Lade Inhalt...

Location Based Marketing

Foursquare, Gowalla, Qype, Facebook Deals, Twitter, Google Places

Diplomarbeit 2011 96 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Marketing
2.2 Balanced Scorecards
2.3 Social Media und Social Media Marketing
2.4 Location Based Services
2.5 Location Based Marketing
2.6 Zusammenfassung

3 Location Based Services
3.1 Technische Grundlagen
3.1.1 Mobile Endgeräte
3.1.2 Ortung der Position
3.1.3 Kommunikationsnetzwerk
3.1.4 Dienste- und Inhaltsanbieter
3.2 Dedizierte Location Based Services
3.2.1 Foursquare
3.2.2 Gowalla
3.3 Integrierte Location Based Services
3.3.1 Qype
3.3.2 Facebook Deals
3.3.3 Twitter
3.3.4 Google Places
3.4 Zusammenfassung

4 Location Based Marketing
4.1 Marketing mit Social Media und Location Based Services
4.2 Verbreitung und Entwicklung
4.3 Datenschutz & Privatsphäre
4.4 Erfolgsmessung
4.4.1 Balanced Scorecards
4.4.2 Foursquare
4.4.3 Facebook
4.4.4 Google Places
4.4.5 Geotoko
4.5 Fallstudien
4.5.1 Vapiano
4.5.2 Starbucks
4.5.3 „Niederlassung“
4.6 Zusammenfassung

5 Soziologische und psychologische Betrachtungsweise
5.1 Typologien der Mobiltelefonnutzer
5.2 Typologien der Social-Media-Nutzer
5.3 Motive für die Nutzung von Social Media und Location Based Services
5.4 Social-Media-Sucht und Internet-Sucht
5.5 Einflüsse von Social Media auf die Gesellschaft
5.6 Zusammenfassung

6 Location Based Marketing für das Unternehmen Auto Hensel GmbH & Co. KG
6.1 Konzept
6.2 Umsetzung
6.2.1 Foursquare
6.2.2 Gowalla
6.2.3 Facebook Places
6.2.4 Google Maps
6.3 Statistische Auswertung
6.4 Problemanalyse
6.5 Zusammenfassung

