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Holismus und Patientenorientierung in der Pflege

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definitionsversuche
2.1 Holismus
2.2 Gesundheits- und Krankheitsbegriff im holistischen Sinn
2.3 Patientenorientierung

III. Menschenbild im Holismus

IV. Instrumente und Methoden der patientenorientierten, ganzheitlichen Pflege
4.1. Vier Schlüsselkonzepte
4.1.1 Pflegetheoretischer Hintergrund
4.1.2 Pflegeprozess
4.2 Alternative holistische Pflegeanwendungen

V. Holismus und Patientenorientierung in der Ausbildung und Praxis

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ganzheitlichkeit in der Pflege ist kein neuer Begriff. Dennoch ist es heute im Zuge der Professionalisierung der Pflegeberufe wichtiger denn je, ein Augenmerk auf Holismus und Patientenorientierung zu richten und dafür Sorge zu tragen, dass eine Implementierung in Ausbildung und Praxis stattfindet.

Wie wird die Pflege diesem Anspruch gerecht und wie ist eine sinnvolle Umsetzung möglich?

Die nun folgende Abhandlung befasst sich mit dem Thema Holismus und Patientenorientierung und geht speziell auf die Umsetzung in Ausbildung und Praxis ein.

II. Definitionsversuche

2.1 Holismus

Holismus kommt von dem griechischen Wort holos und bedeutet wörtlich übersetzt ganz, gänzlich, vollständig. Holismus ist eine philosophische Lehre, in der sämtliche Erscheinungen des Lebens einem ganzheitlichen Prinzip zugeordnet werden.

Holismus meint, den Menschen als eine Einheit aus Körper, Geist und Seele zu betrachten.

Viele Wissenschaften wie z.B. die Psychologie, Pädagogik oder auch Naturwissenschaften bedienen sich dieses Begriffes. Deshalb ist eine allgemeingültige Definition schwierig. Holismus lässt sich nicht mit Gesetzen, Dogmen oder Parolen erklären und umsetzen. Die Bedeutung ist in jeder Lebenslage individuell auslegbar und hat somit Einfluss auf die Berufstätigkeit. Infolgedessen hat jede Krankenschwester eine eigene Auffassung von Ganzheitlichkeit und wird diese auf eigene Art und Weise pflegerisch anwenden.

2.2 Gesundheits- und, Krankheitsbegriff im holistischen Sinn

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist unser Krankheitsverständnis stark vom biomedizinischen Modell geprägt.

Dieses Modell sieht den Körper als eine Maschine, in der alle Teile miteinander verbunden sind, aber voneinander getrennt und separat behandelt werden können. Eine Person gilt als krank, wenn eine Fehlfunktion oder eine festgestellte Veränderung im Körper vorliegt. Die medizinische Behandlung besteht folglich in der `Reparatur` dieser Defekte.

Gesundheit liegt vor, wenn alle Körperteile richtig funktionieren und wird als Abwesenheit von Krankheit verstanden.

Gesundheit und Krankheit im Holismus distanziert sich von einer derartig strikten Dichotomie.

„Der Mensch befindet sich im Prozess des Suchens nach einem Gleichgewicht in einem Spannungsfeld zwischen maximaler Lebensqualität und maximalem Elend.“ (Needham 1986, S. 9)

Gesundheit wird als dynamischer Prozess betrachtet, dessen Ziel es ist, maximale Lebensqualität und Wohlbefinden zu erreichen, und nicht als statischer Zustand.

Der Verlauf der Gesundheitsentfaltung lässt sich als Kontinuum mit zwei Polen aufzeigen, die an ihren Enden die beiden oben zitierten Zustände aufweisen. Bei einem Krankheitseintritt wird dieser Fluss der Entfaltung unterbrochen.

2.3 Patientenorientierung

In der Literatur werden synonym auch die Begriffe „patientenzentrierte Pflege“ oder „menschengerechte Pflege“ verwendet.

Was diese Bezeichnungen jedoch konkret bedeuten, bleibt wieder undurchschaubar, da keine einheitliche Definition existiert, sondern nur die Grundannahmen erläutert werden.

