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Pollock - zur Bedeutung der Malerei im Film

Hausarbeit 2008 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Malerei im Film
Kunst und Film intermedial - Ein Überblick
Die Darstellung des künstlerischen Schöpfungsprozesses

III. Pollock - Kunst- oder Heldengeschichte?
Der Film
Der Künstler - Prototyp eines Filmhelden?
Die Darstellung der Malerei im Film.

IV. Das Echo auf den Film
Pollock - ein Film für ein breites Publikum
Die Malerei im Film - nur eine Nebenrolle

V. Fazit

VI. Bibliographie

Abbildungen

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Film Pollock, einer

Künstlerbiografie des gleichnamigen Malers. Im Jahre 2000 wurde der

Film auf dem US-amerikanischen Kinomarkt veröffentlicht.

Diese Arbeit soll versuchen, eine Antwort auf zwei Fragen zu geben: zum einen, inwieweit die Malerei in solch einem Film überhaupt eine Rolle spielt, oder ob vielmehr die Person im Vordergrund steht und zum anderen, wie der künstlerische Schaffensprozess dargestellt wird.

Der erste Teil der Arbeit Malerei im Film, der aufgrund des begrenzten

Umfangs nur sehr kurz ausfallen kann, soll zunächst einen Überblick über die intermedialen Beziehungen der beiden Medien Film und Kunst liefern. Des Weiteren wird es in diesem Kapitel einen theoretischen Teil zur Darstellung des künstlerischen Schöpfungsprozesses geben um in das Thema einzuführen. Im zweiten Teil wird dann eine Analyse des Films Pollock stattfinden unter den Gesichtspunkten wie der Künstler dargestellt wird, zum einen, und zum anderen, welche Rolle der Malerei zugesprochen wird und wie der Schöpfungsprozess im Film umgesetzt wird. Zu diesem Punkt wurden die prägnantesten Szenen ausgewählt. Im dritten und letzten Teil soll dann der Versuch einer Annäherung an die Frage stattfinden, ob ein derartiger „Kunstfilm“ für ein breites Publikum zugänglich ist und welche Reaktionen es seitens der Zuschauer in Bezug auf die Darstellung der Malerei im Film gibt. Dazu werden einige Zuschauerrezensionen untersucht.

Diese Arbeit liefert in erster Linie einen Überblick und eine Annäherung an die erwähnten Fragen, da für tiefer gehende Einblicke empirische Erhebungen erforderlich gewesen wären, die in dem Umfang dieser Arbeit aber nicht stattfinden konnten.

II. Malerei im Film

Kunst und Film intermedial - ein Überblick

Bevor auf die eigentliche Fragestellung nach der Visualisierung künstlerischer Prozesse im Film und auf den Künstler als Idealtypus für die Rolle des Protagonisten eingegangen werden kann, sollen in diesem Teil zunächst einmal kurz einige allgemeine intermediale Bezüge zwischen Kunst und Film aufgezeigt werden, um einen Überblick darüber zu bekommen, wo und in welcher Weise sich die Medien der bewegten Bilder und die der gemalten Bilder kreuzen.

Jaques Aumont schreibt in einem Artikel zum Verhältnis von Malerei und Film zu Beginn:

„Die Suche nach den Wurzeln des Films verläuft, als ob dieser - als visuelle Kunst par exellence und allgemein als solche anerkannt - keinerlei Anleihen bei der Malerei einzugestehen hätte und als ob einen Film zu sehen, nichts mit den Erfahrungen zu tun hätte, die wir machen, wenn wir ein Bild betrachten.“1

Es sind aber unzählige Beispiele zu nennen, in denen ein intermediales Verhältnis zwischen Kunst (im übergreifenden Sinne) und Film besteht, denn „Der Film - damit meine ich [Jaques Aumont]: der Film als Kunst - hat seit seinem Entstehen Beziehungen zu anderen Künsten unterhalten, mit bestimmten Künsten geflirtet und hat sich mit einigen von ihnen eingelassen.“2