7 Fazit

8 Anhang

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

1 Marketingmix

2 Klassische Balanced Scorecard

3 Beispiel einer Balanced Scorecard

4 ARD/ZDF-Onlinestudie 2008-2010: Prozentualer Anteil der Nutzer mit eigenem Profil in Sozialen Netzwerken

5 Eingegangene Meldungen auf http://haiti.ushahidi.com/

6 Weltweite Zahl der Mobiltelefonbenutzer

7 Die vier Komponenten von Location Based Services

8 Verteilung der Smartphone-Betriebssysteme laut Gartner Q3/2010

9 Verkauf von Smartphones 2010 laut Bitkom

10 Positionsbestimmung mittels GPS

11 Netzabdeckung der Telekom Deutschland GmbH

12 Foursquare: Venue und Special von Auto Hensel in der Applikation für Android

13 Foursquare: Darstellung auf Facebook (links) und Twitter (rechts)

14 Foursquare: Leaderboard

15 Foursquare: Badges

16 Foursquare: Partner-Badges: Barister (Starbucks), Jobs (Apple), Red (Join Red)

17 Foursquare: Special der Bar „Niederlassung“

18 Foursquare: Fotos

19 Foursquare: Offline-Promotion - Aufkleber beim Autohaus Hensel

20 Foursquare: Offline-Promotion - Einbindung in die Webseite

21 Gowalla: Fotos auf der Webseite

22 Gowalla: Stamps (links) und Pins (rechts)

23 Gowalla: History eines Items (links); Liste aller gesammelten Items (rechts)

24 Qype: Mobile Applikation - Übersicht eines Ortes (links); Reviews (mit- te); Gutschein (rechts)

25 Facebook: Klassische Seite (links); Places (rechts)

26 Facebook: Pinnwandeintrag eines Check-ins mit Foto

27 Facebook Deals

28 Twitter Places

29 Darstellung eines Eintrages auf der Google-Maps-Webseite

30 Google Offers: Darstellung zum Ausdrucken (links); Darstellung auf mo- biler Applikation (rechts)

31 Zusammenfassung: Location Based Services nach ihren Eigenschaften

32 Comscore: Die größten Webseiten weltweit

33 Bewegungsprofil erstellt mittels FourTrace

34 Erweitertes Balanced-Scorecard-Modell

35 Social Media Balanced Scorecard

36 Statistik für Auto Hensel auf Foursquare

37 Statistik für Auto Hensel mit Facebook Insights

38 Statistik für Auto Hensel mit Google Places

39 Geotoko

40 Special von Vapiano

41 Foursquare-Nutzer bei Vapiano (seit Gründung der Venues)

42 Vapiano Analyse mittels Geotoko

43 Foursquare-Nutzer bei Starbucks

44 Item der „Niederlassung“

45 Analyse der „Niederlassung“ mittels Geotoko

46 Klassifizierung der Social-Media-Nutzer durch Forrester Research

47 Verteilung der unterschiedlichen Social-Media-Nutzer

48 Ergebnisse der Studie von Retrevo über das Nutzungsverhalten von So- cial Media

49 Webseite des Venues auf foursquare.com

50 Autohaus Hensel auf der Webseite von Gowalla

51 Spot für das Autohaus Hensel in der Gowalla-Applikation für das iPhone

52 Place für das Autohaus Hensel in der Facebook-Applikation

53 Eintrag auf der Webseite von Google Places

54 Auto Hensel in Google Maps auf einem mobilen Endgerät

55 Geotoko: Verteilung der Check-ins bei Auto Hensel auf die Wochentage

56 Demografische Verteilung der Neuwagenkäufer und der Social-Media- Nutzer nach Alter

57 Brief von Google zur Freischaltung des Eintrages

Tabellenverzeichnis

1 Einstufung: Foursquare

2 Einstufung: Gowalla

3 Einstufung: Qype

4 Einstufung: Facebook Places

5 Einstufung: Twitter

6 Einstufung: Google Places

7 Foursquare-Nutzer bei Vapiano (seit Gründung der Venues)

8 Foursquare-Nutzer bei Starbucks

9 Nutzungszahlen für Auto Hensel

10 Referenzwerte in Bayreuth (Stand: 04.01.2011)

1 Einleitung

Die Passagiere von KLM staunten nicht schlecht, als sie von Mitarbeitern der Flug-gesellschaft abgepasst wurden und ihnen ein Geschenk überreicht wurde. Wie sie zu dieser Ehre gekommen sind, konnten sich viele zunächst nicht erklären, bis ihnen die Mitarbeiter erklärten, dass sie ja soeben mit Foursquare eingecheckt und dort verkün-det hätten, dass sie auf ihren Abflug warten oder auf ihr Gepäck nach der Landung. In einer PR-Aktion überwachte KLM alle Foursquare-Check-ins und Twitter-Nachrichten, welche die Standortdaten der Gates enthielten, die von KLM genutzt wurden. Für die Passagiere wurde ein auf ihr Benutzerprofil zugeschnittenes Geschenk ausgewählt und versucht, sie am Gate ausfindig zu machen. Die Freude der überraschten Passagiere war natürlich entsprechend groß. Aber nicht nur die Freude der beschenkten Passagie-re konnte KLM für sich verzeichnen, sondern auch eine enorme virale Verbreitung der Aktion. Alleine auf Twitter konnten innerhalb einiger Wochen, nach eigenen Angaben, mehr als eine Million Impressions erreicht werden.1

„Location Based Services“ oder zu Deutsch „Standortbezogene Dienste“ bezeichnen die Möglichkeiten den Benutzern von Smartphones, abhängig von ihrem aktuellen Standort, bestimmte Dienste oder Informationen zur Verfügung zu stellen. Während beispiels-weise die Google-Suchmaschine versucht den aktuellen Standort in die Suchergebnisse einzubeziehen und somit die Suchergebnisse zu verfeinern, bietet der Dienst Qype eine Umkreissuche nach den beliebtesten Ausgehmöglichkeiten, wie Restaurants oder Bars. Dienste wie Foursquare, Gowalla und Facebook Places gehen dabei noch weiter. Die Benutzer „checken ein“ und verraten somit ihren Freunden den aktuellen Standort. Während Foursquare und Gowalla besonders die spielerische Ebene der Benutzer an-sprechen, indem sie den Benutzern hierfür „Badges“ verleihen, setzt Facebook Places auf die reine Wirkungsweise von Social Media.

Ein besonderer Fokus dieser Arbeit liegt auf den Diensten mit dem Prinzip der Check-ins, wie Foursquare, Gowalla und Facebook Places. Mit 600 Millionen aktiven Benutzern bei Facebook ist Facebook Places der Dienst, der am meisten Reichweite verspricht.2 Allerdings ist dies auch der jüngste der angesprochenen Dienste und muss sich im Bereich der Location Based Services erst etablieren. Foursquare, einer der Vorreiter im spielerischen Bereich der standortbezogenen Dienste, erreichte im Oktober 2010 4 Millionen Benutzer3, im November 5 Millionen Benutzer - nur 19 Monate nach Start des Dienstes.4 Im Januar 2011 konnten bereits 6 Millionen registrierte Benutzer gezählt werden, was für das Jahr 2010 eine Wachstumsrate von 3400 % bedeutet.5

Mehr und mehr Unternehmen erkennen die Macht von Social Media Marketing und investieren immer mehr, um erfolgreiche Präsenzen bei Facebook, Twitter und anderen Social-Networking-Seiten zu etablieren. Social Media Marketing ist bereits seit Monaten keine Randerscheinung des Marketings mehr. Während in Deutschland das Marketing mit und die Nutzung von Social Media noch hinterherhinkt, hat es sich in Ländern wie den USA oder Irland bereits weit etabliert. Die Zeit, in der Social Media Marketing ungewöhnlich und etwas Besonderes war, ist vorbei. Mittlerweile sind sowohl die großen als auch kleinen Unternehmen über Social Media vertreten. Es müssen somit neue We-ge gefunden werden, um sich von den Wettbewerbern abzuheben. Eine der möglichen Optionen ist das Marketing mittels der noch jungen Location Based Services.

Während amerikanische Unternehmen wie CNN, MTV oder Starbucks diese Dienste bereits längere Zeit nutzen und in den USA bereits Konferenzen über Location Ba-sed Marketing abgehalten werden, etabliert sich dies in Deutschland erst langsam. In den folgenden Kapiteln werden die Grundlagen zu Location Based Services und Loca-tion Based Marketing geklärt, die wichtigsten Dienste verglichen und betrachtet, wie diese für das Marketing eingesetzt werden können. In den darauf folgenden Kapiteln er-folgt eine Vorstellung der Möglichkeiten zur Erfolgsmessung sowie eine Darstellung von mehren Fallstudien, die erfolgreiches Location Based Marketing zeigen. Die Wichtig-keit des Datenschutzes und der Privatsphäre aufgrund der hohen Sensibilität der Daten wird erläutert. Ein Schwerpunkt der Diplomarbeit liegt auf den soziologischen und psy-chologischen Aspekten im Zusammenhang mit Social Media. Im Praxisteil wird das Marketing mittels der Location Based Services Foursquare, Gowalla, Facebook Places und Google Places für das Unternehmen Auto Hensel GmbH & Co. KG umgesetzt.

2 Grundlagen

Um die Zusammenhänge und Hintergründe des Location Based Marketing zu verstehen, ist es wichtig, alle benötigten Begriffe und Grundlagen zu kennen. In diesem Kapitel erfolgt eine Definition und Klärung der Begriffe Marketing, Balanced Scorecard, So-cial Media und Social Media Marketing, Location Based Service und Location Based Marketing.

2.1 Marketing

Unter Marketing wird im Allgemeinen die Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Unternehmensaktivitäten verstanden. Die eigene Ausrichtung und Leistung sollen fortlaufend angepasst und dadurch auf die Wünsche der Kunden ein-gehen.6 Das Marketing hat somit Einfluss auf die gesamte betriebliche Organisation und den betrieblichen Ablauf. Das Hauptziel ist es, eine erfolgreiche und profitable Beziehung zu den Kunden aufzubauen und somit die Unternehmensziele zu erreichen. Marketing ist mehr als nur Werbung und das Anpreisen von Produkten.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Marketingmix

Quelle: Eigene Darstellung

Der Marketing-Mix besteht, wie in Abbildung 1 dargestellt, aus vier Bereichen, den „vier P“:8 Product, Price, Place, Promotion.

Für das Social Media Marketing und insbesondere das Location Based Marketing ist der Bereich der Promotion, also der Kommunikationsmix, wichtig. Der Kommunikationsmix besteht aus den Punkten Advertising (Werbung), Personal Selling (Verkauf), Sales Promotion (Verkaufsförderung) und Public Relations.

