Willms, Gerald: Scientology. Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz, S. 74f.

10 Vgl. ebenda, S. 93

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640931880
ISBN (Buch)
9783640932092
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173057
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Schlagworte
scientology eine jugendsekte weltreligion Sekte Religion

Autor

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