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Neue Investitionsmodelle auf dem deutschen Filmmarkt als Alternative zur Filmförderung

Bachelorarbeit 2009 56 Seiten

Kunst - Management, Vermarktung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichn

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitu

2. Filmförderungsanstalt (FFA)
2.1 Förderungsbereich
2.2 Förderungsrichtlinien
2.3 Finanzierung der Förderobjekte nach dem FFG
2.3.1 Produktionsförderung
2.3.2 Drehbuchförderung
2.3.3 Filmverleih Förderung
2.3.4 Filmtheater Förderung
2.3.5 Videoförderung
2.3.6 Sonstige Förderungen und weitere Aktivitäten
2.4 Marktdaten der FFA für das Jahr
2.4.1 Die Jahresrechnung 2004 bis
2.4.2 Ausgaben für Förderungsmaßnahmen
2.5 Die FFA ein wichtiger Faktor für den deutschen Filmmarkt

3. Alternative Investitionsmodelle für den Filmma
3.1 Investitionsarten
3.1.1 TV-Sender
3.1.2 Filmfonds und Private Equity
3.1.3 Presales und Minimumgarantien
3.1.4 Koproduzenten
3.1.5 Banken
3.1.6 Product Placement
3.1.7 Deutscher Filmförderfonds (DFFF)
3.2 Alternative Mittel für die Lückenfinanzierung

4. Die Filmproduktion
4.1 Produktionsunternehmen
4.1.1 Produzenten, Producer und Herstellungsleiter
4.1.2 Geschäftsmodelle
4.1.3 Kostenstruktur
4.1.4 Erlösstruktur
4.2 Der Filmmarkt
4.2.1 Filmproduktion
4.2.2 Filmverleih und Rechtehandel
4.2.3 Filmverwerter
4.2.4 Digitalisierung
4.2.5 Marktanteil deutscher Filme
4.3 Produzentenallianz
4.4 Die Situation der Filmbranche

5. Zukünftige Investitionsmodelle für den dt. Filmmark
5.1 Filmförderanstalten in Filmbanken umwandeln
5.1.1 Beispielrechnung eines Geschäftsjahres für eine Filmbank
5.1.2 Geschäftsmodell Filmbank
5.2 Liberalisierung von Product Placement
5.3 Entwicklung dt. Film-Studios durch vertikale Integration
5.4 Eigenkapitalaufbau durch Rechteübertragung an Produzenten
5.5 Die Verwertung von Filmen im Internet
5.6 Chancen und Risiken für die Zukunft

6. Zusammenfassung und Ausbli

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Logo FFA

Abb. 2: Geschäftsmodell Filmproduktion

Abb. 3: Akteure in der Filmindustrie

Abb. 4: Logo Produzentenallianz

Abb. 5: Geschäftsmodell Filmbank

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Die Jahresrechnung der FFA von 2004 bis

Tab. 2: Ausgaben für Förderungen- Förderungsmaßnahmen 2008

Tab. 3: Kinoergebnis 2008

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die deutsche Filmwirtschaft bzw. Filmproduzenten stehen bei ihren Filmfinanzierungen vor großen Herausforderungen. Neben den Fördermitteln, die ihnen bei Einhaltung bestimmter Richtlinien von Filmförderanstalten zur Verfügung gestellt werden, müssen sie ihre Verwertungsrechte an Filmverleiher, Rechtehändler und Filmverwerter weiterverkaufen, um eine Finanzierung realisieren zu können. Ein Teil i.d.R. ca. 20 % der Gesamtherstellungskosten muss von den Produzenten selbst oder durch private Investoren getragen werden. Dieses erforderliche Kapital ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche Filmfinanzierung und sehr schwer zu beschaffen oder nachhaltig zu generieren.