Eine patientenorientierte Krankenpflege stellt den Pflegeprozess als einen dynamischen Beziehungsprozess dar, in dem der Patient als Subjekt im Mittelpunkt des Geschehens steht. Ziel sollte das Verstehen der Klientensituation aus Sicht des Patienten sein. Der zu Pflegende muss somit in seiner Einzigartigkeit und Ganzheitlichkeit betrachtet und angenommen werden. Solch ein Vorgehen setzt professionelles Pflegehandeln voraus. Auf die Basisqualifikationen für das Pflegepersonal, um eine derartige Krankenpflege umsetzen zu können, wird später noch ausführlicher eingegangen.

III. Menschenbild im Holismus

Zum besseren Verständnis soll nachstehendes Schaubild dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schematisierte Darstellung des Menschen mit seinen 4 Aspekten und in seiner Beziehung zur Umwelt. (Schema nach Palotti 1980, S.14)

Holismus betrachtet den Menschen unter Bezugnahme seiner vier Aspekte, die sich auf spirituelle, psychische, biologische und soziale Perspektiven beziehen. Alle vier Aspekte stehen nicht separat beisammen, sondern sind in Wechselbeziehung zueinander und beeinflussen sich somit gegenseitig. Leitgedanke im Holismus ist die ganzheitliche Betrachtung der Person. Der äußere Kreis verkörpert die Umwelt. Auch hier bestehen wechselseitige Beziehungen. Der Mensch muss immer im Zusammenhang mit seiner Umwelt betrachtet werden.

Im Hinblick auf die Ausübung des Berufes der Krankenschwester bedeutet das, dass sie den Patienten als ganzheitliches Wesen anerkennen muss und ihn nicht lediglich auf seine Symptome reduzieren darf. Dies beinhaltet, dass sie sowohl seine biographischen Daten, als auch sein soziales Umfeld berücksichtigen sollte, um eine bessere Pflege planen und auch durchführen zu können.

Zur Verdeutlichung der Thematik hier ein Auszug aus den Leitgedanken der Krankenpflegeschule Theodosianum, Zürich: „Wir verstehen den Menschen als eine Einheit von Körper, Geist und Seele. Als Mensch ist er immer auch Mitmensch, der in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen lebt. Er selbst und seine Welt verändern sich stets. Seinem Wesen nach ist der Mensch, ob bewusst oder unbewusst, ausgerichtet auf etwas Höheres …“ (Dörig-Hug 1988, S. 50)

Das Zitat weist Parallelen zum holistischen Menschenbild auf. Letztlich ist es aber auch der Patient selbst, der sich als eine Einheit wahrnehmen muss, um Verständnis und Akzeptanz für die ganzheitliche Pflege zu erlangen.

IV. Instrumente und Methoden der patientenorientierten, ganzheitlichen Pflege

Im Folgenden werden Hilfsmittel benannt, die eine patientenzentrierte Pflege möglich machen. Es wird dargelegt, dass sowohl Pflegetheorien als auch der Pflegeprozess unabdingbar für die Verrichtung einer patientenorientierten Pflege sind. Außerdem werden zwei praxisbezogene Beispiele der holistischen Pflegeanwendungen vorgestellt.

Fakt ist, dass eine patientenorientierte Pflege ein hohes Maß an zusätzlichen Qualifikationen erfordert. Die Pflegenden müssen fähig sein, ihr Denken und Handeln zu reflektieren, gegebenenfalls auch zu korrigieren. Neben Kommunikationsfähigkeit und Empathie gelten auch ins besondere Akzeptanz und Toleranz als wichtige Voraussetzungen, um sein Gegenüber als gleichberechtigtes Subjekt zu betrachten.

4.1 Vier Schlüsselkonzepte

Das inhaltliche Denken und Handeln der Pflegekraft orientiert sich an vier Schlüsselkonzepten. Diese bilden im heutigen Professionalisierungsprozess den wissenschaftlichen Rahmen, der es jedem ermöglicht, sein pflegerisches Handeln innerhalb der vier Ebenen zu reflektieren.

Dazu gehören:

1) Person

Darunter wird zum einen der Patient in seiner Ganzheitlichkeit, zum anderen auch alle an der Pflege beteiligten Personen verstanden. Ziel ist es, die Bedürfnisse und Ressourcen des Patienten unter Berücksichtigung seiner Individualität und Selbständigkeit zu erkennen und sie zu akzeptieren.

2) Gesundheit

Für die Genesung und/oder das Wohlbefinden des Patienten, ist es von Bedeutung, dass die Pflegende[1] das Gesundheitsverständnis aus Sicht des Patienten kennt.

