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Pay what you want - Zahle was du willst

Einsatzmöglichkeiten und Erfolgsanalyse

Seminararbeit 2011 34 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Definition
2.2. Klassifikation
2.3. Gang der Untersuchung

3. Anwendungsbeispiele von Pay-What-You-Want
3.1. Pay-What-You-Want im World-Wide-Web
3.2. Pay-What-You-Want in der Gastronomie
3.3. Pay-What-You-Want in sonstigen Branchen

4. Erfolgsmessung
4.1. Deskription und Erfolg verschiedener Feldstudien
4.2. Einflussfaktoren auf den final bezahlten Preis

5. Betrachtung von Pay-What-You-Want aus Unternehmensperspektive
5.1. Pay-What-You-Want relevante Erfolgsfaktoren
5.1.1. Produkteigenschaften
5.1.2. Vertriebskanäle
5.1.3. Werbe- und preispolitische Aspekte
5.2. Unternehmensbezogene Wertsteigerungseffekte
5.2.1. Erschließung neuer Kundengruppen
5.2.2. Pay-What-You Want als Instrumentarium im Preisfindungsprozess
5.2.3. Pay-What-You-Want bedingte Kostenersparnis

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Klassifikation partizipativer Preismechanismen

Abb. 2: Praxisbeispiele verschiedener Branchen

Abb. 3: Durchschnittspreise zur Studie von Kim, Natter u. Spann

Abb. 4: Umsatz- und Fahrgastzahlen zur Studie von Gneezy et al

Abb. 5: Teilnehmerzahl und Durchschnittspreise zur Studie von Gautier und Van der Klaauw

Abb. 6: Einflussfaktoren auf den final bezahlten Preis

1. Einführung

In Zeiten zunehmenden Wettbewerbs und immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen ist es für Unternehmen schwieriger geworden, sich klar von anderen Marktteilnehmern abzugrenzen. Marktanteile werden in vielen Branchen über den Preis entschieden. In Märkten mit starkem Wettbewerbsdruck kalkulieren Unternehmen bereits heute am Rande des Einkaufspreises und reizen ihren Marketingetat vollständig aus, um ihren kalkulierten Preis durch das Erreichen der kritischen Kundenanzahl in die Gewinnzone zu hieven. Dabei wird der Preis meist unter Berücksichtigung gängiger Markforschungsmethoden schlussendlich einseitig vom Verkäufer festgelegt. Diesem Ansatz steht der partizipative Preismechanismus Pay-What-You-Want (PWYW) diametral entgegen. Anders als dem Kunden festgelegte Preise für alle Produkte zu diktieren, die er höchstens durch geschicktes Verhandeln drücken kann, setzt PWYW beim Kunden an und lässt diesen als Preisgestalter agieren. Damit überlässt der Verkäufer dem Käufer die volle Preiskontrolle und vertraut auf die faire Bepreisung durch den Kunden. Der Verkäufer akzeptiert dabei alle Preise zwischen null und unendlich.

Die Seminararbeit zeigt auf, dass dieses ungewöhnliche Preismodell erfolgreich genutzt werden kann und von einigen positiven Effekten begleitet wird. Eine signifikante Erhöhung der Neukundenzahl als auch Umsatzsteigerungen sind unter PWYW-Bedingungen möglich und können zusätzlich den Bekanntheitsgrad der Marke erhöhen. Neben diesen ökonomischen Effekten führt der Einsatz von PWYW aber auch zu einer höheren Zufriedenheit beim Kunden, da dieser in der Preisbestimmung autark agieren kann. Aufschlussreich sind die Erkenntnisse über bestimmte soziale Normen, die nach aktuellen Studien die Preisfestsetzung beeinflussen und den Kunden nicht, wie häufig angenommen, als reinen Nutzenmaximierer agieren lassen. Damit verfügen Unternehmen über ein ungewöhnliches Instrumentarium, das sich vielseitig einsetzen lässt und hohe Kundenaufmerksamkeit generiert. Die insbesondere für den dauerhaften Einsatz zu beachtenden Rahmenbedingungen gestalten sich mitunter diffizil und fordern ein hohes Augenmaß an Achtsamkeit, da das Unternehmen bei undurchdachter Vorbereitung Gefahr läuft, das Produkt kostenlos abgeben zu müssen. Einfacher gestaltet sich der Einsatz von PWYW als kurzfristige Maßnahme, um beispielsweise den Verkauf anzukurbeln oder den Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

