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Der ontologische und kosmologische Gottesbeweis in Gottfried Wilhelm Leibniz’ MONADOLOGIE

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 14 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Die einfache Substanz - die Monade

3. Die Gottesbeweise
3.1 Der kosmologische Gottesbeweis
3.1.1 Das Prinzip vom Widerspruch
3.1.2 Das Prinzip vom zureichenden Grund
3.2 Der ontologische Gottesbeweis

4. Kritik am kosmologischen und ontologischen Gottesbeweis

5. Literaturverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Das Mysterium Gott beschäftigt die Menschheit seit jeher. Bereits bei Aristoteles finden sich jedoch die ersten Versuche, die Existenz Gottes rational zu begründen, nicht, um seine Existenz in Frage zustellen, sondern eher um den vorhandenen Glauben an eine Gottheit zu untermauern.

Doch die eigentliche Zeit der Gottesbeweise, der Frage nach dem Urprinzip alles Seins und demVerstehen der Welt kann im Mittelalter mit dem Werk St.Anselms von Canterbury datiert werden und fand ihren Höhepunkt in der Frühen Neuzeit. So befasste sich auch Gottfried Wilhelm Leibniz, Rationalist und einer der vermutlich letzen großen Universalgelehrten, auf Theorien René Descartes’ aufbauend mit dem Versuch, die Frage nach der Existenz Gottes in einer Reihe von Schriften zu beantworten; unter ihnen die Monadologie, ein Werk aus dem Jahr 1714, das seinen Titel allerdings erst nach Leibniz’ Tod durch Heinrich Köhler erhielt. Die daraus hervorgehende Substanztheorie, deren Gegenstand die letzten Elemente der Realität, die sogenannten Monaden sind, inkludiert mindestens zwei Typen von Gottesbeweisen, die ich im Verlauf dieser Arbeit herausarbeiten möchte.

Da Leibniz seine Theorien über die einfachen Substanzen der Welt indes in enorm komprimierter Form darzustellen vermochte, erweist sich die Rezeption der Monadenlehre, verfasst in 90 knappen Paragraphen, als äußerst diffizil.

Mithilfe verschiedener Sekundärtexte werde ich versuchen, die Gottesbeweise, welche Leibniz in den Paragraphen 38-46 liefert, zu entschlüsseln und gegebenenfalls von jenen seiner Zeitgenossen abzugrenzen.

Um die Arbeit in den Kontext der Substanztheorie einzubetten, werde ich zu Beginn eine Definition der Leibnizschen Monade geben, deren Ursprung sich in Gott findet, welchen es schließlich zu beweisen gilt. Um Leibniz’ Gottesbeweise möglichst eingängig darstellen zu können, bedarf es darüber hinaus der Erläuterung seiner zwei großen Prinzipien, dem des Widerspruchs sowie dem des zureichenden Grundes, worauf ich im weiteren Verlauf eingehen werde.

2. Die einfache Substanz - die Monade

„ Die Monade, von der wir hier sprechen werden, ist nichts anderes als eine einfache Substanz, die in Zusammensetzungen eingeht; einfach heißt: ohne Teile. “ 1

Die in § 1 angeführte Definition der Substanz, von welcher laut Leibniz die fundamentale Struktur der Realität ausgeht, scheint auf Anhieb leicht zu verstehen. Doch nun stellt sich die Frage nach der Bedeutung und Konsequenz einer solchen einfachen Substanz. Diese einfache Substanz wird bestimmt als die grundlegende Substanz der Wirklichkeit, die aufgrund ihrer Einfachheit unteilbar und so beschaffen ist, dass weder etwas aus ihr heraus noch in sie eintreten kann, dass sie keine Ausdehnung, also keine Gestalt hat, demnach immateriell ist und weder natürlich entstehen noch vergehen kann. Denn etwas, das keine Teile hat, kann nicht aus etwas zusammengesetzt werden und sich nicht in etwas auflösen. An dieser Stelle begegnet dem Rezipienten bereits ein erster Verweis auf eine ursprüngliche Gottheit, indem es heißt, „ [ ] dass die Monaden nur auf einen Schlag beginnen oder enden können , das heißt, sie können nur durch Schöpfung beginnen und durch Vernichtung enden, [ ] “ (§ 6). Des Weiteren wird die Monade als etwas beschrieben, das von nichts und niemandem außer aus einem ihr eigenen inneren Prinzip heraus verändert werden kann ( § 11). Zudem sind alle Monaden individuell, d.h. dass keine Monade einer anderen gleich ist, was Leibniz damit begründet, dass es „ in der Natur niemals zwei Wesen [gibt] , die vollkommen gleich sind[ ] (§ 9). Zwar sind sie quantitativ identisch, da sie alle einfache Substanzen sind, qualitativ müssen sie sich jedoch unterscheiden, da es sonst keine Möglichkeit für eine Veränderung in der Welt gäbe. Schließlich konstituieren die Monaden alle Aggregate, die nur dann dem Prozess der Veränderung unterliegen können, wenn die einzelnen Monaden unterschiedliche Bewegungen und Reaktionen verursachen. Da die Monade jedoch als ohne Teile definiert wird, muss gerechtfertigt werden, wie diese immateriellen Substanzen mehrere Qualitäten haben können. Dies erklärt sich Leibniz mit der Vielheit in der Einheit (§ 13).