Der Film wird oft als der „Nachfolger“ oder als der „Erbe“3 der Malerei bezeichnet, dem als Medium die gleichen Fragen und Probleme wie der Malerei zugrunde liegen. Des Weiteren gibt es den so genannten Kunstfilm, oder natürlich auch moderne Varianten wie z.B. die Videoinstallationen die die kinematographischen Darstellungsformen für den künstlerischen Ausdruck nutzen. Ein offensichtlicher Verbindungspunkt der beiden Medien ist die Einbeziehung konkreter (meist bekannter) Kunst(werke) in den Film, wie sie z.B. die Tableaux vivants darstellen. Und schließlich gibt es auch noch den „Künstlerfilm“ von dem wiederum mehrere Varianten existieren: z.B. die Verfilmung der Biografie eines Künstlers, ein Film, bei der der Künstler zwar der Protagonist ist, aber die Kunst an sich nur marginal eine Rolle spielt und der historische Kontext und der Künstler als Person im Vordergrund steht oder aber die Verfilmung des künstlerischen Schaffens, wie es z.B. bei Le mystére Picasso von Henri-Georges Clouzot der Fall ist. Zu unterscheiden hierbei ist wiederum ob es eine Dokumentation ist, also der „echte“ Künstler bei seiner Arbeit gefilmt wird (und in wieweit diese Arbeit als authentisch gelten kann4 ) oder aber, ob es ein Spielfilm ist, der bisweilen Jahrhunderte später nach Lebzeiten des eigentlichen Künstlers entstanden ist und in dem es viel mehr um die Narrativität und Dramazität geht, als um die reale Wiedergabe des Künstlerlebens. Alle hier angeführten Beispiele lassen sich natürlich um weitere ergänzen, sowie für sich genommen detaillierter betrachten, was an dieser Stelle aber aufgrund des begrenzten Raumes nicht der Fall sein kann. Vielmehr soll sich diese Arbeit nun dem „Künstlerfilm“ widmen und untersuchen, inwieweit kreative Schöpfungsprozesse visualisiert werden können und auf welche Art und Weise dies geschieht.

Die Darstellung des künstlerischen Schöpfungsprozesses

Wie kann ein Film eine geistige Handlung, in diesem Fall den kreativen Schöpfungsprozess eines Künstlers, darstellen und wie authentisch kann diese Darstellung sein?

Es gibt zwei Möglichkeiten einen Film über einen Künstler bei der Arbeit zu machen. Die erste ist, den echten Künstler bei seiner Tätigkeit zu filmen und so ein Dokument der Herstellung eines Original-Kunstwerks auf der Leinwand zu sehen. Es stellt sich hier aber die Frage, wie authentisch dieser Prozess ist. Kann ein Künstler auf Abruf einen kreativen Prozess in Gang setzen und ein Meisterwerk schaffen?

Für Jaques Aumont gilt es „bei der Beobachtung eines malerischen Prozesses […] immer zwei Dinge wahrzunehmen, nämlich einmal die Entwicklung des Werkes und zum zweiten, wie der Künstler sich dabei verhält.“5 Aber kann sich ein Künstler im Beisein eines Kamerateams genauso verhalten wie er es unter seinen „natürlichen“ Bedingungen täte? Es ist vielmehr eine Show, der Künstler wird zum Schauspieler um für die Kamera etwas zu produzieren was seiner Arbeit vielleicht ähnlich ist, aber eben nicht dieselbe ist. „Daß der eigentliche Schöpfungsprozess nicht vom Film erfasst werden kann ist selbstverständlich, da er außerhalb des manuellen und des Schaubaren liegt.“6 Hier liegt das erste Problem. Das Zweite scheint noch weitaus schwieriger zu sein, denn bei der zweiten Möglichkeit die Entstehung eines Kunstwerks zu filmen ist der echte Künstler, der eigentliche Urheber des Kunstwerks nicht anwesend, vielleicht sogar schon tot. Wir sprechen über einen Spielfilm über einen Künstler, bei dem reale (oder auch weniger reale) Situationen aus dessen Leben von einem Schauspieler nachgestellt werden. In dem Film Pollock geht es um den amerikanischen Maler Jackson Pollock (gespielt von Ed Harris) der vor allem durch seine „Dripping-Technik“ berühmt wurde. In diesem Film spielt also ein Darsteller einen Maler und muss für die Zuschauer nicht nur die Person Pollock so authentisch wie möglich verkörpern sondern auch dessen geistige Prozesse für die Leinwand übersetzen. In einem Interview aus dem Jahr 2002 sagt die Interviewerin dass es „in Filmen über Künstler […] peinlich wirken [kann], wenn Schauspieler den kreativen Prozess nachspielen.“7 Und selbst wenn sie sich wie Ed Harris mehr als 10 Jahre lang mit der Malerei auseinandergesetzt haben8 und technisch gut werden, so gehört doch mehr dazu ein Künstler zu sein und ein Kunstwerk zu produzieren. Der Schauspieler spielt diese Entstehung eben nur nach, das Bild das entsteht, ist eine Kopie. Der Schaffensprozess und vor allem das, was in seinem Kopf vorgeht, können nur nachempfunden, niemals aber als Wahrheit angesehen werden. Denn der „Zuschauer darf dem Maler [zwar] über die Schulter sehen. Er sieht Pollock und Picasso bei der Arbeit […]“ aber „Natürlich ist die Nähe zum Künstler eine Fiktion, in der Dokumentation ebenso wie im Spielfilm. Das Mysterium der schaffenden Seele bleibt unantastbar.“9

