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Das Konzept der Freundschaft in der Nikomachischen Ethik des Aristoteles und in der Alkestis des Euripides

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Familie im antiken Griechenland

3. Die Autoren und die Quellen

4. Euripides ,,Alkestis“

5. Wie ist ,,Alkestis“ zu verstehen?

6. Die Freundschaft innerhalb der Familie in der ,,Nikomachischen Ethik“

7. Wie ist Buch VIII der ,,Nikomachischen Ethik zu verstehen?

8. Was sagen uns ,,Alkestis“ und die ,,Nikomachische Ethik“ griechische Familie in der Antike?

9. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Konzept der Freundschaft ist keine Erfindung unserer Zeit. Bereits in der Antike befassten sich die Philosophen und die Autoren der Dramen mit diesem Thema. Besonders bekannt für seine ausführlichen Gedanken ist Aristoteles. Er behandelt die Freundschaft in seiner ,,Nikomachischen Ethik''. Da es sich hierbei allerdings eher um die Theorie handelt wäre es interessant zu ergründen, inwiefern seine Gedanken sich in der damaligen Lebenswirklichkeit der griechischen Familie wieder spiegelten.

An dieser Stelle wird es allerdings problematisch. Die Quellenlage darüber, wie die Menschen damals die Freundschaft betrachtet haben, ist dürftig. Ich habe mich daher dazu entschieden, mich auf einen Bereich zu konzentrieren, in dem das Zusammenleben von Menschen relativ gut dokumentiert ist: die griechische Hausgemeinschaft der Antike.

Die Verhältnisse innerhalb der Familie waren oft Gegenstand der antiken Dramen. Für diese Arbeit habe ich ,,Alkestis'' von Euripides gewählt. In dieser Geschichte geht es zum großen Teil um die Beziehungen innerhalb der Familie.

Durch den Vergleich der Freundschaftskonzeptionen in Aristoteles' ,,Nikomachischer Ethik'' und den familiären Beziehungen in Euripides' ,,Alkestis'' sollte es möglich sein, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Freundschaftskonzeptionen und der Familiendarstellung aufzuzeigen.

Da ich mich nicht nur auf diese beiden literarischen Quellen verlassen möchte, habe ich zusätzlich wissenschaftliche Literatur verschiedener Autoren ausgewählt, die sich ebenfalls mit dem Thema ,,Freundschaft in der Antike'' und den beiden genannten antiken Werken befassen.

Im Folgenden werde ich zunächst auf die wissenschaftlich belegten Fakten zur antiken griechischen Familie eingehen. Im weiteren Verlauf wird es dann darum gehen, mit Hilfe der Quellen und der Sekundärliteratur die in dieser Arbeit zu bearbeitende und oben bereits genannten Fragestellungen zu beantworten und aufzuzeigen, warum eine Beschäftigung mit den literarischen Werken der griechischen Antike lohnenswert für die historische Forschung ist.

2. Die Familie im antiken Griechenland

Die antike Familie unterscheidet sich in wichtigen Punkten von den Strukturen nachfolgender Zeiten. Man muss zwar zwischen den Familien der Aristokraten und denen der Bauern unterscheiden, die wesentlichen Strukturen waren aber wohl ähnlich.[1] Daher können wir das Beispiel von Admet und seiner Frau durchaus als Beispiel auch für ärmere Familien verwenden. Der Privathaushalt wurde als ,,oikos''[2] bezeichnet. Diesem stand der Hausvater, der ,,kyrios''[3] genannt wurde, vor. Diesem waren die anderen Mitglieder des oikos untergeordnet. Die Kernfamilie bestand dabei in der Regel aus dem Vater, der Mutter, den Kindern und, sofern sie noch lebten, den Großeltern. Die Sklaven, soweit vorhanden, wurden als beweglicher Besitz angesehen.[4] Die Ehe wurde zur damaligen Zeit aus Zweckgründen geschlossen. Dabei waren ,,Zeugung und Geburt von Kindern […] ausdrückliches Ziel''[5]. Für den Vater war dabei vor allem die ,,Sicherung und Fortexistenz des Hauses''[6] von Bedeutung. Dafür waren die Kinder von entscheidender Bedeutung. Diese waren nicht nur für den Fortbestand zuständig, sondern auch für die Verpflegung und schließlich die Bestattung der Eltern.[7]

Wenn in der antiken griechischen Familie die Frau starb, ging der Mann in der Regel keine weitere Ehe ein, um die Erbschaft der Kinder nicht zu gefährden.[8]

Des weiteren ist auch die Stellung der alten Menschen im oikos wichtig. Grundsätzlich hatte sich der Vater nach der Übergabe des Hauses an den Sohn diesem unterordnen. Im Gegenzug musste der Sohn die Eltern versorgen. Es ist aber davon auszugehen, dass das Verhältnis von Vater zu Sohn und umgekehrt nicht ohne Belastungen auskam.[9] Doch die Versorgung alleine reichte nicht aus. In der antiken griechischen Gesellschaft hatte der Vater eine sehr starke Position inne. Aus diesem Grund hat der Sohn auch eine gewisse Würde gegenüber dem Vater zu wahren.[10].

