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Der 1. Peloponnesische Krieg

Seminararbeit 2006 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die kimonische Ära
2.1 Die Entstehung des attisch-spartanischen Dualismus
2.2 Der 3. Messenischer Krieg und das Ende der Eidgenossenschaft

3 Der Erste Peloponnesische Krieg
3.1 Die Vorbereitungen auf den Krieg
3.2 Der Krieg zwischen Athen und Korinth
3.3 Der Kriegseintritt der Spartaner und die Herrschaft Athens über Mittelgriechenland
3.4 Die Wiederaufnahme des Krieges zwischen Athen und Persien und der Kalliasfrieden
3.5 Das erneute Auflodern des Krieges und der dreißigjährige Frieden

4 Ausblick

1 Einleitung

Inhalt dieser Arbeit ist der 1. Peloponnesische Krieg. Um dessen Entstehung nachvollziehen zu können, wird zuerst der Beginn des Attisch-spartanischen Dualismus und dessen Gründe und Ursachen erläutert. Die für den Ausbruch und Verlauf des 1. Peloponnesischen Krieges wichtigen Ereignisse der kimonischen Ära, insbesondere der 3. Messinische Krieg und seine Folgen, werden untersucht, bevor die wichtigsten Phasen und Ergebnisse des Krieges an sich thematisiert werden. Die Darstellung der Ereignisse des 1. Peloponnesischen Krieges endet mit dem Abschluss eines ÄSpondia“, eines Waffenstillstandes, im Jahre 446. Im Anschluss folgt ein knapper Ausblick über den Peloponnesischen Krieges bis zum Nikias-Frieden und es wird die Frage beleuchtet, ob der so genannte Erste Peloponnesische Krieg nicht eigentlich ein Teil des Peloponnesischen Krieges gewesen ist.

Die Literatur scheint mehrheitlich THUKYDIDES zu folgen, der den 1. Peloponnesischen Krieg nicht zum Peloponnesischen Krieg zählt. Denn im Gegensatz zu der Fülle an Literatur zum Peloponnesischen Krieg, haben sich nur wenige Historiker intensiv mit dem 1. Peloponnesischen Krieg auseinandergesetzt. Es finden sich jedoch auch einige Werke, speziell in englischer Sprache, die sich schwerpunktmäßig mit dieser Zeit der griechischen Geschichte befassen. Außer den grundlegenden Überblicksdarstellungen von LEWIS1 und BENGTSON2 sind hier vor allem die Abhandlungen von KAGAN3 und STE. CROIX4 zu nennen. Und auch wenn wir Äexceedingly ill-informed about the ‚First Peloponnesian War’“5 sind und THUKYDIDES den 1. Peloponnesischen Krieg in nur wenigen Seiten abhandelt, so behandelt er ihn doch wenigstens und gibt uns so einen guten Einblick in die Geschehnisse.

2 Die kimonische Ära

2.1 Die Entstehung des attisch-spartanischen Dualismus

BENGTSON urteilt, dass der spartanisch-attische Dualismus in den ersten fünfzehn Jahren nach dem Xerxeszug zu Äeiner historischen Tatsache wurde“6. Den Grund sieht THUKYDIDES im Machtgewinn Athens, der die hegemoniale Stellung Spartas gefährdete: „den wahrsten Grund freilich, zugleich den meistbeschwiegenen, sehe ich im Wachstum Athens, das die erschreckten Spartaner zum Kriege zwang“7. Diese Entfaltung Athens war die direkte Folge seiner Stellung im Attisch-Delischen Seebund8, ein Zusammenschluss ionischer und aolischer Gemeinden. Hatten in den Perserkriegen noch die Spartaner den Oberbefehl über die Flotte gehabt, übernahm Athen diesen bald aufgrund der Unbeliebtheit des Spartanerkönigs Pausanias. Sparta versuchte zwar, das Kommando zu behalten, nach Meinung Powells aber Änot wholehearted“9. Es schien außerdem nur natürlich, dass Athen, having “a far larger see fleet than Sparta”10 und mit kulturellen und politischen Beziehungen zu den ionischen Griechen, die Vorherrschaft übernahm. Aus dem losen Zusammenschluss der Stadtstaaten entwickelte sich 478/7 unter dem Archontat Timosthenes der Seebund als formales ÄSchutz und Trutz“-Bündnis. Er war ursprünglich als ein ÄBund freier Mitglieder“11 konzipiert, dessen Mitglieder Schiffe stellten oder Ausgleichszahlungen leisten mussten. Aufbewahrt wurde die Bundeskasse in Delos, wo auch die Versammlungen stattfanden, bei denen jedes Mitglied eine Stimme hatte.12 Die wichtigsten Entscheidungen wurden zwar von Athen getroffen, dennoch erscheint Rhodes’ These, die Machtstellung Athens sei so umfassend gewesen Ädass der Seebund […] schließlich zunehmend zu einem Reich unter der Kontrolle Athens“13 wurde, deutlich übertrieben. Athen hatte sich jedoch ein Machtinstrument geschaffen, Ädass dem Peloponnesischen Bundes unter Spartas Hegemonie ebenbürtig an die Seite“14 trat.

