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Geschichte in der Lebenswelt als Darstellung im Comic

von Anna Kiesbauer (Autor)

Hausarbeit 2001 16 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I ) Einleitung und Begriffsdefinition

II ) Lebenswelt im Comic
II.1.) Comics und deren Wirkung
II.2.) Kurze Inhaltsangabe des Comics:Ein Interview mit George Washington“
II.3.) Inwieweit entsprechen die in den Comic betont auffällig oder nebensächlich eingebauten Fakten der historischen Wirklichkeit?
II.4.) Zum erziehungswissenschaftlichen Aspekt von
Geschichte im Comic
II.5.) Wie läßt sich der Comic in den Geschichtsunterricht einbetten?
II.6.) Das diesbezügliche Angebot in den Lehrbüchern

III ) Schluß

IV ) Literaturverzeichnis

I ) Einleitung und Begriffsdefinition

Geschichte, die begrifflich auf das althochdeutsche „Ereignis/Geschehnis“ zurückzuverfolgen ist, ist heute im Jahre 2001 mit Geschehnissen überfüllt und dem Bersten nahe. Um diese Fülle an Ereignissen (res gestae) und Gegenständen an einer unverrückbaren Stelle lokalisieren und in die objektive Zeit, in welcher sie sich befinden, einbetten zu können, muß ein inneres Zeitbewußtsein, von dem Husserl spricht[1], meiner Meinung nach erst entwickelt werden. Edmund Husserl (1859-1938), der diese Theorie in die philosophische Richtung der Phänomenologie plazierte und begründete, stellt das Gegenwartsbewußtsein als Basis dar. Dieses verkörpert das aktuelle Jetzt der Empfindung,[2] denn das Gegenwarts bewußtsein ist der Ort aller Vergegenwärtigung vergangener und zukünftiger Erlebnisse. Daher sehe ich es als eine unumgängliche Aufgabe an, als Lehrer grundsätzlich die Schüler zur Sinngebung von historischen Prozessen zu führen, so daß sie Schlußfolgerungen und Deutungen vornehmen können, die von Vergangenem auf die gegenwärtige politische Lage und auf des Schülers eigenes Lebensumfeld übertragen werden. So wird die Institution Geschichts-Unterricht unweigerlich mit dem Begriff „Lebenswelt“ konfrontiert. Dieses nicht nur auf der Ebene der Deutung historischer Prozesse für die Gegenwart, sondern auch als Identifikationserleichterung und –angebot für die Schüler. So können sie einerseits den Verlauf historischer Prozesse leichter nachvollziehen, zum anderen bietet sich die Dimension "Lebenswelt" als Motivation und Einstieg zur Problematik der im Unterricht behandelten Themen an.

Doch zunächst möchte ich Lebenswelt definieren. Aus der Philosophie hergeleitet, bezeichnet sie zusammenfassend alle Formen vorwissenschaftlicher Welterfahrung. „Lebenswelt ist die konkrete Umwelt, auf die jeder Mensch durch Tun und Leiden bezogen ist.“[3] Sie ist also metaphorisch ausgedrückt, die Begleiterin der Schüler, die ohne fachspezifische Vorkenntnisse als Neulinge (beispielsweise in der 6. Klasse/ Bayern:5.Kl.) in den Geschichtsunterricht eintreten. Lebenswelt ist aber auch, für den Lehrer, die Basis zur Verknüpfung von Assoziationen und der Formung eines Geschichtsbewußtseins bei den Schülern. Das Geschichtsbewußtsein oder historische Bewußtsein wiederum umfaßt die Gesamtheit der Erfahrungen und Erlebnisse geschichtlicher Gegebenheiten, die die einzelnen Inhalte ordnet und zu einem Geschichtsbild strukturiert. Somit ermöglicht es den Menschen, wie Savigny (1779-1861) schon sagte, den „individuellen Zusammenhang mit dem Ganzen der Welt und ihrer Geschichte“[4] zu erkennen. Das Ergebnis ist die Herausbildung eines Geschichtsbildes aus der Summe der im Geschichtsbewußtsein geformten Vorstellungen vom Lauf der Geschichte und der Stellung des Individuums in ihr.[5]

In Ableitung dessen, lernen die Schüler im Geschichtsunterricht auch auf verschiedene Perspektiven zu achten. Multiperspektivisch studieren sie die Sichtweisen unterschiedlicher Persönlichkeiten zu einem Spezialfall. Die Schüler lernen auch die Kontroversität, also die unterschiedlichen Positionen von Historikern herauszuarbeiten.

Auf diese Weise hilft historisches Lernen[6], Schüler zu öffnen für Diskurse zwischen unterschiedlichen Positionen, und sie für ein differenziertes Demokratie-Verständnis zu sensibilisieren.

