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Textvergleich Clifford, James "Writing Culture“ " ./. Behar, Ruth "Translated Woman"

Ausarbeitung 2008 8 Seiten

Anglistik - Komparatistik

Leseprobe

Clifford´s Werk „Writing Culture“ basiert auf dem Hintergrund, dass literarische Zugänge und deren Reflexion in den letzten Jahren in den Human-und Sozialwissenschaften zunehmend „beliebter“, und die Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst zunehmend geringer wird. Ethnographie ist zwischen mächtigen Bedeutungssystemen eingebettet und paradoxerweise selbst Teil der Prozesse die sie beschreibt. Die Hauptaussage von Clifford besteht in der vorerst scheinbar paradoxen Aussage, dass ethnographische Wahrheiten Fiktionen sind, die sich als inhärent partiell und unvollständig erweisen. Interessant dabei ist die Tatsache, dass „Wahrheit als Fiktion“ für Clifford nicht negativ behaftet ist, wie vorerst vermutet werden könnte. Vielmehr sieht er in einer Darstellung von Ethnographie als „partielle Wahrheit“ eine Art Liberation der Dargestellten aus einer Abbildung als abgeschottete, statische und in sich geschlossene „Objekte“.

Clifford weist darauf hin, dass es so mancher Empiriker wohl zu tiefst verwerflich finden würde, Ethnographien als Fiktionen darzustellen, erläutert jedoch weiters, dass das Wort „Fiktion“ heutzutage nicht mehr als pures Gegenteil von Wahrheit zu sehen ist. Vielmehr hat es seine Konnotation von „Fälschlichkeit“ verloren, was auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass interpretative Sozialwissenschafter qualitativ hochwertige Ethnographien heute als „wahre Fiktionen“ ansehen, wobei jedoch vermerkt werden muss, dass dies auf Kosten der Reduktion von allen „Wahrheiten“ geht, zumal jene nun in ihrer Vollständigkeit als mehr oder minder konstruiert erklärt werden müssen.

James Clifford verbalisiert in „Partial Truths“ sechs Faktoren von denen ethnographisches Schreiben bestimmt und stets beeinflusst wird: Kontextualität , Rhetorik (Ethnographie benutzt und wird gleichermaßen benutzt von expressiven Konventionen), Institutionen (man schreibt stets innerhalb oder gegen gewisse Tradition oder ein bestimmtes Publikum), Gattung (eine Ethnographie lässt sich üblicherweise unterscheiden von anderen Genres), Politik, und Geschichte (all die gerade genannten Bedingungen und Beschränkungen variieren). Essentiell an Clifford´s Aussage ist, dass die Inschrift einer kohärenten ethnographischen „Fiktion“ einerseits von den oben genannten Termini diktiert, und andererseits durch und durch von Macht und Geschichte in einer Art und Weise geprägt wird, welche die Ethnographen nicht im Stande sind exhaustiv zu kontrollieren.

Unter der Prämisse, dass dieses interdisziplinäre Feld, welches sich von einem Punkt der „Krise“ der Anthropologie vorwärts bewegt, stets variabel und keineswegs statisch ist, weist Clifford in Antizipation auf die Artikel in „Writing Culture“ darauf hin, dass die Beiträge darin nicht als „einheitlich“ gesehen werden können. Die Krise in der Anthropologie könnte folgendermaßen definiert werden: Wie kann Anthropologie behaupten eine Wissenschaft zu sein, wenn ihre Methoden der Wissensbildung aus einem literarischen Text bestehen, welcher Realität als „von einer Person empfangen“ präsentieren? Clifford positioniert Ethnographie als Fiktion und partielle Wahrheit, die jedoch nicht „nur“ Literatur ist. Obwohl Fiktion „partielle Wahrheit“ ist, ist es nicht dasselbe wie “relative Wahrheit”. Indem sich Writing Culture bemüht, die Unterscheidung zwischen „partieller“ und „relativer“ Wahrheit zu bekräftigen, deckt es auf wie tiefsitzend die Ängste der Anthropologie bezüglich kulturellem Relativismus bestehen bleiben.

Die Einleitung “Partial Truths” erklärt auf lebendige Art und Weise die Herausforderungen die mit vollem Erkennen der Poesie von Ethnographie auftauchen. Clifford geht also soweit, Ethnographie als Fiktion zu identifizieren, jedoch nicht ohne beträchtliche Ambivalenz. Er stellt fest, dass das Äquivalent nur legitim ist, wenn Fiktion als partielle Wahrheit verstanden wird, wobei „partiell“ sowohl seine ideologische Festlegung als auch seine Unvollständigkeit signalisiert. Auch mit diesem Einspruch durchdringt die Angst vor kulturellem Relativismus den Text.

Clifford problematisiert die Tatsache, dass ethnographische Praktiken immer von wechselnden Machtunterschieden geprägt sind, wobei deren Funktion in diesen Machtbeziehungen ambivalent ist. Ideologische Verlagerungen drücken sich vor allem dadurch aus, dass Anthropologie heutzutage nicht mehr mit automatischer Autorität über „die Völker ohne Geschichte“ spricht, als wären sie unfähig für sich selbst zu sprechen.

Bezugnehmend auf die hermeneutische Philosophie werden wir erinnert, dass bereits die einfachsten kulturellen Aufzeichnungen willkürliche Intentionen sind, wobei sich die Interpretierenden konstant selbst konstruieren durch diejenigen die sie „studieren“. In Hinblick auf Ruth Behar´s Aussagen finden sich hier starke Parallelen, als auch Clifford darlegt, wie sehr systematische und situationale verbale Strukturen alle Repräsentationen der Realität bestimmen. Clifford führt immer wieder Beispiele diverser Autoren an um seine Thesen zu untermauern, wie zum Beispiel die „textualisierte Konstruktion des Orients“, mit der sich Edward Said einnehmend beschäftigte.

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Details

Seiten
8
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640925803
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172597
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
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Autor

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Titel: Textvergleich Clifford, James "Writing Culture“ " ./. Behar, Ruth "Translated Woman"