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Gegenwärtige Entwicklungen in wissenschaftlichen Netzwerken

Eine Analyse von Scientific Communities im Zeitalter von Web 2.0, Social Networks und Business-Plattformen

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 EINLEITUNG

1 DEFINITIONSANSATZ UND CHARAKTERISTIK

2 SCIENTIFIC COMMUNITIES IN ZEITEN DER ONLINE-KOMMUNIKATION
2.1 Das soziale Internet und Web 2.0
2.2 Online-Communities
2.2.1 Gemeinsamkeiten von On- und Offline Communities
2.2.2 Bildung und Eigenschaften von Online Communities
2.2.3 Mitgliedschaft

3 ONLINE-NETZWERKE
3.1 Business-Plattformen
3.1.1 Nutzen und Chancen
3.1.2 Risiken
3.1.3 Kriterien zum Aufbau eines Netzwerkes für Unternehmen
3.2 Social Networks - Segen oder Fluch für wissenschaftliche Kommunikation?
3.3 Ausblicke in die Zukunft

4 SYNTHESE

5 LITERATURVERZEICHNIS
5.1 Verwendete Literatur
5.2 Internetquellen

0 Einleitung

„Seit einigen Jahren verändert sich das Internet immer auffälliger. Die Medien berichten über Communities, Plattformen und Netzwerke, in denen Nutzer meist ohne kommerzielle Anreize und Motive selbst Inhalte publizieren.“1 Diese Entwicklung ist keinesfalls abzustreiten. Dennoch wirft sich in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob Communities, Plattformen und Netzwerke im Zeitalter des Web 2.0 einen echten wissenschaftlichen Nutzwert besitzen oder ob von einer schlichten Ansammlung ungeprüften Wissens ausgegangen werden muss, an der sich beinahe jeder Internet-User beteiligen kann.

Im Folgenden soll analysiert werden, inwiefern Scientific Communities und der wissenschaftliche Austausch von diesen medialen Erscheinungen des Webs 2.0 profitieren können. Allerdings wird auch kritisch zu betrachten sein, welche Risiken die gegenwärtigen Entwicklungen für wissenschaftliche Netzwerke bergen. Doch der Schwerpunkt dieser Arbeit soll nicht allein auf dem Austausch von wissenschaftlicher Forschung beispielsweise in der Chemie oder Physik beruhen. Vielmehr wird auch zu analysieren sein, inwiefern Betriebe wie zum Beispiel Wissenschaftsverlage, ihre ökonomischen Ambitionen innerhalb des Wettbewerbes durch die Möglichkeiten des Webs 2.0 geltend machen und innovativ agieren können.

Das erste Kapitel soll zunächst einen Definitionsansatz der Scientific Communities, demnach der wissenschaftlichen Netzwerke ermöglichen. Daran wird sich eine kurze und prägnante Charakteristik anschließen, die einen Überblick über die wichtigsten Merkmale einer Scientific Community bieten soll.

Im zweiten Teil gilt es die Scientific Communities speziell in Zeiten des Internetzeitalters beziehungsweise der Online-Kommunikation zu analysieren. In diesem Kontext wird herauszustellen sein, welche Funktion dem sozialen Internet und dem Web 2.0 für den wissenschaftlichen Austausch widerfährt. Zudem soll untersucht werden, ob ohne das Medium Web 2.0 ein Austausch hochwertiger und innovativer wissenschaftlicher Erkenntnisse in der gegenwärtigen Entwicklung möglich wäre.

Einen weiteren Schwerpunkt im zweiten Gliederungspunkt wird die wissenschaftliche Betrachtung von Online-Communities einnehmen. Dabei sollen unter anderem On- und Offline Communities gegenübergestellt, deren Bildung, charakteristische Eigenschaften und die Mitgliedschaftsproblematik genauer beleuchtet werden.

