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Die Belastungsorientierte Auftragsfreigabe (BOA) - Ein bestandsorientiertes PPS-System

Können mit Hilfe der BOA die betriebswirtschaftlichen und logistischen Ziele erreicht werden?

Hausarbeit 2010 26 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen von PPS-Systemen
2.1 Definition von PPS-Systemen
2.2 Aufgaben und Ziele eines PPS-Systems

3 Konzepte der PPS-Systems
3.1 Aufgaben und Aufbau Traditioneller Konzepte
3.2 Schwachstellen traditioneller Systeme
3.3 Neuere Konzepte
3.3.1 Engpassorientierte Konzepte
3.3.2 Bestandsorientierte Konzepte

4 Die belastungsorientierte Auftragsfreigabe (BOA)
4.1 Definition BOA
4.2 Das Trichtermodell
4.3 Zielerreichungsgrad von der BOA

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: PPS-Module, nach Wöhe

Abbildung 1: Trichtermodell am Beispiel eines Serienfertigers, nach Kettner/Becht

Abbildung 2: Darstellung der Belastungsorientierten Auftragsfreigabe, nach Wiendahl

Abbildung 3: Trichter-Analogie und Durchlaufdiagramm der BOA, nach Wiendahl

1 Einleitung

Heutzutage müssen sich Unternehmen dem technischen Wandel und den steigenden Marktanforderungen schnell und flexibel anpassen, um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz erzielen zu können. Es gilt die hohen Qualitätsansprüche und individuellen Bedarfe der Kunden befriedigt werden.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden setzen in der heutigen Zeit die meisten Unternehmen EDV-unterstützte Systeme der Produktionsplanung und -steuerung, kurz PPS-Systeme ein.

Mit dieser wissenschaftlichen Arbeit soll geklärt werden, ob PPS-Systeme insbesondere das Konzept der Belastungsorientierten Auftragsfreigabe, in der Lage sind die betriebswirtschaftlichen und logistischen Ziele zu erreichen.

Um die Rahmenbedingungen für diese Hausarbeit zu klären werden zunächst die Begrifflichkeiten, sowie die Aufgaben und Ziele eines Produktionsplanung und - Steuerungs-Systems geklärt.

Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen PPS-Konzepte bietet der dritte Punkt. Hierbei wird zwischen traditionellen und neueren Konzepten unterschieden, wobei man die neueren Ansätze wiederum in engpass- und bestandsorientierte Konzepte unterteilt.

Anschließend soll das Verfahren der belastungsorientierten Auftragsfreigabe (BOA) etwas genauer beleuchtet werden. Dabei wird die Vorgehensweise der BOA anhand eines Trichtermodells näher beschrieben. Und zudem analysiert werden, in wie weit sie die betriebswirtschaftlichen und logistischen Ziele erreichen kann.

Zusammenfassend blickt das Fazit auf die vorangegangenen Punkte zurück und liefert eine Einschätzung über den Nutzen eines PPS-Systems.

2 Grundlagen von PPS-Systemen

Da in dieser Hausarbeit die Konzepte, insbesondere die Belastungsorientierte Auftragsfreigabe auf den Erreichungsgrad der betriebswirtschaftlichen und logistischen Ziele überprüft werden, müssen zunächst in diesem Punkt die Begrifflichkeiten, sowie die Aufgaben und Ziele eines PPS-Systems geklärt werden.

2.1 Definition von PPS-Systemen

PPS-Systeme zeichnen sich durch die organisatorische Planung, Steuerung und Kontrolle bei der Fertigung von Erzeugnissen im gesamten Unternehmen1 unter Berücksichtigung von Termin-, Mengen- und Kapazitätsaspekten aus.2

Sie zerlegen das komplexe Gesamtproblem der Produktionsplanung und -steuerung in nacheinander zu durchlaufende Planungsphasen, die es dann gilt computergestützt einem sich ständig wiederholenden Lösungsprozess zur optimalen Gestaltung zu unterwerfen.3

2.2 Aufgaben und Ziele eines PPS-Systems

Die Ziele der Produktionsplanung und -steuerung umfassen die Kernziele eines Produktionsunternehmens. Das primäre Ziel ist die Maximierung des langfristigen Gewinns, aus diesem leiten sich dann folgende Teilziele ab:

- Kürzere Durchlaufzeiten
- Geringere Lagerbestände
- Höhere Termintreue
- Höhere Kapazitätsauslastung

Mit dem Einsatz von PPS-Systemen erhoffen sich die Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu erreichen. Aufgrund der vielen Einflussgrößen stellt dies jedoch eine große Herausforderung dar.

Ein PPS-System sollte somit in der Lage sein, den Unternehmen aktuelle computergestützte Informationen über die augenblickliche Situation in der Produktion zu geben, um eventuelle Probleme (z.B. Terminverzögerungen, Engpässe) zu erfassen und diese durch geeignete Maßnahmen beseitigen können.4

3 Konzepte der PPS-Systems

Heutzutage basiert jedes PPS-System auf ein PPS-Konzept oder aus einer Verknüpfung mehrerer Konzepte, deshalb werden in diesem Punkt einige PPS-Konzepte näher vorgestellt.5

Bei den verschiedenen PPS-Systemen unterscheidet man in der Regel zwischen traditionellen und neueren Konzepten, wobei man die neueren Ansätze wiederum in engpass- und bestandsorientierte Konzepte unterteilt.

