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Werkinterpretation zum Thema Lyrik: Rainer Maria Rilke - Der Panther

von Anna Kiesbauer (Autor)

Hausarbeit 1999 12 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

5 Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

10 in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,

geht durch der Glieder angespannte Stille -

und hört im Herzen auf zu sein.

Das Gedicht „Der Panther“ von Erich Maria Rilke entstand Ende 1902[1] in Paris, wo Rilke an der Wegscheide seines Denkens und Dichtens stand. In dieser Zeit klagt er über die neuen und nicht beherrschbaren Wirklichkeitseindrücke.

Kennzeichnend für die Epoche des Impressionismus (/Symbolismus) ist nicht nur der hier vorliegende kurze Dichtungstyp sondern auch die Ablehnung der zeitgenössischen Wirklichkeit, das vorliegende Gedicht verschönt nicht die Gefangenschaft des Tieres. Es vermittelt einen sinnlich-subjektiven Eindruck, die Gefühle des Panthers werden aus der Sicht des Beobachters vorm Käfig dargestellt. Das beobachtende Ich ,das völlig in den Hintergrund getreten ist, gibt den Augenblick des umhergehenden Panthers wider, die momentane Stimmung und den flüchtigen Reiz in Strophe drei. So findet man hier eine impressionistische Momentaufnahme und zugleich auch einen Ausdruck symbolistischer Wortkunst.

Wie der Titel bereits vermuten läßt, wird, und dem Charakter der Dinggedichte entsprechend, ein Objekt, hier der Panther thematisiert. Er geht zwar rastlos auf und ab, wirkt aber in seinem engen Käfig, hinter Gittern des Lebens müde. Die geringe Energie, die ihm in der Gefangenschaft geblieben ist und die manchmal noch einmal aufflammt, stirbt doch sofort wieder ab. Rilke beschreibt in einer präsentischen, stimmungsgeladenen Bildfolge den Handlungsträger Panther, seinen lustlosen Blick, wobei eine Steigerung in die Trostlosigkeit spürbar wird.

Anlaß zum Ausdruck ist die Beobachtung des Panthers im Jardin des Plantes, doch läßt sich auch eine innere Veranlassung erkennen. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl bedrückender Gegenwart. Dem Ich wird deutlich, daß sich etwas in bestimmter Weise verhält und dies erfüllt das Ich mit Wehmut, es möchte die Einstellung des Panthers mitteilen, analog zur eigenen Gefühlswelt.

Die Aussprache wandelt sich zwar nicht zur Ansprache, aber die Betrachtung des Panthers führt zu mitteilbaren Erkenntnissen, die indirekt an den Leser gerichtet werden; indirekt, da der Leser selbst nicht angesprochen wird.

Der Sprecher des Gedichtes bleibt verborgen, Hinweise auf ein lyrisches Ich, wie Personalpronomen oder Interjektionen sind nicht vorhanden. Diese sogenannte „Er-Lyrik“ ist kennzeichnend für ein beschreibendes, erzählendes Gedicht. Der Panther wird losgelöst vom Ich, in seinem Sosein beschrieben.- Ein Streben nach reiner Gegenständlichkeit.

[...]


[1] Laut Hähnel, Klaus Dieter in :Rainer Maria Rilke.2.Auflage 1986, Berlin/Weimar. S.50.

Details

Seiten
12
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638218931
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17285
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut f. Germanistik
Note
Schlagworte
Werkinterpretation Thema Lyrik Rainer Maria Rilke Panther Einführung Interpretation

Autor

  • Anna Kiesbauer (Autor)

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Titel: Werkinterpretation zum Thema Lyrik: Rainer Maria Rilke - Der Panther