3. Die Autoren und die Quellen

Erst einmal ist wichtig zu beachten, dass Euripides und Aristoteles keine Zeitgenossen waren. Euripides war der letzte große Tragiker Athens und lebte von 485/80 – 406 v. Chr.[11] Seine Werke befassen sich häufig mit persönlichen und häuslichen Themen.[12]

Das für diese Arbeit verwendete Drama ,,Alkestis'' stammt aus dem Jahr 438 v. Chr. und ist damit eines der ältesten noch erhaltenen Dramen.[13]

Aristoteles, wohl einer der bekanntesten Philosophen, lebte von 384 v. Chr. bis 322 v. Chr., also ein Jahrhundert nach Euripides.[14] Er wusste also, wer Euripides war und wahrscheinlich was der Inhalt seiner Werke war. Immerhin erwähnt er ihn in der ,,Nikomachischen Ethik''.[15]

Dieses bekannte Werk, welches dem Sohn Nikomachos gewidmet wurde, befasst sich umfangreich mit dem menschlichen Handeln sowie fragt nach den Ursachen für gutes und schlechtes Handeln.[16] Anders als in früheren Forschungen wird heute nicht mehr davon ausgegangen, dass dieses Werk von seinen Schülern verfasst wurde. Dafür sei es einfach zu sorgfältig geschrieben.[17] Als mögliches Publikum wird wahrscheinlich die mittlere Gruppe der Bürgerschaft gedacht worden sein. Diese wäre in der Lage gewesen, die erteilten Ratschläge auch umzusetzen. Aber auch die Gruppe von Menschen, die guten Argumente eher nicht zugänglich war, könnte zumindest vor Schaden bewahrt werden.[18] In den Büchern VIII bis IX behandelt Aristoteles speziell das Thema Freundschaft.[19] Für diese Arbeit wird aber besonders das achte Buch von Bedeutung sein.

Bei ,,Euripides'' und der ,,Nikomachischen Ethik'' handelt es sich also um zwei verschiedene Textarten- ein griechisches Drama und einen philosophischen Text, die zudem aus verschiedenen Zeitabschnitten stammen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Inhalte nur im Rahmen einer Interpretation auf die tatsächlichen Verhältnisse innerhalb der griechischen Familie anzuwenden.

4. Euripides ,,Alkestis''

In ,,Alkestis'' geht es um eine Verherrlichung der griechischen Ehe.[20] Der Leser erfährt, dass der griechische König Admet sterben soll, wenn sich niemand für ihn opfern würde. Er fragt seine Eltern, doch diese sind nicht dazu bereit. Erst seine Ehefrau erklärt sich einverstanden.[21] Vor ihrem Tod nimmt sie Admet das Versprechen ab, dass dieser nie wieder heiraten wird und damit die Erbschaft der Kinder gefährden könnte.[22] Alkestis wird für ihre Tat an mehreren Stellen gelobt. Sie sei die ,,beste Frau''[23] und eine ,,treffliche Gattin''[24]. Ihr Ehemann zollt ihr dafür seinen Respekt: ,,vor deiner Liebe zu uns haben wir Ehrfurcht''[25]. Dementsprechend groß ist Admets Trauer. Nachdem er Alkestis verloren hat, merkt er, dass sein Leben ohne seine Frau nicht mehr lebenswert ist. Er äußert sogar, dass der eigene Tod der für ihn einfachere Weg gewesen wäre.[26] An späterer Stelle äußert er zudem, dass es nicht besonders mannhaft gewesen sei, seine Frau für sich sterben zu lassen.[27]

Ganz anders verhält es sich mit Admets Eltern, besonders dem Vater. Schon Alkestis findet, dass diese für Admet hätten sterben sollen- immerhin sei er ihre einzige Hoffnung auf den Fortbestand der Familie.[28] Auch Admet selber wirft seinen Eltern ihren Unwillen vor, ihr Leben für den Sohn zu geben. Er nennt sie feige und grausam.[29] Er kündigt sogar an, sich nicht um das Begräbnis der Eltern kümmern zu wollen.[30]

[...]


[1] Schmitz, Winfried (2007). Vgl. S. 57.

[2] Christes, Johannes (2006). cf. S. 29.

[3] Schmitz, Winfried (2007). cf. S. 58.

[4] Christes, Johannes (2006). Vgl. S. 29.

[5] Schmitz, Winfried (2007). cf. S. 23.

[6] Ebd. cf. S. 23.

[7] Christes, Johannes (2006). Vgl. S. 30.

[8] Schmitz, Winfried (2007). Vgl. S. 31.

[9] Ebd. Vgl. S. 35/36.

[10] Matthiessen, Kjeld (2002). Vgl. S. 48.

[11] Matthiessen, Kjeld (2004). Vgl. S. 9.

[12] Mastronarde, Donald J. (2010). Vgl. S. 246.

[13] Matthiessen, Kjeld (2002). Vgl. S. 38/40.

[14] Dtv-Lexikon, Band 1 (1999). Vgl. S. 269, linke Spalte.

[15] Aristoteles. Nikomachische Ethik. Vgl. VIII, 2. Kap. 1155b.

[16] Seidl, Horst (2010). Vgl. S. 269.

[17] Pangle, Lorraine Smith (2003). Vgl. S. 8.

[18] Ebd. Vgl. S. 10-14.

[19] Seidl, Horst (2010). Vgl. S. 300.

[20] Matthiessen, Kjeld (2004). Vgl. S. 48.

[21] Euripdes. Alkestis. Vgl. Z. 15-18.

[22] Ebd. Vgl. Z. 304/5.

[23] Ebd. Vgl. Z. 83-85.

[24] Ebd. Vgl. Z. 97.

[25] Ebd. Vgl. Z. 279.

[26] Ebd. Vgl. Z. 197-201.

[27] Ebd. Vgl. Z. 954-956.

[28] Ebd. Vgl. Z. 289-293.

[29] Ebd. Vgl. Z. 636 ff..

[30] Ebd. Vgl. Z. 662-663.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640921874
ISBN (Buch)
9783640921775
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172270
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Historisches Seminar
Note
2.0
Schlagworte
konzept freundschaft nikomachischen ethik aristoteles alkestis euripides

Autor

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