Der erfolgreiche Einsatz von PWYW hängt maßgeblich von den Produktcharakteristika, dem Vertriebskanal und den Marketingmaßnahmen ab. Diese Arbeit analysiert anhand wissenschaftlicher Studien, wann PWYW erfolgreich eingesetzt werden kann und welche Grundvoraussetzungen dafür beachtet werden müssen.

2. Begriffsbestimmung

2.1. Definition

PWYW ist ein partizipativer Preismechanismus, dessen Hauptmerkmal es ist, dem Käufer die vollständige Preisbestimmung auf den final bezahlten Preis zu überlassen.[1] Im Gegensatz zu herkömmlichen Preismechanismen liegt der Partizipationsgrad des Käufers, respektive dessen Einflussmöglichkeit auf den Preis, bei 100%. Nutzt ein Verkäufer für ein Produkt oder eine Produktgruppe den PWYW-Preismechanismus, erfolgt die Transaktion zu exakt dem Transaktionspreis, der vom Käufer festgelegt wurde, ohne, dass der Verkäufer von seinem Angebot zurücktreten kann.[2] Die Preisspanne ist maximal und schließt somit alle Transaktionspreise zwischen null bis unendlich ein. Der Verkäufer überlässt die Entscheidung über die Höhe des Transaktionspreises vollständig und ohne Bedingungen dem Käufer. Neben dem Begriff Pay-What-You-Want existieren auch die Ausdrücke Pay-What-You-Like (PWYL) und Pay-What-You-Wish (PWYW), die jedoch mit der hier ausformulierten Begriffsbestimmung identisch sind.

2.2. Klassifikation

Partizipative Preismechanismen zeichnen sich durch die Einflussnahme des Käufers auf den Preis aus. Die älteste Form dieses Preismechanismus ist die klassische Auktion. Seit Etablierung des interaktiven Mediums Internet treten vermehrt verschiedene partizipative Preismechanismen auf,[3] die insbesondere auf kommerzialisierten Webportalen zum Einsatz kommen. Zu den partizipativen Preismechanismen zählen das von EBay angewandte automatic bidding sowie Name-Your-Own-Price (NYOP), das auch unter der Bezeichnung Reverse Pricing bekannt ist. Beim Preismodell automatic bidding, legt der Käufer sein Maximalgebot fest. EBay erhöht das Angebot solange in minimalen Schritten, bis es das Höchstgebot ist oder bis das Maximalgebot erreicht wurde und keine Erhöhung mehr durchgeführt werden kann.[4] Dagegen wird beim Preismodell NYOP eine geheime Preisschwelle vom Verkäufer festgelegt, sodass bei Abgabe eines Gebots, das der Preisschwelle entspricht oder diese übersteigt, der Zuschlag sofort erteilt wird und die Transaktion erfolgt.[5] Bei beiden Preismechanismen bestimmt schlussendlich der Käufer durch die Abgabe von Geboten die Höhe des Transaktionspreises, ,,(...) wobei jedoch der Verkäufer insofern Einfluss auf die Preisfindung besitzt, als dass er die Auktionsregeln vorab bestimmt.“[6] Bei beiden Preismechanismen hat der Verkäufer also keinen Einfluss auf die Höhe des Endpreises, kann diesen jedoch durch die Festsetzung eines Mindestpreises bzw. einer Preisschwelle dadurch beeinflussen, dass der Verkäufer ein Zustandekommen eines Kaufvertrags, dessen Betrag den gewünschten Mindestpreis unterschreitet, vollständig ausschließen kann. PWYW überträgt die volle Preiskontrolle ohne vom Verkäufer vorher festgelegte Bedingungen dem Käufer, einschließlich eines Transaktionspreises von null, sodass sich PWYW innerhalb der Klassifikation signifikant von den anderen partizipativen Preismechanismen unterscheidet.

