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Gesundheit und Gesundheitszustand von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 21 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionsbeispiele von Gesundheit
2.1 Monodisziplinäre Definitionen
2.2 Interdisziplinäre Definitionen

3 Gesundheitsmodelle
3.1 Biomedizinisches Gesundheitsmodell
3.2 Biopsychosoziales Gesundheitsmodell (Engel)
3.3 Salutogenetisches Gesundheitsmodell (Antonovsky)

4 Gesundheitsbegriff am Beispiel von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
4.1 Definition Übergewicht
4.2 Definition Adipositas
4.3 Forschungsstand
4.4 Ursachen
4.4.1 Energiestoffwechsel
4.4.2 Ernährungs- und Bewegungsverhalten
4.4.3 Genetische Bedingungen
4.4.4 Familiäres Umfeld
4.4.5 Gesellschaftliches Umfeld
4.5 Folgen und Auswirkungen
4.5.1 Physisch
4.5.2 Psychisch
4.5.3 Sozial

5 Schlussbetrachtung und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 3.1: Gesundheits-Krankheits-Kontinuum

Abb. 4.1: 90%- und 97 % Perzentile des BMI nach Alter und Geschlecht

1 Einleitung

Gesundheit ist ein sehr allgemeiner Begriff mit einer großen Brandbreite von Bedeutungen. Jeder, der sich aktiv mit dem Thema Gesundheit auseinander setzt, entwickelt eine ganz persönliche Sichtweise.

Unterschiedliche Gesellschaften haben unterschiedliche Sichtweisen und Verständ-nisse von Gesundheit. Diese Unterschiedlichkeit ist auf das kulturelle Erbe, welches von Generation zu Generation weitergegeben wurde, zurück zuführen. Die meisten Menschen interpretieren Gesundheit entweder negativ oder positiv. Die negative Verständnisweise stellt Gesundheit als die Abwesenheit von Krankheit dar. Diese Interpretation spiegelt auch das medizinisch-wissenschaftliche Modell wi-der und ist vor allem in der westlichen Gesellschaft weit verbreitet. Gesundheit im positiven Sinn ist ein komplexes Konstrukt aus mehreren unterschied-lichen Ansätzen. Ein Beispiel hierfür ist die Definition der Weltgesundheitsorganisati-on aus dem Jahre 1946. Die WHO definiert Gesundheit als einen „Zustand des völli-gen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als die Abwe-senheit von Krankheit und Gebrechen“.

Derzeit ist keine einheitliche Definition von Gesundheit vorhanden. Hauptgrund hier-für ist offenbar, dass es keine richtige oder falsche Sichtweise von Gesundheit gibt. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Ansichten zum Thema Gesund-heit. Alter, Geschlecht, Schichtzugehörigkeit, ethnischer Ursprung, Beruf und vieles mehr beeinflussen das individuelle Gesundheitsverständnis (vgl. Naidoo & Wills, 2003, S. 5-7).

Aus den oben aufgeführten Gründen ist es wichtig, sein individuelles Gesundheitsverständnis zu erläutern, um Missverständnisse vorzubeugen.

Im Folgenden soll nun zu erst ein Blick auf verschiedene Definitionsbeispiele von Gesundheit geworfen werden, ebenso auf unterschiedliche Gesundheitsmodelle. Im Anschluss werden die Gesundheit und der Gesundheitszustand am Beispiel von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen dargestellt.

Dabei wird in der vorliegenden Arbeit Gesundheit nach der Definition der WHO in seiner Ganzheit (körperlich, geistig und sozial) betrachtet.

