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Akkusativobjektsätze und ihre Realisation

Hausarbeit 2009 19 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Akkusativobjektsatz als Bezeichnung bestimmter Nebensätze

3 Realisierungsmöglichkeiten von Akkusativobjektsätzen
3.1 dass -Sätze
3.2 ob -Sätze
3.3 w -Sätze
3.4 Freie Relativsätze
3.5 Infinitivsätze

4 Stellung der Akkusativobjekte
4.1 Vorfeld
4.2 Mittelfeld
4.3 Extraposition
4.4 Extraktion

5 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die deutsche Sprache kann realisiert werden durch komplexe Sätze, das heißt aus Sätzen, die aus mehreren Teilsätzen bestehen.[1] Eine Art wie diese komplexen Sätze sich realisieren lassen ist die, in der ein Satz mit einem Nebensatz gebildet wird. Eine Funktion, die dieser Nebensatz übernehmen kann, ist die des Akkusativobjektsatzes. Der Akkusativobjektsatz gilt in der deutschen Grammatik als Inhaltssatz.[2] Mit diesem Typen und deren Realisierung soll sich die folgende Arbeit beschäftigen. Zunächst soll betrachtet werden, dass es sich bei dieser Art von Nebensätzen überhaupt um Akkusativobjektsätze handelt, obwohl der Nebensatz kein solches Objekt beinhaltet. In manchen Grammatiken sind diese unter dem Begriff Ergänzungssätze zu finden, aber dabei ist der gleiche Typ von Nebensatz gemeint.

Wenn man von der Form her Akkusativobjektsätze betrachtet, lassen sich diese als Konjunktionalsätze, als Interrogativsätze, als freie Relativsätze oder als infinite Sätze realisieren.[3] In dieser Arbeit finden sich diese Formen zum Teil (freie Relativsätze und Infinitivsätze, diese werden aber nur am Rande betrachtet) als eigene Abschnitte der Realisierung wieder, die anderen Abschnitte werden in Bezug auf ihre Einleitungselemente betrachtet. Hierbei handelt es sich um dass -Sätze, ob -Sätze und w -Sätze. Die Einteilung, die von Bausewein übernommen wurde, gestaltet sich besonders bei den w -Sätzen bzw. den Interrogativsätzen etwas schwierig, da diese oberflächlich gesehen leicht mit den freien Relativsätzen zu verwechseln sind. Bei näherer Betrachtung der syntaktischen Umgebung, ist der Unterschied zu erkennen.

Nach der Klärung der verschiedenen Realisierungsmöglichkeiten von Akkusativobjektsätzen, findet die Stellung dieser Sätze im Satz Betrachtung. Bis auf die Ausnahme des freien Relativsatzes lassen sich Akkusativobjektsätze lediglich im Vorfeld oder im Nachfeld realisieren, wobei das Nachfeld wohl der Normalfall der Realisierung ist. Zum Schluss geht es kurz um zwei Phänomene der Stellung im Satz, um die Extraposition und die Extraktion.

2 Akkusativobjektsatz als Bezeichnung bestimmter Nebensätze

In Literaturen über die deutsche Grammatik ist vielfach von so genannten Nebensätzen die Rede, doch ist es aufgrund ihres Aufbaus überhaupt legitim bei dieser Art von Nebensätzen von Akkusativobjektsätzen zu sprechen, immerhin findet sich in diesen Sätzen kein Akkusativobjekt.

In ihrer Einleitung zum Abschnitt der Akkusativobjektsätze sagt Frau Bausewein, dass das in diesem Abschnitt gesagte auch auf andere Typen von Ergänzungssätzen zutrifft.[4] Auch Eisenberg spricht bei diesen Sätze im entsprechenden Kapitel seiner Grammatik[5] von Ergänzungssätzen. Eisenberg unterteilt die Nebensätze ihrer Form nach und prüft von diesem Ausgangspunkt, welche Funktion sie im Satz übernehmen. Durch diese Herangehensweise benutzt er ebenfalls den Begriff des Objektes, wenn er sich mit der Funktion von Nebensätzen beschäftigt.[6]

In der Dudengrammatik ist folgendes über Objektsätze zu finden: „[…] Darüber hinaus wird meist auch die Funktion beachtet, man unterscheidet dann Nebensätze in der Funktion von Aktanten (Subjekt, Objekt), Adverbialien, Prädikativen oder Attributiven.“[7] In Bezug auf diesen Aspekt ist eine Rede von Objektsätzen und speziell von Akkusativobjektsätzen nicht widervernünftig.