Wesentliche Eigenschaft der Monade ist neben der Einfachheit und der Bestimmung als Substanz, ihr innerer Dynamismus, d.h.dass sie Perzeption, Apperzeption und Appetit hat, auf welche die von den Monaden verursachten Bewegungen und Reaktionen in der Welt zurück zu führen sind. Perzeption ist hier als die sinnliche Wahrnehmung zu verstehen, Apperzeption als Selbstbewusstsein bzw. reflexive Erkenntnis des inneren Zustandes. Der Appetit bezeichnet das Begehren, von einer Perzeption zur nächsten zu gelangen.

Jene Monaden, die neben der Perzeption auch über die Eigenschaft der Apperzeption verfügen, dürfen Seelen genannt werden, die restlichen einfachen Substanzen, die sich ihrer Perzeptionen nicht bewusst sind, werden als Entelechien klassifiziert.

An oberster Stelle in der Hierarchie der Monaden steht Gott als die Substanz aus der alles hervorgegangen ist. So hat Gott die Monaden auf eine Weise geschaffen, dass all ihre Perzeptionen und Appetitionen bereits in ihnen angelegt sind - schließlich kann nichts in sie eindringen oder sie verändern - und sich im Wandel der Zeit aktivieren, so dass die Monade aufgrund einer ursprünglichen Kraft ständiger Veränderung aus sich heraus unterliegt. All diese Ausführungen zur Beschaffenheit der Monaden erleichtern meines Erachtens allerdings nicht den Prozess der Vorstellung einer solchen, insbesondere durch die von Leibniz doch recht illustrative Art der Erläuterung, wobei die Monade gerade nicht als etwas materiell Vorstellbares gedacht werden soll. Eine weitere schwierige Stufe wird erreicht, wenn man versucht nachzuvollziehen, wie diese unausgedehnten einfachen Substanzen in das Zusammengesetzte eingehen und so nach Leibniz die Dinge in der Welt konstituieren. Doch die Ausführung dieser Problematik überschreitet den Gegenstand der Arbeit, daher werde ich mich im folgenden Kapitel schließlich bemühen darzustellen, wie die Existenz jener die Monaden schaffenden ursprünglichen Substanz versucht wird zu rechtfertigen.

3. Die Gottesbeweise

3.1 Der kosmologische Gottesbeweis

Der kosmologische Gottesbeweis basiert auf der Annahme, dass es etwas geben muss, das das Universum hervorgebracht hat, ein notwendig Existierendes, worin alles seinen Ursprung findet, in ihm wird von der Existenz der Welt auf die Existenz Gottes geschlossen. Sowohl in Aristoteles’ Werk „Metaphysik“ als auch in Thomas von Aquins „summa theologiae“ wird die Existenz Gottes durch ihre kosmologischen Beweise mit der Voraussetzung begründet, dass alle Bewegung in der Welt ihren Ursprung in einem letzen Beweger haben müsse, welcher seinerseits unbewegt ist, da aller Bewegung ebensolche vorangeht, sie aber aus etwas heraus entstanden sein bzw. den Impuls zur Bewegung von etwas Ursprünglichem erlangt haben muss.

Leibniz’ kosmologischer Gottesbeweis wird begründet durch eines seiner beiden großen Prinzipien, dem des zureichenden Grundes. Um demonstrieren zu können, inwiefern das Prinzip vom zureichenden Grund relevant für den folgenden Gottesbeweis ist, werde ich Leibniz’ Principia prima a priori kurz erläutern.

3.1.1 Das Prinzip des Widerspruchs

Nach Leibniz’ Erkenntnis liegt in der Natur der Welt eine gewisse Ordnung, die in mathematisch-logischen Strukturen, Naturgesetzten sowie dem Denken und Handeln sichtbar wird. Daraus schließt er, dass es in Gott gegründete Prinzipien geben muss, durch welche die Ordnung der Welt begründbar wird. Zwei dieser Prinzipien, die wohl grundlegendsten für all seine folgenden Überlegungen sind eben das des Widerspruchs und das des zureichenden Grundes.

Das Prinzip der Identität und des Widerspruchs scheint auf Anhieb als dem Denken selbstverständliche Voraussetzung, so formulierte Aristoteles, dass „ es ist unmöglich[ sei ], dass dasselbe demselben in derselben Beziehung zugleich zukomme und nicht zukomme 2 und dass eine Identität a=a als immer wahr gelte.

Aus der Leibnizschen Fassung, die alles als falsch beurteilt, was einen Widerspruch umfasst und alles als wahr, dessen Negation einen Widerspruch impliziert3 ergeben sich absolute bzw. die sogenannten notwendigen Wahrheiten. Was unter Notwendigkeit zu verstehen ist, folgert Leibniz aus dem vorangegangenen Prinzip, nämlich etwas, dessen Negation einen Widerspruch einschließt.4 Der absoluten Notwendigkeit, welche Leibniz im Weiteren als Vernunftwahrheiten bezeichnet, stellt er die Tatsachenwahrheiten gegenüber, die durch das Prinzip des Widerspruchs nicht als wahr oder falsch bestimmt werden können, weshalb allein aufgrund dieses Prinzips noch keine Aussagen über die Welt gemacht werden können. Hierzu bedarf es eines weiteren Grundsatzes.

[...]


1 Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie, hrsg. u. übers. von Hartmut Hecht, Reclam 1998, § 1

2 Aristoteles, Metaphysik. 1005b

3 Monadologie, § 31

4 Hans Poser, Gottfried Wilhelm Leibniz, Zur Einf ü hrung . Junius Verlag. Hamburg 2005. S.46 6

Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640919772
ISBN (Buch)
9783640919734
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172199
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Department für Philosophie
Note
1,7
Schlagworte
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