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Lernschwierigkeiten und deren Systematik

Hausarbeit 2008 20 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

Inhalt

1. Definition von Lernschwierigkeiten und deren Klassifikation

2. Ursachen von Lernschwierigkeiten
2.1. Bezugsnormen
2.2. psychologische Ansätze
2.3. multikausale Faktorentheorie

3. verschiedene Reaktionen auf Lernschwierigkeiten

4. Folgen für die betroffenen Schüler

5. Interventionsmaßnahmen

6. Lernschwierigkeiten am Beispiel von Legasthenie
6.1. Was ist Legasthenie?
6.2. Voraussetzungen zum Lesen- und Schreiben lernen
6.3. Ursachen
6.4. Symptome
6.5. Förderungsmöglichkeiten
6.6. Rechte legasthener Schüler in Sachsen-Anhalt

7. Bibliographie

1. Definition von Lernschwierigkeiten und deren Klassifikation

Lernschwierigkeiten werden verschieden definiert. A. Sander beschreibt sie ganz einfach „als ein Versagen bei der Bewältigung von Leistungsanforderungen.“

Bei Weinert und Zielinski spricht man jedoch von Lernschwierigkeiten im Allgemeinen, „wenn die Leistungen eines Schülers unterhalb der tolerierbaren Abweichung von verbindlichen institutionellen, sozialen und individuellen Bezugsnormen (Standards, Anforderungen, Erwartungen) liegen oder das Erreichen (bzw. Verfehlen) von Standards mit Belastungen verbunden ist, die zu unerwünschten Nebenwirkungen im Verhalten oder in der Persönlichkeitsentwicklung des Lernenden führen.

Treten bei einem Schüler Lernschwierigkeiten auf, unterscheidet man zum einen nach den Bereichen, in denen Probleme auftreten (z.B. Lesen, Mathematik), also nach der Spezifität der Lerninhalte.

Des weiteren gibt es Unterschiede im Grad der Normabweichung (leichte/ schwere Lernschwierigkeiten), in Dauer der Lernstörung und im Grad der Beeinflussbarkeit (behandelbare, mittelfristig behebbare, langfristig zu beeinflussende Lernstörungen).

Einordnung von Lernschwierigkeiten

Nach der Klassifikation der ICD 10 (Internationale Klassifikation von Krankheiten, 10. Revision) grenzt man Lernschwierigkeiten klar von anderen Störungsformen des Lernens ab.

Übersicht über die Störungsbilder des Lernens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[1]

2. Ursachen von Lernschwierigkeiten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Ursachen von Lernschwierigkeiten zu benennen. Dies kann zum einen durch die Art der Bezugsnorm geschehen, zum anderen durch diverse psychologische Ansätze oder auch durch so genannte multikausale Faktoren.

2.1. Bezugsnormen

Leistungsschwierigkeiten in der Schule sind als eine Diskrepanz zwischen den gestellten Anforderungen und den erreichten Leistungen zu betrachten. Unter den Anforderungen versteht man, dass sich jeder Lehrer bestimmte Orientierungspunkte zur Bewertung eines Schülers setzen muss. Somit hat ein Schüler Schulschwierigkeiten, wenn er entweder unter dem Klassendurchschnitt liegt oder sich nicht von einem einmal erreichten Niveau weiter bewegt oder die absolut gesetzten Lernziele nicht erreicht. Die Diskrepanz hängt also von dem Vergleichsmaßstab ab, der vom Lehrer als gültig angesehen wird. Daraus ergeben sich die dem zugrunde liegenden Bezugsnormen; die soziale, die individuelle und die sachliche Bezugsnorm. Bei der sozialen Bezugsnorm wird ein Schüler, der unter dem Durchschnitt seiner Bezugsgruppe (zum Beispiel seiner Klasse) liegt, als leistungsschwach bezeichnet. Hierbei muss beachtet werden, dass die Beurteilung des Betroffenen nur aufgrund der Bezugsgruppe erfolgt, was bedeutet, dass seine Mitschüler indirekt entscheiden, ob dieser Schüler als leistungsschwach eingestuft wird oder nicht. Dementsprechend ist eine vernünftige Diagnose nur begrenzt möglich.