Wenn Nebensätze abseits ihrer Form untersucht werden, verdeutlicht sich in entsprechenden Sätzen ihre Funktion, die der von Objekten gleich sind.

(1) Sven vermutet, dass Jan lügt.

Das Verb vermutet im Matrixsatz erfordert eine Ergänzung, die der Nebensatz bietet. Die Valenz des Verbs erfordert an dieser Stelle ein Objekt, um den Satz zu vervollständigen. Der Nebensatz übernimmt hier die Funktion eines Akkusativobjektes, was ihn durch seine Eigenschaft als Gliedsatz zu einem Akkusativobjektsatz macht. Bausewein teilt dieses Verb den Verba sentiendi zu, Matrixprädikate von denen aus Akkusativobjektsätze als solche determiniert sind.[8]

Von dieser Seite betrachtet ist die Bezeichnung bestimmter Nebensätze als Akkusativobjektsätze legitim und zulässig. Ihnen diese Funktion in Sätzen abzusprechen wäre eine falsche Schlussfolgerung, da die Aufgabe, die Akkusativobjektsätze übernehmen, deutlich aus den Sätzen herauszusehen ist.

Das in (1) gebrachte Beispiel ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit wie Akkusativobjektsätze realisiert werden können.

3 Realisierungsmöglichkeiten von Akkusativobjektsätzen

Wie oben bereits erwähnt, gibt es verschiedene Arten wie Akkusativobjektsätze zu realisieren sind. Zu den gängigsten gehören dass -Sätze, ob -Sätze und w -Sätze. Dabei handelt es sich um eingeleitete Nebensätze. Des Weiteren treten Akkusativobjektsätze als freie Relativsätze und als infinite Sätze auf. Im Folgenden diese Typen näher betrachtet und an Beispielen verdeutlicht.

(2) a. Stefanie beweist, dass du es warst.
b. Stefanie beweist, ob du es warst.
c. Stefanie beweist, wer es war. (Eisenberg 2006:320)
d. Er beschenkt, wen er will. (Bausewein 1990:157)
e. Paula glaubt, pünktlich zu kommen. (Eisenberg 2006:353)

3.1 dass -Sätze

Die augenscheinlich bekannteste und weitverbreitetste Form von Nebensätzen sind die dass -Sätze. Diese Sätze sind häufig abhängige Aussagesätze[9], auf die dass -Sätze folgen bzw. folgen müssen. Diese Sätze werden auch Konjunktionalsätze Sätze genannt.

Die Verben, die in jedem Fall einen dass -Satz folgen lassen, unterteilt Eisenberg in nichtfaktive (5a), bei denen es „um die Übermittlung oder Verarbeitung von Informationen durch die vom Subjekt bezeichnete Person“[10] geht und faktive (5b).

(3) a. abstreiten, androhen, antworten, beantragen, behaupten, bestreiten, folgern, vermuten,

versichern, zusagen, denken, annehmen

b. akzeptieren, bedauern, begreifen, beklagen, leugnen, vorwerfen, bestaunen,

bewundern (Eisenberg 2006:322)

Zu diesen Beispielen von Eisenberg lassen sich ebenfalls Einstellungsprädikate (glauben, hoffen, meinen, finden,…) und Sagensprädikate (sagen, behaupten, erzählen, angeben,…) zählen, wie es bei Reis zu finden ist.[11] In einigen Fällen, wie beispielsweise bei dem Wort behaupten , überschneiden sich die Einteilungen der beiden, sie geht jedoch von verschiedenen Grundlagen aus. Reis versucht mit diesen Prädikaten zu zeigen, welche von ihnen fähig sind Verbzweitsätze zu bilden, diese verhalten sich ähnlich wie auch ein Großteil der Verbletztsätze, die durch dass eingeleiteten Sätze sind:

(4) Er sagte, dass er singt.

Diese Sätze sind so genannte abhängige Verbzweitsätze und nach Bausewein zudem die häufigste Variante.[12]

Ein Teil der Verbletztsätze lässt sich ebenfalls uneingeleitet realisieren, was seine Funktion jedoch nicht verändert. Zu dieser Art von uneingeleiteten Akkusativobjektsätzen zählen nach Helbig/Buscha beispielsweise Sätze mit den Verben des Sagens , Mitteilens , Wollens und Hoffens .[13]

(5) a. Er hofft, Sven kommt.

b. Er hofft, dass Sven kommt.