Das Ziel ist es, herauszufinden welche Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem bestehen und in Zukunft entwickelt werden können. Unabhängige Finanzierungen und höhere Budgets sind für die Produzenten von Hoher Relevanz, da sie dadurch in ihren unternehmerischen Handlungen, wirtschaftlich- und künstlerisch vorteilhafter agieren und neue Perspektiven für den deutschen Film schaffen können. Interviews mit Branchenkennern, in diesem Fall Filmproduzenten und Interessenvertretern sollen einen tieferen Einblick in die Produzentenwelt gewähren. Um die verschiedenen Investitionsmöglichkeiten und komplexen Prozesse auf dem Filmmarkt besser verstehen zu können, werden neben den Interviews, Fachliteratur verwendet. Um den Filmförderapparat zu durchleuchten, werden Unternehmensschriften und wenige ergänzende Informationen aus dem Internet hinzugezogen.

Im Vordergrund steht der Lösungsansatz um Finanzierungslücken zu schließen, oder eine Gesamtfinanzierung von Filmen zu ermöglichen. Das Streben nach neuen Investitionsmodellen für den deutschen Filmmarkt und neu konstruierte Geschäftsmodelle, sollen Lösungsansätze liefern. Die Möglichkeiten die sich aus unternehmerischer- und politischer Sicht ergeben könnten, um Filme besser finanzieren und verwerten zu können und die vorherrschende Digitalisierung, sollen einen Blick in die Zukunft des deutschen Films gewähren.

2. Filmförderungsanstalt (FFA)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Filmförderungen sind in Deutschland nicht wegzudenken. Ohne Förderungen würde es keine europäischen Kinofilmproduktionen geben. In Deutschland bestehen autonom handelnde, meist Bundesland bezogene Film- und Medienförderanstalten. Diese verfügen über unterschiedliche Richtlinien und Budgets (Fördermittel).[1] Im folgendem wird der größte nationale Filmförderer, die Filmförderanstalt (FFA) mit Sitz in Berlin erläutert.

Abb. 1: Logo FFA (Quelle: FFA [2009])

„Die FFA ist eine rechtsfähige Bundesanstalt des öffentlichen Rechts. Sie nahm ihre Arbeit im Jahre 1968 auf. Ihre Geschäftstätigkeiten beruhen auf der Grundlage des Gesetzes über Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films. Das novellierte Filmfördergesetz (FFG) wurde am 22. Dezember 2003 vom deutschen Bundestag verabschiedet und trat zum 01. Januar 2004 in Kraft“.[2]

„Die FFA „(…) hat die Aufgabe, Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films und zur Verbesserung der Struktur der deutschen Filmwirtschaft zu initiieren und zu unterstützen. Dabei sind die gesamtwirtschaftlichen Belange zu beachten. Darüber hinaus gilt es, die Grundlagen für die Verbreitung und marktgerechte Auswertung des deutschen Films im Inland und seine wirtschaftliche und kulturelle Position im Ausland zu verbessern. Auch hat die FFA auf eine Abstimmung und Koordinierung des Bundes und der Länder hinzuwirken. Die FFA erstellt jährlich einen Geschäftsbericht, der vom Verwaltungsrat zu genehmigen ist. Gleichzeitig erstellt sie einen jährlichen Förderungsbericht, den sie ihrer Rechtsaufsicht, dem Beauftragten für Kultur und Medien, vorzulegen hat. Um eine umfassende Information aus einer Hand zu gewährleisten, legt die FFA nach Maßnahme des Verwaltungsrates des Geschäfts- und den Förderungsbericht gemeinsam vor“.[3]

„Der Vorstand (…) führt die Geschäfte der FFA in eigener Verantwortung. Die FFA beschäftigt 43 Mitarbeiter. Über alle Grundsätzlichen Fragen, die zum Aufgabenbereich der FFA gehören, beschließt der aus 33 Mitgliedern bestehende Verwaltungsrat. Seine Mitglieder werden für fünf Jahre vom deutschen Bundestag, vom Bundesrat, von der für Kultur und Medien zuständigen obersten Bundesbehörde, von den Verbänden der Film- und Videowirtschaft, von den öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sendern, den Gewerkschaften und den Kirchen benannt. Das Präsidium besteht aus neun Mitgliedern des Verwaltungsrates. Es überwacht die Tätigkeit des Vorstandes. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates ist gleichzeitig Vorsitzender des Präsidiums“.[4]

