Lade Inhalt...

Das Königreich Böhmen unter Karl IV.

Züge eines modernen Staates im Staate?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 28 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung: Das Königreich Böhmen: Eine divergierende Kraft im Herzen Europas

II. Karl IV. – Eine Herrscherpersönlichkeit voller Widersprüche
II.I Böhmens historischer Sonderweg im Heiligen Römischen Reich

III. Karl IV. als pater bohemiae
III.I ,,Bohemozentrismus“ und böhmische Hausmachtpolitik Karls IV
III.II Karls Hausmachtpolitik- Auf ein hegemoniales Königtum ausgerichtet?

IV. Das ,,Kaiserliche Rechtbuch“ Karls IV
IV.I Das Königreich Böhmen in der Goldenen Bulle- Eine Ansammlung von Vorrechten und Privilegien

V. Schlusswort: Böhmen als ,,Kronleuchter“ und ,,edelstes Glied“ des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

I. Einleitung: Das Königreich Böhmen: Eine divergierende Kraft im Herzen Europas

Böhmen. Ein Land, das geographisch inmitten Europas liegt und als das ,,Herz Europas“[1] bezeichnet wird. Ein Territorium, das sein ,,kraftvolle[s] Eigengewicht“[2] vor allem durch dessen Geschichte und seinem Verhältnis zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation offenbart. Ein Reich, das Schauplatz der ,,erste[n] europäischen Revolution“[3] und zugleich der ,,erste[n] Reformation“[4] wurde. Ein gewaltiges Königtum, das von 1346 bis 1378 die Hausmacht eines Herrschers war, der nicht nur Prag bzw. Böhmen mit seinen architektonischen Hinterlassenschaften (u.a. die Karls- Brücke oder die Prager Karls-Universität), sondern zugleich durch die Ausarbeitung eines bedeutenden Verfassungswerkes[5] dem Heiligen Römischen Reich und Europa seinen zeitübergreifenden und unverwischbaren Stempel aufdrückte.

