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Aspekte der Säkularisierung

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Säkularisierung

3. Der säkularisierte Staat

4. Zum Spannungsverhältnis zwischen Religion und Demokratie

5. Rückkehr der Religionen?

6. Die Sonderstellung Europas

7. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über das Thema „Säkularisierung“ zu geben. Dazu werden verschiedene Aspekte der Säkularisierung näher betrachtet. Da jeder Themenbereich nur kurz angerissen wird, erhebt diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr soll sie die Komplexität des Themas „Säkularisierung“ hervorheben. Zuerst werde ich den Begriff der Säkularisierung näher erläutern. Danach gehe ich auf das Prinzip des säkularisierten Staates ein. Im Anschluss daran wird das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Demokratie betrachtet. Unter Punkt fünf erörtere ich die Frage, ob man von einer Rückkehr der Religionen sprechen kann und unter Punkt sechs wird untersucht, ob Europa eine Sonderstellung bezüglich Religiosität einnimmt. Letztendlich soll das Thema „Säkularisierung“ noch einmal abschließend betrachtet werden.

2. Der Begriff der Säkularisierung

Der Begriff der „Säkularisierung“ bedeutet so viel wie „Verweltlichung“, dass bedeutet eine Abwendung von Religion und Kirche. Der Vormarsch der Säkularisierung begann im 17. Jahrhundert, als die Aufklärung den Vernunftsgedanken hervorbrachte. Die Menschen sollten nicht unbedingt nach den Gesetzen der Religion handeln, sondern nach denen der Vernunft. Auch der Humanismus, der die Menschenwürde in den Vordergrund stellte, trug zum Loslösen von der Religion bei.1 Bader unterteilt die Bedeutung der Säkularisierung in einen kulturellen, sozialen und politischen Bereich:

„In our times, 'secularisaion' has a triple, connected and contested meaning. Culturally,it designates the secuarisation of general cognitive and normative cultural frames: views of world, society and man. Socially, it designates a decline of religious beliefs and practices in modern societies. Politically, it refers to a secularisation of state and politics. These distinctions are also of practical importance.“ (Bader 2007:39)

Casanova unterscheidet im Rahmen des Säkularisierungsbegriffes zwischen „funktionaler Differenzierung, sozialem Bedeutungsverlust von Religion und Privatisierung des Religiösen“2 Das Herz der Säkularisierungstheorie läge in der Differenzierung von verschiedenen Funktionssystemen in der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sowie auch im Recht und der Wissenschaft. Von der Säkularisierung unabhängige Prozesse seien dagegen die Privatisierung der Religion und ihr Bedeutungsverlust im öffentlichen und teils auch privaten Leben. Diese Prozesse gingen zwar mit der Differenzierung religiöser Aspekte einher, müssten aber dennoch nicht unbedingt mit ihr verbunden sein.3

3. Der säkularisierte Staat

Im Folgenden soll vor allem näher auf den säkularisierten Staat eingegangen werden. Denn was bedeutet ein säkularisierter Staat? Trennt er lediglich Weltliches und Religiöses oder steht er jeder Form von Religion distanziert gegenüber? Frau Prof. Dr. Gesine Schwan ist der Ansicht, dass es „keinen Gegensatz zwischen der Pluralität der Religionen und dem Staat bzw. der Gesellschaft [gibt], jedenfalls nicht unter demokratischen und rechtsstaatlichen Bedingungen. Das Grundgesetz sieht religiöse Pluralität vor, denn es verbietet die Benachteiligung aufgrund religiöser Zugehörigkeit und bereitet damit einem Zusammenleben unterschiedlicher Religionen den Boden.“ (Schwan 2007 : 70f.)

Auch Böckenförde geht der Bedeutung des säkularisierten Staates nach. Gemäß Böckenförde, Richter am Bundesverfassungsgericht bis 1996, zeichnet sich ein säkularisierter Staat vor allem dadurch aus, dass eine bestimmte Religion nicht mehr das Fundament der staatlichen Ordnung darstellt. Der Staat an sich vertritt keine Religion mehr, wie dies in der Antike und im Mittelalter in Europa üblich war.4

Dennoch nehmen säkularisierte Staaten keine negative Grundhaltung zu Religion ein. Der Staat muss sich jedoch in ein Verhältnis zu ihr setzen, was sich dadurch charakterisiert, dass die Religion freigegeben ist.

