Lade Inhalt...

Die Public-School Bewegung - Jugend und Sport in England

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 18 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Public Schools und gentleman-sports
2.1 Public School – Begriffsbestimmung
2.2 Gründung der Public Schools
2.3 Transformation der Public Schools
2.4 Die Anfänge des Sports in England

3. Public School Sport und Erziehung
3.1 Public School Games
3.2 Die headmasters – Feinde des Sports
3.3 Die Reformen des Thomas Arnold

4. Schlussteil

5. Bibliographie

1. Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein einen Einblick in die Entstehung und geschichtliche Entwicklung des englischen Public-School-Wesens zu geben. Dies geschieht mit dem Hauptaugenmerk auf den Sport, der schon früh an englischen Privatschulen in vielfältiger Form und Ausprägung vertreten war, sich dort weiterentwickelt hat, und maßgeblich im Bereich der schulischen Institution und weit darüber hinaus Berücksichtigung fand.

Zunächst soll auf die Anfänge, welche ausgehend mit Gründung der Public School in Winchester 1382 durch William of Wykeham mehrere Schulgründungen nach sich zogen, bezug genommen werden. Es soll dabei erläutert werden von wem die Schulen geleitet wurden, welche Klientel sie ansprachen, d.h. die Frage welcher Klassen die Jungen die jene Schulen besuchten entstammten, und wie und zu welchem Zweck dort Sport getrieben wurde. Da wir uns auf einen relativ langen Untersuchungszeitraum stützen, der über mehrere Jahre geht muss von einem Wandel, ausgelöst durch sich verändernde politische und gesellschaftliche Gegebenheiten, ausgegangen werden.

Der Sport wurde in vielerlei Hinsicht für bestimmte Zwecke instrumentalisiert. Die Erziehungsziele des Thomas Arnold, Rektor an der Public School in Rugby von 1827-1839, wurden unter Einbezug des Instruments games and sports verwirklicht. Arnold war unter anderem für die Abschaffung des grausamen sogenannten prefect-fagging system (Synonyme: fagging system; prefectorial system, K.M.). Es bezeichnete ein unter den Public School Schülern vorherrschendes, strikt hierarchisches Machtgefüge. In Anlehnung an dieses traditionell anerkannte System gaben sich die älteren und somit zumeist auch stärkeren Schüler das Recht die jüngeren, schwächeren Schüler zu Untertanen zu machen und von ihnen Dienstleistungen einzufordern.

They [the boys, K.M.] ... insisted on the fagging system in which small

boys served an apprenticeship as slaves to bigger ones.[1]

Dies alles geschah unter Einbezug von körperlicher Gewalt und Härte.

Gewalt dominierte den Schulalltag und war lange Zeit vor Arnold, dessen Reformen schließlich eine maßgebende Veränderung brachten, eine anerkannte Disziplinarmaßnahme unter Schülern, Lehrern und den Direktoren, den sogenannten headmasters. Unter diesem Hintergrund ist es interessant sich einmal dem Machtgefüge zwischen Lehrkörper und Schülern, wie es sich an den Public Schools darstellte, zu widmen.

Dass das Verhältnis der Schuloberen und den Schuljungen nicht frei von Spannungen war, liegt auf der Hand. Was unter anderem zu Feindschaften führte war die strikte Ablehnung und Inakzeptanz seitens der headmasters gegenüber den Spielen, die den Wert dieser entweder nicht anerkennen wollten oder sie als leidiges Ärgernis betrachteten. Wenn Dr. Samuel Butler, headmaster von Shrewsbury von 1798-1836 sagt, football sei „only fit for butcher boys“[2] und „more fit for farm boys and labourers than for young gentlemen“[3], so repräsentiert es diese, wenngleich auch wenig später von den meisten headmasters revidierte, feindliche Gesinnung ihrer den Spielen gegenüber. Ironischerweise war es bereits Butler´s direkter Nachfolger als headmaster, Dr. Kennedy, der 1841 in einem Brief den Jungen für ihr unschuldiges Amüsement und sportliche Übungen in ihrer Freizeit ein überaus positives Zeugnis bescheinigt.[4]

2. Public Schools und gentleman-sports

2.1 Public School - Begriffsbestimmung

Seit dem ersten überlieferten Gebrauch des Begriffs „Public School“ vom Jahre 1180 an herrschte Uneinigkeit über dessen Definition. Trotz mehrerer Versuche genau und unmissverständlich einzugrenzen, ob und wann eine Schule die Voraussetzungen erfüllt um sich Public School zu nennen, blieben Unsicherheiten bestehen. Vor allem mit dem Ende des 18. und dem beginnenden 19. Jh., als die Engländer ihren Schulen immer mehr Wert beimaßen und sie als ihrer Person zugehörig betrachteten, war man bestrebt durch eine einheitliche Definition auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.[5] Derlei Bestrebungen lesen sich, wie hier von Sydney Smith der im Edinburgh Review 1810 schreibt, wie folgt:

...by a public school we mean an endowed place of education

of old standing to which the sons of gentlemen resort in

considerable number and where they continue to reside from

eight or nine to eighteen years of age.[6]