Gerade im Hinblick auf das Verhältnis von Karl IV. und seiner Hausmacht gleicht ,,die Geschichte Böhmens […] ein[em] Höhen- und Ruhmesweg“[6], ja sie gleicht förmlich einer hollywoodreifen Romanze. Diese Propaganda mittels hymnischer Aussagen, die Karl IV. zum beliebtesten und zugleich populärsten böhmischen König im heutigen Tschechien machen,[7] kommen, wie nicht anders zu erwarten, vor allem aus den Schreibfedern der tschechischen Historiker. Der Verfasser dieser Arbeit hat diese Liebesbeziehung zum Anlass der näheren und vor allem differenzierten Betrachtung genommen, denn was einen guten Historiker ausmacht, ist es den zu untersuchenden Gegenstand genauer auf den Zahn zu fühlen und sich dabei nicht von Emotionen leiten zu lassen. Der Dreh- und Angelpunkt dieser Arbeit wird dabei die Fragestellung sein, inwiefern das Königreich Böhmen in der zweiunddreißigjährigen Regierungszeit Karls IV. Züge eines modernen ,,Staates im Staate“ hatte. Diese Leitfrage, die sich der Verfasser gestellt hat und am Ende dieser Arbeit beantworten möchte, gilt es dabei vorerst auseinanderzunehmen: Zum einen müssen die Persönlichkeits-und Herrschereigenschaften Karls IV. untersucht werden, denn zumeist sind es jene Charaktereigenschaften einer Persönlichkeit, die tatkräftige Rückschlüsse auf dessen politische (oder andere) Entscheidungen ermöglichen. Hierbei kommt in Hinblick auf Karl IV. dem Historiker das Jahr 1978 zugute, denn dieses entsprach dem Karls-Jubiläum und wurde zum Anlass genommen, zahlreiche Aktivitäten (wie die drei großen Ausstellungen in Nürnberg, Prag und Köln) durchzuführen und eine Flut thematisch breitgefächerter Publikationen auszulösen, die vor allem von der deutschen und tschechischen Geschichtsschreibung stammen.[8] Die Beschäftigung mit der Persönlichkeit Karls, das Thema des nächsten Gliederungspunktes (II) sein wird, bestand also im ersten Arbeitsschritt darin, den Stoff zu begrenzen und diesbezügliche Literatur auszuwählen. Da dem Leser in dieser Arbeit nicht der ausführliche Lebensweg Karls IV. erwartet, was Thematik einer eigenen Arbeit sein könnte und letztlich eine neue Monografie zur Folge hätte, und es folglich eher darum gehen wird, grobe Persönlichkeitseigenschaften Karls zu beschreiben, wird ihm in diesem Punkt auch eine breitere Literatur begegnen. Hervorzuheben sind insbesondere die Biographien von Ferdinand Seibt ,,Karl IV. Ein Kaiser in Europa“ und Jiri Spevacek ,,Karl IV. Sein Leben und seine staatsmännische Leistung“. Während Seibt die zahlreichen Diskursthemen bezüglich Karl IV. aufgreift, erörtert und in einem Zusammenhang bringt, verursacht Spevacek mit seinem Werk gerade das, was die Problematik im Hinblick auf Karl IV. ist: die nationale Verfärbung.[9] Das Urteil durch Peter Moraw, der in Spevaceks Arbeit nichts anderes sieht als ein ,,nationales Bekenntnis“[10], ist nach intensiver Lektüre nicht verkehrt und wird immer wieder vom Verfasser kritisch hinterfragt und korrigiert. Trotzdem ist dieses Werk ein Meilenstein in Bezug auf Karl IV. und dessen Regentschaft. Um das Verhältnis zwischen Karl und das Königreich Böhmen zu verstehen und differenzierter zu betrachten, war es ein Anliegen des Verfassers, auch die Geschichte Böhmens vor der Regierungszeit Karls (Gliederungspunkt II.I), als auch dessen Hausmachtpolitik als böhmischer König zu betrachten (Gliederungspunkt III. bis III.II) Denn trotz oder gerade wegen der Verehrung Karls durch die Tschechen, war es dem Autor dieser Arbeit wichtig, zu sehen, woher diese ,,Vergötterung“ stammt bzw. worin Karl und seine Politik sich von den anderen Herrschern Böhmens unterscheidet. Im ersten Unterpunkt des zweiten Gliederungspunktes wird das Augenmerk vor allem auf den Sachsenspiegel Eikes von Repgow liegen, der immer wieder Ausgangspunkt der Verneinung des böhmischen Kurrechts wurde.[11] Lobens- und erwähnenswert ist hierbei die Dissertationsarbeit von Alexander Begert, der in einem knapp 600-seitigem Werk[12] bezüglich der Thematik des böhmischen Kurrechts über Jahrhunderte hinweg ein spektakuläres Feuerwerk entfacht, da er unglaublich viele Thesen und Äußerungen von Historikern bezüglich seines Themenfeldes aufgreift, widerlegt oder stützt und dabei seine eigenen Hypothesen aufstellt, die jedem Laien sinnvoll erscheinen müssten. Im gesamten dritten Gliederungspunkt hingegen werden die Begriffe ,,Hausmacht“, ,,Bohemozentrismus“ und die Staatsform des ,,hegemonialen Königtums“ eine entscheidende Rolle spielen und dem Leser nähergebracht werden. Hier werden immer wieder die Historiker Peter Moraw, Eckhard Müller-Mertens und deren unterschiedliche und zugleich höchst informativen Beiträge zitiert, wobei auch hier dem Leser eine breite Literatur geboten wird, in der unterschiedliche Thesen und Meinungen disputiert werden. Im Zusammenhang mit den zitierten Begriffen fällt immer wieder der Terminus ,,Corona Regni Bohemiae“, der als Urquelle bzw. Beleg des böhmischen Staates genommen wird.[13] Vor allem der Beitrag von Lenka Bobkova ,,Corona Regni Bohemiae“[14] ist hier hervorzuheben und wird immer wieder vom Verfasser herangezogen. Jedoch sei bereits jetzt ausdrücklich darauf verwiesen, dass der Begriff des Staates im ausgehenden 14. Jahrhundert mit aller Vorsicht zu genießen ist, obwohl die Historiker hiervor anscheinend keine Skrupel haben und diesen ohne Bedenken verwenden.[15] Die Goldene Bulle Karls IV. ist Hauptaugenmerk im Gliederungspunkt Vier, die als die ,,wichtigste Einzelurkunde Karls IV.“[16] bezeichnet werden kann. Dabei wird es nicht darum gehen sich mit der Überlieferungsgeschichte der Goldenen Bulle zu befassen, sondern den Inhalt (sowie deren Wirkung und Bedeutung) beziehungsweise die für unsere Leitfrage zielführenden Kapitel zu interpretieren. In diesem Kontext der Goldenen Bulle kommt man an die zwei einschlägigen Werke von Armin Wolf ,,Das Kaiserliche Rechtbuch Karls IV.“[17] und Ernst Ladewig Petersen ,,Studien zur Goldenen Bulle“[18] einfach nicht vorbei, so dass sie auch in dieser Arbeit Berücksichtigung finden. Im Schlussteil wird der Autor jene im Textverlauf erarbeiteten Informationen bündeln, dem Leser ein überschaubaren Überblick geben, die eingehend formulierte Leitfrage aufgreifen und konkret beantworten, obwohl die ambivalente Stellung Böhmens im Bezug auf das Heilige Römische Reich diesen Prozess bzw. Akt der eindeutigen Beantwortung schwierig macht. Zu guter Letzt soll eine vom Verfasser dieser Arbeit eigens aufgestellte Hypothese, die im Zusammenhang mit der möglichen reichspolitischen Absicht Karls IV. steht und sich im Laufe der Auseinandersetzung mit dieser Thematik beim Verfasser geformt hat, dieses Werk für den Leser hoffentlich informativ und anregend umrunden.