3) Umwelt

Mit der Ebene Umwelt richtet sich der Blickwinkel auch auf soziale und familiäre Strukturen,

die den Krankheitsprozess positiv oder negativ beeinflussen können.

4) Pflege

Im Mittelpunkt steht die pflegerische Handlung selbst, die zu einem durch pflegerisches Wissen und Handeln gekennzeichnet ist, zum anderen durch persönliche, individuelle Erfahrungen beeinflusst wird.

4.1.1 Pflegetheoretischer Hintergrund

Im nachstehenden Abschnitt werden kurz die Pflegetheorien von Orem, Peplau und Roper skizziert. Diese legen den Fokus des pflegerischen Handelns auf die Individualität des Menschen und eignen sich deshalb besonders für die Umsetzung einer patientenorientierten Pflege.

Pflegemodell der Selbstfürsorge von D. Orem

Orems Annahmen:

-jeder Mensch kann und will sich selbst pflegen
-Selbstpflege ist ein Teil des Lebens, der für Gesundheit, menschliche Entwicklung und

Wohlbefinden notwendig ist.

-Selbstpflege wird durch Interaktion und Kommunikation erlernt
-Selbstpflege umfasst bewusste und systematische Handlungen, die durchgeführt werden, um

bekannte Pflegebedürfnisse zu befriedigen. (Orem zitiert bei Meleis 1999, S. 610)

Kann der Mensch sich nicht selbst pflegen, entstehen Selbstpflegedefizite. Um diese Defizite zu kompensieren, benötigt er entweder professionelle Hilfe oder die Unterstützung durch Familienangehörige. Je nach Ausprägung der bestehenden Selbstpflegedefizite ist es für

Orem bedeutend, dass sich der Patient mit seinen Ressourcen aktiv an der Pflege beteiligt. Er und die Pflegekraft stehen im ständigen Austausch zueinander. Ziel ist, dass der Patient die Selbstpflege wieder erlangt.

Pflegemodell der psychodynamischen Krankenpflege von Peplau

Im Zentrum von Hildegard Peplaus Arbeit stehen:

1) Beschreibung psychodynamischer Pflege:

Erkennen, klären und ein Verständnis dafür entwickeln, was passiert, wenn eine Krankenschwester sich hilfreich einem Patienten zuwendet; das sind die wichtigsten Schritte psychodynamischer Krankenpflege; Pflege ist hilfreich, wenn beide, Patient und Krankenschwester, aus dieser Situation etwas lernen und sich weiterentwickeln können .

Daraus entwickelt sie ihre Hauptannahmen:

Die Persönlichkeitsentwicklung Krankenschwester ist entscheidend dafür, was der Patient während der Erfahrung seiner Krankheit lernen kann.

Die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung zur Reife ist eine Aufgabe der Pflege und Pflegeausbildung. Diese Annahme erfordert den Einsatz von Grundsätzen und Methoden, die eine Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Alltagsproblemen und Schwierigkeiten erlauben . (Peplau S. 16)

2.)Die Phasen der Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient

Hildegard Peplau beschreibt vier Phasen der Beziehung, die sich überlappen können und als zusammenhängendes Ganzes anzusehen sind: (Peplau S.43)

1) Orientierung
2) Identifikation
3) Nutzung oder Ausbeutung
4) Ablösung

3.)Die Beschreibung der Rollen, die Pflegepersonen in dieser Beziehung übernehmen

Hildegard Peplau ist der Ansicht, dass jede pflegende Person unterschiedliche Rollen einnimmt. Patienten sehen Pflegekräfte in Rollen, die für sie zur Problembewältigung wichtig sind, und die Pflegekräfte selbst definieren ihre Rolle so, wie sie sich gute Pflege wünschen. In Ergänzung zu ihrem Beziehungsmodell beschreibt Hildegard Peplau sechs unterschiedliche pflegerische Rollen, sagt aber selbst dazu, dass diese Aufzählung längst nicht vollständig ist.

1. Rolle der Fremden
2. Rolle der Person als Ressource (Rückhalt)
3. Rolle als Lehrer
4. Rolle als Führungsperson
5. Rolle als Ersatzperson
6. Rolle als Berater

[...]


[1] Mit der Formulierung „die Pflegende“ ist im nachfolgenden Text auch immer der Krankenpfleger gemeint

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640919062
ISBN (Buch)
9783640919604
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172127
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Note
Schlagworte
holismus patientenorientierung pflege
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Titel: Holismus und Patientenorientierung in der Pflege