POWELL betont jedoch, dass der Seebund gegen die Perser gerichtet war, deren Rückkehr die Athener und ihre Verbündeten zu dieser Zeit am meisten fürchteten, und nicht gegen die Spartaner. “But, while the eastern Greeks had many reasons to reject Spartan leadership in favour of Athenian, the Delian League was not in its original purpose aggressively antiSpartan.”15 KAGAN gibt zu bedenken, dass “the First Peloponnesian War would have been hard to avoid after the formation of the Delian League”16

Der Auslöser des ersten Konfliktes war jedoch keine Aktion des Attisch-Delischen Seebundes, sondern der von Themistokles mit äußerstem Eifer betriebene Bau einer Befestigungsmauer um Athen. Er plante den Ausbau der Stadt Äzu einer gewaltigen Land- und Seefestung“17, bestehend aus einem 6 km langen Mauerring, der Befestigung von Piräus sowie der Verbindung der beiden Städte durch zwei Mauern. Zusammen mit der athenischen Kriegsflotte sollten die Mauern die Äüberragende strategische Position“18 Athens sichern. Doch während die Flotte bei den Griechen, die darin das einzige wirkungsvolle Machtinstrument im Kampf gegen die Perser sahen, auf Zustimmung stieß, weckte der Bau der Mauer den Widerstand Äder nächsten Nachbarn Athens, vor allem Äginas“19. BENGTSON spricht gar über Ädie unverhüllte Abneigung der Spartaner“20. Dies wirkt übertrieben, vor allem wenn man im Gegenzug THUKYDIDES Erklärung für das Verhalten der Spartaner liest, die eine Botschaft schicken, um die Athener vom Bau der Mauer abzuhalten - er urteilt, dass sie es Äselber auch am liebsten gesehen hätten, wenn weder Athen noch sonst eine Stadt befestigt wäre, hauptsächlich aber auf Betreiben ihrer Verbündeten, die Athen fürchteten wegen der bisher nie erreichten Stärke seiner Flotte und seines im Perserkrieg bewiesenen Mutes.“21. Dies wirkt idealisiert, plausibler erscheint die Erklärung, dass ihre „heimliche Verstimmung“22 vor allem auf die Verzögerungstaktik des Themistokles zurückzuführen war, Dieser war nach Sparta gereist und hatte dort die Bevölkerung hingehalten, während in Athen die Mauer so schnell wie möglich bis zu der notwendigen Mindesthöhe aufgebaut wurde, und zwar mit allen verfügbaren Materialien und Menschen23. Auch wenn THUKYDIDES dies nicht ausdrücklich betont, muss es die Spartaner doch sicherlich düpiert haben, als er schließlich nach Wochen erklärte Ävor die Spartaner hintretend, die Stadt [Athen] sei bereits befestigt und stark genug, ihre Bewohner zu schützen; wollten die Spartaner oder ihre Verbündeten zu ihnen Botschaft senden, so sollten sie es künftig tun ohne zu vergessen, daß die Athener sich sehr wohl auf ihr eigenes und das allgemeine Beste verstünden.“24

2.2 Der 3. Messenischer Krieg und das Ende der Eidgenossenschaft

Möglicherweise wäre der Krieg zwischen Athen und Sparta schon viel früher ausgebrochen, wenn sich nicht ein mächtiger Mann in Athen um den Ausgleich bemüht hätte: Kimon, der Sohn des Miltiades und Äwichtigster Heerführer und Politiker Athens in den 70er und 60er Jahren des 5. Jahrhunderts“25. Seit 478 wurde er jedes Jahr zum strategos gewählt und Äkommandierte die Streitkräfte des Attisch-Delischen Seebundes bei allen wichtigen Operationen zwischen 476 und 463“26. Kimon trat Äfür ein vertrauensvolles Zusammengehen mit den Spartanern ein“27 und bemühte sich immer wieder um den Ausgleich zwischen Athen und Sparta. Damit steht er ganz im Gegensatz zu Themistokles, der in den Spartaner, nicht in den Persern, die künftige Gefahr Athens sieht.28 Auf Kimons Vorschlag hin entschieden sich die Athener dann auch, Sparta bei der Niederschlagen des Heldenaufstandes zu unterstützen“29