Ein letzer Hinweis: Um die Lesbarkeit zu erleichtern, wird in dieser Arbeit das generische Maskulinum verwendet.

II. Karl IV. – Eine Herrscherpersönlichkeit voller Widersprüche

Ein weltoffener und hochgebildeter ,,Intelektueller“[19], ein Europäer[20] und ,,Wegweiser durch ein halbes Jahrhundert […]“[21]. ,,Friedenskaiser“[22], ,,Kaiserliche[r] Kaufmann“[23] oder skrupelloser Diplomat[24], der zugunsten seines eigenen Vorteils[25] sogar vor Mord nicht zurückschreckt.[26] Die Spannbreite der Charaktereigenschaften Karls IV. und die ,,Nachwehen“ seiner ausgeklügelten Politik ließe sich über mehrere Seiten fortführen. Interessant jedoch ist die Tatsache, dass die Historiker und seine Zeitgenossen in keinster Weise zu einer einheitlichen Beurteilung seiner Regenschaft, geschweige denn seiner Persönlichkeit kommen.[27] Dabei hilft nicht einmal die Lektüre seiner Autobiographie, um dieses allgegenwärtige ,,Dilemma“ der Geschichtsschreibung zu lösen.[28] Dieses Dilemma wird durch seine parallel geführte Doppelfunktion als König von Böhmen und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches noch verstärkt. Hieraus ergab sich der wohl von Kaiser Maximilian (1459-1519) stammende, aber nicht zu belegbare Vorwurf,[29] der eigentlich keinerlei Widerspruch duldet, dass ,,Karl [IV] […] Böhmens Erzvater, dagegen des Reiches Erzstiefvater gewesen [ist],[30], der sich aus der Annahme nährt, dass Karl IV. vor allem das Wohlergehen seines böhmischen Königreiches im Blickpunkt hatte.[31] Inwiefern Karl IV. mit seiner Politik zu jener Ansicht persönlich beigetragen hat, wird erst in Gliederungspunkt drei und vier in den Vordergrund treten. Uns soll nun in den nächsten Seiten das Herzogtum und später zum Königtum aufgestiegene (im Jahre 1198) Böhmen interessieren. Denn zur Beantwortung unserer Leitfrage bedarf es nicht nur der Betrachtung Böhmens und seiner Stellung im Reich zu Zeiten der Regierung Karls IV., sondern auch den Blick auf die Historie Böhmens zu richten. Denn gerade wegen seiner Widersprüchlichkeit in seinen Persönlichkeitseigenschaften und seiner politischen Machenschaften (u.a. die Begünstigung der Judenpogrome 1349) und der folgerichtigen Erkenntnis, dass man ,,ein widerspruchsfreies Urteil über Karl [IV] nicht finden […] [wird]“[32], müssen wir sein Tun und Handeln differenzierter betrachten, um letztlich ein angemessenes Urteil bezüglich der Leitfrage fällen zu können.