II ) Lebenswelt im Comic

II. 1.) Comics und deren Wirkung

Geschichte begegnet uns in der Lebenswelt in ganz unterschiedlicher Form und überall, als Quellen, Überreste, aber auch als Normen und Traditionen. Wir finden sie in historischen Sachbüchern oder TV-Dokumenten, also im Bildungsbereich. Auf Geschichte treffen wir aber auch im Erlebnisbereich, die Sparte reicht von Reisen bis zu Postkarten. Schließlich berührt sie uns im Trivialbereich in Form von historischen Trivial-Romanen, politischem Kabarett, Werbung bis hin zu Comics. Ein solches habe ich gewählt, um Geschichte in der Lebenswelt näher zu veranschaulichen.

Comics, die 1745 zunächst ohne Sprechblasen entstanden[7], erfreuten sich schnell großer Beliebtheit. Trotz des Vorwurfs, sie würden die bildliche Vorstellungskraft einschränken und aufgrund des geringen Wortschatzes auf die Leser verdummend wirken, sind die Leser -dem entgegengesetzt- zum Mitdenken gezwungen. Sie müssen Operationen, wie Verknüpfen, Begründen und logisches Denken ausführen. Zudem enthalten moderne Comics einen sehr umfangreichen Wortschatz (s. gewählter Comic).

Historische Comics zeichnen sich nicht nur durch das Angebot an historisch verbürgtem Wissen aus, sondern bedienen auch die Erfahrungsdimension[8] in Bezug auf Sinnlichkeit und Emotionalität. Auffällig beim Comic ist die Hervorhebung einer beteiligten Person, an der das Hauptgeschehen festgemacht wird. Es ist in diesem Fall die den Schülern vertraute Figur Micky Maus alias Thomas Jefferson. Obwohl sie als ein fiktives Mittel zur Darstellung eines umfangreichen realen historischen Prozesses genutzt wird, ist diese Art von Personalisierung äußerst wichtig. Personalisierung, nach Bergmann, meint die Form der Wirklichkeitserfassung, die als das Resultat des Handelns weniger Einzelpersonen verstanden wird.[9] Diese Vermittlungsart beeinflußt das politische und historische Bewußtsein erheblich.

In Bezug auf den gewählten Comic möchte ich zu Bergmanns These Distanz beziehen, wenn er meint, daß Personalisierung den Schülern die Erkenntnis eigener Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten erschwert[10]. Zu Beginn der Narration wird die Maus-Figur als ein aus dem alltäglichen Familienverband herausgelöster junger Mensch eingeführt und als aus „normalen“ Verhältnissen stammend, d.h. aus keiner hohen sozialen Schicht/nicht in die Politik hineingeboren, sondern von „der Basis/unten“ stammend, dem Leser bekannt gemacht. Die Schüler empfinden Sympathie und erkennen sich teilweise in dieser Figur. Sie gewinnen die Einsicht, daß man auch als „kleiner Mann“ politisch etwas bewegen kann. Somit ist den Schülern ein Identifikations-, Erfahrungs- und Lernobjekt gegeben.

[...]


[1] Kunzmann, Burkhard, Wiedmann: Dtv-Atlas Philosophie. München 1998. S.196ff.

[2] Kern, Iso (Hg.): Edmund Husserl. Grundprobleme der Phänomenologie 1910/11. Hamburg 1992. S.119ff. und Janssen, Paul (Hg.): Edmund Husserl. Idee der Phänomenologie. Hamburg 1986. S.67ff.

[3] Kwiatkowski, Gerhard u.a. (Hg.): Schülerduden. Die Philosophie.Mannheim-Wien-Zürich 1985. S.245.

[4] Bayer, Erich (Hg.): Wörterbuch zur Geschichte. Stuttgart1980. S.180.

[5] Ebenda, S. 181.

[6] Huhn, Jochen: Historische Identität als Dimension des Geschichtsbewußtseins. S.31. In: Uffelmann u.a.: Problemorientierter Geschichtsunterricht. Grundlegung und Konkretion.Villingen-Schwenningen1990.

[7] Pandel, Hans-Jürgen: Comicliteratur und Geschichte.S.18ff. In: Henke-Bockschatz u.a.: Geschichte lernen, Heft 37. Velber 1994. und Boueke u.a.: Lesarten 9, Arbeitsbuch. Düsseldorf 1974. S.14. Aufgrund leichter Differenzen im Verständnis vom „ersten“ Comic u. den somit unterschiedlichen Angaben der Entstehungszeit, ist diese Jahreszahl als „gemeinsamer Nenner“ von mir herausfiltriert worden.

[8] Pandel. Comicliteratur. S.23 .

[9] Bergmann, Klaus: Personalisierung, Personifizierung. In: Mayer, Ulrich u.a. (Hg.): Geschichtsdidaktik. Bd.2.Beiträge zu einer Theorie historischen Lernens. Reihe: Forum Historisches Lernen. Schwalbach 1998.S.298.

[10] Bergmann. Personalisierung, Personifizierung. S. 298.

Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638218993
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17294
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1
Schlagworte
Geschichte Lebenswelt Darstellung Comic Spannungsfeld Geschichtswissenschaft Pädagogik Lebenspraxis

Autor

  • Anna Kiesbauer (Autor)

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Titel: Geschichte in der Lebenswelt als Darstellung im Comic