Im Programmteil, den eigentlichen Planungsteil eines PPS-Systems, werden bei den traditionellen PPS-Systemen die einzelnen Teilbereiche sukzessiv und unabhängig voneinander geplant. Währenddessen man bei den neueren PPS-Systemen die gesamte Planung versucht zu verbessern, indem man die Rückkopplungen innerhalb des Systems und somit die Interdependenzen zwischen den Teilbereichen berücksichtigt.6

3.1 Aufgaben und Aufbau Traditioneller Konzepte

Wie eben schon kurz erwähnt, werden bei traditionellen PPS-Systemen die Planungsbereiche in einzelne Module zerlegt. In der Regel sind diese die Grunddatenverwaltung, Produktionsprogrammplanung, Mengenplanung, Termin- und Kapazitätsplanung, Werkstattsteuerung, Betriebsdatenerfassung und Vertriebssteuerung.7 Die Hauptaufgaben der Module werden in Tab.1 dargestellt und im weiteren Verlauf des Gliederungspunktes noch näher erklärt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: PPS-Module, nach Wöhe.

Quelle: Wöhe, G., (FN 6), S.364. (selbsterstellt)

In der Produktionsplanung und -steuerung sind zum Teil sehr umfassende und komplexe Datenbestände mit vielen Wechselbeziehungen zu führen, deshalb bildet die Grunddatenverwaltung den zentralen Kern eines PPS-Systems.8

Benötigte Daten sind z.B. absatzbezogene Daten (Kundenstammdaten, Auftragsbestand, Verkaufszahlen), beschaffungsbezogene Daten (Lieferkapazitäten, Lieferkonditionen), Teilestammdaten (techn. Daten der Produkte, wirtschaftliche Daten der Produktion), Erzeugnisstrukturdaten (Stücklisten, Rezepturen), Arbeitsplandaten (Betriebsmittelbedarf, Fertigungszeiten) und Betriebsmitteldaten (Kapazitäten, Rüstzeiten).9

Die Aufgabe der Produktionsprogrammplanung ist die Ermittlung des Primärbedarfs der Endprodukte.10 Hierbei legt man fest, wie die Produkte, die in der Unternehmung produziert werden sollen, von ihrer Art her beschaffen sein sollen und wann sie zu welchen Mengen angefertigt werden müssen.11

Diese Festlegung erfolgt unter Berücksichtigung von Nachfrageerwartungen.12 “Je nachdem, ob eine auftragsbezogene Fertigung oder eine anonyme Massenfertigung erfolgt, unterstützt die EDV die Planung des Produktionsprogramms durch Daten der Kundenauftragsverwaltung oder durch Absatzprognosen.“13

„Der Planungshorizont liegt üblicherweise zwischen 0,5 und 2 Jahren. Planungshorizont und -genauigkeit können in Abhängigkeit von den zu planenden Erzeugnissen und Komponenten jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.“14

Aus dem Primärbedarf an Endprodukten wird in der Mengenplanung der Bedarf an Zwischenprodukten und Werksstoffen ermittelt. In der Regel erfolgt dies mit der Hilfe von Stücklisten. Bei der Bestimmung des Bruttobedarfs wird der Gesamtbedarf festgelegt. Zieht man von diesen die bereits verfügbaren Lagerbestände ab, so erhält man den Nettobedarf. Darauf folgt die Ermittlung der optimalen Bestellmengen und Losgrößen der einzelnen Fertigungslose. Mit Abschluss dieser Phase sind die Größe des Fertigungsloses und die Dauer der Bearbeitung einzelner Fertigungslose festgelegt und somit die Grundlage für den nächsten Planungsschritt, der Terminplanung, geregelt.15

Bei traditionellen PPS-Systemen erfolgt der erste Versuch einer zeitlichen Zuordnung von einzelnen Arbeitsgängen und Ressourcen in der Termin- und Kapazitätsplanung. Deren Ausgangspunkt sind die geplanten Bearbeitungszeiten je Stück und die Rüstzeiten der Aufträge beziehungsweise Lose.16

Um die Aufträge durchführen zu können, geht man dabei von erwarteten Durchlaufzeiten aus. Diese beinhalten jedoch die größten Unsicherheiten im gesamten Planungskonzept, da sie sich teilweise aus kaum prognostizierbaren17 Bearbeitungs-, Warte- und Transportzeiten zusammensetzen.18

Bei dieser Abschätzung werden häufig Methoden der Netzplantechnik verwendet, man unterscheidet hierbei zwischen der Vorwärts- und Rückwärtsterminierung.19