II.I Böhmens historischer Sonderweg im Heiligen Römischen Reich

Betrachten wir einmal nur die Überschrift dieses Kapitels, so sollte dem Leser im Satzkonstrukt bzw. dem Satzinhalt sofort der Nominativ ,,Sonderweg“ ins Auge stechen. Es besagt in seinem Grundverständnis, dass Böhmens Entwicklung innerhalb des Römischen Reiches nicht ,,typisch“ verlaufen ist und folglich eine Eigenart angenommen hat oder eventuell annehmen musste.[33] Die Geschichte Böhmens ist in der Tat geprägt von einem ,,kraftvolle[n] Eigengewicht“[34] und in Bezug zum Römischen Reich hat sie ihre wohl bedeutendste und wegweisendste Urquelle im Sachsenspiegel des Eikes von Repgow. Trotz der Ausübung des Reichsehrenamt des Schenkens[35] seit Beginn des 12. Jahrhunderts durch den böhmischen König,[36] dessen Reichsgebiet, wie Begert richtigerweise hervorhebt, seit dem Jahre 1198 (Erhebung des böhmischen Herzogs Ottokar I. durch Phillip von Schwaben zum König)[37], ,,definitiv nicht mehr Bestandteil des regnum Alemmaniae, sondern [nur noch] des imperium Romanum [war]“[38], seiner Mitgliedschaft im Personenkreis der Reichsfürsten[39] und der gleichzeitigen Berechtigung zur Königswahl seit dem Jahre 1180,[40] wurde die böhmische Kur und damit sein Stimmrecht bei den Königswahlen von Beginn an in Frage gestellt, namentlich vom Sachsenspiegel als einer ,,der bedeutendsten mittela[lterlichen] Rechtsq[uellen]“[41] und dessen Verfasser Eike von Repgow.[42]

Während für Karl Kroeschell dieses mittelalterliche Rechtsbuch ,,[…] bis weit in die Neuzeit hinein eine so breite Wirkung entfaltet hat, daß man sich für die Erforschung von Veränderungen im weltlichen Recht kaum ein besseres Beobachtungsfeld vorstellen kann […]“[43], so bietet sie jedoch mit dem Königswahlparagraphen (in Bezug auf Böhmen) einen unglaublich tiefen Einblick in die politisch-innerreichlichen Angelegenheiten, und damit mehr als nur eine oberflächliche Einsicht in Strukturwandlungsprozesse, wie es der zitierte Historiker sieht.

[...]


[1] Spevacek, Jiri: Karl IV. Sein Leben und seine staatsmännische Leistung, Prag 1978, S. 167.

[2] Bosl, Karl: Vorwort, in: Ders. (Hg.): Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder, Bd. 1, Stuttgart 1967, S. 7-10.

[3] Seibt, Ferdinand.: ,,Hussitischer Kommunalismus“, in: Smabel, Frantisek: Häresie und vorzeitige Reformation in Spätmittelalter (= Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 39), München 1998, S. 197-212, hier: S. 213.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Moraw, Peter: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im späten Mittealter 1250 bis 1490 (= Propyläen Geschichte 3), Frankfurt am Main/ Berlin 1985, S. 248.

[6] Moraw, Peter: Kaiser Karl IV. 1378-1978. Ertrag und Konsequenzen eines Gedenkjahres., in: Politik, Gesellschaft, Geschichtsschreibung 18 (1982), S. 224- 318, hier: S. 276.

[7] Vgl. Frey, Beat: Pater Bohemiae- Vitricus Imperii. Böhmens Vater- Stiefvater des Reichs. Kaiser Karl IV. in der Geschichtsschreibung (= Geist und Werk der Zeiten. Arbeiten aus dem Historischen Seminar der Universität Zürich, Nr. 53), Bern/ Frankfurt am Main/Las Vegas 1978, S. 11.

[8] Vgl. Moraw, Peter: Karl IV., in: Politik, Gesellschaft, Geschichtsschreibung, S. 224-226.

[9] Vgl. Walsh, Katherine (Rez.): ,,Böhmens Vater- Des Reiches Erzstiefvater?“ Gedenken zu einem neuen Bild Kaiser Karls IV., in: Innsbrucker Historische Studien, Jg. 3 (1980) S. 189-210, hier: S. 189, oder Spevacek, Jiri: Staatsmännische Leistung, S. 5.

[10] Moraw, Peter: Karl IV., in: Politik, Gesellschaft, Geschichtsschreibung, S. 283.