Das Thema Übergewicht und Adipositas wurde gewählt, da es zum einen aktuell ist und viel diskutiert wird bzw. sehr medienpräsent ist, weil es ein weltweit zunehmendes Problem darstellt. Zum anderen und viel gewichtigeren Grund lässt sich anhand dieses Beispiels die Ganzheitlichkeit des Gesundheitsbegriffs, mit seinen Folgen auf die zuvor genannten unterschiedlichen Ebenen, sehr gut darstellen. Hierzu werden zunächst die Begriffe Übergewicht und Adipositas genauer definiert, bevor auf den Stand der aktuellen Forschung eingegangen wird. Im nächsten Schritt werden dann die Ursachen näher betrachtet, wie es zu Übergewicht und Adipositas kommen kann. Anschließend widmet sich das nächste Kapitel den Folgen und Auswirkungen. Abgeschlossen wird die Arbeit dann mit einer Schlussbetrachtung und Zusammenfassung, sowie einem Ausblick auf künftige Forschungsfelder.

2 Definitionsbeispiele von Gesundheit

Gesundheit wird meist als „Abwesenheit von Krankheit“ verstanden. Eine genaue Abgrenzung ist sehr schwierig und größtenteils abhängig von der persönlichen Ein-stellung.

Aus diesem Grund sind derzeit zahlreiche Definitionsversuche vorhanden. Diese unterschiedlichen Definitionen lassen sich vor allem danach unterscheiden, ob sie aus einer einzelnen wissenschaftlichen Disziplin stammen (monodisziplinär) oder ob sie Aspekte verschiedener Disziplinen berücksichtigen (interdisziplinär).

2.1 Monodisziplinäre Definitionen

- Gesundheit ist das geordnete Zusammenspiel normaler Funktionsabläufe und des normalen Stoffwechsels (Büchner).
- Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können (Freud).
- Gesundheit kann definiert werden als der Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums für die Erfüllung der Rollen und Aufgaben, für die es sozialisiert worden ist (Parsons).

2.2 Interdisziplinäre Definitionen

- Gesundheit heißt, man muss sich wohl fühlen, sich frei bewegen können, guten Appetit haben, normal in seinen Funktionen sein und daher keinen Arzt aufsuchen müssen (Gandhi).
- Gesundheit ist eine Zustand des völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen (WHO).

Die Definition der WHO stammt aus der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation von 1946. Betrachtet man nur das Entstehungsdatum dieser Definition, könnte man annehmen sie sei veraltet. Inhaltlich ist sie jedoch sehr modern, insbesondere die umfassende und ganzheitliche Sichtweise.

Diese Ganzheitlichkeit führte zu einem Paradigmenwechsel. Gesundheit wird nicht mehr nur mit dem Ausbleiben von Krankheit definiert. Jedoch ist die WHO Definition nicht frei von Kritik. Vor allem der utopische Charakter des „vollkommenen Wohlbefindens“ und die Festlegung, dass Gesundheit ein statischer Zustand ist, sind die beiden Schwachpunkte der Definition (vgl. Waller, 2006, S. 9).

3 Gesundheitsmodelle

Aufgrund der zahlreiche Gesundheitsdefinitionen sind in der Gesundheitswissenschaft auch unterschiedliche Gesundheitsmodelle vorhanden. Die meisten Modelle stellen Gesundheit in ihrer Beziehung zur Krankheit dar.

3.1 Biomedizinisches Gesundheitsmodell

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich unter dem Einfluss der Naturwissenschaft ein Gesundheitsverständnis, das als biomedizinisches Gesundheitsmodell bezeichnet wird.

In diesem Modell wird der menschliche Körper mit einer Maschine verglichen. Funk-tionen und Funktionsstörungen des Menschen können durch eine genaue Analyse verstanden und somit wieder behoben werden (vgl. Bengel, Strittmatter & Willmann, 1998, S. 16-17).

Vor allem in der westlichen Gesellschaft dominiert das biomedizinische Modell. Die auffälligste Eigenschaft dieses Modells, ist seine sehr enge Sichtweise.