Da sich in den meisten Konsumgütermärkten, wie beispielsweise auch im Automobil-markt, die Produktangebote und deren Eigenschaften nur geringfügig unterscheiden, also ein homogenes Produktangebot vorliegt, müssen die Unternehmen mehr und mehr versuchen, sich mit Hilfe von Kommunikationsmaßnahmen ein Markenimage aufzubau-en.9

Neben der reinen Werbung, also der unpersönlichen, einseitigen Kommunikation über Massenmedien, stehen heute besonders auch Mischformen mit anderen Kommunika-tionsinstrumenten im Vordergrund. So werden bei der Verkaufsförderung kurzfristige Aktionsmaßnahmen direkt am Verkaufsort durchgeführt. Bei den Public Relations wer-den weniger die Produkte, sondern mehr der Ruf des Unternehmens hervorgehoben. Denkbar in diesem Bereich sind beispielsweise sowohl Sponsoring-Verträge als auch Spenden für wohltätige Zwecke.10

Der Schwerpunkt des Location Based Marketing als kommunikationspolitisches Instrument ist die Werbung, die Verkaufsförderung, aber auch die Public Relation, wie am einführenden Beispiel von KLM zu sehen ist. Auch Spendenaktionen über den sogenannten Charity Deal von Facebook Deals und vieles Weitere ist denkbar.

2.2 Balanced Scorecards

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Klassische Balanced Scorecard

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kaplan R. (2001, Seite 77)

Eine Balanced Scorecard beschreibt ein Konzept zur Steuerung, Messung und Dokumen-tation der Aktivitäten eines Unternehmens in Bezug auf seine Strategie. Balanced Sco- recards sollen die Umsetzungswahrscheinlichkeit einer Strategie erhöhen. Dabei sollen nicht nur die finanziellen Aspekte bei Entscheidungen, sondern auch die Wertschöpfung innerhalb einer Organisation mit allen relevanten Geschäftsvorgängen berücksichtigt werden.

Die klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard nach Kaplan und Norton sind, wie in Abbildung 2 dargestellt, die finanzielle Perspektive, die Kunden, die Prozessper-spektive sowie das Lernen und die Entwicklung (Mitarbeiter). Zu sehen ist, dass neben der finanziellen Perspektive, welche für das Management lange Zeit den Interessen-schwerpunkt darstellte, der Blick des Managements um weitere Perspektiven erweitert wurde. Alle diese Perspektiven sollen ausgewogen, also „balanced“ und im Gleichgewicht sein.11

Für jede Balanced Scorecard werden Ziele, eine Kennzahl für das Ziel, ein Zielwert und eine Maßnahme, wie dieses Ziel erreicht werden kann, definiert. Die Kennzahl ist der sogenannte Key Performance Indicator, welcher die Messgröße für den Erfolg darstellt. Ein Beispiel einer Balanced Scorecard ist in Abbildung 3 zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Beispiel einer Balanced Scorecard

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Preißner (2002, Seite 25 f.) und Greischel (2003, Seite 18)

Auch wenn Kaplan und Norton die vier gezeigten Perspektiven vorgegeben haben, ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Perspektiven hinzugefügt werden, wenn dies für das Unternehmen sinnvoll ist.12 Wie dies für den Bereich des Social Media Marketings erfolgen kann, wird in Kapitel 4.4 gezeigt.

2.3 Social Media und Social Media Marketing

Social Media bezeichnet weniger eine Technologie, sondern eine Auffassung, wie mit einer Technologie umgegangen wird. Durch die Möglichkeiten, die mit dem Einzug des Web 2.0 entstanden sind, hat sich auch die Nutzung des Mediums Internet verändert. Die Nutzer werden nicht mehr als reine Medienkonsumenten, wie dies bei Radio, Fern-sehen oder Zeitungen der Fall ist, sondern auch als Mitentwickler und Beitragende gesehen und akzeptiert.13 Es steht die kollektive Intelligenz, welche dadurch entsteht, dass die Bereitstellung der angebotenen Informationen nicht durch eine zentrale Stel-le erfolgt, sondern durch die Benutzer der Dienste, im Vordergrund. Dies ist auch bei den Location Based Services entscheidend. Die vorhandenen Daten werden durch, bzw. mit Hilfe der Nutzer gepflegt. Wichtig bei Social Media und Sozialen Netzwerken ist das Zusammenfinden von Benutzergruppen und die Kollaboration dieser Teilnehmer untereinander.14

Die Art der Kommunikation ändert sich durch die Nutzung von Social Media erheblich. Konzentrierte sich früher die Kommunikation auf den Dialog zwischen zwei oder einer definierten Anzahl an Partnern, hat sich durch Social Media die „Many-to-Many-Kommunikation“ durchgesetzt. Social Media führt zur Netzwerkbildung und Kommunikation zwischen einer großen Menge an Teilnehmern.15 Die Folge sind viele neue Kommunikationskanäle und Dienste: Social Networks, Microblogs, Blogs und Wikis; Online-Spiele, Podcasts und Newsgroups.16

Social Media Marketing setzt genau auf diese Technologien und Auffassungen, um Marketing zu betreiben. Es werden die starken viralen Effekte genutzt, die durch Social Media auftreten können. Der soziale Aspekt, der Nutzen für den Kunden, muss jedoch auch beim Social Media Marketing im Vordergrund stehen, um Erfolg zu haben. Wer an klassischen Marketingmethoden festhält, wird über Social-Media-Dienste keinen Erfolg für sich verzeichnen können. Es muss eine offene bidirektionale Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden erfolgen.

Für erfolgreiches Social Media Marketing muss Social Media zunächst verstanden wer-den. Es müssen die Ziele, die mit Social Media Marketing erreicht werden sollen, klar definiert werden. Diese sind meist abweichend vom klassischen Marketing. Mittels Social Media Marketing wird die Kommunikation und das Feedback der Nutzer herausgefor-dert. Es sollte nicht als klassische Verkaufswerbung angesehen werden, sondern beson-ders als offener Feedbackkanal und zur Kundenbindung. Meinungen und Nachrichten verbreiten sich über Social Media sehr schnell. Positive Meinungen in Social Media kön-nen mehr erreichen als klassische Werbemaßnahmen, da Menschen anderen Menschen mehr vertrauen als einer unpersönlichen Werbebotschaft.17 Die Konsumenten dürfen nicht mehr wie bisher als passive Wesen betrachtet werden, sondern sie gestalten aktiv das Auftreten und die Verbreitung einer Marke mit. Die Kommunikation über eine Marke kann nicht mehr vom Markeneigentümer gesteuert werden, sondern es kann nur noch beobachtet und auf Entwicklungen reagiert werden.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: ARD/ZDF-Onlinestudie 2008-2010: Prozentualer Anteil der Nutzer mit eigenem Profil in Sozialen Netzwerken