Trotz das solche Art von Definition wie oben beschrieben allgemein akzeptiert wurde, blieben Unsicherheiten zwecks Verwendung des Begriffs bestehen. Als die Clarendon Commission 1861 ins Leben gerufen wurde um das Management von Public Schools zu überwachen, beschränkte man sich auf neun Schulen. Zu diesen gehörten: Eton, Winchester, Westminster, Charterhouse, St. Paul´s, Merchant Taylors´, Harrow, Rugby und Shrewsbury.[7] Warum nun diese neun als Public Schools gelten sollten, dafür aber andere Schulen unberücksichtigt blieben und in dem Sinne keine Public Schools waren, das blieb ein umstrittenes Thema. Es geschah nicht vor 1942, dass Klarheit über dieses Problem geschaffen wurde:

The President of the Board of Education then ruled that member-

ship of the Headmasters’ Conference or of the Governing Bodies’

Association entitled a school to call itself a Public School.[8]

Bezeichnenderweise wurde das Problem also über Ausschüsse, welche die Aufgaben hatten die Schulen auf Erfüllung bestimmter Normen hin zu prüfen, gelöst.

Der Terminus public ist nicht dergestalt aufzufassen, dass die Schulen einer gewissen klassenübergreifenden Klientel offen standen. Folgendes Zitat verdeutlicht dies:

These schools were not state ventures aimed at widening

access but private boarding schools for the sons of the well-

to-do. They were public only in the sense that their headmasters,

instead of owning the schools, were employed by trustees at a

salary.[9]

2.2 Gründung der Public Schools

In dem im vorigen Abschnitt angeführten Zitat von Sydney Smith ist bereits angeklungen, dass die Public Schools den „sons of gentlemen“ zugedacht waren. Dies war, wenn man in die Anfänge, sprich der Gründung der Schulen, zurückblickt so noch nicht der Fall.[10] Sogleich gab es große Unterschiede zwischen den Schulen, gemessen an den jeweiligen Beweggründen und Zwecken zu denen sie gegründet worden sind. So wurden Rugby, Harrow und Shrewsbury als Schulen für die Söhne der Einwohner gegründet. Winchester, die älteste unter ihnen wurde durch William of Wykeham 1382 gegründet. Wie viele Public Schools war es eine boarding school (entspricht dem deutschen Wort für Internat, K.M.) für „pauperes et indigentes“.

...’pauperes et indigentes’ for whom Winchester was founded

were the poor or merely the relatively poor…[11]

2.3 Transformation der Public Schools

Zunächst waren die Public Schools also tatsächlich, wie es der Name sagt, öffentliche Schulen für Kinder ärmerer Leute. Seit Beginn des 18. Jh. stieg eine neue Mittelschicht, die Gentry, zur dominierenden gesellschaftlichen Kraft in England auf. Den Leuten aus der bürgerlichen Gentry und auch der Aristokratie war es sehr daran gelegen, wenn es um education[12] für ihre Söhne ging, diese in die Obhut von Schulen zu geben, die einen ausgezeichneten Ruf besitzen. Sie zogen die Public Schools Privat- oder Hauslehrern vor, nicht etwa nur deshalb, weil sie von den geistigen Bildungsinhalten der Schulen so stark angetan gewesen wären, sondern vielmehr weil es ihnen als Erziehungsziel wichtig war, dass ihre Söhne in der Auseinandersetzung mit anderen, seien es Mitschüler oder Lehrer und headmasters, sich durchzusetzen lernten.[13] Das Postulat war:

Training boys in ‚manliness’ and ‚independence’[14][15]

[...]


[1] Birley, Derek: Sport and the making of Britain, p. 187.

[2] McIntosh, Peter C.: Physical Education in England since 1800, p. 25.

[3] Holt, Richard: Sport and the British. A Modern History, p. 75.

[4] vgl. McIntosh, Peter C.: op. cit., p. 29 .

[5] vgl. McIntosh, Peter C., op. cit., pp. 16, 17.

[6] ibid., p.16.

[7] vgl. ibid ., p.17.

[8] ibid ., p. 16.

[9] Birley, Derek : Sport and the making of Britain, p. 187.

[10] Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass wenn im folgenden von Public Schools, bzw. Schulen die Rede ist, eben diese erwähnten neun gemeint sind, die später von der Clarendon Commission beaufsichtigt wurden.

[11] McIntosh, Peter C., op. cit., p. 19.

[12] Mit dem englischen Wort „education“ verbindet man Erziehung und Bildung gleichermaßen.

[13] vgl. Krüger, Michael: Einführung in die Geschichte der Leibeserziehung und des Sports. Teil 3: Leibesübungen im 20. Jahrhundert. Sport für alle, p. 28; Mc Intosh, Peter C.: op. cit., p. 20.

[14] Krüger, Michael: op. cit., p.28.

[15] Eigenschaften, welche in ihrem Leben als Erwachsene gefordert waren, vor allem im Hinblick auf die Behauptung der Herrschaft in den Kolonien in Übersee.

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638218573
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v17239
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Inst. für Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Public-School Bewegung Jugend Sport England Hauptseminar Deutschland

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Public-School Bewegung - Jugend und Sport in England