Im dritten Kapitel gilt es herauszustellen, ob die Verwendung von Online-Netzwerken für Scientific Communities zu befürworten oder abzulehnen ist. Insbesondere soll exemplarisch die Business-Plattform xing.com hinsichtlich ihres ökonomischen Nutzwertes für Betriebe untersucht werden. Ein weiteres Ziel besteht darin, die Chancen und Risiken solcher Plattformen gegeneinander abzuwiegen. Interessant erscheint es in diesem Zusammenhang auch einen Blick darauf zu werfen, welche Aspekte beim Aufbau eines eigenen Netzwerkes zu beachten sind.

Des Weiteren wird der wissenschaftliche Austausch mithilfe sozialer Netzwerke kritisch zu hinterfragen sein. Auch eine Beurteilung aus ökonomischer Perspektive hinsichtlich des Innovativwertes beispielsweise für Wissenschaftsverlage wird sich anschließen. Zuletzt soll ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen geworfen werden.

In der Gesamtheit soll die Analyse einen differenzierten Standpunkt zur Thematik ermöglichen und unter anderem exemplarisch darstellen, ob und inwiefern das Web 2.0, Social Networks und Business-Plattformen für den wissenschaftlichen Austausch in Scientific Communities geeignet sind. Zudem gilt es zu untersuchen, inwiefern diese gegenwärtigen Entwicklungen sowohl an wissenschaftlichen, forschenden, kommunikativen, ökonomisch-verlegerischen und unternehmerischen Aspekten im Kontext der Scientific Communities gemessen und eingeordnet werden können.

1 Definitionsansatz und Charakteristik

Zu Beginn der Analyse soll der Termini der Scientific Community definiert werden. Eine Scientific Community bedeutet im Deutschen so viel wie Wissenschaftsgemeinde. Dieser Begriff impliziert „die Gemeinschaft der Wissenschaftler eines Fachs, die zum Beispiel durch die gemeinsame Lektüre bestimmter Publikationsorgane miteinander verbunden sind und die Entwicklungen ihrer Disziplin verfolgen“2. Ein starkes Band zwischen den Wissenschaftlern stellen der Konsens und die Kooperation hinsichtlich zu bearbeitender Probleme dar, wodurch sich die Scientific Community zu einem internationalen Netzwerk für wissenschaftliche Kommunikation und Interaktion hervorhebt.3

Als bedeutender Physiker und Mitglied einer Scientific Community versteht Albert Einstein diese als eine

„Gruppe aller am aktuellen Diskurs (eines Faches) beteiligten Wissenschaftler. Dabei ist sie keine real konstituierte Größe, sondern meint im jeweiligen Zusammenhang zum Beispiel die Gruppe der deutschen Naturwissenschaftler oder auch die internationale Gemeinschaft der theoretischen Physiker. Zum Kommunikationsnetz der scientific community gehört [...] der wissenschaftliche Buchhandel mit seinen unterschiedlichen Publikationsformen sowie seiner personellen Struktur.“4

Zentrales Ziel der Wissenschaftsgemeinschaften ist der wissenschaftliche Informationsaustausch. Sie verstehen sich als soziale Einheiten, die in der Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern sowohl für die Gewinnung, Bereitstellung, Übermittlung und Bewertung von wissenschaftlichen Informationen verantwortlich sind.5

An dieser Stelle wird erkennbar, dass das Wissen um Informationen in Scientific Communities durch einen unabhängigen und freiheitlichen Charakter geprägt ist. Weiterhin besteht ein rein akademisches Interesse an empirischen und rationalen Erkenntnissen. Der Gewinn von wissenschaftlichem Fortschritt und Innovationen durch objektive experimentelle Entscheidungen sowie die wissenschaftliche Qualitätssicherung stehen klar im Vordergrund. Die Kommunikation findet in einem universellen und internationalen Umfeld statt, bei dem insbesondere ökonomische Unparteilichkeit, eine apolitische Überzeugung und interpersonelle Verbindlichkeit großen Stellenwert erfährt. Zudem sind auch Wissenschaftler in Scientific Communities größtenteils oder komplett auszuschließen, die in unmittelbaren Diensten beziehungsweise mit konkreten Absichten für die Industrie oder das Militär forschen. Eine freie Kommunikation oder wissenschaftlich objektive Publikation von Ergebnissen wäre in diesem Fall kaum oder gar nicht gewährleistet. Die kritische Prüfung eines Wissenschaftlers durch die Wissenschaftsgemeinde gehört zu einem wichtigen Kriterium, um in diese aufgenommen zu werden.6

Der Soziologe Derek Solla-Price charakterisiert die Abläufe innerhalb der Scientific Community und insbesondere den persönlichen Kontakt zwischen den Mitgliedern.