Quelle: Eigene Darstellung

Der Begriff Social Media besteht erst seit 2006. Mit der Entstehung des Web 2.0 und der damit vereinfachten Veröffentlichung von Inhalten im Internet wurde auch die heu-tige Form der Social Media ermöglicht. Die Verbreitung von Social Media ist trotz der jungen Geschichte sehr hoch. Betrachtet man einige Zahlen, wird einem das Poten-zial, das Social Media für das Marketing bietet, bewusst. Facebook hat derzeit nach eigenen Angaben 500 Millionen aktive Benutzer19, welche das soziale Netzwerk min-destens einmal in der Woche nutzen. In Deutschland besitzt Facebook 14 Millionen aktive Benutzer.20 Geht man von derzeit circa 82 Millionen Einwohnern in Deutschland aus,21 entspricht dies circa 17 % der deutschen Bevölkerung. Vergleicht man die Daten der ARD/ZDF-Onlinestudie, welche seit 1997 regelmäßig durchgeführt wird, zeigt sich, dass auch in den letzten Jahren der prozentuale Anteil der Onlinenutzer, die in Sozialen Online-Netzwerken mit eigenen Profilen angemeldet sind, weiter steigt. In Abbildung 4 sind die Daten der ARD/ZDF-Onlinestudie aus den Jahren 200822, 200923 und 201024 dargestellt. Zu sehen ist eine Steigerung der Zahl der Nutzer mit eigenen Profilen in allen Altersschichten. Die Datenbasis bezieht sich dabei auf alle Nutzer mit Internetzu-gang ab 14 Jahren. 81 % der Bevölkerung mit Internetzugang im Alter von 14 bis 19 Jahren besitzen laut der Studie ein eigenes Profil in einem Sozialen Netzwerk.

Aber nicht nur die Nutzerzahlen verdeutlichen das Potenzial von Social Media, auch die Ausgaben für das Marketing zeigen die Bedeutung. Während die Marketingbud-gets für klassische Werbung im Jahr 2010 gesunken sind, investierten mehr und mehr Unternehmen in das Marketing mittels Social Media. So plant beispielsweise Adidas sein sehr umfangreiches Marketingbudget in der klassischen Werbung drastisch zu re-duzieren und dafür mehr Aktivitäten in Social Media zu verlagern. Adidas sieht seine Zielgruppe, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, mehr in Social Media vertreten und erhofft sich eine bessere Erreichung und Durchdringung der Zielgruppe.25

2.4 Location Based Services

„LBSs are services accessible with mobile devices through the mobile network and utilizing the ability to make use of the location of the terminals.”26

Bereits 1999 gab es die ersten Ansätze von Location Based Services nach dieser Definition. Es wurde in Japan ermöglicht Kinder und andere Personen per Location Based Service zu orten und zu verfolgen.27 Das Grundkonzept von Location Based Services ist gleich geblieben, allerdings haben sich die Ziele verändert. Die technischen Grundlagen werden im Kapitel 3.1 näher betrachtet.

Die für diese Diplomarbeit wichtigen Location Based Services sind eine sehr junge Form von Social Media und Informationsdiensten für mobile Endgeräte. Der derzeit, mit 6 Millionen Benutzern, größte native Vertreter Foursquare wurde 2009 gegründet. Gowalla, der Dienst, der zu einem der ersten Location Based Services zählt, wurde 2007 gegründet. Location Based Services versuchen die virtuellen Sozialen Netzwerke und Bekanntschaften mit der Realität zu verbinden.28 Moderne Smartphones besitzen einen GPS-Chip, über den der aktuelle Standort festgestellt werden kann. Diese Standortdaten können nun, durch auf dem Mobiltelefon installierte Applikationen oder aufgerufene Webseiten der Location Based Services, genutzt werden.

Das Prinzip hinter Location Based Services ist es, dem Benutzer an seinen aktuellen Standort angepasste Informationen und Dienste zur Verfügung zu stellen. Dies reicht von der puren Information über die Orte, wie dies beispielsweise bei Google Maps geschieht, bis hin zu dem Spielfaktor durch Sammeln oder soziale Aspekte, wie bei Gowalla. Ruft ein Benutzer die Applikation auf, werden ihm alle Plätze in der Umgebung angezeigt. Dies können Geschäfte, Sehenswürdigkeiten, Hotels oder beliebige andere Punkte sein, welche in der Datenbank der Location Based Services hinterlegt sind.29

Wie nun mit den Positionsdaten umgegangen wird, ist unterschiedlich. Google Maps und auch die Google Suche nutzen die Daten zur reinen Information des Benutzers, indem die aktuelle Position in die Suchergebnisse mit einfließt und beispielsweise entsprechend bei einer Suche nach „Autohaus“ nur die Autohäuser in der Umgebung inklusive entsprechendem Kartenmaterial und weiteren Informationen wie den Öffnungszeiten angezeigt werden. Dienste wie Foursquare und Gowalla gehen an dieser Stelle noch weiter. Es werden Soziale Netzwerke gebildet, wie dies bereits von anderen Sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ bekannt ist. Innerhalb dieser Sozialen Netzwerke wird nun die eigene Position den Freunden bekannt gegeben.30

Der Nutzer kann aus der Liste der ihn umgebenden Orte den richtigen aussuchen und nun an diesem Punkt einchecken. Die Ziele dieser Aktion können unterschiedlich sein. Neben der reinen Bekanntgabe des eignen Standortes kann man sehen, welche Freunde sich gerade in der Nähe befinden, und somit können spontane Treffen entstehen. Aber auch der Spieltrieb ist bei den Location Based Services ein Grund zur Nutzung. Für die Check-ins erhält der Benutzer, je nach Dienst, Punkte, Abzeichen oder Belohnungen. Es entsteht also ein Wettkampf, wer die meisten Punkte oder Abzeichen sammelt. Je nach Dienst sind für die Abzeichen unterschiedliche Voraussetzungen notwendig. So muss beispielsweise zehn Mal innerhalb von 30 Tagen in einem Fitnessstudio eingecheckt werden, um das entsprechende „Gym Rat“-Abzeichen bei Foursquare zu erhalten.31