Der Satz (7) lässt sowohl mit, als auch ohne dass bilden, ohne das sich etwas an der Funktion des Nebensatzes ändert.

Die folgenden Beispielsätze behandeln die verschiedenen Realisierungsmöglichkeiten von dass- Sätzen hinsichtlich ihrer Form und ihrer Verbstellung.

Wie die Sätze (1), (2a), (4) und (5b) zeigen, ist die häufigste Form, in der dass -Sätze auftreten, die mit Verbletztstellung. Die Realisierung mit Verbzweitstellung klingt bei einfacher Betrachtung ungrammatisch:

(8) a. ?*Ich weiß, dass Herr Laack hat eine Stiftung gegründet. (Freywald 2008:246)

Diese Aussage erscheint von vornherein ungrammatisch und es ist nicht vorstellbar, dass diese Art von Verbzweitsätzen eine Verwendung findet. Die Untersuchung von Freywald hat jedoch gezeigt, dass diese Art von Verbzweitsätzen vermehrt auftreten. Dieses Phänomen ist aber eher der gesprochenen Sprache geschuldet, wie ebenfalls die Quellen der Beispielsätze zeigen.[14] Ein Einzug in die Schriftsprache ist unwahrscheinlich, da dass -V2-Sätze nur in der gesprochenen Sprache bestimmte Funktionen (Aufmerksamkeitssteuerung, Gliederung der Informationen, Planungszeitgewinn, etc.)[15] übernehmen, diese sind in der Schriftsprache nicht notwendig und somit überflüssig. Eine Verbzweitstellung in einem Nebensatz findet sich nur abseits der dass -Satzkonstruktionen bzw. abseits von eingeleiteten Nebensätzen: „Eingeleitete Nebensätze haben immer Verbendstellung“[16]. Aus diesem Grund sind dass- Verbletztsätze eine Randerscheinung in der deutschen Sprache.

Eine weitere Form, um Akkusativobjektsätze zu realisieren, ist die Nutzung von Korrelaten. Im Duden werden diese Verweiswörter genannt[17], was ihre Aufgabe in Sätzen annähernd gut beschreibt.

[...]


[1] Pittner, Karin / Bermann Judith: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch, 2. durchgesehene Ausgabe, Tübingen 2007, S. 96

[2] Duden: Die Grammatik, 7. völlig neu erarbeitete und erweiterte Auflage, Mannheim 2005, S. 1037

[3] ebd. S. 109

[4] Bausewein, Karin: Akkusativobjekt, Akkusativobjektsätze und Objektsprädikate im Deutschen. Untersuchungen zu ihrer Syntax und Semantik, Tübingen 1990, S. 107

[5] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 2: Der Satz, 3. durchgesehene Auflage, Stuttgart und Weimar 2006, S. 318 ff.

[6] ebd. S. 319

[7] Duden: Die Grammatik, S. 1036

[8] Bausewein, Karin: Akkusativobjekt, Akkusativobjektsätze und Objektsprädikate im Deutschen, S. 111 f

[9] Bausewein, Karin: Akkusativobjekt, Akkusativobjektsätze und Objektsprädikate im Deutschen, S. 118

[10] Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 2: Der Satz, S. 332

[11] Reis, Marga: Zum syntaktischen Status unselbstständiger Verbzweit-Sätze. In: Sprache im Fokus, hg. von Dürscheid, Christa et al. Tübingen 1997, S. 123

[12] Bausewein, Karin: Akkusativobjekt, Akkusativobjektsätze und Objektsprädikate im Deutschen, S. 119

[13] Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim: Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht, Berlin und München 2005, S 568 f

[14] vgl. Freywald, Ulrike: Zur Syntax und Funktion von dass-Sätzen mit Verbzweitstellung.

[15] ebd. S. 268

[16] Pittner, Karin / Bermann Judith: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch, S. 98

[17] Duden: Die Grammatik, 1064

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640930166
ISBN (Buch)
9783640930098
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172918
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut
Note
3,0
Schlagworte
Akkusativobjektsätze Akkusativ Komplexe Sätze Objektsätze Realisation ob-Sätze dass-Sätze w-Sätze Nebensatz Relativsatz Inifitivsätze

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