Der Vollständigkeit halber wird hier auch auf die partizipativen Preismechanismen Power-Shopping und Reverse Auctions hingewiesen. Bei beiden Preismodellen wird der Endpreis vom Verkäufer festgelegt.[7] Während das Preismodell Reverse Auctions die Rollen der klassischen Auktion vertauscht - also die Verkäufer Gebote abgeben zu denen sie bereit sind das Produkt zu verkaufen[8] - setzt das Power-Shopping-Modell Preisstufen durch den Verkäufer fest, die nach der Anzahl der Käufer gestaffelt sind. Findet sich eine größere Käufergruppe zusammen, fällt der Preis auf die nächste Preisschwelle, sofern die nötige Käuferanzahl für die nächste Preisstufe erreicht ist.[9] Die Klassifikation wird in der nachstehenden Abbildung 1 verdeutlicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Klassifikation partizipativer Preismechanismen

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Kim, JY., Natter, M., Spann, M. (2010), S. 149.

Das PWYW-Preismodell ist ein neuer innovativer Preismechanismus, dessen vielseitigen Einsatzmöglichkeiten bisher unterschätzt wurden. Auch das ein solches Preismodell höhere Umsätze erwirtschaften kann, blieb lange unbeachtet. Erst in jüngster Zeit wurde das PWYW-Preismodell Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Wissenschaftliche Arbeiten die PWYW als vordergründiges Forschungsobjekt zum Gegenstand haben, sind bis auf wenige, im Literaturverzeichnis aufgeführte Publikationen, nicht vorhanden. Die in dieser Seminararbeit zusammengetragenen Erkenntnisse stützen sich auf verschiedene, aktuell durchgeführte Feldstudien.

Der Einstieg erfolgt in Kapitel drei durch die grobe Skizzierung der Praxisrelevanz von PWYW. Dabei wird ein Überblick über die beiden häufigsten Anwendungsgebiete, dem Internet und der Gastronomie, gegeben. Da die Anwendung von PWYW häufig von einem Medienecho begleitet wird, werden dort auch Zeitungs- und Internetartikel als Quellen herangezogen. Soweit die Informationen vorliegen, werden die Rahmenbedingungen des Geschäftsbetriebs in Kurzfassung aufgeführt und auf potentielle Einflussgrößen, die sich unmittelbar auf den Erfolg von PWYW auswirken, wie Werbemaßnahmen und Bekanntheit des Referenzpreises, explizit eingegangen. Nach jedem Anwendungsbeispiel wird eine kurze Aussage über den Erfolg von PWYW getroffen, vorausgesetzt die Informationen liegen vor. Alle Anwendungsbeispiele, die nicht den Branchen Internet und Gastronomie zuzuordnen sind, sind in Kapitel 3.3 unter sonstige Branchen zusammengefasst.

Kapitel 4 befasst sich detailliert mit aktuellen Studien und Feldexperimenten, die zum PWYW-Preismodell publiziert worden sind. Dabei werden die Geschäftsmodelle und die Umsatzdaten beschrieben. Anschließend wird eine Aussage über den Erfolg der jeweiligen Studie getroffen. Neben diesen Erkenntnissen geht Kapitel 4.2 auf die soziopsychologischen Faktoren des Menschen ein, die einen möglichen Erfolg oder Misserfolg von PWYW erklären helfen sollen. Das abschließende Kapitel 5 widmet sich den unternehmensrelevanten Aspekten von PWYW. Dazu wird sowohl auf entscheidende Faktoren, die den erfolgreichen Einsatz von PWYW maßgeblich beeinflussen, eingegangen, als auch eine Nutzenanalyse durchgeführt, die konkrete, PWYW-bedingte Wertsteigungen aufführt.

Abschließend wird in Kapitel sechs ein Fazit gezogen und die Erkenntnisse der Arbeit zusammenfassend dargestellt.

3. Anwendungsbeispiele von Pay-What-You-Want

Im nachfolgenden Abschnitt wird der Einsatz des Preismechanismus PWYW anhand ausgewählter Praxisbeispiele beschrieben. Abschnitt drei befasst sich dabei hauptsächlich mit der Beschreibung, wie PWYW in den verschiedenen Branchen zur Anwendung kam. Sofern Informationen zum Erfolg von PWYW vorliegen, werden diese ebenfalls aufgeführt.