Es steht für den Benutzer besonders die soziale Komponente und die Informationen im Vordergrund. Die virtuelle Welt wird mit der realen Welt verbunden. Um die eigene Reichweite zu erhöhen, können die Check-ins auch an weitere Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook weitergeleitet werden. So werden auch Nutzer über den Aufent-haltsort informiert, welche keinen Location Based Service nutzen.32 Für den aktuellen Aufenthaltsort können meist weitere Informationen abgefragt werden. Neben statischen Informationen, wie den Öffnungszeiten, der Anschrift und der Internetseite, ist es bei ei-nigen Location Based Services auch möglich Tipps und Informationen für nachfolgende Gäste und Freunde zu hinterlassen.33

Die aktuellen Entwicklungen von Location Based Services stecken noch in den Kin-derschuhen und bieten noch großes Entwicklungspotenzial. Während Google bereits heute die Verkehrslage auf amerikanischen Straßen anhand der Bewegungsdaten von Mobiltelefonen berechnet und den Nutzern wieder zur Verfügung stellt,34 arbeiten Wis-senschaftler daran, Daten von Twitter zur besseren und schnelleren Einschätzung von Schäden heranzuziehen, die durch Erdbeben und andere Naturkatastrophen hervorge-rufen wurden. Hierfür werden durch eine Analysesoftware entsprechende Mitteilungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Eingegangene Meldungen auf http://haiti.ushahidi.com/

Quelle: Eigener Screenshot

ausgewertet und Einschätzungen erstellt. Die Auswertung von Twitter-Nachrichten ver-spricht Ergebnisse bereits wenige Sekunden nach der Katastrophe, während Daten von seismologischen Messstationen teilweise erst nach 20 Minuten verfügbar sind.35 Ähnli-che Systeme wurden bereits beim Erdbeben in Haiti 2010 eingesetzt, wie in Abbildung 5 zu sehen ist, um aktuelle Karten und Informationen zu erstellen und den Helfern vor Ort zur Verfügung zu stellen.36

2.5 Location Based Marketing

Das Location Based Marketing verbindet das Mobile Marketing mit dem Social Media Marketing. Das Mobile Marketing, also das Mobiltelefon als Marketingkanal, ist bereits längere Zeit für Marketingagenturen und Werbetreibende interessant. In der Schweiz telefonieren 95 Prozent der Bevölkerung mit einem Mobiltelefon.37 Viele Personen be-sitzen mehrere Mobiltelefonverträge, zum Beispiel einen für die private und einen für die geschäftliche Nutzung. In einigen Ländern gibt es mehr Mobiltelefonverträge als Einwohner. In Griechenland betrug die Marktdurchdringung von Mobiltelefonverträ-gen Ende 2009 170 % der Gesamtbevölkerung.38 Für Deutschland geht das Statistische Bundesamt von einem Verbreitungsgrad von 130,6 % aus.39 Weltweit wird die Zahl der Mobiltelefonnutzer, wie in Abbildung 6 zu sehen, im Jahr 2010 auf über 5 Milliarden geschätzt.40 Die Weltbevölkerung betrug Mitte 2010 circa 6,9 Milliarden Menschen.41 Es besitzen also circa 72,5 % aller Menschen ein Mobiltelefon.

Obwohl bereits seit längerer Zeit versucht wird, das Mobiltelefon als Marketinginstrument einzusetzen, hielten sich die Budgets hierfür in Grenzen. Während weltweit im Jahr 2006 450 Mrd. US-$ für Werbung ausgegeben wurden, entfielen davon nur 871 Mio., also 0,2 %, auf das Mobile Advertising. 72 % des Budgets des Mobile Advertising wurde dabei in SMS und MMS als Werbeträger investiert.42

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Weltweite Zahl der Mobiltelefonbenutzer

Quelle: Übernommen von o.V. (2010i, o. S.)

Durch die Entwicklung des mobilen Internets und die rasante Zunahme des Verkaufs von Smartphones, also internet- und multimediafähigen Mobiltelefonen, bieten sich jedoch neue Möglichkeiten des Marketings. Eine dieser Möglichkeiten ist das Location Based Marketing, also das Nutzen der Location Based Services für Marketingzwecke.43 Die Entwicklung der Location Based Services für Marketingzwecke steht erst am Anfang und wird sich in den nächsten Jahren schrittweise weiter entwickeln. Besonders durch die Einführung von Facebook Deals Ende 2010 wurde Location Based Marketing in eine große Nutzergruppe eingeführt. 200 Millionen der 500 Millionen weltweiten Facebook-Nutzer greifen auf die Internetplattform mit mobilen Endgeräten zu.44

Das Location Based Marketing nimmt unterschiedliche Formen an. Während einige Un-ternehmen besonders auf Informationen und Bewertungen setzen, steht bei anderen die Jagd nach virtuellen Abzeichen im Vordergrund. Aber auch reale Vergünstigungen in Form von Gutscheinen und Rabatten stellen einen wichtigen Faktor dar. Die Möglich-keiten des Location Based Marketing sind ähnlich wie beim Social Media Marketing sehr vielfältig. Besonders kreative Ideen und Umsetzungen erlangen große Beachtung. So veranstaltete das Schuhlabel Jimmy Choo eine Schnitzeljagd durch die Innenstadt von London mittels Foursquare und Twitter. Zu finden waren für die Teilnehmer Schuhe, welche sie anschließend behalten durften. Die Marketingaktion sorgte für 40 Prozent mehr positive Kommentare und für 33 Prozent mehr Umsatz.45

Das Location Based Marketing bietet den Betreibern den großen Vorteil, dass die Streu-verluste sehr gering gehalten werden können. Es werden nur diejenigen Personen ange-sprochen, die auch tatsächlich Interesse und auch die Möglichkeit haben, die Lokalität zu besuchen, da sie sich bereits in der Nähe befinden. Beliebte Orte können jedoch einen zusätzlichen Zulauf erwarten. Denn nicht nur Orte mit Sonderangeboten und Gutscheinen, sondern auch sehr beliebte Orte mit vielen Check-ins werden besonders hervorgehoben und können bereits bei Reiseplanungen berücksichtigt werden. So kön-nen To-do-Listen für den Besuch einer Stadt erstellt werden, welche dann abgearbeitet werden, sobald man diese Stadt besucht. Bei der Suche nach interessanten Orten werden häufig die Favoriten der Freunde oder aber die beliebtesten Orte einer Stadt bevorzugt und diesen Listen hinzugefügt.46

2.6 Zusammenfassung

Location Based Services bieten neuen Möglichkeiten für das ortsbezogene Marketing. Die weltweite Verbreitung von Mobiltelefonen ist groß und die Nutzung des Mobiltele-fons zu Marketingzwecken ist noch sehr gering. Nur ein kleiner Anteil des weltweiten Marketingbudgets entfällt auf das Mobile Marketing. Durch die Entwicklungen von Smartphones und des mobilen Internets ist mit einer Trendwende zu rechnen.