“Im ersten Fall werden die Lose bzw. Aufträge von einem Startzeitpunkt aus nacheinander eingelastet, während man bei der Rückwärtsterminierung von ihren vorgegebenen Fertigstellungstermin ausgeht. Der sich so ergebene Kapazitätsbedarf muss dann mit dem vorhandenen Kapazitätsangebot in Übereinstimmung gebracht werden.“20 Stimmen diese nicht überein, kann das Überstunden für die Mitarbeiter, der Einsatz von Ausweichmaschinen oder eine Erhöhung der Produktionsintensität bedeuten. Im schlimmsten Fall müssen sogar einzelne Aufträge in die Zukunft verschoben werden. Das Resultat der Termin- und Kapazitätsplanung ist bei traditionellem PPS-System somit sehr kritisch zu betrachten, da es weit von einem perfekten Plan entfernt ist. Das Ziel besteht lediglich darin, einen Produktionsplan aus den vorhandenen Kapazitäten abzuleiten.21

“Je ungenauer dabei die Kapazitätsgrobplanung im Bereich der Produktionsprogrammplanung war, desto umfangreicher ist dann der Planungsaufwand im Rahmen des Kapazitätsabgleichs.“ 22

Die eigentliche Produktionsplanung ist mit der Durchführung der Termin- und Kapazitätsplanung abgeschlossen. Im Anschluss beginnt mit der Werkstattsteuerung die Produktionssteuerung eines PPS-Systems.23 Voraussetzung für die Auftragsfreigabe ist die Überprüfung, ob das benötigte Personal, Material und die Werkzeuge verfügbar sind.24 Ist das Resultat der Prüfung positiv, werden die Fertigungsaufträge freigegeben und in die Warteschlangen vor den Betriebsmitteln aufgereiht. Dafür erforderlich sind eine Reihenfolgeplanung der Aufträge und eine konkrete Terminierung, die bestimmt, wann genau die einzelnen Aufträge an welcher Maschine bearbeitet werden (Maschinenbelegungsplanung).25

Die Reihenfolge- und Maschinenbelegungsplanung erfolgt dem zu Folge nicht mehr im Rahmen des PPS-Systems, sondern außerhalb auf Meister- oder dispositiver Ebene und wird für einen kurzfristigen Planungszeitraum von höchstens ein bis zwei Wochen festgelegt.26

[...]


1 Vgl. Stein, Torsten (1996): PPS-Systeme und organisatorische Veränderungen, Berlin, S.1.

2 Vgl. Gottschalk, Eberhard (1989): Rechnergestützte Produktionsplanung und -steuerung, 1.Auflage, Berlin S.21.

3 Vgl. Fandel, Günter (1997): PPS- und integrierte betriebliche Softwaresysteme-Grundlagen, Methoden, Marktanalyse, 2.Auflage, Berlin , S. 1.

4 Vgl. Busch, Ullrich (1990): Entwicklung eines PPS-System, 3.Auflage, Berlin, S.19.

5 Vgl. Zelewski, Stephan; Hohmann, Susanne; Hügens, Torben(2008); Produktionplanungs- und steuerungssystem: Konzepte und exemplarische Implementierung mithilfe von SAP R/3, München, S.4.

6 Vgl. Wöhe, Günter (2008): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 23.Auflage, München, S.362 f.

7 Vgl. Ebenda, S.363 f.

8 Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/pps-system.html, verfügbar am 19.04.2010.

9 Vgl. Wöhe, G., (FN 6), S.365.

10 Vgl. Burchert, Heiko; Glöckner, Peter-Michael (2000): Logistik. Aufgaben und Lösungen, München, S.77

11 Vgl. http://www.comelio.com/technologie-beratung/pps/aufgaben, verfügbar am 19.04.2010.

12 Vgl. Küpper, Hans-Ullrich; Helber, Stefan (1995): Ablauforganisation in Produktion und Logistik, 2. Auflage, Stuttgart, S.284.

13 Wöhe, G., (FN 6), S.364..

14 Luczak, Holger; Eversheim, Walter (Hrsg.) (1999): Produktionsplanung und -steuerung; Grundlagen, Gestaltung und Konzepte, 2. Auflage, Berlin, S.31.

15 Vgl. Wöhe, G., (FN 6), S.364.

16 Vgl. Küpper, H. ; Helber, S. (FN 12), S.286.

17 Vgl. Wöhe, G., (FN 6), S.365.

18 Vgl. Küpper, H. ; Helber, S. (FN 12): S.286 f.

19 Vgl. Ebenda, S.287.

20 Ebenda, S.287.

21 Vgl. Wöhe, G., (FN 6), S.365.

22 Ebenda, S.365.

23 Vgl. Wöhe, G., (FN 6), S.366.

24 Vgl. Küpper, H. ; Helber, S. (FN 12), S.288.

25 Vgl. Burchert, H.; Glöckner, P. (FN 10), S.78 f.

26 Vgl. Wöhe, G., (FN 6), S.366.

Details

Seiten
26
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640918829
ISBN (Buch)
9783640918577
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v172100
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
belastungsorientierte auftragsfreigabe pps-system können hilfe ziele

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