Die individuelle Bezugsnorm stellt den Leistungsprozess des Schülers in den Mittelpunkt, demnach ist die Beurteilung unabhängig von der Leistung der Mitschüler. Entscheidend ist nur die Entwicklung des Schülers bezüglich seiner persönlichen Leistung über einen bestimmten Zeitraum. Bei der sachlichen Bezugsnorm ist lediglich der Vergleich mit einem vom Lehrer gesetzten Lernziel bzw. Leistungsstandard von Bedeutung. Ein Schüler hat dann entweder ein bestimmtes Kriterium erreicht oder nicht und wird so als leistungsstark/leistungsschwach eingestuft.

Schulische Schwierigkeiten können also schon allein aufgrund der Anwendung einer unangemessenen Bezugsnorm auftreten.

2.2. psychologische Ansätze

In der Psychologie lassen sich auch eine Vielzahl von Ansätzen finden um Lernschwierigkeiten zu erklären. Ich werde mich auf drei verschiedene Ansätze beschränken und diese kurz erklären. Beim individuumszentrierten Ansatz werden die Ursachen für Lernschwierigkeiten bei dem betroffenen Schüler gesucht. Der Grad der Intelligenz oder der Begabung und auch die Einstellung zur Schule können dabei als Indikatoren dienen.

Der lerntheoretische Ansatz definiert Lernschwierigkeiten als Folgen von unangemessenem oder falschem Lernen. Durch eine Anwendung bestimmter Lerntechniken (angefangen beim Einhalten von Pausen bis hin zur Gestaltung der Räumlichkeiten) würde sich die Leistung verbessern.

Der interaktionistische Ansatz besagt, dass ‚Lernstörungen aufgrund von Wechselwirkungen psychischer Dispositionen der Person mit den Bedingungen der jeweiligen Lernsituation[2] entstehen. Lernschwierigkeiten sind demnach auf eine Störung in der Interaktion von der Person mit ihrer Umwelt zurückzuführen.

2.3. multikausale Faktorentheorie

Die multikausale Faktorentheorie besagt, dass es keine in sich geschlossene Theorie des Schulversagens geben kann, sondern dass es sowohl von individuellen, als auch von schulischen und außerschulischen Faktoren abhängig ist. Mithilfe der nachfolgenden Grafik werde ich die verschiedenen Bedingungen für Lernschwierigkeiten etwas näher erläutern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt zunächst verschiedene Bedingungen in der Persönlichkeit des Schülers. Sie lassen sich aufgliedern in organische Faktoren, wie zum Beispiel durch Störungen des Nervensystems, der Sinnesorgane, der Sprache usw.; in kognitive Faktoren, wie die Intelligenz[3], die kognitiven Stile oder die Konzentration. Die Intelligenz ist hierbei ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal und eine wichtige Einflussgröße auf die Persönlichkeit des Schülers. Auch nicht kognitive, dynamische Faktoren können eine Ursache sein, so beispielsweise die Schulangst als eine emotionale Störung des Schülers im Hinblick auf den Schulbesuch. Schulische Schwierigkeiten können also Schulangst hervorrufen, doch Schulangst kann auch eine Voraussetzung für Lernschwierigkeiten sein, wobei eine geringe Leistungsfähigkeit noch keine Ursache von Schulangst ist; diese kommt erst durch den sozialen Vergleich zustande (durch Mitschüler, Lehrer, Eltern, Zensuren), wodurch die Lernumwelt als belastend wahrgenommen wird. Auch Hilflosigkeit ist ein entscheidender Faktor, denn werden Bemühungen des Schülers nicht mit den erwünschten Konsequenzen belohnt, kann daraus ein Motivationsverlust entstehen, oder sogar Angst und Resignation.

[...]


[1] http://learn.bbwonline.de/download/ml01_02.pdf

[2] Vgl: https://www.tu-chemnitz.de/phil/psych/professuren/entwpsy/lehre/lernstoerungWS06072.ppt

[3] Schwarzer, C.: Gestörte Lernprozesse. München (u.a.): Urban & Schwarzenberger, 1980, S.35.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640919352
ISBN (Buch)
9783640919697
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172197
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Schlagworte
lernschwierigkeiten systematik

Autor

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