Die Entwicklung der Location Based Services, sei es im Zuge des Marketings, der Forschung oder Unterhaltung, steckt noch in den Kinderschuhen. Es entstehen immer neue und immer mehr Ideen, wie die mobilen Endgeräte mit zusätzlichen ortsbasierten Informationen versorgt werden können und wie die Nutzer dazu angehalten werden können, die Dienste zu nutzen. Zur Erfolgsmessung von Strategien des Social Media Marketings wird besonders auf die Balanced Scorecard gesetzt.

3 Location Based Services

Bei der Auswahl der hier vorgestellten Location Based Services wurden die wichtigsten Vertreter in Deutschland herangezogen. Die Auswahl basiert dabei auf den Nutzerzahlen und Verbreitungsgraden sowie der Einsetzbarkeit der Location Based Services im Praxisteil. Es gibt eine sehr große Zahl an Location Based Services, welche für das Marketing verwendet werden können, nicht alle können jedoch in dieser Diplomarbeit behandelt und vorgestellt werden.

Es wird im Folgenden zwischen dedizierten und integrierten Location Based Services unterschieden. Location Based Services, welche in Soziale Netzwerke oder in andere Dienste integriert sind, werden zu den integrierten Diensten gezählt. Die Location Ba-sed Services, welche eigenständig sind, werden zu den dedizierten Diensten gerechnet. Im Anschluss an die Vorstellung des Dienstes erfolgt eine Einstufung nach den Eigen-schaften Belohnung, Information, Networking und Spiel mit einer Wertung zwischen 1 und 5.

Bevor jedoch die einzelnen Location Based Services, die für den Marketingeinsatz in-teressant sind, näher betrachtet werden, werden zunächst die technischen Grundlagen geklärt.

3.1 Technische Grundlagen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Die vier Komponenten von Location Based Services

Quelle: Übernommen von Steiniger (2006, Seite 4)

Location Based Services bestehen, wie in Abbildung 7 dargestellt, aus vier Hauptkomponenten:

- dem mobilen Endgerät
- der Ortung der Position
- dem Kommunikationsnetzwerk
- und dem Dienste- und Inhaltsanbieter.

3.1.1 Mobile Endgeräte

Die mobilen Endgeräte für Location Based Services sind hauptsächlich Smartphones. Die Nutzung ist auch über Tablet-PCs, normale Computer oder einfache Mobiltelefone mit Internetfunktion denkbar, zum größten Teil werden LBS jedoch mittels Smartphones genutzt. Ein Smartphone ist ein Mobiltelefon, das mehr Funktionen bietet und sich individueller verwenden lässt als ein herkömmliches Mobiltelefon. Eine besondere Eigenschaft ist, dass es sich durch die Installation von weiteren Programmen (häufig „Apps“ genannt) um zusätzliche Funktionen erweitern lässt.

Smartphones besitzen im Gegensatz zu herkömmlichen Mobiltelefonen meist die Eigenschaft, dass sie über eine mobile Internetverbindung verfügen sowie dass zusätzliche Sensoren integriert sind. So kann beispielsweise über einen integrierten GPS-Chip die aktuelle Position des Smartphones geortet werden, was für den Einsatz von Location Based Services unerlässlich ist.47

Eine wichtige Eigenschaft des Smartphones ist das jeweils installierte Betriebssystem. Je nach Betriebssystem unterscheiden sich die Programmierschnittstellen und somit auch die verfügbaren Zusatzanwendungen und Möglichkeiten. Nicht jede Software ist für jedes Smartphone-Betriebssystem verfügbar. 2010 setzte sich der Markt der Smartphone-Betriebssysteme weltweit laut Gartner, wie in Abbildung 8 dargestellt, zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Verteilung der Smartphone-Betriebssysteme laut Gartner Q3/2010

Quelle: Eigene Darstellung, Daten von Tudor (2010, o. S.)

Die Verbreitung von Smartphones nimmt immer weiter zu. Bitkom analysierte das Wachstum des Smartphone-Marktes in Deutschland und kam in seiner Prognose für 2010 auf eine Absatzsteigerung von 47 % zum Vorjahr. Jedes dritte neue verkaufte Mobiltelefon ist somit ein Smartphone.48 Grafik 9 macht die Entwicklung deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Verkauf von Smartphones 2010 laut Bitkom

Quelle: Übernommen von Shahd (2010, o. S.)

3.1.2 Ortung der Position

Der zweite wichtige Faktor bei der Nutzung von standortbezogenen Diensten ist die Ermittlung des aktuellen Standortes. Derzeit ist der Standard hierfür eine Kombination aus GPS und aGPS. Bei GPS wird auf die GPS-Satelliten zurückgegriffen, welche kostenlos genutzt werden können. Andere Satellitensysteme zur Positionsermittlung, wie das europäische Galileo-System oder das russische GLONASS-System, befinden sich derzeit noch im Aufbau und werden, im Falle von GLONASS, frühestens 2012 fertiggestellt. Der Hauptzweck für das europäische Galileo-System wird das Liefern von Daten für Location Based Services sein.49 Hierzu zählen, neben den in dieser Diplomarbeit gezeigten Services, auch Geräte wie Navigationssysteme. Alle aktuellen zivilen Geräte, die ihre Position ermitteln müssen verwenden derzeit das vom US-Verteidigungsministerium betriebene NAVSTAR Global Positioning System (GPS).

Momentan befinden sich 31 GPS-Satelliten in der Umlaufbahn. Um eine flächende-ckende weltweite Positionsbestimmung zu ermöglichen, werden mindestens 24 aktive Satelliten benötigt. Um die Position eines Endgerätes zu bestimmen, muss, wie in Ab-bildung 10 zu sehen, Kontakt zu mindestens drei Satelliten bestehen. Da jedoch die

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Positionsbestimmung mittels GPS

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an El-Rabbany (2002, Seite 9)

meisten Endgeräte keine Uhr haben, die genau genug ist, um zur Berechnung der Position herangezogen werden zu können, wird meist ein vierter Satellit benötigt.