2.1 Förderungsbereiche

Die Förderungen durchzogen einen Wandel und integrierten Wirtschafts- und Standortförderung als eine ihrer Aufgaben. Die Förderungsmodelle ermöglichen ambitionierte Großvorhaben massiv zu unterstützen. So wurde es möglich ganze Produktionslandschaften (z.B. Köln) entstehen zu lassen. Wenn man einen Blick auf die regionale Herkunft der Kinofilme wirft, wird deutlich dass innovative, aktive Förderungen in bestimmten Regionen tätig sind. Besonders zu nennen sind die Filmstiftung NRW und der „FilmFernsehFond Bayern“. Durch die fließenden Fördergelder werden zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen, wie an dem größten Produktionsstandort Köln zu erkennen ist.[5]

Die Förderungsbereiche sind aus vier Dimensionen zu betrachten:

1. Förderungsarten

- Referenzmittel die nicht zurückgezahlt werden müssen
- Rückzahlbare Förderdarlehen
- Nicht rückzahlbare Zuschüsse

2. Territorial unterschiedliche Förderungen

- International (EU)
- National (Bundesförderung)
- Regional (Länderförderung)

3. Auswertungsart

- Kinofilm
- Fernsehen
- Video/DVD
- Verleih
- Kinotheaterförderung

4. Förderobjekte

- Die Drehbuchentwicklung (Drehbuchförderung)
- Die Filmtheater (Kinosäle)
- Die Produktion (pre production bis post production)
- Verleih- und Vertriebsförderung
- Videothekenförderung
- Fernsehprojekte
- Filmberufliche Fortbildungen/Innovative Forschungsförderung

Filmförderungen sind staatliche Institutionen und orientieren sich an normierte Verwaltungsverfahren, die auf Antrag tätig werden. Besondere Richtlinien und Ausschlussfristen sind zu beachten. Die Fördergelder werden generell nur als Darlehen gewährt. Förderungen sollten in der Regel zurückgeführt werden, was in der Praxis weniger der Fall ist, da die zu erwartenden Erlöse meist nicht für eine komplette Rückführung der Fördermittel ausreichen. Die Kunstfertigkeit der Filmschaffenden liegt darin, die Rechte und Rückzahlungsflüsse der Förderungen, der Koproduzenten und anderen Beteiligten so aufzubauen, dass Rückzahlungsräume bestehen bleiben.[6]

2.2 Förderungsrichtlinien

Die FFA handelt auf der Grundlage des Filmförderungsgesetztes (FFG). Eine Produktion wird nach einer Gremienentscheidung gefördert. Dem Gremium steht ein Beurteilungsspielraum zu, welcher in der Regel rechtlich kaum angezweifelt werden kann. Nur bei nachweislicher Willkür, sachfremder Erwägung oder Nichtberücksichtigung erheblicher Entscheidungsgrundlagen, könnte eine Anfechtung erfolgen. Ein gerichtliches Vorgehen gegen die FFA wird stets negativ ausfallen und ist nicht lohnenswert.[7]

Die Fördermittel betrachtet man als zweckgebundenes Darlehen die im Falle einer erfolgreichen Auswertung des Films bzw. Förderobjektes rückzahlbar sind. Ein Film muss programmfüllend sein (mind. 79 Minuten) und bei Kinderfilmen (mind. 59 Minuten). Das Produktionsunternehmen muss seinen Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben. Die Endfassung eines Films muss in deutscher Sprache hergestellt werden.

70 % der Aufnahmen müssen in Deutschland produziert werden, in Ausnahmefällen bedarf es einer Sondergenehmigung. Der ausführende Regisseur muss Staatsbürger eines EU-Landes sein, Ausnahmegenehmigungen müssen vorab eingeholt werden. Die Kopien müssen in Deutschland gezogen und der Schlusskostenstand muss 6 Monate nach Fertigstellung der Nullkopie bei der FFA vorgelegt werden.

