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Die fünf geistigen Energien der Jugendwohlfahrtsarbeit und die Sozialpädagogik in der Wohlfahrtspflege

von Rebecca Kahl (Autor) Anna Zirwes (Autor)

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Wohlfahrtsarbeit & Wohlfahrtspflege
2.1 Was versteht man unter Wohlfahrt und Wohlfahrtspflege?

3. Die fünf geistigen Energien nach Herman Nohl
3.1 Geistige Energie - was ist denn das?
3.2 Der Sozialismus als erste geistige Energie
3.3 Die innere Mission als zweite geistige Energie
3.4 DieFrauenbewegung als dritte geistige Energie
3.5 Die sozialpolitische Bewegung als ^vierte geistige Energie
3.6 Die Jugendbewegung als fünfte geistige Energie

4. Die Sozialpädagogik in der Wohlfahrtspflege
4.1 Einwirkung der Sozialpädagogik in die Wohlfahrtspflege

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung

1998, Dov Moran, der Erfinder des USB-Sticks befand sich auf dem Flug nach New York. Er arbeitete während des Flugs an einer Präsentation. Nachdem er seine Arbeit beendet hatte, verschloss er den Laptop nicht richtig, was dazu führte, dass sich die Batterie entleerte und das Gerät sich danach nicht mehr anschalten ließ. Seine Präsentation war unerreichbar und er kam zu dem Schluss, dass er seine Präsentation an einem sicheren Ort haben müsse, damit sie auf jedem Computer läuft.[1] Dov Moran befand sich in einer echten Notsituation die ihn auf eine Idee brachte. Er selbst beschreibt es so: „Ich wusste das jedes Notebook einen USB-Stöpsel hat. Ich wollte Speicherkarten wie in Digitalkameras mit dem USB-Stecker verknüpfen. Das war meine Idee. Keine Erleuchtung, sondern das Bedürfnis, ein akutes Problem zu lösen.“[2]

Genau wie Dov Moran stehen die Menschen oft vor Herausforderungen. Ob im wirtschaftlichen, sozialen oder privaten Bereich, immer wieder ergeben sich problematische Situationen oder Missstände, welche nach einer Gegenbewegung zur Lösung des Problems verlangen. Auch die Jugendwohlfahrtsarbeit mit ihren vielfältigen Wohlfahrtsorganisationen ist, ebenfalls wie die Erfindung des USB-Sticks, keine Erleuchtung, kein Ereignis das aus dem Nichts entstand. Sie ist wie Nohl es sagt: „das spannungsreiche System aller geistigen Energien“[3] bzw. Gegenbewegung.

Um verständlicher zu machen, was Nohl mit dieser Aussage gemeint hat, wird es die zentrale Aufgabe dieser Arbeit sein, die verschiedenen Antriebe, welche zur Bewältigung verschiedener Notsituationen und letztendlich zu der Entstehung der unterschiedlichen Wohlfahrtsorganisationen führte, anhand des Textes „Die geistigen Energien der Jugendwohlfahrtsarbeit“ von Herman Nohl, darzustellen.

Dazu werden im ersten Kapitel zunächst einmal die Begriffe Wohlfahrt und Wohlfahrtspflege näher erläutert, bevor im folgenden Kapitel die geistigen Energien dargestellt werden. Abschließend wird sich das letzte Kapitel mit den Einwirkungen der Sozialpädagogik auf die Wohlfahrtsarbeit beschäftigen.

2. Wohlfahrt und Freie Wohlfahrtspflege

2.1 Was versteht man unterWohlfahrt und Wohlfahrtspflege?

Laut Herman Nohl stammt das Wort Wohlfahrt aus dem 18. Jahrhundert, wo der Staat zum ersten mal mit Bewusstsein die Funktion übernahm, für die Wohlfahrt seiner Untertanen zu sorgen.“[4] „Unter Wohlfahrt ... versteht man die Deckung der Grundbedürfnisse eines Menschen und das Erreichen eines gewissen Lebensstandards.“[5]