[11] Vgl. Begert, Alexander: ,,Böhmen, die böhmische Kur und das Reich vom Hochmittelalter bis zum Ende des Alten Reiches. Studien zur Kurwürde und zur staatlichen Stellung Böhmens (= Historische Studien, 475), Husum 2003, S. 14.

[12] Vgl. Anm. 11.

[13] Siehe hierzu Anm. 49, 74 und 174.

[14] Vgl. Bobkova, Lenka: Corona Regni Bohemiae und ihre visuelle Repräsentation unter Karl IV., in: Fajt, Jiri/ Langer, Andrea (Hgg.): Kunst als Herrschaftsinstrument. Böhmen und das Heilige Römische Reich unter den Luxemburgern im europäischen Kontext, Berlin/ München 2009, S. 120-135.

[15] Vgl. Anm. 13, 49, 74 und 174.

[16] Moraw, Peter: Karl IV., in: Politik, Gesellschaft und Geschichtsschreibung, S. 228.

[17] Wolf, Armin: Das ,,Kaiserliche Rechtbuch“ Karls IV., in: Ius Commune II (1969), S. 1-32.

[18] Petersen, Ernst Ladewig.: Studien zur goldenen Bulle von 1356, in: DA 22 (1966), S. 227-253.

[19] Moraw, Peter: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im späten Mittealter 1250 bis 1490 (= Propyläen Geschichte 3) , Frankfurt am Main/ Berlin 1985, S. 240. Hier sei angemerkt, dass der Autor auf den Seiten 15- 27 über das ,,Deutschland“ im späten Mittelalter berichtet. Dabei filtert er in differenzierter und einwandfrei strukturierter Weise den hervorzuhebenden Aspekt heraus, dass man das Hl. Röm. Reich nicht aus dem Standpunkt der deutschen Staatswerdungsgeschichte betrachten darf (vgl. S. 20). Er betrachtet aber auch auf diesen Seiten die Fragestellung, inwiefern man im Spätmittelalter von deutschen Merkmalen sprechen kann bzw. darf.

[20] Vgl. Fried, Johannes: Das Mittelalter. Geschichte und Kultur, München 2008, S. 426, Habsburg, Otto: Karl IV. Ein Europäischer Friedensfürst [sic], München/ Wien 1978, sowie bei Angermeier, Heinz: Herrschaft und Friede in Deutschland unter Karl IV., in: Patze, Hans (Hg.): Kaiser Karl IV. 1316-1378. Forschungen über Kaiser und Reich (= Blätter für Deutsche Landesgeschichte 114), Göttingen 1978, S. 833-846, hier: S. 833.

[21] Ebd.

[22] Müller-Mertens, Eckhard: Karl IV. 1346- 1378, in: Engel, Evamaria/ Holtz, Eberhard (Hrsg.): Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Köln/ Wien 11989, S. 305-322, hier: S. 322.

[23] Stromer, Wolfgang: Der kaiserliche Kaufmann- Wirtschaftspolitik unter Karl IV., in: Seibt, Ferdinand (Hg.): Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen, München 1978, S. 63- 72.

[24] Müller-Mertens, Eckhard: Kaiser Karl IV. 1346-1378. Herausforderung zur Wertung einer geschichtlichen Persönlichkeit, in: Engel, Evamaria (Hg.): Karl IV. Politik und Ideologie im 14. Jahrhundert., Weimar 1982, S. 11-29, hier: S. 13.

[25] In seinem Schlussplädoyer kommt der tschechische Historiker Jiri Spevacek zu der Erkenntnis, dass Karl IV. bei seinen angewandten politischen bzw. politisch-wirtschaftlichen Schachzügen vor allem das eigene Wohlergehen im Blickfeld hatte und der Aufstieg Böhmens zur Großmacht somit nur von dessen adeligen Interessen förmlich nebenbei profitiert hat und dadurch erst zustande kam. Diese Textpassage kommt für den Verfasser dieser Arbeit äußerst überraschend, da vor allem Spevacek (und mit ihm die tschechischen Geschichtsschreiber) Karl IV. als unangefochtenen Nationalhelden (pater bohemiae) ansehen. Siehe hierzu Ders.: Staatsmännische Leistung, S. 206, oder Frey, Beat: Pater Bohemiae- Vitricus Imperii. Böhmens Vater- Stiefvater des Reichs. Kaiser Karl IV. in der Geschichtsschreibung (= Geist und Werk der Zeiten. Arbeiten aus dem Historischen Seminar der Universität Zürich, Nr. 53), Bern/ Frankfurt am Main/Las Vegas 1978, S. 9-12.