3.1. Pay-What-You-Want im World-Wide-Web

Die Anwendung von PWYW im World-Wide-Web fokussiert sich überwiegend auf den Musikbereich. Die britische Rockband Radiohead, die bereits Millionen Tonträger weltweit verkauft hat, kreierte für ihr neues Album In Rainbows eine Homepage, die im Oktober 2007 online ging. Exklusiv über diese Plattform wurde das neue Album zum Kauf angeboten, wobei dort, wo üblicherweise der Preis aufgeführt ist, der Eintrag „It’s up to you“[10] vermerkt war.[11] Konkret hieß dies, dass die Käufer aufgerufen waren, den Preis für das Album selbst zu bestimmen, wobei auch die Eingabe von null Pounds akzeptiert wurde. Der Erwerb des Albums war zwei Monate über die Homepage durchführbar. Damit entkoppelte sich Radiohead nach Auslauf ihres Plattenvertrags von dem branchenüblichen Geschäftsmodell und löste sich vom traditionellen Erlös durch physische Tonträger.

Mit zeitlicher Verzögerung publizierte das Management von Radiohead die exakten Angaben über die Downloads und die bezahlten Preise. Demnach wurden bei einer Gesamtdownloadzahl von 1,2 Millionen zwei von fünf Downloads bezahlt.[12] 62% der Besucher haben sich dazu entschieden das Album kostenlos herunterzuladen und einen Preis von null zu bezahlen.[13] Betrachtet man den Durchschnittspreis unter Eliminierung all jener, die einen Preis von null gewählt hatten, wurden 6$ pro Album bezahlt, während unter Berücksichtigung aller Downloads ein Durchschnittspreis von 2,26$ bezahlt wurde.[14] Als das Album schließlich als physischer Tonträger in den Handel kam, wurde es über eine Million Mal verkauft und schnellte auf Platz eins der US und UK Charts.[15]

Weitere Künstler, die das PWYW-Modell in gleicher oder sehr ähnlicher Form angewendet haben, sind: Der DJ Girl Talk, Matthew Smith, der Comedian Steve Hofstetter und Trent Reznor,[16] wobei Letzterer das PWYW-Modell dahin gehend modifizierte, dass der Käufer lediglich die Auswahl zwischen den Beträgen null und fünf Dollar hatte.[17]

Das Webportal Noisetrade.com bietet Musikdownloads zu PWYW-Konditionen an. Musiker können auf der Homepage ihre Musiktitel anbieten, die anschließend von den Konsumenten unter bestimmten Bedingungen kostenlos heruntergeladen werden können. Zu den Bedingungen zählt, dass man eine gültige Emailadresse und seine Postleitzahl angibt. Zusätzlich muss der Konsument den Künstler zu einem höheren Bekanntheitsgrad verhelfen. Dazu bietet die Homepage nach Eingabe der Emailadresse und der PLZ drei Möglichkeiten an, die per Klick ausgewählt werden können.

1. Man klickt auf den Facebook Banner, der einem zum Log-in-Bereich von Facebook führt. Gibt man dort seine Zugangsdaten ein, erfolgt die Publikation des Musikers auf der Pinnwand des Users, sodass seine Freunde den Namen, das Cover und den Namen der Homepage Noisetrade.com auf der Newsseite einsehen können. 2. Das gleiche Prozedere wird via Twitter durchgeführt. Nach dem Log-in wird eine Twitternachricht auf dem Userprofil publiziert. 3. Verfügt man weder über einen Facebook- noch über eine Twitter-Account, besteht die Möglichkeit über den Email-Link, eine Kurzemail an Freunde zu versenden. Die E-Mail beinhaltet den Namen des Künstlers, den Hinweis auf die kostenlose Plattform Noisetrade.com und verweist auf einen Link, der zu dem Musiktitel auf Noisetrade.com führt. Nachdem man einer der drei Optionen durchgeführt hat, besteht noch die freiwillige Abgabe einer Spende an den Künstler. Anschließend erhält man eine E-Mail, die sowohl einen Link als auch einen Download-Code enthält. Trägt man den Code auf der verlinkte Seite ein, startet der Download des Musiktitels. Ein ähnliches Modell betreibt Aralie.com. Dort können Künstler ihre Musiktitel hochladen und einen Mindestpreis angeben. Das Webportal zahlt 85% der Einnahmen an die Künstler aus.