Ihre Zulassung, Organisation und Ausübung ist keine staatliche Angelegenheit mehr, wird auch vom Staat nicht gelenkt und dirigiert; der säkularisierte Staat verzichtet - dies war in der Entwicklung ein langwieriger Prozeß - auf jedwede Form von Religionshoheit, er leiht auch seinen weltlichen Arm nicht mehr für die Durchsetzung der Religion oder religiöser Forderungen. Zum anderen aber wird die Freiheit und Wirksamkeit der Religion vom Staat und seiner Rechtsordnung unter dem Gesichtspunkt seiner weltlichen Aufgaben und Zwecke auch eingegrenzt.“ ( Böckenförde 2006: 13f.)

Ein Staat, der säkularisiert ist, gibt zwar der Religion Freiheit, sich zu entfalten, untersagt ihr aber das Übergreifen auf staatliche Institutionen und Ämter. Inwieweit sich eine Religionsgemeinschaft entfalten kann, ist durch die staatliche Rechtsordnung bestimmt und in jedem Land unterschiedlich.5 Man kann zwei verschiedene Formen von staatlicher Neutralität unterscheiden:

Zum einen das Konzept der distanzierenden Neutralität, exemplarisch verwirklicht in der französischen laicité - nicht hingegen in der türkischen Laizität, die nichts anderes ist als ein staatlich-verwalteter Islam, zum anderen das Konzept der übergreifenden offenen Neutralität, wie es vor allem in der Bundesrepublik Deutschland, aber keineswegs nur dort gilt. Die distanzierende Neutralität verweist die Religion tendenziell in den privaten und privat-gesellschaftlichen Bereich und hält sie dort fest, die übergreifende, offene Neutralität gibt ihr darüber hinaus auch Entfaltungsraum im öffentlichen Bereich, wie beispielsweise Schule, Bildungseinrichtungen und dem, was zusammenfassend als öffentliche Ordnung bezeichnet wird; dies freilich ohne jede Form der Identifikation. ( Böckenförde 2006: 15f.)

Der Unterschied von beiden Konzepten manifestiert sich dort, wo weltliche Angelegenheiten auf religiöse treffen. Dies ist überall dort der Fall, wo eine Religion Vorschriften beziehungsweise Verhaltensgebote für das weltliche Leben ihrer Anhänger beinhaltet, wie zum Beispiel im Judentum, Christentum und Islam. Während sich die distanzierende Neutralität auf eine rein weltliche Rechtsordnung beruft und Religion in den privaten Bereich verbannt, so versucht die offene Neutralität einen Ausgleich zu schaffen. Die Rechtsordnung von Staaten, die das Konzept der offenen Neutralität vertreten, versucht religiöse Aspekte, wie zum Beispiel eine bestimmte Lebensführung, zu integrieren, soweit sie nicht den weltlichen Anliegen des Staates entgegenstehen.6

4. Zum Spannungsverhältnis zwischen Religion und Demokratie

Oftmals wird behauptet, dass Religion sich hindernd auf ein demokratisches System, dass heißt auf die demokratische Ordnung und die demokratischen Grundgedanken, auswirkt. Dies ist vor allem der Fall in der gegenwärtigen Diskussion um den Islam, bei der es unter anderem um das Kopftuchverbot an Schulen, den Bau von Minaretten und die „vom Islam ausgehende“ Terrorgefahr geht. Es scheint unvorstellbar, ein islamisches Land nach europäischem Prinzip zu demokratisieren, wobei Religiöses und Staatliches getrennt wird. Mit dem Verhältnis von Religion und Demokratie befasst sich José Casanova eingehend und stellt die These auf, dass das Problem des Verhältnisses von Religionen und Demokratie kein intrinsisches Problem der Religion ist, sondern eher ein Problem der verbreiteten säkularistischen Annahmen über Religion, Demokratie und ihre Beziehungen zueinander. (Casanova 2009:7)

[...]


1 Vgl. http://www.hanisauland.de/lexikon/s/saekularisierung.html

2 Pollack 2003 : 4

3 Vgl. Pollack 2003 : 4

4 Vgl. Böckenförde 2006 : 12

5 Vgl. Böckenförde 2006 : 14f.

6 Vgl. Böckenförde 2006 : 15f.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640927463
ISBN (Buch)
9783640927289
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172697
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,7
Schlagworte
aspekte säkularisierung

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Titel: Aspekte der Säkularisierung