Dennoch ist die künstlerische Aktivität neben der Darstellung des Lebens des Künstlers ein wichtiger Bestandteil eine Künstlerfilms weshalb im nächsten Kapitel eine Analyse der Darstellung des Schöpfungsprozesses bei Pollock stattfinden soll.

III. Pollock - Kunst- oder Heldengeschichte?

Der Film

Pollock ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 2000. Er basiert auf dem Buch Jackson Pollock: An American Saga von Steven Naifeh und Gregory White Smith. Regie führte Ed Harris, der ebenfalls im Film als Jackson Pollock zu sehen ist.10 Pollock ist ein Film über den amerikanischen Künstler, der als Action-Painter vor allem durch seine „Dripping-Bilder“ bekannt wurde. Ed Harris wurde für den Oscar nominiert und Marcia Gay Harden, die die Rolle seiner Frau Lee Krasner spielt, gewann den Oscar für die beste weiblich Nebendarstellerin.

Die Zeitspanne des Films erstreckt sich von dem Moment an, kurz bevor Pollock Lee Krasner, selbst Künstlerin und seine zukünftige Frau, kennen lernt bis zu dem tragischen Ende des Künstlers, bei dem er bei einem Autounfall ums Leben kommt. Er zeigt also die wichtigen Jahre, in denen der Künstler „seinen persönlichen ,Strich’ sucht, findet und verliert.“11 Neben den Einblicken in die Kunst, die uns der Film bietet, wird aber auch Pollock als Mensch porträtiert, dabei vor allem seine Beziehung zu Lee Krasner, seiner Frau.

Im Folgenden sollen zwei Aspekte besonders untersucht werden. Zum einen, wie die Person Pollock dargestellt wird und zum anderen welche Bedeutung der Malerei in diesem Künstlerporträt zugesprochen wird und wie authentisch die Malprozesse inszeniert werden.

[...]


1 Aumont: „Projektorund Pinsel", S.77.

2 Ebd. S. 77.

3 Vgl. ebd. S. 82.

4 Vgl. hierzu: Stamm: „Der Künstler im Dokumentarfilm", S. 64ff.

5 Leiser: „Kamera und Pinsel", S. 115.

6 Stamm: „Der Künstler im Dokumentarfilm", S. 64.

7 Sterneborg: „Physisch eine Rolle verkörpern", S.15.

8 Vgl. ebd. S. 15.

9 Mörchen: „Die Kunst ist ihnen heilig", S. 47.

10 Vgl. offizielle Homepage „Pollock".

11 Mörchen: „Die Kunst ist ihnen heilig", S. 45.

Details

Seiten
23
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640927531
ISBN (Buch)
9783640927425
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172712
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Schlagworte
Jackson Pollock Malerei Film Moderne Malerei Dripping Kunst Medien Künstlerfilm Film und Kunst

Autor

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