Ein anderes Beispiel aus dem World Wide Web, das PWYW zur Anwendung brachte, ist die Dating-Plattform Eve,n’Adam. Die Mitglieder konnten „(...) für ihren monatlichen Beitrag so viel zahlen, wie sie wollten.“™ [18]

3.2. Pay-What-You-Want in der Gastronomie

Die häufigste Anwendung von PWYW findet man im Gastronomiebereich. Mittlerweile gibt es in vielen Metropolen in Europa, den USA und Australien Gastronomiebetriebe, die entweder einen reinen Getränkeausschank oder auch Speisen zu PWYW-Konditionen anbieten.[19] Im amerikanischen St.Louis eröffnete Mitte Mai 2010 die Panera Bread Company, ein Non-Profit Bistro mit dem Namen St.Louis Bread Company Cares Café. Kunden können dort Getränke und Speisen verköstigen, die sie zuvor am Tresen ausgewählt haben und werden am Ende mit einer Spendenbox und dem Hinweis ,,take what you need, leave your fair share“ [20] konfrontiert. Die Kunden können also bezahlen was sie wollen und finden Orientierung an den ausgehängten Preistafeln. Das Bistro weist mit Tafeln auf den gemeinnützigen Zweck hin, indem es sich selbst als Community-Cafè bezeichnet.[21]

Auch dass im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg liegende Perlin bietet seine Produkte ohne Preisangabe an. In dem auf Wein spezialisierten Lokal können Kunden Wein verköstigen um dann „(...) den Abend am Ende angemessen und stilvoll zu bewerten.“,[22] wie es auf der Homepage heißt. Lentil as Anything, ein Restaurant im australischen Melbourne, bietet Speisen zu PWYW-Konditionen an, die aus Bio-Lebensmitteln zubereitet werden.[23] Die Kunden sollen danach selbst entscheiden, wie viel ihnen das Essen wert war und sind zu diesem Zweck aufgefordert, anonym einen Betrag in eine Box einzuwerfen. Das Lentil as Anything nutzt seine Räumlichkeiten für künstlerische Ausstellungen, Live-Musik und Filmvorführungen, die das Publikum bei der Verköstigung begleiten. Das Restaurant, das im Jahr 2000 seine erste Filiale eröffnete, betreibt mittlerweile Restaurants an drei Standorten.[24]

Das PWYW auch in hochpreisigen Restaurants funktionieren kann, berichten Fernandez und Babu. Das Exklusiv-Restaurant mit dem Namen Mon Cheri in der japanischen Stadt Fukuoka besteht aus nur zehn Plätzen und konnte sich seit 1979 unter PWYW-Konditionen behaupten.[25]

3.3. Pay-What-You-Want in sonstigen Branchen

PWYW kam auch in vielen anderen Branchen zu Anwendung und wird dabei mitunter bereits seit Jahrzehnten praktiziert. Fernandez und Babu erwähnen etwa die Tradition in indischen Dörfern, in denen für die Namensgebung, die Durchführung einer Trauung und andere religiöse Zeremonien, dem ausführenden religiösem Organ bezahlt wird, was man will.[26] Auch ein Arztbesuch kostet in ländlichen Gebieten Indiens genau das, was man sich leisten kann.[27]

Die Optiker-Kette Apollo Optik führte das PWYW-Preismodell befristet zum Zwecke der Verkaufsförderung ein. Vom 3. August bis zum 17. Oktober 2009 konnten Kunden des Optikers den Preis für ihr Brillengestell selbstbestimmen.[28] Auch der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble experimentierte bereits mit dem PWYW-Preismodell. In einer Groß-Gerauer Filiale der Supermarktkette real,- konnten im Jahr 2009 die Kunden für den Rasierer Gillette Fusion für die Dauer eines Tages bezahlen, was sie wollten.[29] Die Hotelkette Ibis nutzte bereits im Jahr 1995 PWYW als Marketinginstrument um Ibis „(...) alspreiswerte Hotelmarke zu positionieren.“[30]