Man kann dieses Wort als Synonym für Soziale Wohlfahrt und für Lebensqualität verwenden. Dabei bezeichnet der Begriff Soziale Wohlfahrt „das Ergebnis der Gesamtheit aller Maßnahmen, die auf wirtschaftliche Sicherheit (z.B. Altersvorsorge), Abbau von wirtschaftlichen Disparitäten und Bekämpfung von Armut ausgerichtet sind“ [6]. Das zweite Synonym, Wohlfahrt im Sinne von Lebensqualität, „umfasst neben dem Einkommen auch immaterielle Faktoren, welche das Wohlbefinden der Mitglieder einer Gesellschaft beeinflussen (z.B. Umweltqualität, Gesundheitszustand der Bevölkerung, kulturelle Leistungen)“[7]. Demnach ist Wohlfahrt der Zustand der angenehmen Befindlichkeit.

Mit Wohlfahrtspflege oder auch Sozialhilfe bezeichnet man ein soziales Sicherungssystem, welches Lücken in der sozialen Sicherung schließen soll und in Gefährdungs- und Notlagen Hilfe gewähren soll[8]. In Deutschland bezeichnet man mit diesem Begriff außerdem eine Gruppe von insgesamt sechs Dachorganisationen, die sogenannten - Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege -.

Diese sind: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Caritasverband (DCV), das Diakonische Werk, der Deutsche Paritätische

Wohlfahrtsverband (DPWV) und der Zentralverband der Juden in Deutschland. Es handelt sich hierbei um karitative Organisationen, die ihr Handeln z.B. an christlichen- (Caritas, Diakonie), humanitären- (DRK) oder politischen- (AWO) Überzeugungen orientieren. (...)[9]

Das AOK-Internet Lexikon fasst Wohlfahrtspflege treffend zusammen und schreibt: „Die Verbände der freien Wohlfahrtspflege arbeiten neben den Trägem der Sozialhilfe zur Unterstützung notleidender oder gefährdeter Menschen, z.B. durch Beratungsstellen, Sozialzentren und Heime. Gemeinsames politisches Ziel ist die Sicherung und Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit durch gemeinschaftliche Initiativen und sozialpolitische Aktivitäten. (...) Die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege haben sich in einer Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände zusammengeschlossen.“[10]

3. Die fünf geistigen Energien nach Herman Nohl

3.1 Geistige Energie - was ist denn das?

Unter dem Begriff „geistige Energie“ versteht man, im Zusammenhang mit dem Werk „Die geistigen Energien der Jugendwohlfahrtsarbeit und die Sozialpädagogik in der Wohlfahrtspflege“ von Herman Nohl, eine Bewegung gegen einen Missstand. Das heißt eine solche Energie entwickelt sich aus einer Not heraus. „Diese Not ... diktiert auch die Züge der geistigen Gegenwirkung.“[11] Handelt es sich um eine das ganze Leben umfassende Not, so wird auch die geistige Gegenwehr aus dem ganzen Leben kommen. Je vielseitiger die missliche Lage ist, desto mehr Gegenkräfte werden mobilisiert. Ziel der geistigen Energie ist es, die Notsituation zu überwinden.[12]

Nohl beschreibt in seinem Werk insgesamt fünf geistige Energien, die aus unterschiedlichen Lebensnöten entstanden sind. Sie bauen aufeinander auf und hängen miteinander zusammen. Alle im Folgenden beschriebenen Gegenkräfte (Energien) wirken sich in unterschiedlicher Weise auf die Jugendwohlfahrtsarbeit aus. Jede kommt von einem anderen Standpunkt. „Grundlage aller Gegenbewegungen ... ist die soziale und sittliche, körperliche und geistige Not, wie sie im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die Entwicklung der Industrie, der Großstädte, der Arbeits- und Wohnverhältnisse, aber auch der allgemeinen Aufklärung über die Völker hereingebrochen ist.“[13]