Im Abspann ist die FFA zu nennen. Den Eigenanteil von 15 % der Gesamtproduktions- bzw. Herstellungskosten muss das Produktionsunternehmen tragen können. Dieser Eigenanteil kann durch Eigenmittel oder der Gage des Produktionsleiters, Herstellungsleiter etc., welche in dem Herstellungskostenplan aufgeführt ist, eingebracht werden. Eine Ein-Mann GmbH kann nur eine Tätigkeit verrechnen. Die ersten zwei Filme eines Produktionsunternehmens können Ausnahmen beantragen. Damit eine Bewilligung nicht versagt, muss das Stammkapital einer GmbH mind. 100.000 Euro betragen. Dies stellt eine hohe Hürde für kleinere Produktionsunternehmen dar und zugleich bildet es Markteintrittsbarrieren für neue Unternehmen, die in den Markt eintreten möchten. Binnen sechs Monaten ist die ordnungsgemäße Produktion bei der FFA nachzuweisen. Internationale Koproduktionen können nur dann gefördert werden, wenn die deutsche Beteiligung keine Minderheit darstellt.

Auszahlungsschlüssel der Fördergelder (Prozentangaben beziehen sich auf die Gesamtfördersumme eines Projektes) :

- 25 % bei Projektbeginn
- 59 % während der Dreharbeiten
- 16 % bei Rohschnittbesichtigung[8]

Diese Auszahlungsperioden sind variabel gestaltbar. In Ausnahmefällen hat die FFA einen Ermessensspielraum, wenn der vorzulegende Finanzierungsplan (Cashflow) ausweisen kann, das bestimmte Mittel früher erforderlich sind.

Die FFA verlangt einen Antrag in zwölf Ausfertigungen, mit zwölf anhängigen Exemplaren des Drehbuchs und zwölf Ausfertigungen sämtlicher relevanter Unterlagen. Ein Kalkulationsplan, Stablisten, Besetzungslisten, Nachweis der erworbenen Rechte, Drehbeginn, Drehplan und die Angabe bei welchen Förderinstitutionen das Drehbuch bereits vorlag, sowie eine Darstellung des Eigenanteils sind der FFA zu erbringen. Diese Unterlagen müssen spätestens drei Wochen vor Drehbeginn bei der FFA vorliegen. Beantragungstermine sind wie für die Referenzförderung, der 31.01, 30.04, 31.08 und 30.11 eines Jahres. Die Fördergelder sind zurückzuzahlen, sobald die Erträge 20 % der von der FFA anerkannten Herstellungskosten übersteigen. Diese Pflicht ist nach 10 Jahren verjährt.

Kurzfilme und Drehbuchautoren können unter denselben Bedingungen gefördert werden. Jedoch liegt hierbei die maximale Förderung bei 15.000 Euro, in Ausnahmefällen bis zu 50.000 Euro. Desweiteren besteht für Verleih- und Vertriebsunternehmen die Möglichkeit eine Absatzförderung zu beantragen. Die Förderhöhe beträgt 125.000 Euro bis max. 250.000 Euro und ist bedingt aus den Netto-Erträgen des Verleihers rückzahlbar. Hierbei sind jedoch die auswertungssperren zu berücksichtigen (6 Monate Video/DVD, 3 Jahre TV). Filmabspielförderungen können von Kinobetreibern beantragt werden (2.500 Euro bis 25.000 Euro). Auch Videotheken Förderungen zwischen 30.000 Euro und 60.000 Euro sind möglich. Zusätzliche Filmkopien können ebenfalls von der FFA gefördert werden.[9]