Über satellitengestützte Zusatzsysteme, wie das europäische EGNOS, welche sich im Gegensatz zu den GPS-Satelliten in einer geostationären Umlaufbahn befinden, kann eine Genauigkeit der Ortung von bis zu 1 cm erreicht werden. EGNOS sendet Korrektur-signale, welche in die Berechnung der Position mit einfließen. Diese Korrektursysteme kommen bei Location Based Services nicht zum Einsatz, da eine so hohe Präzision üblicherweise nicht benötigt wird. Ohne Korrektursignale führt eine Triangulation der GPS-Positionsdaten zu einer Genauigkeit von circa 10 m. Je mehr Satelliten empfan-gen werden, desto genauer ist die Positionsberechnung. Um die Signale zu empfangen, muss eine Sichtverbindung zum Horizont bestehen. Innerhalb von Gebäuden funktio-niert GPS nicht.50

Um diesem Nachteil des GPS-Systems Herr zu werden und Ortungen auch innerhalb von Gebäuden zu ermöglichen, da dies für Location Based Services entscheidend ist, werden zusätzlich in modernen Smartphones weitere Technologien zur Positionsbestim-mung verwendet. So unterstützen die meisten Smartphones auch die Positionsbestim-mung über das GSM-Netz mittels des sogenannten aGPS. Die Position wird also nicht satellitengestützt errechnet, sondern es wird geprüft, in welcher GSM-Funkzelle sich das Endgerät eingebucht hat. Mit unterschiedlichen Verfahren kann nun die Position bestimmt werden. Die Genauigkeit hängt dabei besonders von der Größe der jeweiligen

Funkzelle ab. Innerhalb von Innenstädten sind diese Zellen eher klein, um die Menge an Verbindungen verarbeiten zu können, und folglich die Ortung entsprechend genau. In ländlichen Bereichen sind die Funkzellen deutlich größer und somit auch die Ortung un-genauer. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Ortung mittels der GSM-Funkzellen ungenauer ist als die Ortung per GPS. Für die Nutzung von Location Based Services ist eine Genauigkeit von einigen hundert Metern jedoch ausreichend. Als weiteres Zusatz-system kann zudem eine Ortung über die vorhandenen WLAN-Netze erfolgen. Hierfür wird ermittelt, welche WLANs sich in der Umgebung befinden, und mit Hilfe einer Datenbank wird die Position ermittelt.51

3.1.3 Kommunikationsnetzwerk

Dritter wichtiger Faktor, der für das Funktionieren der Location Based Services essenziell ist, ist das Kommunikationsnetzwerk. Für die LBS ist hauptsächlich eine Internetverbindung notwendig, damit die LBS-Software auf die Daten der Dienste- und Inhaltsanbieter zugreifen kann.

Hierfür stehen üblicherweise drei Möglichkeiten zur Verfügung:

- GSM
- UMTS
- WLAN

GSM und UMTS sind Verfahren der Mobilfunkübertragung. Die beiden Verfahren unterscheiden sich hauptsächlich anhand der Frequenzbereiche, der Bandbreite und der Multiplexingverfahren.

Während GSM auf den Frequenzen zwischen 890 und 960 MHz sowie zwischen 1710 und 1880 MHz arbeitet, verwendet UMTS die Frequenzen von 1920 bis 2170 MHz. GSM setzt auf das Zeitmultiplexing (TDMA - Time Division Multiple Access), während UMTS das Codemultiplexing verwendet (WCDMA - Wideband Code Division Multiple Access).52

Mit GPRS, bei dem mehrere GSM-Kanäle genutzt werden, ist eine maximale Daten-übertragung pro Gerät von 57,6 kBit/s erreichbar. Mit HSDPA, der höheren Ausbau-stufe von UMTS, sind aktuell 7,2 MBit/s in Deutschland möglich. Dies ist besonders der deutlich größeren verwendeten Bandbreite zu verdanken. GPRS setzt auf eine Band-breite von 200 kHz, UMTS nutzt 5 MHz. UMTS-Netze bringen zwar für Nutzer eine deutlich höhere Bandbreite mit sich, allerdings für die Betreiber das Problem, dass die Zellen „atmen“. Dies bedeutet, dass sich je nach Auslastung die Größe der Zelle und somit die Netzabdeckung verändert. Buchen sich mehr Teilnehmer in eine Zelle ein, verkleinert sich diese, verlassen Teilnehmer eine Zelle, vergrößert sie sich wieder.53

Für die Nutzung von Location Based Services und anderen Social-Media-Diensten ist eine große Bandbreite von Vorteil. So reicht zwar theoretisch auch die Bandbreite von GPRS zur Übertragung der Standortdaten, da jedoch bei vielen Location Based Services mehr Daten, wie beispielsweise Bilder, ausgetauscht werden müssen, ist eine größere Bandbreite wünschenswert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Netzabdeckung der Telekom Deutschland GmbH

Quelle: Eigener Screenshot

In Deutschland gibt es vier Mobilfunknetzbetreiber: die Telekom Deutschland GmbH, die Vodafone D2 GmbH, EPlus GmbH & Co. KG und Telefónica O2 Germany GmbH. Die Anbieter geben an, dass bis zu 99,9 % Netzabdeckung mit GSM in Deutschland verfügbar sind. Die Abdeckung mittels UMTS beschränkt sich allerdings nur auf die Ballungsgebiete innerhalb Deutschlands. So könnten laut Bundesnetzagentur circa 59 % bis 70 % der Bevölkerung auf UMTS zugreifen. In ländlichen Regionen ist nur mit einer schwachen Datenverbindung zu rechnen.54 In Abbildung 11 ist die Netzabdeckung der Telekom Deutschland GmbH zu sehen. Weiße Stellen in der Grafik zeigen eine fehlende Netzabdeckung, helle Stellen zeigen das GSM-Netz und dunkle Stellen stehen für die Verfügbarkeit von UMTS. Neben den Mobilfunkverfahren zur Datenübertragung kann auch ein WLAN genutzt werden. Die meisten modernen Smartphones besitzen ein integriertes WLAN-Modul.

3.1.4 Dienste- und Inhaltsanbieter

Die vierte Komponente der Location Based Services sind die Dienste- und Inhaltsan-bieter. Diese stellen den eigentlichen Dienst zur Verfügung, welcher durch den Nutzer verwendet wird. Die Vorstellung der verschiedenen Dienste- und Inhaltsanbieter erfolgt in Kapitel 3.2 und 3.3.