3.2 Der Sozialismus als erste geistige Energie

Als erste geistige Energie nennt Herman Nohl die Bewegung der Arbeiterschaft, dem Proletariat, gegen die Klassengesellschaft. Ihr Ziel war es, das gesellschaftliche Sein und somit ihr gesellschaftliches Bewusstsein durch politische Machtverschiebung, die den klassenlosen Staat herbeiführen sollte, zu ändern. Die Proletarier unter sich entwickelten in ihrer Not ein Gefühl der Verbundenheit. Es entstand eine neue Anschauung vom Recht jedes Einzelnen und ein Gemeinschaftsbewusstsein, welches der Arbeiterklasse ein ganz neues Machtgefühl verlieh.[14] Dies „war die erste geistige Energie, die nun ganz von unten herauf der Not entgegentrat“[15]. Man dachte ursprünglich, dass das gesellschaftliche Bewusstsein durch die Pädagogik nicht zu beeinflussen bzw. zu ändern sei und dass sich mit den wirtschaftlichen Verhältnissen auch die pädagogische Wirklichkeit automatisch ändere. Doch allmählich erkannte man, dass auch die Arbeiterklasse unmittelbar an der pädagogischen Aufgabe interessiert war. Die Kinder sollten durch eine Erziehung, die ganz von den gesellschaftlichen Klassen lösgelöst ist, zum Träger einer neuen Gesellschaft werden.[16] Das Hauptmittel dieser sollte „die gerechte Institution, die Gemeinschaft und die Arbeit“[17] sein. Auf Grundlage der sozialistischen Bewegung entstanden laut Nohl auch die Jugendarbeit der Kinderfreunde sowie die Gemeinschaftsschulen[18].

Diese Schulform ist für eine vollständige Zusammenführung verschiedener Schularten mit möglichst langer gemeinsamer Schulzeit (8- 10 Jahren). Eine Gruppierung in A-,B- und C-Kurse wird vermieden, stattdessen wird die Methode des offenen Unterrichts praktiziert. Die Unterschiedlichkeit der Schüler wird vorteilhaft und als lernrelevant gesehen.[19]

Die Jugendarbeit der Kinderfreunde hat als Ziel, Menschen zu einer selbstständigen Handlungsfähigkeit hinzuführen und besonders Kinder in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen[20]. In den 50er Jahren war die Idee, begabte, jedoch benachteiligte Kinder zu fördern[21]. Bei den Gemeinschaftsschulen sowie bei der Jugendarbeit der Kinderfreunde ist die Einwirkung des Sozialismus deutlich zu erkennen. Die Bewegung der Arbeiterklasse gegen die damalige Gesellschaftsform und deren Ansprüche auf Gleichheit und Gerechtigkeit sind hier prägend.

[...]


[1] vgl. Sahm 2010, In: IsreaelreportHeft 6/2010, S.5

[2] Moran, D. 2010, zit.n. Sahm 2010, In: Isreaelreport Heft 6/2010, S.5

[3] Nohl, In: Kuhlmann 2008, S. 67

[4] vgl. Nohl, In: Kuhlmann 2008, S. 76

[5] ht.tp://de.wikipedia.org/wiki/Wohlfahrt.

[6] http://www.socialinfo.ch/cgi-bin/dicopossode/show.cfm?id=742

[7] http://www.socialinfo.ch/cgi-bin/dicopossode/show.cfm?id=742

[8] vgl. Brockhaus 1993, Band 20 S. 532

[9] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Freie Wohlfahrtspflege

[10] http://www.aok-bv.de/lexikon/w/index 00060.html

[11] Nohl, In: Kuhlmann 2008, S. 67

[12] vgl. Nohl, In: Kuhlmann 2008, S. 67

[13] Nohl, In: Kuhlmann 2008, S. 67f

[14] vgl. Nohl 1965, In: Kuhlmann 2008, S. 68

[15] Nohl 1965, In: Kuhlmann 2008, S. 68

[16] vgl. Nohl 1965, In: Kuhlmann 2008, S. 68

[17] Nohl 1965 , In: Kuhlmann 2008, S. 68

[18] vgl. Nohl 1965, In: Kuhlmann 2008, S. 68

[19] http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaftsschule (Schulformt

[20] vgl. http://www.kinderfreunde.at/index.php?action=Lesen&Article Ю=2265

[21] vgl. http://www.kinderfreunde.at/index.php?action=Lesen&Article ID=2383

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640932283
ISBN (Buch)
9783640932672
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v173006
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,0
Schlagworte
energien jugendwohlfahrtsarbeit sozialpädagogik wohlfahrtspflege

Autoren

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