2.3 Finanzierung der Förderobjekte nach dem FFG

Die FFA verfügt jährlich über einen Etat von rund 76 Mio. Euro. Diese Gelder fließen aus der Filmwirtschaft in den Fördertopf der FFA, die somit eine solide Förderung gewährleisten kann. Sogenannte Filmabgaben von Filmtheaterbetreibern und Videoprogrammanbietern bilden diese Fördermittel. Kinosäle steuern, sofern ihre Nettoumsätze 75.000 Euro überschreiten, zwischen 1,8 % und 3 % ihres Jahresnettoumsatzes als Filmabgabe der FFA zu. Bei den Videoprogrammanbietern beträgt die Filmabgabe zwischen 1,8 % und 2,3 % ihres Jahresnettoumsatzes. Diese Filmabgaben werden als wirtschaftsverwaltungsrechtliche Ausgleichsabgaben definiert, die als Selbsthilfemaßnahme der Film- und Videolandschaft zu betrachten sind. Die FFA verfügt nicht über Steuermittel. Desweiteren beteiligen sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sowie die privaten Fernsehsender aufgrund von Abkommen mit der FFA, an Finanzierungs- bzw. Förderungsmaßnahmen.[10] Die gesetzlichen Grundlagen der Filmabgaben sind in den §§ 66 bis 67 b FFG geregelt.

Die Aufteilung der zur Verfügung stehenden Mittel für die einzelnen Förderobjekte erfolgt laut § 68 FFG wie folgt:

1. 37 % für die Referenzfilmförderung
2. 8,5 % für die Projektfilmförderung
3. 2 % für die Förderung des Kurzfilms
4. 3 % für die Förderung von Drehbücher
5. 25,5 % für die Förderung von Filmtheater
6. 10 % für die Referenzförderung von Filmverleihern und Vertriebsunternehmen, davon mindestens 1/4 für die Förderung des Auslandsvertriebs
7. 12,5 % für die Projektförderung von Filmverleihern und Vertriebsunternehmen, davon mindestens 1/4 für die Förderung des Auslandsvertriebs
8. 1,5 % für die Förderung der Weiterbildung und sonstige Maßnahmen[11]

2.3.1 Produktionsförderung

Die Produktionsförderung ist ein Fördermodell für Filme mit einer Spiellänge von mind. 79 Minuten, bei Kinderfilmen von mind. 59 Minuten. Hierbei sind zwei Prinzipien zu beachten: zum einen die automatische Förderung nach dem Referenzprinzip und zum anderen die selektive Förderung nach dem Projektprinzip. Die gesetzlichen Grundlagen der Produktionsförderung sind in den §§ 32 bis 46 FFG geregelt.

Das Referenzprinzip ermöglicht Zuschüsse (Fördermittel) für neue Projekte von Produzenten. Wenn ein Hersteller/Produzent mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland, der einen inländischen Film produziert (Ausländische Gemeinschaftsproduktion ebenfalls gültig) und innerhalb eines Jahres nach der Premiere 150.000 Referenzpunkte erreicht, hat dieser Anspruch auf die Zuschüsse von der FFA. Die sogenannten Referenzpunkte setzten sich aus dem Zuschauererfolg und dem allgemeinen Erfolg eines Films bei international bedeutsamen Festivals und den dort erworbenen Preisen zusammen. Der Film darf jedoch die Besucherzahl von 50.000 nicht unterschreiten. Erhält ein Referenzfilm ein Prädikat der Filmbewertungsstelle Wiesbaden, beträgt die relevante Referenzpunktzahl, um Anspruch auf die Zuschüsse zu erhalten nur 100.000.[12]

Das Projektprinzip ermöglicht eine Förderung von 250.000 Euro, im Einzelfall sogar bis zu einer Millionen Euro, die als zinslos bedingt rückzahlbares Darlehen dem Produzenten zur Verfügung gestellt werden. Einen Eigenanteil in Höhe von mind. 15 % der Gesamtherstellungskosten sind vom Produzenten erforderlich. Die Rückzahlung beginnt in der Regel mit 10 % der Beträge, welche nach Abdeckung von 20 % der anerkannten Herstellungskosten aus der Verwertung des Films in Form von Erlösen generiert wurden. Um eine Projektfilmförderung zu erhalten muss ein Produzent einen Antrag stellen, welcher nach Überprüfung des Drehbuchs, der Kalkulation, dem Finanzierungsplan, der Stab- und Besetzungslisten und eventuellen Auswertungsverträgen einen Film erwarten lässt, der die Qualität und Wirtschaftlichkeit des deutschen Films verbessert.