Sparta war durch ein schweres Erdbeben im Sommer 464, das die spartanische Bevölkerung massiv dezimierte, stark in Bedrängnis geraten. LEWIS bewertet gar, dass Erdbeben sei Äcertainly substantial“30 gewesen und tatsächlich hatte es Äserious demographic effects“31, deren Auswirkungen sich bei Spakteria zeigen sollten. Für den Augenblick gravierender war jedoch die Tatsache, dass die Heloten in Messinien die Schwäche der Spartaner genutzt hatten und sich gegen die Spartaner erhoben hatten. Ihnen schlossen sich einige Periökenstädte an, aus dem Aufstand wurde schließlich der 3. Messinische Krieg .32 Auch wenn LEWIS feststellt, dass er auch Äits elements of open warfare”33 hatte, so verschanzten sich die Heloten jedoch bald auf dem Berg Ithome. Da sich die Spartaner Äzu einer wirksamen Belagerung […] außerstande“34 sahen, baten sie im Sommer 434 die Athener um Hilfe, deren Äskill in dealing with such defences“35 bekannt war. LEWIS stellt fest, dass unklar ist, ob die Athener Äany obligation to come“36 hatten. Sicher ist, dass sie nicht die einzigen Verbündeten waren, die Sparta um Hilfe gebeten hatte, zumindest die Unterstützung von Aegina, Mantinea und Plataia37 ist überliefert. Sicher ist auch, dass die Reaktion in Athen, wo in Kimons Abwesenheit eine radikale Richtung38 die Macht ergriffen hatte, eher zurückhaltend war und, Äderen Wortführer Ephialtes sich der Hilfesendung energisch widersetzte“39. Kimon überzeugte die Athener jedoch, ein attisches Hilfskorps von 4000 Hopliten zu schicken.

Aus nicht überzeugend geklärten Gründen sandten die Spartaner die Athener jedoch schon im Herbst zurück, laut BENGTSON Äda man ihrer nicht mehr bedurfte“40. Nach LEWIS vermuteten die Spartaner jedoch Ädaring and neoteropoia”41 auf Seiten der Athener. THUKYDIDES beschreibt die Ereignisse wie folgt:

„Wegen dieses Feldzuges trat nun zum erstenmal die Spannung zwischen Sparta und Athen sichtbar zutage. Denn da der Platz immer nicht erstürmt wurde, überfiel die Spartaner Angst vor der unberechenbaren und verwegenen Art der Athener […]: sie möchte ihnen, wenn sie dablieben, durch ein plötzliches Einverständnis mit den Belagerten in Ithome Überraschungen bereiten, und darum entließen sie sie wieder, als einzige von den Verbündeten, zwar ohne ihren Verdacht auszusprechen, nur mit der Begründung, sie brauchten sie nicht weiter. Aber die Athener merkten, dass sie nicht im Guten heimgeschickt wurden, sondern irgendein Versacht vorlag.“

Diese Zurücksendung des Heeres wurde als Affront empfunden und löste in Athen einen Sturm der Entrüstung aus.

[...]


1 Lewis, D.M.: Mainland Greece 479 - 451 BC. Cambridge 1992. S. 96 - 120.

2 Bengtson, H.: Griechische Geschichte von den Anfängen bis in die Kaiserzeit. München 1969.

3 Kagan, D.: The Outbreak of the Peloponnesian War. Ithaca 1969.

4 Ste. Croix, G.E. M. de: The origins of the Peloponnesian war. London 1972

5 Ebd. S. 180.

6 Bengtson, H (1969). S. 190.

7 Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges. I. Teil I - IV. griechisch-deutsch. Übersetzt und mit einer Einführung und Erläuterung versehen von Georg Peter Landmann. München 1993. 1.23.6.

8 In der Literatur finden sich auch die Bezeichnungen Delisch-Attischer Seebund oder Delischer Seebund, im Rahmen dieser Arbeit wird überwiegend, soweit nicht in Zitaten abweichend, die Bezeichnung Attisch-Delischer Seebund oder aus Gründen der Sprachökonomie Seebund verwendet.

9 Powell, A.: Constructing Greek Political and Social History from 478 B.C. London 1988. S. 1.

10 Ebd. S. 10.

11 Rhodes, P.J.: Attisch-Delischer Seebund (1997). S.252.

12 Vgl. Bengtson /1969). S. 176.

13 Rhodes, P.J (1997). S.252.

14 Bengtson, H. (1969). S. 190.

15 Powell (1988). S. 10.

16 Kagan, D. (1969). S.78.

17 Bengtson, H. (1969). S. 191.

18 Ebd. S. 190.

19 Ebd. S. 190.

20 Ebd. S. 190.

21 Thuk 1.90.1.

22 Ebd. 1.92.1.

23 Vgl. Thuk 1.90.

24 Ebd. 1.91.4

25 Stein-Holkeskam, E. (1999). S.461.

26 Ebd. S.461.

27 Bengtson, H. (1969). S. 193.

28 Vgl. Ebd. S. 193.

29 Stein-Holkeskam, E. (1999). S.461.

30 Lewis, D.M. (1992). 5, S. 108

31 Ebd. S. 108.

32 Vgl. Bengtson (1969). S. 183

33 Lewis, D.M. (1992). S. 109.

34 Bengtson, H. (1969). S. 199.

35 Lewis, D.M. (1992). S. 110.

36 Ebd. S. 110.

37 Vgl. Ebd. S. 109.

38 Zur Verfassungsänderung des Ephialtes vergleiche Bengtson, H. (1969). S. 199 - 201.

39 Ebd. S. 199.

40 Ebd. S. 199.

41 Lewis, D.M. (1992). S. 109.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640926206
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172649
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Thukydides Peloponnesischer Krieg Athen Sparta Griechenland Antike Messinischer Krieg

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