[26] Die Preisgabe der Nürnberger Juden im Jahre 1349 wird von vielen Historikern als ein Umstand angesehen, dass die Schattenseite Karls IV. unbestritten offenbart. Siehe hierzu die Vergleiche unter anderem Schneider, Reinhard: Probleme der Reichspolitik Karls IV, in: Patze, Hans (Hg.): Forschungen über Kaiser und Reich, S. 73- 102, hier: S. 92-94, Moraw, Peter: Von offener Verfassung, S. 242, Seibt, Ferdinand: Die Zeit der Luxemburger und der hussitischen Revolution, in: Bosl, Karl (Hg.): Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder, Bd. 1, S. 384-568, hier: S. 391. Zum näheren und informativen Verständnis der Lebensumstände der Juden im Zeitalter Karls IV. bietet der Beitrag von Eckert, Willehad Paul: Die Juden im Zeitalter Karls IV., in: Seibt, Ferdinand (Hg.): Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen. Aus Anlaß [sic] der Ausstellungen in Nürnberg und Köln 1978/ 79, München 1978, S. 123-130.

[27] Vgl. Müller-Mertens, Eckhard: Karl IV., in: Engel/Holtz (Hgg.): Deutsche Könige, S. 306.

[28] Karl IV. ist damit der erste mittelalterliche Herrscher, der sein Leben zum Gegenstand der Schriftlichkeit gemacht hat. Um im Bezug zur Autobiographie und seinem Entstehungsumfeld- und prozess, sowie dessen Funktion nähere Informationen zu erhalten, empfiehlt der Verfasser den Beitrag von Hillenbrand, Eugen: Die Autobiographie Karls IV. Entstehung und Funktion, in: Patze, Hans (Hg.): Forschungen über Kaiser und Reich, S. 39-72. Zum Zwecke des intensiveren Studiums dient die vom selben Historiker ins Deutsche übersetzte und mit einer Einführung und einem Kommentar belegte, äußerst lesenswerte Autobiographie Karls IV. Siehe hierzu Ders.: Vita Caroli quarti. Die Autobiographie Karls IV. Stuttgart 1979.

[29] Vgl. Walsh, Katherine (Rez.): ,,Böhmens Vater- Des Reiches Erzstiefvater?“ Gedenken zu einem neuen Bild Kaiser Karls IV., in: Innsbrucker Historische Studien, Jg. 3 (1980) S. 189-210, hier: S. 191.

[30] Hoensch, Jörg K.: Geschichte Böhmens. Von der slavischen [sic] Landnahme bis ins 20. Jahrhundert, München ² 1992, S. 122.

[31] Vgl. Spevacek, Jiri (Hg.): Staatsmännische Leistung, S. 112-116, Weinfurter, Stefan: Das Reich im Mittelalter. Kleine deutsche Geschichte von 500 bis 1500, München 2008, S. 200, sowie Piccolomini, Enea Silvio zit. nach Frey, Beat: Karl IV. in der älteren Historiographie, in: Seibt, Ferdinand (Hg.): Staatsmann und Mäzen, S. 399-404, hier: S. 399.

[32] Müller-Mertens, Eckhard: Herausforderung, in: Engel (Hg.): Politik und Ideologie, S. 29.

[33] Dieser Sonderweg kann positiv, indem Böhmen im Laufe seiner Historie mit Vorrechten und Privilegien ausgestattet wurde, oder negativ behaftet sein, wenn das besagte Herzogtum und spätere Königtum in puncto Vorrechte und Privilegien erhebliche Einschnitte hinnehmen musste. Der Verfasser dieser Arbeit hat diese anzunehmende paradoxe Grundhaltung in seinem Vortrag ,,Die Sonderrolle des Königs von Böhmen in der Goldenen Bulle“ vom 12. Januar 2011 im Rahmen des Seminars ,,Einführung in die Mittelalterliche Geschichte“ beim Herrn Bauch thematisiert. Auch hier tritt die in der Einleitung dieser Hausarbeit bereits erwähnte Divergenz in den Vordergrund.

[34] Bosl, Karl (Hg): Geschichte der böhmischen Länder, Vorwort.