Die Vergabekommission der FFA, bestehend aus elf Mitgliedern, entscheidet dann über eine Eignung.[13]

2.3.2 Drehbuchförderung

Drehbücher für programmfüllende Filme können Zuschüsse bis zu 25.000 Euro, in Ausnahmefällen bis zu 50.000 Euro erhalten. Für eine Weiterentwicklung eines Drehbuches werden max. 50.000 Euro gewährt. Die Entscheidungen treffen hierbei eine Unterkommission der FFA bestehend aus fünf Mitgliedern.[14] Die gesetzlichen Grundlagen der Drehbuchförderung sind in den §§ 47 bis 52 FFG geregelt.

2.3.3 Filmverleih Förderung

Ähnlich wie bei der Produktionsförderung wird hier zwischen einer automatischen Förderung nach dem Referenzprinzip oder der selektiven Förderung nach dem Projektprinzip unterschieden. Die gesetzlichen Grundlagen der Filmverleih- bzw. Filmabsatz Förderung sind in den §§ 53, 53 a, 54 und 55 FFG geregelt.

Das Referenzprinzip bei der Filmverleih Förderung ermöglicht Verleihern mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland oder einem EU-Land, für deutsche Filme eine Förderhilfe (Zuschüsse) für den Verleih neuer Filme zu erhalten. Ebenso wie bei der Produktionsförderung entscheiden Referenzpunkte über eine Bewilligung seitens der FFA. Die Erreichung von 100.000 Referenzpunkten innerhalb eines Jahres nach Premiere des Films muss gewährleitet sein. Auch hier setzten sich die Referenzpunkte aus dem Zuschauererfolg und dem allgemeinen Erfolg eines Films bei international bedeutsamen Festivals und den dort erworbenen Preisen zusammen. Allerdings werden hier höchstens 600.000 Besucher und max. 1,2 Mio. Referenzpunkte für eine Förderhilfe berücksichtigt. Die zur Verfügung stehenden Referenzabsatz- bzw. Filmverleih Förderungsmittel werden unter den berechtigten Verleihern nach dem Verhältnis, in dem die Referenzpunkte der einzelnen Filme zueinander stehen, verteilt.

Die Förderung nach dem Projektprinzip ermöglicht zinslose Darlehen zwischen 150.000 Euro und 600.000 Euro und Zuschüssen bis zu 100.000 Euro, die den Verleihern oder Vertreibern von Filmen gewährt werden. Über die Vergabe dieser Förderungsmaßnahmen entscheidet eine aus fünf Mitgliedern bestehende Unterkommission der FFA.[15]

2.3.4 Filmtheater Förderung

Filmtheaterbetreibern, sofern sie Filmabgaben zahlen oder gezahlt haben, stehen seit 1968 errechnete Zuschuss Förderungen zu. Dabei werden Gelder nach dem Referenzprinzip gewährt. Desweiteren besteht eine Förderung nach dem Projektprinzip, welches Filmtheaterbetreibern Modernisierungs- und Verbesserungs-, sowie Neuerrichtungsmaßnahmen an ihren Filmtheatern ermöglicht. Wenn dadurch Strukturverbesserungen nachgewiesen werden, können zinslose Darlehen, welche auch bedingt rückzahlbar sind, bis zu 200.000 Euro und bei besonderen Vorhaben mit gerechtfertigten Kosten sogar bis zu 300.000 Euro gewährt werden. Daneben werden Förderungshilfen für innovative Maßnahmen oder Kooperationen im Bereich von Filmtheatern gewährt.