[...] Sie besuchen Zentren, wo sie mit anderen Mitgliedern der gleichen Gruppe eine kurze Zeit zusammenarbeiten. Dann wandern sie zum nächsten Zentrum mit anderen Mitgliedern. Dann kehren sie zur Heimatbasis zurück, aber ihre Loyalität besteht zur Gruppe und nicht zur Institution […]. Solche Gruppen bilden ein unsichtbares Kollegium, im gleichen Sinne wie jene Pioniere, die sich später zusammentaten, um 1660 die Royal Society zu gründen.“7

Daraus lässt sich ableiten, dass auch das Umfeld beziehungsweise das Miteinander in Scientific Communities durch bestimmte Richtlinien geprägt wird. Bei wissenschaftlichen Entdeckungen müssen all diejenigen Kollegen informiert werden, die in Diskussionen über Erfahrungen berichten können oder Kritik äußern.

Ein respektvoller, loyaler und höflicher Umgang gehört zu den Normen, die im sozialen Umgang sowie in Diskussionen unter den Wissenschaftlern unbedingt eingehalten werden müssen. Auch gewisse hierarische Gefüge sind in Scientific Communities feststellbar. Eine Einhaltung der Regeln wird durch die Reaktionen der restlichen Mitglieder erzeugt.8

2 Scientific Communities in Zeiten der Online-Kommunikation

2.1 Das soziale Internet und web 2.0

Im heutigen Zeitalter der Online-Kommunikation stellt das Internet als soziales Medium die technisch-mediale Basis für den wissenschaftlichen und unternehmerischen Austausch dar. Im Internet können sich Menschen finden und aktiv nach eigenen Interessen organisieren. Effektiven Nutzwert finden diese Interessensgemeinschaften insbesondere auf Freizeit-, beruflicher und politischer Ebene. Zudem ist es aufgrund der globalen Ausrichtung möglich, dass weltweite Kontakte geknüpft und somit kontinentale Grenzen überwunden werden können.9

Vor den kommunikativen Online-Errungenschaften, die durch das Internet und das Web 2.0 möglich wurden, gab es für Wissenschaftler nur sehr begrenzte Möglichkeiten sich global auszutauschen und für potentielle Gleichgesinnte auffindbar zu sein. Einzig die Kommunika- tion von E-Mail-Verteilerlisten und E-Mail basierten Usenet-Groups konnten in weitaus beschränkter Weise ähnliche Ergebnisse erzielen.10

Die heutige vernetzte Kommunikation ist mittlerweile unverzichtbar für eine effektive und innovative Forschungsarbeit in Wissenschaft und Bildung. Die wissenschaftliche computervermittelte Kommunikation kann als eine

„Kommunikation, bei der mindestens zwei Individuen in einer nicht-face-to-face Situation durch die Anwendung eines oder mehrerer computerbasierter Hilfsmittel miteinander in Beziehung treten [, definiert werden und ist somit] insbesondere von face-to-face-Kommunikation abzugrenzen [...].“11

Ihren Gegenstandbereich findet sie sowohl in den Geisteswissenschaften wie beispielsweise in der Kommunikations- und Medienwissenschaft oder Soziologie, aber auch in den Natur- und Technikwissenschaften.