[35] Erwähnens-und äußerst lesenswert ist in diesem Zusammenhang der Beitrag von Boshof, Egon: Erstkurrecht und Erzämtertheorie im Sachsenspiegel, in: Schieder, Theodor (Hg.): Beiträge zur Geschichte des mittelalterlichen deutschen Königtums (= Historische Zeitschrift, Beiheft NF 2), München 1973, S. 84-121.

[36] Vgl. Hlavacek, Ivan: Die böhmische Kurwürde in der Premyslidenzeit, in: Wolf, Armin (Hg.): Königliche Tochterstämme, Königswähler und Kurfürsten (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 152), Frankfurt am Main 2002, S. 79- 106, hier: S. 85f.

[37] Während Alexander Begert in seiner Dissertationsarbeit ,,Böhmen, die böhmische Kur und das Reich vom Hochmittelalter bis zum Ende des Alten Reiches. Studien zur Kurwürde und zur staatlichen Stellung Böhmens (= Historische Studien, 475), Husum 2003“ zur Erkenntnis kommt, dass Ottokar I. erst 1198 zum König erhoben wurde (vgl. S. 51.) und sich dabei auf die Sizilische Goldbulle von 1212 stützt, die wiederrum auf die zeitlich vorangegangene und unauffindbare Urkunde Phillips von Schwaben verweist (siehe hierzu MGH Const. 2 Nr. 43, S. 54-55.) und Ferdinand Seibt das Primogeniturrecht Böhmens auf das Jahr 1216 datiert (siehe hierzu den Vergleich bei Ders. (Hg.): Deutschland und die Tschechen. Geschichte einer Nachbarschaft in der Mitte Europas, München 1974, S. 42.), geht Dr. Karl Richter von der Annahme aus, dass sowohl das Primogeniturrecht als auch die Erhebung vom Herzog-zum Königtum Böhmens bereits Im Jahre 1189 in Mainz stattgefunden haben sollen. Siehe hierzu Richter, Karl: Die böhmischen Länder im Früh- und Hochmittelalter, in: Bosl, Karl (Hg.): Geschichte der böhmischen Länder, Bd. 1, S. 165-350, hier: S. 269. Spevacek wiederrum sieht die Sizilianische Goldene Bulle als Ursprung der Legitimität der böhmischen Erbthronfolge. Siehe hierzu Ders.: Staatsmännische Leistung, S. 14.

[38] Begert, Alexander: Böhmen, S. 60. Die beiden Reichbegriffe wurden im Original hervorgehoben.

[39] Vgl. Hoffmann, Hartmut: Böhmen und das Deutsche Reich im hohen Mittelalter, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel-und Ostdeutschlands 18 (1969), S. 1-62, hier: S. 45f.

[40] Vgl. Begert, Alexander: Böhmen, S. 43.

[41] Lieberwirth, R.: Art. ,,Sachsenspiegel“, in: LexMA Bd. VII. (1995), Sp. 1240-1242, hier: Sp. 1240.

[42] Vgl. Begert, Alexander: Böhmen, S. 14.

[43] Kroeschell, Karl: Von der Gewohnheit zum Recht. Der Sachsenspiegel im späten Mittelalter, in: Boockmann, Hartmut/ Grenzmann, Ludger [u.a.] (Hgg.): Recht und Verfassung im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Bericht über Kolloquien der Kommission zur Erforschung der Kultur des Spätmittelalters 1994 bis 1995 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen 228), Göttingen 1998, S. 68-92, hier: S. 68. Der Autor bietet in diesem Aufsatz einen breitgefächerten Überblick bezüglich dem Verfasser des Sachsenspiegels und dessen Inhalte. Desweiteren erläutert er in anschaulicher Weise die verschiedenen Schichten des weltlichen Rechts, bevor er im dritten und letzten Teil an von ihm ausgesuchten Beispielen die Benutzung und Geltungsweise des Rechtsbuches festmacht.

Details

Seiten
28
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640927586
ISBN (Buch)
9783640927449
Dateigröße
721 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172718
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Geschichtswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Karl IV. Königreich Böhmen und seine historische Eigenart Goldene Bulle 1356 Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation Bohemozentrismus Hausmachtpolitik Böhmen vom 9. bis 14.Jhdt

Autor

Zurück

Titel: Das Königreich Böhmen unter Karl IV.