Eine Zusatzkopien Förderung für Filmkopien, kann für in- und ausländische Filme gewährt werden, wenn diese in Orten mit mind. 20.000 Einwohnern und eine Gesamtbesucherzahl des Films von mehr als 1,5 Millionen erwarten lassen. Über die Filmtheater Förderungen entscheidet eine aus fünf Mitgliedern bestehende Unterkommission der FFA.[16] Die gesetzlichen Grundlagen für die Filmtheater Förderung sind in den §§ 56 bis 58 FFG geregelt.

2.3.5 Videoförderung

Bei dieser Art der Förderung werden zwei Kategorien unterschieden: zum einen die Förderung von Videotheken und zum anderen die Förderung von Videoprogrammanbietern. Die gesetzlichen Grundlagen der Videoförderung sind in den §§ 56 a bis 58 FFG geregelt.

Bei der Videothekenförderung können für Modernisierungs-, Verbesserungs-, sowie Neuerrichtungsmaßnahmen, wenn diese zur Strukturverbesserung beitragen, zinslos bedingt rückzahlbare Darlehen bis zu 50.000 Euro und bei besonderen Vorhaben bei denen die Kosten gerechtfertigt sind, sogar bis zu 100.000 Euro mit eine Laufzeit bis zu 10 Jahren gewährt werden. Bei Maßnahmen zur Verwirklichung eines für Kinder und Jugendliche besonders geeignetem Angebots seitens der Videothekenbetreiber, sowie innovativen Maßnahmen, werden Darlehen in ähnlichen Höhen wie bei s.o. Modernisierungsmaßnahmen usw., zur Verfügung gestellt. Bei einer kooperativen Zusammenarbeit von Familienvideotheken werden Zuschüsse bis zu 25.000 Euro bewilligt. Bei Beratungsmaßnahmen von Videotheken können Zuschüsse bis max. 2.500 Euro gewährt werden.

Bei der Förderung von Videoprogrammanbietern handelt es sich um Förderungshilfen für Home-Entertainment-Firmen mit Sitz in Deutschland. Diese werden für den Absatz von, mit deutschen Filmen bespielten Bildträgern, insbesondere zur Abdeckung von Veröffentlichungskosten, für außergewöhnliche Werbemaßnahmen oder zur Herstellung von Fremdsprachenfassungen gewährt. Diese zinslosen, in der Regel bedingt rückzahlbaren Darlehen, variieren zwischen 150.000 Euro und 600.000 Euro. Eine aus fünf Mitgliedern bestehende Unterkommission der FFA entscheidet hier über die zu bewilligenden Projekte.[17]

2.3.6 Sonstige Förderungen und weitere Aktivitäten

Die FFA investiert 1,5 % ihres Gesamtetats für die Förderung von filmberuflicher Fortbildung. Dies beinhaltet Weiterbildungen des künstlerischen, technischen und kaufmännischen Nachwuchses. Unter anderem werden auch Investitionen im Bereich der Forschungs-, Rationalisierungs- und Innovationsmaßnahmen getätigt. Finanzierungen von Werbemaßnahmen für den deutschen Film im In- und Ausland sind ebenfalls im Förderplan der FFA vorgesehen. Die Gesetzlichen Grundlagen der sonstigen Förderungen sind in den §§ 59 bis 65 FFG geregelt.