3.2 Dedizierte Location Based Services

Es gibt immer mehr Dienste, die als reine Location Based Services fungieren. Die meisten verfolgen dabei leicht unterschiedliche Ansätze, besonders mit der Art, wie sie versuchen, die Benutzer zu motivieren den Dienst zu nutzen. Während Gowalla mehr auf das Spielprinzip setzt, stützt sich der Dienst Friendticker auf den Reiz durch die Belohnung mit Gutscheinen. Folgend werden die beiden bekanntesten dedizierten Location Based Services Foursquare und Gowalla vorgestellt.

3.2.1 Foursquare

Foursquare wurde 2009 gegründet und verzeichnet mittlerweile sechs Millionen Benutzer weltweit. Foursquare zählt damit zu den größten Location Based Services. Die Applikation von Foursquare gibt es für iPhones, BlackBerrys, Android-Geräte, Nokia und Geräte mit Windows Mobile Betriebssystem. Foursquare ist somit auf allen größeren Betriebssystemen für Smartphones vertreten.55

Foursquare besitzt folgende Eigenschaften, welche folgend näher erläutert werden:

- Check-ins und Pings
- Punkte, Mayors, Leaderboard und Badges
- Specials
- TODOs, Fotos und Tipps
- Besitzerfunktionen

Check-ins und Pings

Wie bereits angesprochen, basieren viele Location Based Services auf der Möglichkeit an einem bestimmten Ort einzuchecken - so auch Foursquare. Hierzu wird die aktuelle Position per GPS ermittelt und an die Server von Foursquare weitergeleitet. Diese liefern die Informationen, welche Orte, sogenannte Venues, sich in der Umgebung befinden. Dies ist in Abbildung 12 zu sehen. Der Nutzer kann nun das entsprechende Venue auswählen und dort einchecken. Mit dem Einchecken bestätigt er, dass er sich an diesem Ort befindet. Diese Daten werden auf Wunsch an seine Freunde, welche direkt über

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Foursquare: Venue und Special von Auto Hensel in der Applikation für Android

Quelle: Eigener Screenshot

Foursquare mit ihm verbunden sind, weitergegeben oder auch an die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook, wie in Abbildung 13 dargestellt.56

Durch diese Check-ins erhalten also alle Freunde die Information über den aktuellen Aufenthaltsort. Checkt ein Freund in der Nähe des eigenen Aufenthaltsortes ein, erhält er einen sogenannten Ping auf seinem Smartphone. Dies ist eine zusätzliche Benachrichtigung, dass sich ein Freund in der Nähe befindet und so gegebenenfalls ein spontanes Treffen stattfinden könnte.57

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Foursquare: Darstellung auf Facebook (links) und Twitter (rechts)

Quelle: Eigener Screenshot

Punkte, Mayors, Leaderboard und Badges

Neben den sozialen Aspekten ist bei Foursquare das Spielerische wichtig. Durch je-den Check-in sammelt der Benutzer Punkte. Je mehr Check-ins der Benutzer pro Tag durchführt, desto mehr Punkte erhält er pro Check-in. Mit diesen Punkten findet ein wöchentlicher Wettkampf im Leaderboard statt. Hier werden die Punkte verglichen und der Spieler mit den meisten Punkten erreicht den ersten Platz.58

[...]


1 Vgl. o.V. (2011c), o. S.

2 Vgl. Bager (2010a), Seite 44.

3 Vgl. o.V. (2010d), o. S.

4 Vgl. Parr (2010a), o. S.

5 Vgl. Indvik (2011), o. S.

6 Vgl. Scharf (2009), Seite 4.

7 Vgl. Armstrong G. (2011), Seite 32 ff.

8 Vgl. Armstrong G. (2011), Seite 81 ff.

9 Vgl. Kühn R. (2006), Seite 244.

10 Vgl. Scharf (2009), Seite 380.

11 Vgl. Preißner (2002), Seite 5 ff.

12 Vgl. Preißner (2002), Seite 17 f.

13 Vgl. O’Reilly (2005), o. S.

14 Vgl. Gould (2008), o. S.

15 Vgl. Bager (2010b), Seite 105 f.

16 Vgl. Blank (2010), Seite 6 ff.

17 Vgl. Langner (2007), Seite 24.

18 Vgl. Sonnenburg (2009), Seite 16 ff.

19 Vgl. o.V. (2010b), o. S.

20 Vgl. o.V. (2010c), o. S.

21 Vgl. o.V. (2010), Seite 28.

22 Vgl. Fisch (2008), Seite 362.

23 Vgl. Busemann (2009), Seite 360.

24 Vgl. Busemann (2010), Seite 364.

25 Vgl. Hofer (2010), o. S.

26 Virrantaus (2001), Seite 1.

27 Vgl. Virrantaus (2001), Seite 1.

28 Vgl. Tabin (2010), Seite 15.

29 Vgl. Bihr (2010), Seite 40.

30 Vgl. Krömer (2010), Seite 7 f.

31 Vgl. Bihr (2010), Seite 41.

32 Vgl. Tabin (2010), Seite 28.

33 Vgl. Tabin (2010), Seite 33.

34 Vgl. Pash (2010), o. S.

35 Vgl. Merkel (2010), o. S.

36 Vgl. o.V. (2010a), o. S.

37 Vgl. Reust (2010), Seite 61.

38 Vgl. Intzeidis (2010), o. S.

39 Vgl. Bauer (2009), Seite 66.

40 Vgl. o.V. (2010i), o. S.

41 Vgl. Komme (2010), Seite 6 ff.

42 Vgl. Reust (2010), Seite 65.

43 Vgl. Reust (2010), Seite 99.

44 Vgl. Roth (2010), o. S.

45 Vgl. Langer (2010), Seite 65.

46 Vgl. Tabin (2010), Seite 75.

47 Vgl. o.V. (2010j), o. S.

48 Vgl. Shahd (2010), o. S.

49 Vgl. Swann (2003), Seite 58.

50 Vgl. Sauer (2002), Seite 59.

51 Vgl. Swann (2003), Seite 59 f.

52 Vgl. o.V. (2005), o. S.

53 Vgl. o.V. (2010k), o. S.

54 Vgl. Henn (2010), Seite 93.

55 Vgl. Judd (2010), o. S.

56 Vgl. Tabin (2010), Seite 29 ff.

57 Vgl. Judd (2010), o. S.

58 Vgl. Tabin (2010), Seite 28 ff.

Details

Seiten
96
Jahr
2011
ISBN (Buch)
9783640922406
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172378
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
Schlagworte
location based marketing foursquare gowalla qype facebook deals twitter google places

Teilen

Zurück

Titel: Location Based Marketing