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Textkritik zu Kymlickas "freedom and culture"

Rezension / Literaturbericht 2010 3 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Textkritik zu Kymlickas freedom and culture

Kymlickas Ansatz zu der Frage nach minority rights beruht auf dem Liberalismus. Liberalis- mus bedeutet gemäss Kymlicka, dass die individuelle Freiheit gesichert werden soll. Dies beinhalte zwei Aspekte: Erstens die Freiheit, nach unseren Ansichten leben zu dürfen („to lead our lives from the inside“, S. 81), woraus die Wichtigkeit der Privatheit für Liberalisten resultiert. Zweitens die Freiheit, unsere Ansichten hinterfragen und ändern zu können, was voraussetzt, dass es einen freien Zugang zu Informationen gibt. Daraus resultiert die Wichtig- keit von Bildung, vom Recht auf Meinungsfreiheit und freedom of association für Liberalis- ten.1

Kymlicka setzt nun die Wahlmöglichkeiten, aus denen ein Individuum frei wählen kann, also die liberalistischen Grundidee, mit Kultur in Verbindung. Seine These ist, dass sogenannte societal cultures, die identitätsstiftend wirken, die Wahlmöglichkeiten für die Individuen in- nerhalb der gegebenen societal culture nicht nur vorgeben, sondern auch erst bedeutungsvoll machen für die Individuen, und somit diese nur innerhalb einer solchen Kultur frei wählen können.2

Kymlicka wirft davon ausgehend drei Fragen auf:

- Sind die individuellen Wahlmöglichkeiten an die eigene Kultur gebunden, oder reicht Zugang zu irgendeiner societal culture ?
- Wenn die Antwort auf die erste Frage ersteres ist, sollte dann Immigranten gewährt werden, ihre eigene societal culture im Einwanderungsland zu rekreieren?
- Wie sollte mit einer societal culture umgegangen werden, welche die individuelle freie Wahl unterdrückt, also anti-liberal aufgebaut ist?

Kymlickas Antwort auf die erste Frage ist, dass die eigene Kultur massgebend ist. Er begrün- det dies dadurch, dass es nur schon durch die Grenzen der Sprache kulturelle Bindungen gibt, die zu stark sind um sie zu brechen. Das heisst für ihn, dass von Leuten eigentlich erwartet wird, ihr ganzes Leben in der gleichen Kultur und Gesellscahft zu verbringen. So sei z.B. die Aufgabe des Zugangs zur eigenen societal culture bei Auswanderern ähnlich gravierend wie das Aufsichnehmen eines Armutsschwures - es ist möglich, so zu leben, aber sicher nicht wünschenswert. Ebenso gilt für Leute, die gegen ihren Willen aus der eigenen societal culture gerissen werden, wie Flüchtlinge, dass der Zugang zu ihrer Kultur gleich wichtig ist wie Zu-gang zu genug Essen und Trinken etc

[...]


1 Vgl. S. 75f., S. 80-82.

2 Vgl. S. 76-80, 82-84.

Details

Seiten
3
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640914951
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v171899
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Philosophisches Seminar
Schlagworte
textkritik kymlickas

Autor

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Titel: Textkritik zu Kymlickas "freedom and culture"