Neben den Förderprogrammen führt die FFA die Abwicklung der vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Filmprojekte durch. Die FFA stellt die deutsche Vertretung im Eurimages Board of Management, die für eine europaweite Herstellung von Spiel- und Dokumentarfilmen, sowie Zeichentrickfilmen, die aus Koproduktionen zwischen mindestens zwei EU-Mitgliedstaaten bestehen, bekannt sind. Seit 2001 ist die FFA für die Abwicklung des Deutsch-Französischen Förderabkommens verantwortlich. Als Gesellschafterin der German Films Service + Marketing GmbH, die für das nationale Informations- und Beratungszentrum für den weltweiten Export deutscher Filme verantwortlich sind und der Vision Kino gGmbH, das ein Netzwerkunternehmen für Film- und Medienkompetenz darstellt, beteiligt sich die FFA an der Finanzierung in erheblichem Maße. Seit dem 01. Januar 2007 hat die FFA die Durchführung für den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) übernommen. Dieses von der Bundesregierung installierte neue Filmfördermodell bezuschusst den deutschen Film jährlich mit 60 Mio. Euro.[18]

2.4 Marktdaten der FFA für das Jahr 2008

Im Jahr 2008 wurden 129,4 Mio. Kinofilm Besucher und damit 4 Mio. mehr als im Vorjahr registriert. Dies stellte mit einem Gesamtumsatz von 794,7 Mio. Euro ein Umsatzwachstum von 4,9 % dar. Ein neuer Höchststand bei den realisierten Koproduktionen ist ein weiteres Indiz für die positive Bilanz der deutschen Filmwirtschaft. Im Jahr 2008 standen der FFA insgesamt 62,4 Mio. Euro und damit 4,7 Mio. Euro mehr als im Vorjahr, für Fördermaßnahmen zur Verfügung. Einen entscheidenden Anteil an dieser positiven Entwicklung hatte der deutsche Film mit einem Marktanteil von 26,6 %, der damit seit 1991 einen neuen Rekord verbuchen konnte. Insgesamt lösten 33,9 Mio. Besucher ihre Kinokarte für einen deutschen Film ein. Elf deutsche Filme erreichten sogar eine Besucherzahl von über 1 Mio. und stellten damit einen weiteren Rekord auf.[19]

2.4.1 Die Jahresrechnung 2004 bis 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im folgendem werden die Einnahmen und Ausgaben der FFA aus den Jahren 2004 bis 2008 dargestellt. Dies ist insbesondere für die Nachvollziehbarkeit der Fördermittel relevant. Somit kann entnommen werden, wie sich diese Fördermittel zusammensetzen und wofür sie verwendet werden.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Die Jahresrechnung der FFA von 2004 bis 2008

(Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Geschäftsbericht FFA [2008], S. 12).

2.4.2 Ausgaben für Förderungsmaßnahmen 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der folgenden Tabelle wird detailliert dargestellt welche Förderungsquellen, in welcher Höhe, Förderungsmaßnahmen für die jeweiligen Förderungsbereiche im Jahr 2008, getroffen wurden.[21]

[...]


[1] Vgl. Jacobshagen [2008], S. 81.

[2] Geschäftsbericht FFA [2008], S. 6.

[3] Geschäftsbericht FFA [2008], S. 4.

[4] FFA [2009].

[5] Vgl. Jacobshagen [2008], S. 81f.

[6] Vgl. Jacobshagen [2008], S. 82f.

[7] Vgl. Jacobshagen [2008], S. 104.

[8] Vgl. Jacobshagen [2008], S. 105.

[9] Vgl. Jacobshagen [2008], S. 106.

[10] Vgl. FFA [2009].

[11] Vgl. § 68 Abs. 1 FFG.

[12] Vgl. FFA [2009].

[13] Vgl. FFA [2009].

[14] Vgl. FFA [2009].

[15] Vgl. FFA [2009].

[16] Vgl. FFA [2009].

[17] Vgl. FFA [2009].

[18] Vgl. FFA [2009].

[19] Vgl. Geschäftsbericht FFA [2008], S. 11.

[20] Eigene Darstellung in Anlehnung an Tab. 1.

[21] Eigene Darstellung in Anlehnung an Tab. 2.

Details

Seiten
56
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640933709
ISBN (Buch)
9783640933686
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172982
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln – Media Management
Note
1,3
Schlagworte
Media Management BWL VWL Filmfinanzierung Filmproduktion Filmförderung Filmförderanstalten Filmproduzentenverband Filmproduzenten Private Equity

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