Hauptaugenmerk liegt auf dem Nichtvorhandensein von Krankheit. Somit wird Ge-sundheit in diesem Modell zu einem negativen Begriff. Es wird nicht festgelegt was unter Gesundheit zu verstehen ist, sondern viel mehr, was Gesundheit nicht ist. Auf den gesunden Menschen wirken chemische, biologische oder physikalische Schädigungen ein, die zur Krankheit führen können. Viele Erkrankungen weisen je-doch keine eindeutigen Ursachen auf, sondern vielfältige Risiken. Aufgabe der Medizin ist die Wiederherstellung der Gesundheit. Das biomedizinische Modell ist pathogenetisch orientiert, d.h. es beschäftigt sich primär mit der Krankheit (Pathos) und versucht die Entstehungsfaktoren der Krank-heit zu erklären. Sind die Entstehungsfaktoren festgestellt, gilt es sie in der Präventi-on zu vermeiden. Psychische und soziale Ursachen werden in diesem Modell kaum betrachtet (vgl. Naidoo & Wills, 2003, S. 9-11).

3.2 Biopsychosoziales Gesundheitsmodell (Engel)

Das biomedizinische Modell bildet die Basis des Gesundheits- und Krankheitsverständnisses.

Der amerikanische Sozialmediziner Engel kritisierte und erweiterte 1979 das biomedizinische Modell. Er fügte zu den bereits vorhandenen somatischen (körperlichen) noch die psychosozialen Faktoren, aber auch kulturelle, ökologische und wirtschaftlichen Ursachen hinzu, um die Entstehung von Krankheit und Gebrechen zu erklären (vgl. Amann & Wipplinger 1998, S. 20).

Durch die Erweiterung des biomedizinischen Modells um die oben genannten Faktoren ist jedoch keine grundsätzliche Neuorientierung der Gesundheit entstanden. Das biopsychosoziale Modell ist ebenfalls ein Defizitmodell. Dies wird spätestens bei der Forderung nach präventiven Konzepten und Maßnahmen deutlich. Obwohl die Auswirkungen von psychosozialen Faktoren für das Entstehen von Krankheit nachgewiesen sind, bestimmt nach wie vor das biomedizinische Modell die Schulmedizin (vgl. Bengel et al., 1998, S. 18).

3.3 Salutogenetisches Gesundheitsmodell (Antonovsky)

Das wohl bekannteste Gesundheitsmodell stammt von Aaron Antonovsky (Medizinsoziologe). Antonovsky entwickelte das Modell der „Salutogenese“. Mit seiner Vorgehensweise unterschied er sich stark von der üblichen pathogenetisch orientierten Fragestellung.

Im salutogenetischen Modell steht primär die Gesundheit und nicht die Krankheit im Vordergrund.

Antonovsky faszinierte die Beobachtung, dass einige Menschen trotz extrem widriger und belastender Lebensumstände wie z.B. einer Gefangenschaft in einem Konzentrationslager erstaunlich gesund blieben (vgl. Antonovsky & Franke, 1997, S. 15). Die Fähigkeit vorhandene Ressourcen für den Erhalt der Gesundheit zu aktivieren und zu nutzen beschreibt Antonovsky mit dem Kohärenzgefühl (sense of coherence) (vgl. Brinkmann-Göbel, 2001, S. 71).

In diesem Zusammenhang entwickelte Antonovsky den Begriff „Gesundheits-Krankheits-Kontinuum“. Damit ist gemeint, dass es keine klare Abgrenzung zwischen Krankheit und Gesundheit gibt. Vielmehr ist ein Kontinuum mit den beiden Endpunk-ten Krankheit und Gesundheit vorhanden. Wie gesund oder wie krank ein Mensch ist, ist von den belastenden Faktoren (Stressoren), die auf den Menschen einwirken und den schützenden Faktoren (Widerstandsressourcen), die der Mensch mobilisieren kann, abhängig. Somit ist Gesundheit ein dynamischer und kein statischer Zustand (vgl. Waller, 2006, S. 20).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3.1: Gesundheits-Krankheits-Kontinuum

(modifiziert nach www.uni-bielefeld.de/.../ab_iv/lehre/blatt9.html)

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Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640923298
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172373
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
gesundheit gesundheitszustand kindern jugendlichen

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