Insbesondere mit der Entwicklung des Webs 2.0, welches das Internet hinsichtlich nicht gekannter Anwendungsmöglichkeiten revolutionierte, konnte der Grundstein für eine schnelle und effiziente Online-Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Technikern gewährleistet werden. In diesem Wandel des Internets kann „von einer neuen Phase der Etablierung kollektiver Intelligenz“12 gesprochen werden. Es liegt an den Usern, dieses Intelligenzkollektiv bestmöglich für den wissenschaftlichen Nutzen zu optimieren. Aktuell kann verzeichnet werden, dass eine Weiterentwicklung des klassischen Users hin „zum Mitgestalter eines universellen Wissensnetzwerkes“13 stattfindet.

Durch die Bezeichnung des Verlegers Tim O`Reilly konnte sich der Termini des Webs 2.0 fest etablieren. Seinem Verlagshaus, dem O`Reilly Verlag, widerfährt eine enorme Popularisierung und wegweisende Bedeutung in der informationstechnologischen Branche, denn auch der verlegerische Schwerpunkt ist auf programmiertechnische Entwicklungen ausgelegt.14

2.2 Online-Communities

Zunächst sollte festgehalten werden, dass Community nicht gleich Community bedeutet. Zu unterscheiden sind die Online-Communities von Offline-Communities und auch die Erhebung zu einer Community bedarf einiger Kriterien. Im folgenden Kapitel soll der Schwerpunkt auf die Online-Communities gelegt werden, ohne jedoch dabei die Offline-Communities außer Acht zu lassen.

[...]


1 Komus, Ayelt; Wauch, Franziska: Wikimanagement. Was Unternehmen von Social Software und Web 2.0 lernen können. München; Wien: Oldenbourg Wissenschaftsverl. 2008, S. xix.

2 Behmel, Albrecht; Hartwig, Thomas: Student-online Lexikon 2011. URL: http://www.student- online.net/dictionary/action/view/Glossary/526f856a-b9e9-1028-9a84-00096b3f4e2e [letzter Zugriff: 11.03.2011].

3 Vgl. Tuppy, Hans: „Scientific Community” und “Civil Society” 2001, S. 1 URL: http://www.oefg.at/text/veranstaltungen/wissenschaftstag/wissenschaftstag01/Beitrag_Tuppy.pdf [letzter Zugriff: 11.03.2011].

4 Flautau, Elke: Albert Einstein als wissenschaftlicher Autor berlin.mpg.de/Preprints/P293.PDF [letzter Zugriff: 12.03.2011]. 2005, S. 7. URL: http://www.mpiwg-

5 Vgl. Meinel, Christoph (Hrsg.): Fachschrifttum, Bibliothek und Naturwissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Wiesbaden: Harrassowitz Verl. 1997, S. 137.

6 Vgl. Tuppy, Hans 2001, S. 2 ff.

7 Solla-Price, Derek: Little Science, Big Science. Von der Studierstube zur Großforschung. Frankfurt am Main: Suhrkamp-Taschenbuch 1974, S. 96.

8 Vgl. Meyenn, Karl (Hrsg.): Eine Entdeckung von ganz außerordentlicher Tragweite. Schrödingers Briefwechsel zur Wellenmechanik und zum Katzenparadoxon. Berlin. Heidelberg: Springer Verl. 2011, S. 379 f.

9 Vgl. Kielholz, Annette: Online-Kommunikation. Heidelberg: Springer Verl. 2008, S. 58.

10 Vgl. Leitner, Helmut: Online-Community, „Hands On”! In: Eigner, Christian [u.a.]: Online-Communities, Weblogs und die soziale Rückeroberung des Netzes. Graz: Nausner & Nausner 2003, S. 22.

11 Köhler, Thomas: Das Selbst im Netz. Die Konstruktion sozialer Identitäten in der computervermittelten Kommunikation. Wiesbaden: Westdeutscher Verl. 2003, S. 179.

12 Jörissen, Benjamin; Marotzki, Winfried: Neue Bildungskulturen im „Web 2.0“: Artikulation, Partizipation, Syndikation. In: von Gross, Friedericke; Marotzki, Winfried, Sander, Uwe: Internet - Bildung - Gemeinschaft. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwissenschaften 2008, S. 204.

13 Ebd. S. 209.

14 Vgl. ebd., S. 204 f.

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