Der Hamburger Orthopäde Ludwig Flocken besitzt eine Arztpraxis, die keinem Kassenvertrag unterliegt. Demnach macht die Kundengruppe der gesetzlich Versicherten nur einen geringen Teil des Patientenkreises aus, weil die Arztrechnung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird. Im Dezember 2003 führte Ludwig Flocken die Behandlung zum frei wählbaren Preis ein.[31] Die Patienten erhalten eine einwöchige Bedenkzeit, um den Preisfindungsprozess abzuschließen.

Die Berliner Drehbuchschule bietet Einführungskurse zum Thema Drehbuchschreiben an. Das dreitägige Seminar wird zu PWYW-Konditionen angeboten. Eine Woche nach Seminarende erhalten die Teilnehmer ein Schreiben mit der Bitte einen Betrag zu entrichten, der ihnen der Kurs wert war.[32] Das Projekt scheiterte jedoch an der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Die Drehbuchschule Berlin erhielt nur von 20% der Kunden mehr als 120€, während sich die regulären Preise zwischen 300€ und 400€ bewegen.[33]

Auch im Printmedienbereich gab es Versuche das PWYW-Preismodell einzuführen. Das Musik-, Film- und Kulturmagazin Paste warb im Jahr 2007 damit, dass neue Abonnenten für ihr Jahresabonnement zahlen konnten, was sie wollten.

[...]


[1] Vgl. Kim, JY., Natter, M., Spann, M., (2010), S. 149.

[2] ebd.

[3] Vgl. Kannan, PK., Kopalle, P., (2001), S. 63.

[4] Vgl. Bajari, P., Hortacsu, A., (2003), S. 329 f.

[5] Vgl. Skiera, B., Spann, M., Walz, U., (2005), S. 290.

[6] Kim, JY., Natter, M., Spann, M., (2010), S. 149.

[7] Vgl. ebd., S. 150.

[8] Vgl. Jap., SD., (2002), S. 507.

[9] Vgl. Skiera, B., Spann, M., , Walz, U., (2005), S. 291.

[10] www.time.com (Time Inc.)

[11] Vgl. www.economist.com (The Economist Newspaper Limited)

[12] Vgl. www.comscore.com (comScore Inc.)

[13] Vgl. ebn.

[14] Vgl. ebn.

[15] Vgl. www.nme.com (IPC Media Limited)

[16] Vgl. Kim, JY., Natter, M., Spann, M., (2010), S. 152.

[17] Vgl. www.cnet.com (CNET Networks Inc.)

[18] Vgl. Kim, JY., Natter, M., Spann, M., (2010), S. 8.

[19] Vgl. http://articles.cnn.com (Turner Broadcasting System Inc.)

[20] www.usatoday.com (Gannett Company Inc.)

[21] Vgl. ebn.

[22] www.weinerei.de (Die Weinerei)

[23] Vgl. www.lentilasanything.com (Lentil as Anything)

[24] Vgl. ebn.

[25] Vgl. Fernandez, J., Babu, N., (2009), S. 3.

[26] Vgl. Fernandez, J., Babu, N., (2009), S. 2.

[27] Vgl. ebn.

[28] Vgl. Kim, JY., Natter, M., Spann, M., (2010), S. 152.

[29] Vgl. Düthmann, C., (2009), S. 40.

[30] wvp., (2008) S. 51.

[31] Vgl. Friemel, K., (2006), S. 45.

[32] Vgl. ebn. S. 47.

[33] Vgl. ebn.

Details

Seiten
34
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640924806
ISBN (Buch)
9783640924622
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172541
Institution / Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
1,3
Schlagworte
PWYW PWYL Pay-what-you-want Zahle was du willst Marketing Verkaufsstrategien

Autor

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Titel: Pay what you want - Zahle was du willst